{"id":643314,"date":"2025-12-13T10:17:28","date_gmt":"2025-12-13T10:17:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/643314\/"},"modified":"2025-12-13T10:17:28","modified_gmt":"2025-12-13T10:17:28","slug":"neue-zollunion-mit-der-eu-brexit-debatte-in-grossbritannien-eskaliert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/643314\/","title":{"rendered":"Neue Zollunion mit der EU? Brexit-Debatte in Gro\u00dfbritannien eskaliert"},"content":{"rendered":"<p>Die Brexit-Debatte gewinnt in Gro\u00dfbritannien <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/business\/2025\/12\/04\/brexit-grossbritannien-wachstum\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>erneut an Fahrt<\/strong><\/a>, nachdem mehr als 100 Abgeordnete einen von den zentristischen Liberaldemokraten eingebrachten Gesetzentwurf unterst\u00fctzt haben. Die Partei \u2013 drittst\u00e4rkste Kraft im britischen Parlament \u2013 fordert darin eine ma\u00dfgeschneiderte Zollunion zwischen dem Vereinigten K\u00f6nigreich und der EU.<\/p>\n<p>Nach Ansicht der Liberaldemokraten w\u00fcrde eine solche Vereinbarung die Zollverfahren harmonisieren und damit B\u00fcrokratie sowie <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/my-europe\/2024\/04\/30\/nach-dem-brexit-preiserhohungen-in-grossbritannien-zu-erwarten\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Handelsh\u00fcrden<\/strong> <\/a>auf beiden Seiten abbauen.<\/p>\n<p>Damit der Entwurf Gesetz werden kann, m\u00fcsste ihn jedoch die Regierung unterst\u00fctzen. Trotz der Zustimmung eines Dutzends Labour-Abgeordneter ist das derzeit eher unwahrscheinlich. Premierminister Keir Starmer hat einen Wiedereintritt in eine formelle oder ma\u00dfgeschneiderte Zollunion ausgeschlossen. Ein solches Abkommen, so seine Argumentation, w\u00fcrde bestehende Handelsvertr\u00e4ge des Vereinigten K\u00f6nigreichs \u2013 etwa mit den USA \u2013 gef\u00e4hrden.<\/p>\n<p><strong>Belastete Beziehungen<\/strong><\/p>\n<p>Ende Dezember 2020 verlie\u00df Gro\u00dfbritannien offiziell die EU-Zollunion und den Binnenmarkt und unterzeichnete das Handels- und Kooperationsabkommen \u2013 mehr als vier Jahre nach dem Brexit-Referendum. Seither gelten f\u00fcr Warenhandel zwischen der EU und dem Vereinigten K\u00f6nigreich Nullz\u00f6lle, sofern die Ursprungsregeln erf\u00fcllt werden. Dennoch bleiben eine Reihe regulatorischer und <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2022\/11\/14\/die-briten-und-der-brexit-zuruck-in-zollunion-und-binnenmarkt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>zollrechtlicher Kontrollen<\/strong><\/a> bestehen. Einige Kontrollen wurden zudem einseitig ausgesetzt.<\/p>\n<p>Um die durch konservative Regierungen belasteten Beziehungen zu verbessern, verst\u00e4ndigten sich London und Br\u00fcssel im Mai im Rahmen des \u201eEU\u2013Britain Reset\u201c auf mehrere Ma\u00dfnahmen, darunter ein Pflanzenschutzabkommen zur Reduzierung von Lebensmittelkontrollen.<\/p>\n<p>Der Liberaldemokrat Al Pinkerton, der den Gesetzentwurf am Dienstag vorlegte, argumentiert, sein Vorschlag w\u00fcrde britische Unternehmen vor einer regelrechten Flut zus\u00e4tzlichen Papierkrams bewahren. \u201eBritische Unternehmen betteln darum\u201c, sagte er gegen\u00fcber dem Euronews-Faktencheck-Team The Cube. Seit 2021 seien zwei Milliarden zus\u00e4tzliche Dokumente angefallen \u2013 mit Mehrkosten in Millionenh\u00f6he.<\/p>\n<p>Auch europ\u00e4ische Firmen h\u00e4tten ihm \u201esehr positives\u201c Feedback gegeben, da sie ihrerseits unter h\u00f6heren Kosten durch die Grenzkontrollen nach dem Brexit litten. Mit dem Entwurf wolle er die Regierung \u201ezwingen, einen Verhandlungsprozess einzuleiten\u201c, der zu einem neuen, ma\u00dfgeschneiderten Abkommen mit Br\u00fcssel f\u00fchren k\u00f6nnte. Die durch den Vorschlag ausgel\u00f6ste \u00f6ffentliche Debatte ermutige ihn sehr, so Pinkerton.<\/p>\n<p><strong>Vorteile durch Zollunion?<\/strong><\/p>\n<p>\u00d6konomen sind uneins dar\u00fcber, welchen Nutzen eine neue Zollunion h\u00e4tte. Unklar bleibt zudem, welche genaue Ausgestaltung die Liberaldemokraten anstreben. Die Partei sch\u00e4tzt, das britische BIP k\u00f6nnte um 2,2 % wachsen und zus\u00e4tzliche Steuereinnahmen von rund 25 Milliarden Pfund (28,5 Milliarden Euro) generiert werden \u2013 eine grobe Zahl, da der genaue Rahmen noch nicht feststeht.