{"id":6446,"date":"2025-04-04T01:43:10","date_gmt":"2025-04-04T01:43:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/6446\/"},"modified":"2025-04-04T01:43:10","modified_gmt":"2025-04-04T01:43:10","slug":"herpes-zoster-vakzin-senkt-das-demenzrisiko-um-20","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/6446\/","title":{"rendered":"Herpes-zoster-Vakzin senkt das Demenzrisiko um 20%"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Impfung gegen Herpes zoster, besser bekannt als G\u00fcrtelrose, k\u00f6nnte einen zus\u00e4tzlichen gesundheitlichen Nutzen haben: Sie scheint das Risiko f\u00fcr Demenz zu senken \u2013 zumindest bei Frauen. Darauf weist eine aktuelle Studie aus dem Vereinigten K\u00f6nigreich hin, die in\u00a0Nature\u00a0ver\u00f6ffentlicht worden ist\u00a0[<a onclick=\"showToolTip(this, &#039;references&#039;, 1);\" href=\"https:\/\/deutsch.medscape.com\/artikelansicht\/javascript:void(0);\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">1<\/a>].<\/p>\n<p>Die Forschenden analysierten Gesundheitsdaten von 80-j\u00e4hrigen Menschen in Wales \u2013 und zwar vor und nach Einf\u00fchrung der Herpes-zoster-Impfung. Ihr Ergebnis: Das relative Risiko einer Demenzdiagnosen sank in der geimpften Gruppe um 20%.\u00a0<\/p>\n<p>\u201eDie aktuelle Studie best\u00e4tigt fr\u00fchere Beobachtungen, dass Personen, die eine Zoster-Impfung erhalten haben, seltener eine Demenz entwickeln\u201c, kommentiert\u00a0<b>Prof. Dr. Peter Berlit<\/b>. Er ist Generalsekret\u00e4r der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Neurologie und niedergelassener Neurologe aus Essen. Allerdings seien in den bisherigen, registerbasierten Assoziationsstudien Personen mit Impfung mit Ungeimpften verglichen worden, ohne m\u00f6gliche demenzbezogene individuelle Unterschiede ber\u00fccksichtigen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\n        \u00a0\n       <\/p>\n<p>Die aktuelle Studie best\u00e4tigt fr\u00fchere Beobachtungen, dass Personen, die eine Zoster-Impfung erhalten haben, seltener eine Demenz entwickeln.<br \/>\n       Prof. Dr. Peter Berlit <\/p>\n<p>\n        \u00a0\n       <\/p>\n<p>Zum Hintergrund: Im Jahr 2013 ergab sich f\u00fcr Forschende eine einzigartige Chance. Mit der Einf\u00fchrung der Herpes-zoster-Impfung in Wales bot sich erstmals die M\u00f6glichkeit, den Zusammenhang zwischen der Impfung und dem Demenzrisiko im Rahmen eines nat\u00fcrlichen Experiments zu untersuchen.\u00a0<\/p>\n<p>Anders als in rein beobachtenden Studien konnten die Wissenschaftler dadurch kausale Hinweise statt blo\u00dfer Korrelationen gewinnen \u2013 ein bedeutender Schritt in der Erforschung m\u00f6glicher pr\u00e4ventiver Effekte der Impfung.<\/p>\n<p>       <b>Wales: Einf\u00fchrung der Zoster-Impfung schuf Grundlagen f\u00fcr ein nat\u00fcrliches Experiment<\/b>  <\/p>\n<p>\u201eWir nutzten die Tatsache, dass in Wales die Anspruchsberechtigung f\u00fcr den Zoster-Impfstoff auf Grundlage des genauen Geburtsdatums einer Person bestimmt wurde\u201c, schreiben die Studienautoren um\u00a0<b>Dr. Markus Eyting<\/b>\u00a0von der Division of Primary Care and Population Health der Stanford University, Stanford, USA, und dem Leibniz-Institut f\u00fcr Finanzmarktforschung SAFE in Frankfurt am Main.\u00a0<\/p>\n<p>Personen, die vor dem 2. September 1933 geboren wurden, waren nicht impfberechtigt und blieben dauerhaft vom Impfprogramm ausgeschlossen. Wer hingegen am oder nach dem 2. September 1933 geboren wurde, hatte f\u00fcr mindestens 1 Jahr Anspruch auf die Herpes-zoster-Impfung.\u00a0<\/p>\n<p>In der aktuellen Studie wurden somit 2 nahezu identische Gruppen von 80-J\u00e4hrigen miteinander verglichen, die sich nur dadurch unterschieden, dass sie entweder in der Woche vor oder in der Woche nach dem Stichtag zur Welt gekommen waren. \u201eDie Autorengruppe geht zu Recht davon aus, dass sich demenzrelevante Einflussfaktoren praktisch ausschlie\u00dfen lassen, zumal die Gesundheitsdaten der Kollektive ber\u00fccksichtigt wurden und eine Regressionsanalyse erfolgte\u201c, kommentiert Berlit.