{"id":646001,"date":"2025-12-14T17:17:15","date_gmt":"2025-12-14T17:17:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/646001\/"},"modified":"2025-12-14T17:17:15","modified_gmt":"2025-12-14T17:17:15","slug":"foto-jubilaeum-2026-die-fotografie-wird-200-und-kaempft-um-ihre-identitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/646001\/","title":{"rendered":"Foto-Jubil\u00e4um 2026: Die Fotografie wird 200 \u2013 und k\u00e4mpft um ihre Identit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend Frankreich das gro\u00dfe Jubil\u00e4um vorbereitet, sorgt sich die Branche um ihre Zukunft. Fotografen und Restauratoren diskutieren \u00fcber Verg\u00e4nglichkeit, neue Druckverfahren und die Frage: Was ist ein Original?<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Wie steht es um die Zukunft der Fotografie? Dar\u00fcber diskutierten in der Novemberausgabe 2025 der amerikanischen <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.artforum.com\/features\/photography-roundtable-1234736996\/\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.artforum.com\/features\/photography-roundtable-1234736996\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Kunstzeitschrift \u201eArtforum\u201c<\/a> wichtige Akteure ihrer Zunft, darunter die K\u00fcnstler Jeff Wall und Thomas Demand, der in New York t\u00e4tige Restaurator Christian Scheidemann und Florian Ebner, Chefkurator der Fotosammlung des Pariser Centre Pompidou. Moderiert vom Redakteur Pablo Larios entwarfen sie am Roundtable ein Portr\u00e4t der Fotografie \u2013 kurz vor ihrem 200. Geburtstag im kommenden Jahr. <\/p>\n<p>Erstaunlich viel Aufmerksamkeit widmeten die Beteiligten der Frage, wie es um die materiellen Voraussetzungen dieses vergleichsweise jungen Mediums bestellt ist. \u201eWenn man seine Kinder heute in ein Museum f\u00fcr Kunst des 20. Jahrhunderts mitnimmt\u201c, konstatierte Thomas Demand, \u201ewerden sie weniger Fotografie sehen als fr\u00fcher. Der Grund daf\u00fcr ist die Instabilit\u00e4t des Mediums und die schnelle Alterung der Abz\u00fcge\u201c.<\/p>\n<p>Illustriert wurde das Gespr\u00e4ch von der wohl \u00e4ltesten lichtbest\u00e4ndigen Fotografie der Welt. Sie stammt von Joseph Nic\u00e9phore Ni\u00e9pce (1765\u20131833) und zeigt den Blick aus dem Fenster seines Anwesens Le Gras in Saint-Loup-de-Varennes, geschaffen mit einer Camera obscura zwischen 1826 und 1827. Viele Stunden, m\u00f6glicherweise Tage lang belichtete Ni\u00e9pce daf\u00fcr eine mit Jud\u00e4a-Bitumen lichtempfindlich gemachte Zinnplatte. Er selbst nannte das Verfahren Heliografie. \u201eDiese Art von Darstellung hat etwas Magisches\u201c, schrieb Ni\u00e9pce. \u201eMan sieht wirklich, dass es die Natur ist.\u201c<\/p>\n<p>Der Ursprung des Mediums Fotografie ist nicht auf den Tag genau datierbar, ein runder Geburtstag wird dennoch gefeiert, jedenfalls in Frankreich. Im \u201eBicentenaire de la Photographie 2026\u20132027\u201c wird ab September 2026 in Museen, Archiven, St\u00e4dten und Regionen sowie auf Festivals der Erfindung gedacht. \u201eDie Fotografie ist eine wichtige Kunst der franz\u00f6sischen Kultur. Frankreich ist eine gro\u00dfe fotografische Nation und soll es auch bleiben\u201c, betonte die Kulturministerin <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article256343358\/rachida-dati-frankreichs-weiblicher-trump.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article256343358\/rachida-dati-frankreichs-weiblicher-trump.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Rachida Dati<\/a>. Geleitet wird das Vorhaben von einem Ausschuss aus spezialisierten Kuratoren und Wissenschaftlern unter der Fotohistorikerin Dominique de Font-R\u00e9aulx, Chefkuratorin des Louvres.<\/p>\n<p>Ni\u00e9pce war seiner Zeit voraus, aber noch nicht in der Lage, aus der verwendeten Technik ein stabil anwendbares Produkt zu entwickeln. Erst seinem zeitweiligen Gesch\u00e4ftspartner Louis Daguerre gelang es, die Belichtungszeit auf wenige Sekunden zu reduzieren. Die Daguerreotypie wurde zum ersten kommerziell einsetzbaren Verfahren der Fotografie, die seitdem von ihrer industriellen Basis gepr\u00e4gt wird. Fotos sind technisch und subjektiv zugleich, damit spielt die Kunst. Auch k\u00f6rperlos wirkende Bilder haben eine Materialit\u00e4t. <\/p>\n<p>Der Fotok\u00fcnstler Demand sieht sich, wie alle Kollegen, vor der Herausforderung seine Arbeitsweise anzupassen. \u201eFotolabore sagten mir\u201c, berichtet er im \u201eArtforum\u201c-Gespr\u00e4ch, \u201edass die Auswahl an Filmmaterial schrumpfte, dass Fotopapiere eingestellt wurden, Tr\u00e4germaterialien wegfielen. Ich wollte \u00fcber die Einschr\u00e4nkungen hinausgehen, die eine gef\u00e4hrdete Industrie mir auferlegte.