{"id":646568,"date":"2025-12-14T23:08:12","date_gmt":"2025-12-14T23:08:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/646568\/"},"modified":"2025-12-14T23:08:12","modified_gmt":"2025-12-14T23:08:12","slug":"wenn-architektur-die-kunst-verschlingt-warum-sind-kunstmuseen-so-spektakulaer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/646568\/","title":{"rendered":"Wenn Architektur die Kunst verschlingt: Warum sind Kunstmuseen so spektakul\u00e4r?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Von Frank Gehrys Guggenheim-Museum in Bilbao bis hin zu Tadao Andos Bourse de Commerce in Paris \u2013 Weshalb m\u00fcssen Kunstmuseen immer so spektakul\u00e4r sein?<\/strong><\/p>\n<p>Am Kulturforum am Potsdamer Platz wurde k\u00fcrzlich das Richtfest des \u201eberlin modern\u201c gefeiert \u2013 dem Museum f\u00fcr Kunst des 20. Jahrhunderts, das das Schweizer Architekturb\u00fcro Herzog &amp; de Meuron hier gerade baut. Ob seiner Form wird es schon heute \u201eScheune\u201c, \u201eBierzelt\u201c und \u201eAldi\u201c genannt. Sozusagen als Antidote soll es statt der genehmigten 200 mindestens 526,5 Millionen Euro kosten und 2029 ein Jahr sp\u00e4ter als geplant er\u00f6ffnen. Die Architekten gewannen den Wettbewerb 2016, kurz bevor sie die <a href=\"https:\/\/www.ad-magazin.de\/artikel\/apartment-birg-man-koen-elbphilharmonie-hamburg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Elbphilharmonie<\/a> er\u00f6ffneten, sieben Jahre zu sp\u00e4t und mit 866 Euro elfmal so teuer wie angesetzt.<\/p>\n<p>Macht Gr\u00f6\u00dfenwahnsinn die Atmosph\u00e4re kaputt?<\/p>\n<p>Bei der Elbphilharmonie hat sich das gelohnt, der Bau ist innen wie au\u00dfen ein Gewinn. Doch das \u201eberlin modern\u201c? Erste Eindr\u00fccke untermauern den Verdacht: Zwischen zu <a href=\"https:\/\/www.ad-magazin.de\/article\/clewing-barcelona-chair\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mies van der Rohes<\/a> Neuer Nationalgalerie sowie Hans Scharouns Staatsbibliothek und Philharmonie macht sich die primitivste Bautypologie schlechthin breit, als w\u00e4re ihr das ikonische Umfeld egal. Und im Innern? Wozu brauchen Werke des Surrealismus, der <a href=\"https:\/\/www.ad-magazin.de\/artikel\/pop-art-moebel\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Pop Art<\/a>, Konzeptkunst und Minimal Art, die hier unterkommen sollen, ein riesiges Atrium \u00fcber drei Stockwerke? Ein Rendering schl\u00e4gt Marina Abramovi\u0107s Starr-Performance aus der MoMA-Schau \u201eThe Artist is Presence\u201c vor, Zuschauer hocken auf einer Trib\u00fcne und schauen von einer Galerie herab \u2013 und Abramovic schrumpft auf die Gr\u00f6\u00dfe einer Ameise. Mit der Londoner <a href=\"https:\/\/www.ad-magazin.de\/article\/olafur-eliasson-london\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Tate Modern<\/a> landeten Herzog &amp; de Meuron im Jahr 2000 einen Coup: Die riesige Turbinenhalle ist beeindruckend. Doch inzwischen arbeiten sich immer uniformer wirkende Installationsk\u00fcnstler daran ab. Dennoch hat sich das Museum als Erlebnisraum l\u00e4ngst gegen die Aufgabe durchgesetzt, Kunst und ihren verschiedenen Anforderungen bestm\u00f6glich zu dienen. So sehr, dass ich kaum noch gerne hingehe.<\/p>\n<p>Gr\u00f6\u00dfe hilft der Kunst nur selten, Breitschultrigkeit von Architektur ist innen wie au\u00dfen schwierig.<\/p>\n<p>Gesine Borcherdt<\/p>\n<p>Ob das beim \u201eberlin modern\u201c auch der Fall sein wird, wird sich erst zeigen. Doch ich sehe darin das Problem vieler Museen der letzten drei\u00dfig Jahre: Immer wieder werden dieselben greisen Architekten beauftragt, der Kunst ihre \u00fcberw\u00e4ltigende Handschrift aufzudr\u00fccken. <a href=\"https:\/\/www.ad-magazin.de\/artikel\/herzog-and-de-meuron-les-trois-rois-neugestaltung\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Herzog &amp; de Meuron<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.ad-magazin.de\/artikel\/frank-o-gehry-schaffen-aussergewoehnliche-haeuser\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Frank Gehry<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.ad-magazin.de\/artikel\/ad-wow-2022-renzo-piano-baut-v-a-c-foundation-um\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Renzo Piano<\/a>, Jean Nouvel, Tadao Ando \u2013 in den meisten ihrer Museen m\u00fcssen Kunstwerke gegen sie ank\u00e4mpfen. Nun kann man einwenden, dass Architekten eben visuelle Erfahrungen hervorbringen, das ist ihr Beruf. Doch wenn dieser Ehrgeiz, gepaart mit den neuen Anspr\u00fcchen an Nachhaltigkeit, die eigentlichen Bed\u00fcrfnisse \u00fcberlagert, kippt das Verh\u00e4ltnis.