{"id":643174,"date":"2025-12-13T08:36:22","date_gmt":"2025-12-13T08:36:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/643174\/"},"modified":"2025-12-13T08:36:22","modified_gmt":"2025-12-13T08:36:22","slug":"warum-homosexuelle-in-frankreich-mit-den-gruenen-und-linken-brechen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/643174\/","title":{"rendered":"Warum Homosexuelle in Frankreich mit den Gr\u00fcnen und Linken brechen"},"content":{"rendered":"<p>Nach der Aufl\u00f6sung des Parlaments im Sommer der woken Olympischen Spiele bastelten sich die zerstrittenen Linksparteien eine \u00abNeue Volksfront\u00bb zurecht. Dank des \u00abrepublikanischen Reflexes\u00bb gegen den Faschismus \u2013 der Brandmauer \u2013 erhielten sie im Parlament eine relative Mehrheit. Als Nachfolgerin des homosexuellen Premierministers Gabriel Attal wollten sie die parteilose Lesbe Lucie Castets einsetzen, eine Spitzenbeamtin im Pariser Rathaus.<\/p>\n<p>Die Idee stammte von Marine Tondelier, der Parteipr\u00e4sidentin der Gr\u00fcnen, die bei der Europawahl im Juni 2024 von 13,5 auf 5,5 Prozent abgest\u00fcrzt waren. Tondelier hat ihre gesamte politische Karriere gegen Marine Le Pen gef\u00fchrt \u2013 in deren Wahlkreis sie lebt.<\/p>\n<p>Emmanuel Macron lehnte ab und ernannte stattdessen den b\u00fcrgerlichen Michel Barnier zum Regierungschef. Der erste Einwand der Linken: Barnier habe 1981 im Parlament gegen die \u00abBefreiung\u00bb der Homosexualit\u00e4t gestimmt. Das taten damals s\u00e4mtliche Abgeordneten seiner Partei, der gaullistischen Republikaner.<\/p>\n<p>Zudem ging es gar nicht um eine \u00abBefreiung\u00bb der Homosexualit\u00e4t: Sie war in Frankreich nie verboten. Es ging lediglich um die Angleichung des Schutzalters f\u00fcr sexuelle Beziehungen. Diesen Unterschied hatte die letzte Regierung vor dem Krieg geplant, P\u00e9tain umgesetzt und de Gaulle beibehalten. Anlass waren die Zust\u00e4nde in der Marine. Im \u00dcbrigen spielten<\/p>\n<p>Homosexuelle im Vichy-Regime und in der Kollaboration eine \u00fcberaus aktive Rolle \u2013 Jean-Paul Sartre hat das drastisch beschrieben.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnen verstehen sich als Partei der Minderheiten, ihrer Emanzipation und Gleichstellung. Ihr Aush\u00e4ngeschild Sandrine Rousseau pr\u00e4sentiert ihren Ehemann in den Medien als \u00abdekonstruierten Mann\u00bb. Ihren Fraktionschef im Parlament, Julien Bayou, liessen sie nach Vorw\u00fcrfen psychischen Missbrauchs seiner Lebensgef\u00e4hrtin gnadenlos fallen. Vom Gericht wurde er freigesprochen, von der Partei nie rehabilitiert.<\/p>\n<p>Nun ersch\u00fcttert ein neuer Fall gr\u00fcner Doppelmoral die Partei und die Neue Volksfront. Schauplatz ist Saint-Ouen, eine Vorstadt von Paris. Im M\u00e4rz finden landesweit Kommunalwahlen statt. Als Spitzenkandidatin der Gr\u00fcnen wurde die lokal beliebte und verankerte Sabrina Decanton nominiert. Vor wenigen Tagen warf sie das Handtuch: Sie sei Opfer einer homophoben Kampagne geworden, als \u00abnicht ganz ideale\u00bb Kandidatin werde sie gemobbt.<\/p>\n<p>Nicht von der Bev\u00f6lkerung \u2013 sondern aus der eigenen Partei. Aus Angst, ihr w\u00fcrden die Stimmen der Muslime fehlen. Mit ihnen will Jean-Luc M\u00e9lenchon 2027 in die Stichwahl kommen. Ein Duell mit den \u00abNeofaschisten\u00bb Marine Le Pen oder Jordan Bardella ist seine einzige Chance. Wenn in der Banlieue oder in der Provinz im Rudel auf Homosexuelle eingedroschen wird, sind f\u00fcr die Linke stets die \u00abRechtsextremisten\u00bb verantwortlich. \u00abDie Homophobie ist in der Banlieue nicht st\u00e4rker verbreitet als in Versailles\u00bb, der Hochburg der Katholiken, liess die gecancelte Sabrina Decanton verlauten.<\/p>\n<p>Soziologen und Demoskopen sehen das anders. 