{"id":645711,"date":"2025-12-14T14:18:18","date_gmt":"2025-12-14T14:18:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/645711\/"},"modified":"2025-12-14T14:18:18","modified_gmt":"2025-12-14T14:18:18","slug":"neuer-wien-tatort-prittstift-glueckskeks-oder-tipp-ex-wer-war-der-moerder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/645711\/","title":{"rendered":"Neuer Wien-\u201eTatort\u201c: Prittstift, Gl\u00fcckskeks oder Tipp-Ex \u2013 wer war der M\u00f6rder?"},"content":{"rendered":"<p class=\"Initial paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">Ein \u201eTatort\u201c, in dem \u201eBKS\u201c gesagt wird, kann nur aus \u00d6sterreich kommen. Mit der Abk\u00fcrzung wird das bezeichnet, was fr\u00fcher Serbokroatisch hie\u00df, die <a href=\"https:\/\/taz.de\/Serbische-Minderheit-in-Kroatien\/!5906750\/\" class=\"link in-text-link\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sprache, die in Bosnien, Kroatien und Serbien<\/a> gesprochen wird. Im ganzen neuen Wien-\u201eTatort\u201c \u201eDer Elektriker\u201c ist zwar nur ein einziges Mal BKS zu h\u00f6ren, das Opfer und der Hauptverd\u00e4chtige haben aber Jugo-Hintergrund.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Im Vordergrund steht <a href=\"https:\/\/taz.de\/Finanzierung-der-Pflegeversicherung\/!6135667\/\" class=\"link in-text-link\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ein Pflegeheim<\/a> mit relativ munteren Insassen. Da w\u00e4re der pensionierte Oberkellner Herr Fritz, immer noch ganz Gentleman und immer noch der stille Zuh\u00f6rer, dem kein Klatsch und kein Tratsch, kein Abgrund und keine Zuneigung entgeht. Da ist die mysteri\u00f6se Sandra, die wegen ALS im Rollstuhl sitzt und den Ermittler Moritz Eisner aus besseren Tagen zu kennen scheint. Und da sind die wegen Unterbesetzung mit den betreuungsintensiven Pa\u00adti\u00aden\u00adt*in\u00adnen v\u00f6llig \u00fcberforderten Heimangestellten Horst und Patricia.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">So gut wie jeder, der hier durch die G\u00e4nge rennt, schleicht oder geschoben wird, kommt infrage, irgendwas mit dem Tod des schwierigen Patienten Daniel Filipovi\u0107 zu tun zu haben. Der wird in einer Schlinge h\u00e4ngend tot in der Badewanne gefunden, war einerseits sehr krank und andererseits auch ein unausstehlicher Typ, \u00fcber den im Heim niemand ein gutes Wort verliert und dessen Tod selbst seine Tochter nicht sonderlich zu bedauern scheint.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-5\" pos=\"4\">Im Laufe des \u201eTatorts\u201c kommen Dinge ans Licht, die auf <a href=\"https:\/\/taz.de\/Debatte-20-Jahre-nach-Jugoslawienkrieg\/!5096734\/\" class=\"link in-text-link\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">den Jugoslawienkrieg der 1990er Jahre<\/a> hindeuten. Aber ist das die richtige F\u00e4hrte, nur weil der Fu\u00dfpfleger Ivica vorbestraft ist und eine gro\u00dfe Wunde unter dem Auge hat? Es tauchen weitere verd\u00e4chtige Dinge auf: ein Phasenpr\u00fcfer, eine vegane B\u00e4ckerei, eine leere Schatulle.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-6\" pos=\"5\">Obwohl, so viel sei verraten, die L\u00f6sung des Falls durchaus interessant und nicht vorhersehbar ist, wird das eingespielte \u00f6sterreichische Ermittlerduo Moritz Eisner (gespielt von Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (gespielt von Adele Neuhauser) von Regie (Harald Sicheritz) und Drehbuch (Roland Halblesreiter, Petra Ladinigg) auf keine allzu \u00fcberraschenden Wege gef\u00fchrt und erlebt dabei auch keine allzu \u00fcberraschenden Wendungen: Nat\u00fcrlich setzen sie sich zum Kartenspielen ins Pflegeheim an einen Tisch mit Patienten, nat\u00fcrlich endet eine Verfolgungsjagd in einem Viertel mit Puffs und Autowerkst\u00e4tten, nat\u00fcrlich ist der Fu\u00dfpfleger auch Judoka.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-7\" pos=\"6\">Lustig ist, dass die Ermittler die m\u00f6glichen Verbindungen und Tatherg\u00e4nge nicht rekonstruieren, wie es seit Jahren \u00fcblich ist: vor einer Wand mit Fotos, die mit zig Pfeilen verbunden sind. Nein, Eisner\/Fellner machen es klassisch: ein Modell des Pflegeheims wird auf den B\u00fcrotisch gestellt, in dem das verd\u00e4chtige Personal mit Prittstift, Tipp-Ex, Tesa, Tintenfass, Heftklammerentferner und Gl\u00fcckskeks dargestellt wird.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"7\">Die lustigste Szene dieses \u201eTatorts\u201c ist die, als im Pflegeheim der Feueralarm angeht, weil wieder einer auf seinem Zimmer geraucht hat. In einer beil\u00e4ufigen Szene sieht man, wie die Alten ihre H\u00f6rger\u00e4te aus dem Ohr nehmen, unachtsam weglegen und damit dem ohrenbet\u00e4ubenden L\u00e4rm ein Schnippchen schlagen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-10\" pos=\"8\">Im Wien-\u201eTatort\u201c geht es so zu, wie man als Nicht-Wiener Wien empfindet: Alles hat ein bisschen Patina, alles l\u00e4uft etwas langsamer und bodenst\u00e4ndiger, alles ist ein bisschen Klischee, aber es ist eh alles egal, weil wenn die Wiener Wienerisch sprechen, dann klingt noch die letzte Banalit\u00e4t, so wie beim Italienischen, immer umwerfend charmant.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein \u201eTatort\u201c, in dem \u201eBKS\u201c gesagt wird, kann nur aus \u00d6sterreich kommen. 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