{"id":645098,"date":"2025-12-14T07:48:16","date_gmt":"2025-12-14T07:48:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/645098\/"},"modified":"2025-12-14T07:48:16","modified_gmt":"2025-12-14T07:48:16","slug":"preise-fuer-backwaren-in-stuttgart-muessen-unsere-broetchen-echt-sauer-verdienen-baeckerei-hadert-mit-mindestlohn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/645098\/","title":{"rendered":"Preise f\u00fcr Backwaren in Stuttgart: \u201eM\u00fcssen unsere Br\u00f6tchen echt sauer verdienen\u201c \u2013 B\u00e4ckerei hadert mit Mindestlohn"},"content":{"rendered":"<p>Die Stuttgarter B\u00e4ckerei Sailer k\u00e4mpft mit steigenden Kosten durch den Mindestlohn. Drohen Preiserh\u00f6hungen oder gibt es andere L\u00f6sungen? Ein Blick hinter die Ladentheke.<\/p>\n<p>Mit der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.ifo-umfrage-firmen-wollen-wegen-mindestlohnerhoehung-jobs-abbauen.6d3a4e15-633e-41c4-a681-7a0c24ad7bb0.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Mindestlohnerh\u00f6hung zum Jahreswechsel<\/a> steigt der Kostendruck weiter, daraus macht Stefanie Sailer-Puritscher keinen Hehl. Wie das auf Dauer weitergehen soll, m\u00fcsse man sich schon fragen, sagt die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der Stuttgarter B\u00e4ckerei Konditorei Sailer, die mit ihren Geschwistern den Familienbetrieb in dritter Generation f\u00fchrt. Die Kostensteigerung sei ein Riesenproblem, sagt sie.<\/p>\n<p>Ob h\u00f6here Preise f\u00fcr Brot, Br\u00f6tchen und Torten drohen, weil der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Mindestlohn\" title=\"Mindestlohn\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mindestlohn<\/a> steigt? \u201eEine Preiserh\u00f6hung ist schlicht nicht durchsetzungsf\u00e4hig, weil wir damit rechnen m\u00fcssen, dass uns die Kunden dann wegbleiben\u201c, sagt sie mit einer Bestimmtheit, die verbl\u00fcfft. Man sei dann nicht mehr wettbewerbsf\u00e4hig, weil im Lebensmitteleinzelhandel mittlerweile Tiefk\u00fchl-Teiglinge aufgebacken w\u00fcrden, die meist aus Osteuropa stammten, wo eine Mindestlohn-unabh\u00e4ngige und g\u00fcnstige Produktion noch m\u00f6glich sei. <\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/media.media.631a8eab-caad-40c5-adff-afee0e5b544b.original1024.media.jpeg\"\/>     Geschwister mit Eltern (von links): J\u00f6rg Sailer, Ulrike Sailer-Keil, Claudia Sailer, Stefanie Sailer-Puritscher und Gerhard Sailer.    Foto: B\u00e4ckerei Sailer    <\/p>\n<p>Ab 1. Januar 2026 soll der Mindestlohn von derzeit 12,82 Euro pro Stunde auf 13,90 Euro steigen, was einer Erh\u00f6hung um 8,4 Prozent entspricht. Die Stuttgarter B\u00e4ckerei muss rund 40 der 120 Besch\u00e4ftigten den Mindestlohn erh\u00f6hen. \u201eWir haben eben viele Aushilfen\u201c, sagt die Chefin. Dass Hilfskr\u00e4fte, die beispielsweise Tische abr\u00e4umen, sp\u00fclen, belegte Br\u00f6tchen richten, mehr verdienen sollen, damit habe sie \u201ekeinen Schmerz\u201c. Das Problem sei, dass das Lohngef\u00fcge nicht mehr passe und der Mindestlohn somit Auswirkungen auf die gesamte Belegschaft habe. <\/p>\n<p>\u201eWir sind Handwerk, produzieren regional in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stuttgart<\/a>\u201c <\/p>\n<p>Wenn Ungelernte mehr Geld bek\u00e4men, m\u00fcsse sie auch Fachkr\u00e4ften etwa in der Produktion und im Verkauf mehr bezahlen, beschreibt sie das Dilemma. Damit stiegen die Personalkosten dann auf mehr als 50 Prozent des Umsatzes. <\/p>\n<p>Der Druck auf die Marge nimmt zu. Bereits von 2019 bis 2024 sind die Stundenl\u00f6hne bei dem Betrieb allein im Verkauf um rund 30 Prozent gestiegen, die Verkaufspreise hingegen nur um 20 bis 25 Prozent. <\/p>\n<p>\u201eUnsere Br\u00f6tchen m\u00fcssen wir schon echt sauer verdienen im Handwerk\u201c, sagt Sailer-Puritscher. Die Konkurrenz werde ja nicht weniger, meint sie mit Blick auf Discounter, Backshops und Backstationen, f\u00fcr die vieles g\u00fcnstig in Osteuropa vorproduziert werde. \u201eWir sind Handwerk, produzieren regional in Stuttgart und eben nicht im Ausland und besch\u00e4ftigen vor allem Mitarbeiter aus der Region\u201c, sagt die Chefin.<\/p>\n<p>Eine Brezel geht f\u00fcr 1,20 Euro \u00fcber die Theke <\/p>\n<p> Irgendwann werde es kritisch und lohne sich nicht mehr, sagt sie mit Blick auf die Branche. Immer mehr Handwerksb\u00e4ckereien verschwinden. Beispiele gibt es auch in Stuttgart. Erst Ende Oktober etwa hat die <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.baeckersterben-in-stuttgart-nach-127-jahren-hafendoerfer-macht-dicht-das-sind-die-gruende.20b3cd13-a9f8-402c-a201-3e51edd0d0aa.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Traditionsb\u00e4ckerei Hafend\u00f6rfer<\/a> geschlossen. Bundesweit gibt es noch rund 8900 B\u00e4ckereien, vor zehn Jahren waren es noch mehr als 12.000. <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.aus-nach-122-jahren-baeckerei-stuber-schliesst-wie-reagieren-die-kunden-in-fellbach.72a4c1b6-860c-4455-aeae-065bf41d2142.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Besonders kleine Handwerksbetriebe<\/a> k\u00f6nnten im Preiskampf mit der Backindustrie, die mit weniger Personal produzieren k\u00f6nne, kaum noch mithalten, hei\u00dft es beim Zentralverband des Deutschen B\u00e4ckerhandwerks. <\/p>\n<p>\u201eBei uns kostet die Brezel 1,20 Euro\u201c, sagt Sailer-Puritscher. Die Preise noch weiter zu erh\u00f6hen, sei den Kunden kaum zu verkaufen. Irgendwann sei auch deren Schmerzgrenze erreicht. \u201eWenn man nicht mehr soviel verkauft wie vorher, macht eine Preiserh\u00f6hung keinen Sinn. Da kann man mit Qualit\u00e4t punkten wie man will\u201c, sagt sie. Wenn man nicht an der Preisschraube drehe, gehe das zu Lasten des Gewinns. Der aber sei wichtig, denn mit dem Gewinn w\u00fcrden notwendige Investitionen get\u00e4tigt \u2013 das reicht von neuen Maschinen und Arbeitsger\u00e4ten bis zu den Ladeneinrichtungen. <\/p>\n<p>Sailer-Puritscher verweist auf einen B\u00e4ckerkollegen aus Brandenburg. Tobias Exner aus Beelitz hat in der \u201eBild\u201c-Zeitung vorgerechnet, welche Kosten bei einem Brot anfallen und was unterm Strich bleibt \u2013 nahezu null Euro. So verteilen sich die Kosten bei einem bei einem Verkaufspreis von 4,80 Euro (davon 0,31 Cent Mehrwertsteuer).