{"id":644743,"date":"2025-12-14T03:45:19","date_gmt":"2025-12-14T03:45:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/644743\/"},"modified":"2025-12-14T03:45:19","modified_gmt":"2025-12-14T03:45:19","slug":"mannheim-soziales-cafe-kupfer-unterstuetzt-armutsbetroffene-mannheim-und-metropolregion-rhein-neckar-nachrichten-und-aktuelles","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/644743\/","title":{"rendered":"Mannheim: Soziales &#8222;Caf\u00e9 Kupfer&#8220; unterst\u00fctzt Armutsbetroffene &#8211; Mannheim und Metropolregion Rhein-Neckar &#8211; Nachrichten und Aktuelles"},"content":{"rendered":"<p class=\"autor\">Von Marco Partner<\/p>\n<p>Mannheim. <a href=\"https:\/\/www.ausweg-rhein-neckar.de\/seite\/770342\/kupfer.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Das Caf\u00e9 Kupfer in der Neckarstadt-West<\/a> wird von Menschen gef\u00fchrt, die das Gef\u00fchl kennen, am Existenzminimum zu leben. Mit Beratung bei einer Tasse Kaffee, sich entwickelnden Freundschaften und gegenseitiger Unterst\u00fctzung ist es ein offener Treff f\u00fcr Armutsbetroffene. Aber auch nicht in prek\u00e4ren Verh\u00e4ltnissen lebenden G\u00e4sten hilft es, Hemmschwellen, Ber\u00fchrungs\u00e4ngste und Vorurteile abzubauen.<\/p>\n<p>Manche Besucher r\u00fchren vertr\u00e4umt in ihren Tassen, andere quatschen, und wieder andere G\u00e4ste sind gerade mit aufgeklapptem Laptop tief in ein Beratungsgespr\u00e4ch vertieft. Das Mobiliar ist bunt zusammengestellt: Einst ausrangierte St\u00fchle, Tische, eine bequeme Couch und eine Theke f\u00fcllen den Raum. Ein paar Brettspiele, aber auch PCs und ein Kopierer sorgen f\u00fcr eine Arbeits- und Wohnzimmeratmosph\u00e4re. &#8222;Wir bieten eine offene Beratung an, ohne Termin, niedrigschwellig&#8220;, sagt Verena Mayer. <\/p>\n<p>Seit Februar gibt es das Caf\u00e9 Kupfer in der Zeppelinstra\u00dfe, unweit des Neuen Messplatzes, gegen\u00fcber einem sozialen Urban-Gardening-Projekt. &#8222;Kupfer, da man als Armutsbetroffene jeden Groschen, jeden Cent dreimal umdrehen muss&#8220;, erkl\u00e4rt die Leiterin des sozialen Caf\u00e9s, das sich \u00fcber Spenden und ehrenamtliches Engagement finanziert. <\/p>\n<p>Einmal in der Woche gibt es einen Mittagstisch mit &#8222;Resteessen&#8220; von Food Sharing oder der Tafel, jeden Mittwoch ein Kaffeekr\u00e4nzchen. Und fast jeden Tag eine Beratung zur Job- und Wohnungssuche, zu Rentenantr\u00e4gen oder zur Hilfe in Notlagen: &#8222;Wir helfen beim Ausf\u00fcllen von Antr\u00e4gen und Verstehen der Unterlagen oder bei der Kommunikation mit Beh\u00f6rden.&#8220; <\/p>\n<p>Die Idee f\u00fcr das Caf\u00e9 entwickelte sich aus einem anderen Projekt heraus. 2022 wurde der Verein &#8222;Ausweg Rhein-Neckar&#8220; gegr\u00fcndet. &#8222;Von Menschen, die selbst Armutserfahrungen haben. Die Frage war: Was brauchen Betroffene? Denn Menschen in Notsituationen wissen oft nicht, wo sie sich Hilfe holen k\u00f6nnen&#8220;, berichtet Mayer.<\/p>\n<p> Klar, es gibt Beratungsstellen wie das Jobcenter. &#8222;Aber es gibt auch ein institutionelles Misstrauen, manche haben schlechte Erfahrungen mit Beh\u00f6rden gemacht. In der Armutsklasse herrschen zudem andere Regeln, Codes und Konventionen als in der b\u00fcrgerlichen Klasse.