{"id":645818,"date":"2025-12-14T15:26:14","date_gmt":"2025-12-14T15:26:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/645818\/"},"modified":"2025-12-14T15:26:14","modified_gmt":"2025-12-14T15:26:14","slug":"die-nashoerner-am-schauspielhaus-duesseldorf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/645818\/","title":{"rendered":"&#8222;Die Nash\u00f6rner&#8220; am Schauspielhaus D\u00fcsseldorf"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\"> Selbst aus dem Publikum eilen einzelne Gestalten in grauem Dress auf die B\u00fchne, um allen ihre \u201eVernashornung\u201c zu demonstrieren. Sie wollen dazu geh\u00f6ren.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Im gleichnamigen St\u00fcck von Eug\u00e8ne Ioneso, das jetzt im D\u00fcsseldorfer Schauspielhaus Premiere feierte, geht es um das erschreckende Tempo, in dem sich ein neuer Trend in einer demokratischen Gesellschaft verbreiten kann. Und einem autorit\u00e4ren System Platz macht, das jedes Widerstands-Pfl\u00e4nzchen niedertrampelt. Der rum\u00e4nisch-franz\u00f6sische Autor Ionesco (1909-1994) schuf damit eine Polit-Parabel \u00fcber die schleichende Machtergreifung eines totalit\u00e4ren Regimes und ein Meisterwerk des absurden Theaters, das 1959 in D\u00fcsseldorf uraufgef\u00fchrt wurde und erst ein Jahr sp\u00e4ter im Pariser \u201eOd\u00e9on\u201c Premiere hatte.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Auf der Hand liegt, dass dieses Werk, das Generationen von Penn\u00e4lern als Abiturthema vorgelegt wurde, zur Gegenwart passt. Der Text (in zeitgem\u00e4\u00dfer Neu-\u00dcbersetzung von Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel) mit seinen humorvollen Sprach-Spielereien, die Dialoge und die Charaktere sind so stark, dass es keiner vordergr\u00fcndigen Aktualisierung bedarf. Konsequent entwickeln Regisseurin Selen Kara und ihre Ausstatterin Lydia Merkel anspielungsfreie Tableaus.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">B\u00e9rengers bester Freund Jean, der Gem\u00fcseh\u00e4ndler Botard, selbst der systematisch kalkulierende Logiker und die kritische Mademoiselle Dudard \u2013 sie alle kippen um, schlie\u00dfen sich den Nash\u00f6rnern an. Wie auch B\u00e9rengers Geliebte Daisy, die bis kurz vor Schluss zu ihm h\u00e4lt. Erst als Daisy (Sophie Stockinger) ihn verl\u00e4sst, verschwindet B\u00e9renger im Bett. Hoffnungslos ist die Situation f\u00fcr ihn, h\u00f6rt er doch vor und hinter seinem Haus das Poltern der \u201eNash\u00f6rner\u201c.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Alle Figuren reden permanent \u00fcber die \u201eUnpaarhufer\u201c, sinnieren dar\u00fcber, ob die mit zwei H\u00f6rnern aus Asien oder Afrika stammen, oder meinen, dass es doch gar nicht so schlimm sei, sich den tonnenschweren Tieren anzuschlie\u00dfen. Man h\u00f6rt sie poltern und stampfen. Anfangs zieht nur ein einzelnes Exemplar an B\u00e9rengers Haus vor\u00fcber. Doch die Ger\u00e4uschkulisse (Musik: Torsten Kindermann) wird in den pausenlosen 100\u2005Minuten immer lauter und bedrohlicher.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die deutsch-t\u00fcrkische Regisseurin Selen Kara, die nach einem Eklat im Essener Grillo-Theater als einzige Intendantin \u00fcbriggeblieben ist, vertraut Ionescos Figuren und den grotesken Z\u00fcgen der \u201eganz normalen Leute\u201c: Die Frau mit Katze (hinrei\u00dfend schrill: Claudia H\u00fcbbecker), die pl\u00f6tzlich kreischt und ihren zertrampelten Vierbeiner in den Armen h\u00e4lt. Der neunmalkluge Freund Jean (Sebastian Tessenow) in kariertem Anzug, der B\u00e9renger \u201aretten\u2019 will. Die wohlabw\u00e4gende Dudar (Fnot Taddese) oder der stieselige Feuerwehrmann (Markus Danzeisen).<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Sie sehen sich selbst als Norm, tolerant und offen, verteidigen aber mit zunehmend scharfem Ton die Unpaarhufer. Doch bekommt die Handlung anfangs nicht genug Drive und die Absurdit\u00e4t der banalen Gespr\u00e4che wird nicht zugespitzt, sondern verblasst in betulicher Langsamkeit und langweilt. Z\u00fcndendes \u201eTh\u00e9\u00e2tre absurde\u201c sieht anders aus. Im zweiten Teil des St\u00fccks aber werden Tempo und Dynamik leicht erh\u00f6ht und f\u00fchren die unausgesprochene Gefahr der Vernashornung vor Augen. \u00dcberwiegend retten die Darsteller den Abend. In erster Linie Heiko Raulin als Protagonist B\u00e9renger. Struwwelige Haare, leicht verpeilt und alkoholisiert, mimt er den krawalligen Au\u00dfenseiter, der sich automatisch gegen die \u201erhinoc\u00e9rite\u201c (Rhinozeritis) wehrt. Er bleibt ausgeschlossen bis zum bitteren Ende. Und macht klar, dass es an jedem Einzelnen liegt, ob er ein Nashorn wird oder nicht.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Fazit: Zeitloses, zur Zeit aber aktuelles Thema. Starke Mimen, schwache Regie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Selbst aus dem Publikum eilen einzelne Gestalten in grauem Dress auf die B\u00fchne, um allen ihre \u201eVernashornung\u201c zu&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":645819,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1831],"tags":[151775,151771,3364,29,3405,50763,30,151773,151774,151776,151770,1209,6003,38647,96145,151772],"class_list":{"0":"post-645818","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-duesseldorf","8":"tag-absurde","9":"tag-berenger","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-duesseldorf","13":"tag-feierte","14":"tag-germany","15":"tag-ionesco","16":"tag-machtergreifung","17":"tag-nashorn","18":"tag-nashoerner","19":"tag-nordrhein-westfalen","20":"tag-premiere","21":"tag-regie","22":"tag-schwache","23":"tag-vernashornung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115718625636316731","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/645818","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=645818"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/645818\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/645819"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=645818"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=645818"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=645818"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}