<\/p>\n<ul>\n<li>Personalkosten\/Lohn 2,25 Euro<\/li>\n<li>Miete und Energie 0,68 Euro<\/li>\n<li>Rohstoffe 0,71 Euro<\/li>\n<li>Abschreibung 0,32 Euro<\/li>\n<li>Reparaturen 0,06 Euro<\/li>\n<li>Verpackung 0,06 Euro<\/li>\n<li>Kfz-Kosten 0,06 Euro<\/li>\n<li>Zinsen 0,04 Euro<\/li>\n<li>Versicherung 0,04 Euro<\/li>\n<li>Werbung 0,04 Euro<\/li>\n<li>Sonstiges 0,20 Euro. <\/li>\n<\/ul>\n<p>Auch Exner versucht die Preise trotz Mindestlohnerh\u00f6hung zu halten. Falls doch n\u00f6tig, sollen Br\u00f6tchen um zwei bis drei Cent teurer werden, Brote um zehn bis 20 Cent.<\/p>\n<p>Um die Kosten im Griff zu halten, setzt Sailer-Puritscher auf mehrere Ideen, denn jammern ist ihre Sache nicht. Die B\u00e4ckerei mit elf Filialen in der Landeshauptstadt und einigen Lieferkunden, die mit frischen Br\u00f6tchen, Brot und s\u00fc\u00dfen Teilchen versorgt werden, hat schon vor zwei Jahren das Sortiment an Kuchen und Torten eingeschr\u00e4nkt. Auch beim Brot gibt es nicht t\u00e4glich zig Sorten, sondern nur bestimmte, und das im Wechsel \u2013 ein sogenannter Brotfahrplan. Weniger Sorten, daf\u00fcr mehr Masse bedeute g\u00fcnstigere Herstellungskosten, zudem lie\u00dfen sich Retouren minimieren und damit Kosten sparen, sagt sie. Kompromisse bei der Frische oder den hochwertigen Zutaten will die Handwerksb\u00e4ckerei aber auf keinen Fall machen. Man versuche auch Maschinen einzusetzen. Das funktioniere aber nur begrenzt \u2013 bei klassischen runden Torten etwa gar nicht.<\/p>\n<p> Zimtsterne werden von Hand ausgestochen <\/p>\n<p>Aufs Weihnachtsgeb\u00e4ck verzichtet Sailer-Puritscher nicht \u2013 auch wenn sie von vielen Kollegen wei\u00df, dass die keines mehr herstellen. Zw\u00f6lf oder 15 Euro f\u00fcr eine T\u00fcte Weihnachtsgeb\u00e4ck zahle niemand, so deren Argument. Der Lohnanteil bei Vanillekipferl, Haselnuss-Makronen, Springerle &amp; Co. sei deutlich h\u00f6her als bei Brot und Br\u00f6tchen und damit kaum noch wirtschaftlich darstellbar. \u201eUnsere Zimsterne werden von Hand ausgestochen, m\u00fcssen von Hand eingepackt und dann noch verkauft werden\u201c, nennt sie ein Beispiel. <\/p>\n<p>Ihr Fazit: Mit dem Mindestlohn werde es dann halt viele Jobs nicht mehr geben. \u201eWenn man viel bezahlen muss, ist es irgendwann unattraktiv, Angelernte zu besch\u00e4ftigen, die man nur f\u00fcr bestimmte T\u00e4tigkeiten einsetzen kann\u201c, sagt sie. <\/p>\n<p> Wie der Mindestlohn steigt <\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Einf\u00fchrung<\/strong><br \/>Am 1. Januar 2015 wurde der allgemeine gesetzliche Mindestlohn in Deutschland eingef\u00fchrt, der bei 8,50 pro Stunde lag. In den folgenden Jahren wurde er schrittweise erh\u00f6ht.<\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Anpassung<\/strong><br \/>Seit 1. Januar 2025 betr\u00e4gt der Mindestlohn 12,82 Euro pro Stunde. Zum 1. Januar 2026 soll er auf 13,90 Euro steigen, ab dem 1. Januar 2027 dann auf 14,60 Euro.<\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Besch\u00e4ftigte<\/strong><br \/>Bis zu 6,6 Millionen Besch\u00e4ftigte (knapp 17 Prozent aller Arbeitnehmer) profitieren laut Statistischem Bundesamt von der Mindestlohnerh\u00f6hung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Stuttgarter B\u00e4ckerei Sailer k\u00e4mpft mit steigenden Kosten durch den Mindestlohn. 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