63 Prozent der gl\u00e4ubigen Muslime halten Homosexualit\u00e4t f\u00fcr eine \u00abKrankheit\u00bb oder \u00abPerversion\u00bb. So war es einst auch in den westlichen Gesellschaften. Inzwischen teilen nur noch 14 Prozent der Katholiken diese Vorurteile. F\u00fcr 85 Prozent der Franzosen ist Homosexualit\u00e4t heute eine Variante menschlicher Sexualit\u00e4t. Die Emanzipation ist vollzogen: Homosexualit\u00e4t ist banal und normal. Und das ist gut so.<\/p>\n<p>Die einst militante Minderheit ist pragmatisch geworden. Sie hat die Gleichberechtigung erk\u00e4mpft \u2013 nun geht es ihr um Sicherheit. Die Frauenzeitschrift Elle befasst sich mit dem Ph\u00e4nomen unter dem Titel: \u00abHomo electus\u00bb. Er w\u00e4hlt Marine Le Pen oder Jordan Bardella. Beide liegen bei den homosexuellen W\u00e4hlern mit jeweils rund 30 Prozent an der Spitze. Die Werte liegen nur knapp unter dem nationalen Durchschnitt.<\/p>\n<p>Unter Berufung auf T\u00eatu, das streitbare Magazin der homosexuellen Emanzipation, und auf Aussagen namentlich genannter RN-Prominenter rechnet Elle vor: Zwischen 30 und 35 der 82 m\u00e4nnlichen Abgeordneten des Rassemblement National seien homosexuell. S\u00e9bastien Chenu, einer von ihnen, erkl\u00e4rt diese Affinit\u00e4t nicht nur mit der Homophobie des Islams, sondern auch mit der gemeinsamen Erfahrung der Ausgrenzung: Homosexuelle w\u00fcssten, was es heisst, wegen ihres Sexualverhaltens oder ihrer Herkunft systematisch stigmatisiert zu werden. Marine Le Pen habe mutig mit ihrem Vater und dessen homophoben Vorurteilen gebrochen.<\/p>\n<p>Ebenso mit seinen antisemitischen Provokationen. Sie warf ihn aus der Partei. Das Resultat: Nach den Juden, die von Linken und Gr\u00fcnen zu neuen Nazis erkl\u00e4rt werden, die angeblich einen Genozid ver\u00fcben, w\u00e4hlen nun auch Homosexuelle den RN.<\/p>\n<p>Der Neuen Volksfront droht derweil der Zerfall. Lucie Castets ist von der Bildfl\u00e4che verschwunden. Sophia Chikirou, Lebensgef\u00e4hrtin von Parteichef Jean-Luc M\u00e9lenchon, kandidiert im feinen sechsten Arrondissement von Paris f\u00fcr das Stadtpr\u00e4sidium. Gewinnen kann sie nicht \u2013 ihr erkl\u00e4rtes Ziel ist es, den Sieg der Sozialisten zu verhindern.<\/p>\n<p>Homosexuelle hat die Tochter algerischer Einwanderer auch schon als \u00abScheiss-Schwuchteln\u00bb beschimpft. Nur vier von 195 Abgeordneten der Neuen Volksfront w\u00fcrden sich offen als homosexuell bezeichnen, schreibt T\u00eatu.<\/p>\n<p>\u00abWir m\u00fcssen die LGBT-Frage wieder politisieren\u00bb, fordert ein Sprecher der Gr\u00fcnen. Im Parlament unterst\u00fctzen sie die finanzielle Entsch\u00e4digung von Homosexuellen f\u00fcr das Unrecht, das sie unter Vichy erlitten h\u00e4tten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nach der Aufl\u00f6sung des Parlaments im Sommer der woken Olympischen Spiele bastelten sich die zerstrittenen Linksparteien eine \u00abNeue&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":643175,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3974],"tags":[331,332,548,663,3934,3980,156,1724,13,47800,14,15,5566,16,12,4672],"class_list":{"0":"post-643174","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-frankreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europe","13":"tag-france","14":"tag-frankreich","15":"tag-gesellschaft","16":"tag-headlines","17":"tag-kontroversen","18":"tag-nachrichten","19":"tag-news","20":"tag-parteien","21":"tag-politik","22":"tag-schlagzeilen","23":"tag-wahlen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115711350108189905","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/643174","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=643174"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/643174\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/643175"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=643174"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=643174"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=643174"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}