<\/p>\n<p>Jonathan Portes, Professor f\u00fcr Wirtschaft und \u00f6ffentliche Ordnung am King\u2019s College London, h\u00e4lt diese Sch\u00e4tzung nicht f\u00fcr unrealistisch. Sie basiere auf pre-Brexit-Modellen, die prognostizierten, dass der Austritt aus der Zollunion das Vereinigte K\u00f6nigreich rund ein Prozent des BIP koste. Den Gedanken, man k\u00f6nne eine vorteilhafte Zollunion \u201erelativ einfach\u201c aushandeln, bezeichnet er jedoch als \u201eFantasie\u201c.<\/p>\n<p>Wie gro\u00df die Vorteile w\u00e4ren, hinge stark vom konkreten Design ab. Ein Modell \u00e4hnlich der Zollunion zwischen der EU und der T\u00fcrkei \u2013 zollfreier Handel mit den meisten Industrieg\u00fctern, aber nicht in allen Bereichen \u2013 h\u00e4tte laut Portes Vor- und Nachteile. Die T\u00fcrkei muss EU-Regeln \u00fcbernehmen, profitiert jedoch nicht automatisch von EU-Freihandelsabkommen. Eine solche Regelung w\u00e4re f\u00fcr Gro\u00dfbritannien politisch schwer vermittelbar.<\/p>\n<p>Gleichzeitig w\u00e4re der Nutzen f\u00fcr die EU eher begrenzt. \u201eDer Handel zwischen der EU und Gro\u00dfbritannien ist bereits tief integriert, und es gibt kaum interne Barrieren, die eine Zollunion entscheidend abbauen w\u00fcrde\u201c, sagte Fabian Zuleeg, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des European Policy Centre. Die EU h\u00e4tte zwar gewisse Vorteile, doch das Vereinigte K\u00f6nigreich w\u00fcrde st\u00e4rker profitieren \u2013 was die Bereitschaft der EU d\u00e4mpfen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><strong>W\u00fcrde die EU zustimmen?<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Brexit-Verhandlungen 2017\u20132019 hatten EU-Offizielle stets betont, Gro\u00dfbritannien k\u00f6nne sich au\u00dferhalb der EU keine exklusiven Vorteile sichern. Heute sind die Beziehungen <a href=\"https:\/\/www.bruegel.org\/newsletter\/how-has-19-may-summit-changed-eu-uk-relations\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>entspannter<\/strong> <\/a>\u2013 was der deutsche SPD-Europaabgeordnete Ren\u00e9 Repasi vor allem dem Regierungswechsel in London zuschreibt. Die Labour-Regierung trete deutlich seri\u00f6ser auf und erm\u00f6gliche konstruktive Gespr\u00e4che.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich stehe die EU einer engeren Integration Gro\u00dfbritanniens offen gegen\u00fcber, so Repasi. Ein Sonderstatus lasse sich jedoch politisch schwer rechtfertigen \u2013 entscheidend seien daher die Details. Ein Sprecher der Europ\u00e4ischen Kommission wollte sich zu einem hypothetischen Abkommen nicht \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Brexit-Debatte gewinnt in Gro\u00dfbritannien erneut an Fahrt, nachdem mehr als 100 Abgeordnete einen von den zentristischen Liberaldemokraten&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":643315,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3976],"tags":[331,332,13935,158,13,14,15,12,134894,3992,3993,3994,3995,3996,3997],"class_list":{"0":"post-643314","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-vereinigtes-koenigreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-brexit","11":"tag-europaeische-union","12":"tag-headlines","13":"tag-nachrichten","14":"tag-news","15":"tag-schlagzeilen","16":"tag-thecube","17":"tag-uk","18":"tag-united-kingdom","19":"tag-united-kingdom-of-great-britain-and-northern-ireland","20":"tag-vereinigtes-koenigreich","21":"tag-vereinigtes-koenigreich-grossbritannien-und-nordirland","22":"tag-vereinigtes-koenigreich-von-grossbritannien-und-nordirland"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115711747238887114","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/643314","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=643314"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/643314\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/643315"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=643314"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=643314"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=643314"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}