<\/p>\n<p>Bei den 80-j\u00e4hrigen Personen, die in der Woche vor dem 2. September 1933 geboren wurden, lag die Impfquote gegen Herpes zoster praktisch bei 0% \u2013 konkret bei 0,01\u202f%. Ganz anders sah es in der Gruppe aus, die eine Woche sp\u00e4ter geboren wurde: Hier wurden fast die H\u00e4lfte (47,2\u202f%) geimpft. Verwendet wurde damals der inzwischen nicht mehr gebr\u00e4uchliche Lebendimpfstoff gegen Herpes zoster<\/p>\n<p>       <b>Von der Schutzwirkung profitieren vor allem Frauen<\/b>  <\/p>\n<p>Forscher haben beide\u00a0Geburtsgruppen \u00fcber einen Zeitraum von 7 Jahren nachbeobachtet, um festzustellen, ob eine Demenzdiagnose gestellt wurde. Das Ergebnis: Insgesamt sank die Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken, in der geimpften Gruppe um 3,5 Prozentpunkte \u2013 das entspricht einer relativen Risikoreduktion von 20%.<\/p>\n<p>Der Schutzeffekt zeigte sich jedoch deutlich geschlechtsspezifisch: Bei Frauen reduzierte die Impfung das Demenzrisiko um 5,6 Prozentpunkte, w\u00e4hrend bei M\u00e4nnern kein signifikanter Effekt beobachtet wurde (-0,1 Prozentpunkte).\u00a0<\/p>\n<p>\u201eVor dem Hintergrund, dass Zoster-Erkrankungen bei Frauen h\u00e4ufiger und fr\u00fcher auftreten als bei M\u00e4nnern, k\u00f6nnte diese Beobachtung ein erster Hinweis auf die biologischen Grundlagen des zugrundeliegenden antidemenziellen Effektes sein\u201c, kommentiert\u00a0<b>Prof. Hartmut Hengel<\/b>, Direktor des Instituts f\u00fcr Virologie am Universit\u00e4tsklinikum Freiburg und Mitglied der Arbeitsgruppe Zoster der St\u00e4ndigen Impfkommission (STIKO).\u00a0<\/p>\n<p>Was in der Studie fehle, so Hengel, sei die Messung anderer neurodegenerativer Diagnosen nach Zoster-Impfung wie beispielsweise Parkinson oder Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). Zudem sei, erg\u00e4nzt Berlit, auch keine Differenzierung der Demenzdiagnosen erfolgt: \u201eDas hei\u00dft, eine Aussage dezidiert zu Alzheimer ist nicht m\u00f6glich.\u201c<\/p>\n<p>Die Studienautoren werten ihre Ergebnisse als deutlichen Hinweis auf eine Schutzwirkung der Herpes-zoster-Impfung \u2013 sei es in Form einer Verz\u00f6gerung oder sogar Verhinderung des Auftretens von Demenz. \u201eDurch die Nutzung eines einzigartigen nat\u00fcrlichen Experiments liefert unsere Studie Evidenz f\u00fcr einen demenzverhindernden oder demenzverz\u00f6gernden Effekt der Herpes-zoster-Impfung, die weniger anf\u00e4llig f\u00fcr St\u00f6rfaktoren und Verzerrungen ist als die bisherige korrelative Evidenz\u201c, schreiben sie.\u00a0<\/p>\n<p>       <b>Daten best\u00e4tigen Hinweise aus fr\u00fcheren Studien<\/b>  <\/p>\n<p>Hengel sieht den Mehrwert der Untersuchung vor allem in ihrem best\u00e4tigenden Charakter. Dass eine Impfung gegen Herpes zoster die H\u00e4ufigkeit von Demenzdiagnosen reduziert, hatte im vergangenen Jahr auch eine Arbeitsgruppe um\u00a0<b>Dr. Maxime Taquet<\/b>\u00a0von der University of Oxford, Oxford, Gro\u00dfbritannien, anhand einer Studienkohorte mit US-Krankenversicherten\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41591-024-03201-5\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">gezeigt<\/a>.<\/p>\n<p>Er betont aber, dass die Qualit\u00e4t der Analysen und der Daten der aktuellen Untersuchung h\u00f6her einzusch\u00e4tzen sei, da die Autoren im Verlauf des \u00fcber einj\u00e4hrigen Revisionsprozesses ihrer Studie verschiedene denkbare St\u00f6rfaktoren und Selektionsfehler in dem von ihnen gew\u00e4hlten Studienansatz ausgeschlossen h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Hinsichtlich der Ursache f\u00fcr die Schutzwirkung der Zoster-Impfung sind 2 Thesen plausibel: Einerseits k\u00f6nnte die Impfung durch die Verhinderung der G\u00fcrtelrose-Erkrankung und der Reaktivierung des inaktiven Virus im K\u00f6rper vor Demenz sch\u00fctzen. Andererseits k\u00f6nnte auch ein virusunabh\u00e4ngiger Off-Target-Effekt des Impfstoffs das Immunsystem modulieren und somit die Demenzerkrankung beeinflussen.