&#8220;<\/p>\n<p>Die Gespr\u00e4che verliefen aus Sicht der Betroffenen oft asymmetrisch, nicht auf Augenh\u00f6he. Sie f\u00fchlen sich schlecht gekleidet, kritisch be\u00e4ugt, was wiederum auf das Selbstbild abf\u00e4rbt. &#8222;Wir wollten einmal einen anderen Zugang schaffen und Barrieren nehmen&#8220;, verdeutlicht Mayer. <\/p>\n<p>Man startete mit einer mobilen Beratung, bot einmal die Woche ein ehrenamtliches Angebot im Keller des Alten Volksbads an. &#8222;Aber das war dunkel, kalt, nicht barrierefrei&#8220;, erz\u00e4hlt ihre Kollegin Pia Maier. So war die Idee f\u00fcr ein eigenes Caf\u00e9 geboren, das von den Besuchern mitgestaltet werden soll.<\/p>\n<p>&#8222;Armut geht oft auch mit Einsamkeit einher, die Betroffenen k\u00f6nnen kein Geld ausgeben und unter die Leute gehen&#8220;, betont Verena Mayer. Im Caf\u00e9 begegnen sich B\u00fcrgergeldempf\u00e4nger, Alleinerziehende, Rentner, Menschen, die trotz Erwerbst\u00e4tigkeit in Armut leben, Asylbewerber, BAf\u00f6G-Empf\u00e4nger und Wohnungslose. Im Caf\u00e9 Kupfer k\u00f6nnen sie einen Arbeitsplatz f\u00fcr Online-Bewerbungen nutzen, sich einfach aufw\u00e4rmen, die wohlige Atmosph\u00e4re und ein St\u00fcck Geborgenheit bei einem St\u00fcckchen Kuchen genie\u00dfen.<\/p>\n<p>Doch das Sch\u00f6nste f\u00fcr die Betreiber ist, wenn sich daraus etwas entwickelt, was weit \u00fcber die Beratung und den kostenlosen Caf\u00e9-Snack hinausgeht. Wenn sich die Besucher etwa beim Regale aufbauen helfen. Nicht nur aus Mannheim kommen inzwischen die G\u00e4ste, sondern aus der n\u00e4heren Region, beispielsweise aus Dossenheim. <\/p>\n<p>Ein Chor hat schon geprobt, eine Band gespielt, es wurden Vortr\u00e4ge \u00fcber das (\u00dcber-)Leben mit B\u00fcrgergeld gehalten. Regelm\u00e4\u00dfig gibt es Veranstaltungen und ein Schwarzes Brett, eine B\u00f6rse, die von der Suche nach einer Waschmaschine oder Vogelvoliere bis zum angebotenen Japanisch-Kurs reicht.<\/p>\n<p>&#8222;Wir sind aber auch offen f\u00fcr Menschen, die Geld haben und in den Austausch gehen wollen&#8220;, erkl\u00e4rt Pia Maier. Das Caf\u00e9 ist zwar ein sicherer Ort, aber kein versteckter Raum. Mit dem &#8222;Kupfer&#8220; m\u00f6chte man die Mehrheitsgesellschaft sensibilisieren und Klassismus auf den Schirm bringen.<\/p>\n<p>&#8222;Durch Stereotype wie \u201afaul\u2018 oder \u201aSchmarotzer\u2018 wird die Armut individualisiert und zementiert, was zu einer internalisierten Diskriminierung f\u00fchrt, also zu einer verinnerlichten eigenen Abwertung. Aber Armut ist oft nicht selbst verschuldet, sie hat strukturelle Ursachen, sie ist auch oft jung und weiblich&#8220;, betont Verena Mayer. Gerade der Anstieg der Lebensmittelpreise und Mieten f\u00fchre viele Besucher ins Caf\u00e9.<\/p>\n<p>Die Betreiber suchen auch den direkten Weg zur Politik. Mit dem Bezirksbeirat f\u00fchre man Gespr\u00e4che, um Armutsbetroffene an Sitzungen teilnehmen und ihre W\u00fcnsche \u00e4u\u00dfern zu lassen. In B\u00fcrgersprechstunden sollen sich die Partien vorstellen. &#8222;Um auch das Misstrauen in die Politik schwinden zu lassen, um miteinander und nicht \u00fcbereinander zu reden&#8220;, sagt Pia Maier. <\/p>\n<p>Info: Das Caf\u00e9 Kupfer wird unter anderem \u00fcber die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vector_Stiftung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Vector-Stiftung<\/a>, das Deutsche Hilfswerk und die <a href=\"https:\/\/www.eleonoredraegerstiftung.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Eleonore Dr\u00e4ger Stiftung<\/a> finanziert. Dem Team geh\u00f6ren rund 20 Ehrenamtliche an, zudem gibt es zwei halbe Stellen, einen Minijobber und einen Praktikanten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Von Marco Partner Mannheim. 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