{"id":645274,"date":"2025-12-14T09:39:18","date_gmt":"2025-12-14T09:39:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/645274\/"},"modified":"2025-12-14T09:39:18","modified_gmt":"2025-12-14T09:39:18","slug":"wer-ist-der-maechtigste-in-der-kunstwelt-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/645274\/","title":{"rendered":"Wer ist der M\u00e4chtigste in der Kunstwelt? \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Die Power-100-Liste des Kunstbetriebs erregt heuer Aufsehen: Sie markiert eine Verschiebung der Kr\u00e4fte hin zu Afrika und dem Nahen Osten. Auf Platz eins Ibrahim Mahama, der heuer in der Kunsthalle Wien eine gro\u00dfe Ausstellung hatte. <\/p>\n<p>Seit 2002 gibt es in der Kunst\u00adwelt\u2009die Power-100-Liste. Rund 30\u2009K\u00fcnstler, Kritiker und Kuratoren werden daf\u00fcr vom britischen Online-Magazin \u201eArtreview\u201c j\u00e4hrlich um Vorschl\u00e4ge gebeten, wie die globalen Machtstrukturen und Entwicklungen abzubilden seien. Abgesehen von der Fragw\u00fcrdigkeit, einen so komplexen Betrieb auf 100 Namen oder Schlagworte herunterzubrechen, ist diese Liste doch immer wieder ein gro\u00dfes Ereignis \u2013 und f\u00e4llt heuer sensationell aus. Es zeigt sich eine gravierende Verschiebung vom geopolitischen Westen als Machtzentrum hin zu einer dezentralen, konsequent globalen Landkarte. Waren 2016 noch 70 Prozent der Genannten wei\u00df, dominiert jetzt eine multi-ethnische Herkunft. Auf den ersten f\u00fcnf Pl\u00e4tzen stehen Akteure aus Ghana, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten, \u00c4gypten und Singapur. Welch ein Wandel gegen\u00fcber 2002, als ein Kunstinvestor (Charles Saatchi), zwei Galerie-Unternehmen (White Cube; <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/hauser-wirth\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" ist=\"\" der=\"\" m=\"\" in=\"\" kunstwelt=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hauser &amp; Wirth<\/a>) und ein Maler (<a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/gerhard-richter\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" ist=\"\" der=\"\" m=\"\" in=\"\" kunstwelt=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gerhard Richter<\/a>) die Liste anf\u00fchrten. <\/p>\n<p>Zehn Jahre sp\u00e4ter belegte immerhin mit Carolyn Christov-Bakargiev, der damaligen Documenta-13-Leiterin, erstmals eine Frau den ersten Listenplatz. Aber noch immer folgten allzu viele \u00adGaleristen, was zunehmend kritisiert wurde. Letztes Jahr k\u00fcndigte sich dann eine zunehmende Verschiebung an. Sheikha Hoor al-Qasimi, die in dem arabischen Emirat Sharjah eine der wichtigsten globalen Biennalen organisiert, in den Sharjah Art Spaces ein hochkar\u00e4tiges Jahresprogramm zeigt und zunehmend auch als Kuratorin arbeitet, f\u00fchrte die Liste an. <\/p>\n<p>Jetzt ist die in London lebende Tochter des Herrschers auf Platz drei ger\u00fcckt. Ihr vorgereiht ist Sheikha al-Mayassa bint Hamad bin Khalifa al-Thani. Al-Mayassa ist die Schwester des Herrschers von Katar und bekleidet die offizielle Rolle \u201eprotector of culture\u201c. Seit Jahren verwandelt sie Doha konsequent in eine kulturell h\u00f6chst spannende Destination mit Museen, einer Designbiennale und einer 2026 geplanten Quadriennale. Beide Frauen kommen aus autorit\u00e4r gef\u00fchrten Erbmonarchien und verf\u00fcgen \u00fcber stattliche Budgets f\u00fcr ihre Aktivit\u00e4ten. Damit bauen sie eine kulturelle Infrastruktur in ihren L\u00e4ndern auf, wie es sich kein westliches L\u00e4nder mehr leisten kann. <\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte \u00dcberraschung ist der erste Listenplatz: Ibrahim Mahama. Auch er schafft eine neue k\u00fcnstlerische Infrastruktur in seinem Heimatland. Bekannt ist der 1987 in Ghana geborene K\u00fcnstler f\u00fcr seine monumentalen Installationen mit gebrauchten Kakao- und Kaffees\u00e4cken. In seiner gro\u00dfen Personale in der Kunsthalle Wien hat er heuer eine ausrangierte Diesellokomotive gezeigt, aufgestellt auf gebrauchten Emaillesch\u00fcsseln aus seiner Heimat \u2013 beides Elemente, mit denen er von der Geschichte seines Landes erz\u00e4hlt. Seine Werke erzielen bis zu 100.000 Euro in Galerien. Seinen Anteil davon investiert er seit 2019 in das Savannah Centre for Contemporary Art in Tamale, zu dem ein Studio- und Atelierkomplex sowie die Institution Nkrumah Volini geh\u00f6ren. <\/p>\n<p>                               <img decoding=\"async\" class=\"figure__image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/kein Titel.webp\" alt=\"Einblick in die Ausstellung von Ibrahim Muhama in der Kunsthalle Wien.