<\/p>\n<p>Frank Gehry und der \u201eGuggenheim-Effekt\u201c<\/p>\n<p>Wie der Kunstkritiker Hal Foster 2015 in seinem Essay \u201eAfter the White Cube\u201c schrieb, erfordern Werke verschiedener Gr\u00f6\u00dfen, Medien und Epochen ein vielf\u00e4ltiges, sensibles und proportional stimmiges Umfeld, das ihrer jeweiligen Atmosph\u00e4re gerecht wird. Ob Gro\u00dfleinw\u00e4nde von Helen Frankenthaler, Installationen von <a href=\"https:\/\/www.ad-magazin.de\/article\/hundert-jahre-joseph-beuys\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Joseph Beuys<\/a>, Rutschen von Carsten H\u00f6ller, Videoinstallationen von Hito Steyerl, kleine Zeichnungen von Unica Z\u00fcrn: Die Aufgabe eines Museums ist eine Pr\u00e4sentation, die Kunst nicht zur Nebensache erkl\u00e4rt. Doch der Hang zum Museum als Spektakel, losgetreten 1997 mit <a href=\"https:\/\/www.ad-magazin.de\/artikel\/frank-gehry-der-architekt-werke-leben\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Frank Gehrys<\/a> \u201eGuggenheim-Effekt\u201c in Bilbao, wird dank der neuesten Privatmuseen noch befeuert. Zugleich scheint es, als d\u00e4chten Museumsarchitekten vor allem an Kunst, die in Mega-Ateliers entsteht \u2013 so wie der Schulterschluss von Gehry und Richard Serra, dessen Stahlskulpturen direkt auf den Bilbao-Bau eingingen, es vormachte.<\/p>\n<p>Geb\u00e4ude, die instagrammable sind<\/p>\n<p>Dabei ist Gehry nur der offensichtlichste Starchitekt, dessen Pirouetten sofort als Bauskulptur erkennbar sind. Versteckt sich seine Fondation Louis Vuitton in Paris noch zwischen B\u00e4umen im Bois de Boulogne (was nicht \u00fcber das verschachtelte und schon nach elf Jahren angegilbte Innenleben hinwegt\u00e4uschen kann), kennt Gehry in Arles kein Pardon. Sein digitalbarocker Turm f\u00fcr die Luma Foundation der Sammlerin Maja Hoffmann ragt weithin sichtbar \u00fcber die D\u00e4cher der historischen Kleinstadt hervor und bietet vor allem Platz f\u00fcr Kunst, die selbst mit Design und Gr\u00f6\u00dfe spielt. Was immer man hier betrachtet, das Geb\u00e4ude dominiert. Auch wer sich einmal durch den hysterischen Anbau des Denver Art Museum von <a href=\"https:\/\/www.ad-magazin.de\/article\/interview-daniel-libeskind\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Daniel Libeskind<\/a> bewegt, der Gio Pontis Hauptgeb\u00e4ude v\u00f6llig ignoriert, oder durch das virtuell anmutende Zickzack von <a href=\"https:\/\/www.ad-magazin.de\/galerie\/zaha-hadid-bauwerke\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Zaha Hadids<\/a> Maxxi in Rom, hat hinterher kaum Erinnerungen an die Kunst, daf\u00fcr aber umso mehr Likes: Solche Museen sind derart instagrammable, dass ihre visuelle Wucht die ausgestellten Werke m\u00fchelos \u00fcbertrifft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Von Frank Gehrys Guggenheim-Museum in Bilbao bis hin zu Tadao Andos Bourse de Commerce in Paris \u2013 Weshalb&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":646569,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1775],"tags":[1793,29,214,30,2075,1794,215],"class_list":{"0":"post-646568","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kunst-und-design","8":"tag-art-and-design","9":"tag-deutschland","10":"tag-entertainment","11":"tag-germany","12":"tag-kunst","13":"tag-kunst-und-design","14":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115720441242245048","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/646568","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=646568"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/646568\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/646569"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=646568"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=646568"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=646568"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}