<\/p>\n<p>       <b>M\u00f6glicherweise wirkt der Totimpfstoff besser als der Lebendimpfstoff<\/b>  <\/p>\n<p>Hengel: \u201eIn Verbindung mit der fr\u00fcheren Arbeit von Taquet et al. erscheint eine direkte Beziehung der Infektion mit dem Varizella-Zoster-Virus und der Gehirnalterung beziehungsweise Demenzentwicklung durchaus wahrscheinlich.\u201c<\/p>\n<p>\n        \u00a0\n       <\/p>\n<p>Eine direkte Beziehung der Infektion mit dem Varizella-Zoster-Virus und der Gehirnalterung beziehungsweise Demenzentwicklung erscheint durchaus wahrscheinlich.<br \/>\n       Prof. Hartmut Hengel <\/p>\n<p>\n        \u00a0\n       <\/p>\n<p>Die Gruppe um Taquet hatte n\u00e4mlich die beiden immunologisch sehr unterschiedlichen Zosterimpfstoffe analysiert. Zwar wiesen beide einen Schutzeffekt gegen Demenz auf, der aber unterschiedlich stark war. \u201eDie bekannterma\u00dfen bessere Schutzwirkung des adjuvantierten Totimpfstoffs gegen G\u00fcrtelrose korrelierte mit einer besseren Schutzwirkung gegen die Demenz, was einen direkten Zusammenhang von Varizella-Zoster-Virus-Infektion und Demenz nahelegt\u201c, so Hengel.<\/p>\n<p>In Deutschland wird von der St\u00e4ndigen Impfkommission (STIKO) seit dem Jahr 2018 der neue Herpes-Zoster-Totimpfstoff (Shingrix) f\u00fcr alle Menschen ab 60 Jahren und f\u00fcr Risikogruppen ab 50 Jahren\u00a0<a href=\"https:\/\/www.rki.de\/SharedDocs\/FAQs\/DE\/Herpes_zoster\/FAQ-Liste.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">empfohlen<\/a>. Seit dem Jahr 2013 war der Lebendimpfstoff Zostavax in Deutschland erh\u00e4ltlich, dessen Effekt auch in der Studie untersucht worden ist.\u00a0<\/p>\n<p>       <b>M\u00f6glicher Demenzschutz als weiteres Argument f\u00fcr die Impfung<\/b>  <\/p>\n<p>Berlit: \u201eDie Effektst\u00e4rke der Impfung auf das Verhindern oder Verz\u00f6gern einer Demenz ist so gro\u00df, dass dies ein Argument f\u00fcr die Impfung \u00fcber den Schutz vor einer G\u00fcrtelrose hinaus ist.\u00a0Es ist zu diskutieren, ob nicht generell die Impfung ab 50 Jahren zumindest f\u00fcr Frauen empfohlen werden sollte.\u201c<\/p>\n<p>\n        \u00a0\n       <\/p>\n<p>Die Effektst\u00e4rke der Impfung auf das Verhindern oder Verz\u00f6gern einer Demenz ist &#8230; ein Argument f\u00fcr die Impfung \u00fcber den Schutz vor einer G\u00fcrtelrose hinaus.<br \/>\n       Prof. Dr. Peter Berlit <\/p>\n<p>\n        \u00a0\n       <\/p>\n<p>Und gute Argumente scheinen dringend erforderlich: \u201eBedauerlicherweise sind die Impfraten der Zoster-Impfung in Deutschland unbefriedigend niedrig \u2013 im Bereich von 11,5% bei der 1. Dosis bzw. 7,7% bei der 1. Dosis\u201c, so Hengel. \u201eEs ist daher zu hoffen, dass sich der best\u00e4tigende Befund einer Schutzwirkung der Zoster-Impfung gegen Demenz g\u00fcnstig auf die Inanspruchnahme der Zoster-Impfung auswirkt.\u201c<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Impfung gegen Herpes zoster, besser bekannt als G\u00fcrtelrose, k\u00f6nnte einen zus\u00e4tzlichen gesundheitlichen Nutzen haben: Sie scheint das&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":6447,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[137],"tags":[5546,29,30,141,232,5547],"class_list":{"0":"post-6446","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gesundheit","8":"tag-alzheimer-krankheit-alzheimersche-krankheit","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-gesundheit","12":"tag-health","13":"tag-herpes-zoster-guertelrose"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114277161583778131","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6446","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6446"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6446\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6447"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6446"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6446"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6446"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}