\" width=\"1000\" height=\"600\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"low\"\/>                                     <\/p>\n<p>Einblick in die Ausstellung von Ibrahim Muhama in der Kunsthalle Wien.\u2003Markus Woergoetter<\/p>\n<p>Mahama ist nicht der erste Afrikaner unter den Power 100. Aber der erste auf dem Spitzenplatz. Auf Platz vier folgt ihm der \u00e4gyptische, sich ebenfalls lokal engagierende Wael Shawky. 1971 in Alexandria geboren, gr\u00fcndete Shawky dort 2010 das Non-profit-Zentrum Mass zur K\u00fcnstler-F\u00f6rderung. Voriges Jahr geh\u00f6rte sein Video-Drama \u00fcber einen \u00e4gyptischen General zu den H\u00f6hepunkten der Biennale Venedig und vor wenigen Wochen wurde er zum Kurator f\u00fcr die kommende erste Art Basel Katar berufen. Mit Mahama und Shawky wird weniger dem Kunstmarkt gehuldigt als Aspekte wie Gemeinschaftsbildung, Infrastrukturaufbau und lokales Engagement gew\u00fcrdigt. <\/p>\n<p>Noch eine weitere Ver\u00e4nderung ist ablesbar: Unter den ersten 16 Nennungen sind auffallend viele schwarze K\u00fcnstler, etwa die in Europa wenig bekannte Malerin Amy Sherald (Platz sechs), die 2018 ein Portrait von Michelle Obama malte. Erstaunlich weit unten ist Marina Abramovi\u0107 (Platz 28), deren Ausstellung gerade in der Albertina Modern einmal mehr beweist, wie wegweisend sie f\u00fcr die Performance\u00adkunst war und ist. <\/p>\n<p>Die Galeristen sind weit abgerutscht, hinter den saudischen Kulturminister Badr bin Abdullah al-Saud (Platz 21) oder die indische K\u00fcnstlergruppe CAMP (Platz 51). Erfreulich sind die vielen F\u00f6rderinnen, die Schweizer Hoffmann-La-Roche-Erbin Maja Hoffmann (Platz 17), die im franz\u00f6sischen Arles das Kunstzentrum Luma finanziert, oder die italienische Industrielle Patrizia Sandretto Re Rebaudengo (Platz 36), die in Turin eine Ausstellungshalle betreibt. <\/p>\n<p>Aber es finden sich nicht nur finanzkr\u00e4ftige Damen, auch global agierende Kuratorinnen wie Diana Campbell, die gerade eine grandiose erste Biennale in Buchara, Usbekistan, verantwortet hat, oder Antonia Carver, die seit 2016 das Jameel Art Center in Dubai leitet. Den letzten Platz belegt die einstige Britpop-Queen Tracey Emin \u2013 komplett verabschieden will sich diese Liste wohl doch noch nicht vom Kunsthandel.<\/p>\n<blockquote class=\"fm-quote flexmodule flexmodule--quote\"><\/blockquote>\n<p>    Lesen Sie mehr zu diesen Themen:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Power-100-Liste des Kunstbetriebs erregt heuer Aufsehen: Sie markiert eine Verschiebung der Kr\u00e4fte hin zu Afrika und dem&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":645275,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1775],"tags":[1793,29,214,30,1794,43144,215],"class_list":{"0":"post-645274","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kunst-und-design","8":"tag-art-and-design","9":"tag-deutschland","10":"tag-entertainment","11":"tag-germany","12":"tag-kunst-und-design","13":"tag-kunstmarkt","14":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115717260442429027","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/645274","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=645274"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/645274\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/645275"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=645274"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=645274"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=645274"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}