\u201c <\/p>\n<p>Also h\u00e4tte er begonnen, direkt auf Materialien wie etwa Kupfer zu drucken. Aber das Tr\u00e4germaterial sei nicht ausschlaggebend, so Demand. \u201eEntscheidend ist, dass der Betrachter eine bestimmte fotografische Gleichung erkennt: eine Welt vor der Kamera, ein Apparat und eine Person dahinter, die ein Bild macht\u201c.<\/p>\n<p>2026 bekommt das neue Deutsche Fotoinstitut einen Direktor<\/p>\n<p>Die \u00e4lteste erhaltene Fotografie der Welt geriet in Vergessenheit, sie wurde erst 1952 durch den Fotosammler Helmut Gernsheim wiederentdeckt. Die Heliografie \u201ePoint de Vue du Gras\u201c wird heute von der Universit\u00e4t von Texas in Austin verwahrt \u2013 und auch ausgestellt. Wo viele der Technologien der Fotografiegeschichte obsolet werden, aus dem Repertoire der Industrie herausfallen und damit dem praktischen Vergessen anheimfallen, da w\u00e4chst das Rettende auch. <\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/kunst\/article254749618\/Fotograf-Jeff-Wall-Dreissig-bis-vierzig-Jahre-das-ist-ungefaehr-die-Lebensdauer-vieler-Farbabzuege.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/kunst\/article254749618\/Fotograf-Jeff-Wall-Dreissig-bis-vierzig-Jahre-das-ist-ungefaehr-die-Lebensdauer-vieler-Farbabzuege.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Der Kanadier Jeff Wall<\/a>, bekannt geworden mit seinen gro\u00dfen, an Gem\u00e4lde erinnernden und oft in Leuchtk\u00e4sten pr\u00e4sentierten Farbfotografien, hat die vergangenen Jahre damit verbracht, seine Abz\u00fcge als Reserve f\u00fcr die Zukunft noch einmal neu zu drucken \u2013 dieses Mal im Tintenstrahldruckverfahren. Auch <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/cindy-sherman\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/cindy-sherman\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Cindy Sherman<\/a> bietet Sammlern mittlerweile Reprints besch\u00e4digter Abz\u00fcge an \u2013 ein folgenschwerer Schritt, was die Zukunft des Mediums betrifft.<\/p>\n<p>Jeff Wall zeigt sich aber zuversichtlich; es seien historisch immer die chemischen Prozesse gewesen, die die Schwierigkeiten mit der Haltbarkeit von Fotografien verursachten. Er glaube jedoch, \u201edass wir an einem Wendepunkt angekommen sind, an dem die gr\u00f6\u00dften Stabilit\u00e4tsprobleme der Fotografie endlich gel\u00f6st werden \u2013 oder zumindest erheblich transformiert. Pigmentdrucke zeigen eine bislang beispiellose Stabilit\u00e4t, und Papier kann, wenn man es gut behandelt, sehr, sehr lange halten.\u201c<\/p>\n<p>Sollte man einen verblichenen Abzug einfach neu drucken? Diese Frage stellen sich heute nicht nur K\u00fcnstler, sondern auch Galerien, Museen und Sammler. Darf der K\u00fcnstler dann etwa an den Farben drehen, oder sein Studio, seine Nachlassverwalter? Muss das besch\u00e4digte, nicht l\u00e4nger ausstellbare Original vernichtet werden, oder schon aus rechtlichen Gr\u00fcnden f\u00fcr immer behalten werden, wie es etwa in franz\u00f6sischen Museen geschieht? <\/p>\n<p>Und was ist \u00fcberhaupt ein Original? \u00dcblicherweise werden im Kunsthandel drei bis zehn Abz\u00fcge eines Motivs angeboten, hinzu kommen einige Belegexemplare (sogenannte Artist\u2019s Proofs), die normalerweise nicht verkauft werden. Das sorgt f\u00fcr das Paradox, dass es zwar Originale gibt, aber auch Reproduktionsm\u00f6glichkeiten bis weit nach der eigentlichen Aufnahme.<\/p>\n<p>Restauratoren m\u00fcssten nicht nur den Zustand eines Objekts dokumentieren, sondern auch seine Funktion. Mit Konservierung sei nicht gemeint, \u201eein Objekt zu stabilisieren, sondern es lebendig zu halten\u201c, so Scheidemann. \u201eDas geschieht durch Migration, Emulation, Speicherung und Neubearbeitung beziehungsweise Neuerzeugung.\u201c Er war Teil einer Gr\u00fcndungskommission des lange geplanten und von Bund und Land gef\u00f6rderten Deutschen Fotoinstitutes in D\u00fcsseldorf. Dessen Direktor soll im ersten Quartal 2026 benannt werden. Ein Neubau soll bis 2031 stehen. Dann w\u00e4re die Fotografie schon 205 \u2013 doch \u00fcberaus lebendig.<\/p>\n<p>Dieser Artikel stammt aus der Guest Edition der WELT AM SONNTAG von Andreas Gursky, einem der ber\u00fchmtesten Fotografen der Welt. Sie k\u00f6nnen dieses einzigartige Sammlerst\u00fcck <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.lesershop24.de\/welt-am-sonntag\/gursky\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.lesershop24.de\/welt-am-sonntag\/gursky&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">hier<\/a> bestellen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"W\u00e4hrend Frankreich das gro\u00dfe Jubil\u00e4um vorbereitet, sorgt sich die Branche um ihre Zukunft. 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