{"id":648127,"date":"2025-12-15T15:22:15","date_gmt":"2025-12-15T15:22:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/648127\/"},"modified":"2025-12-15T15:22:15","modified_gmt":"2025-12-15T15:22:15","slug":"muenchen-ausstellung-zu-otto-d-franz-und-seinen-bisher-unbekannten-hitler-prozess-zeichnungen-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/648127\/","title":{"rendered":"M\u00fcnchen: Ausstellung zu Otto D. Franz und seinen bisher unbekannten Hitler-Prozess-Zeichnungen &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vw426e\">Er hatte schon als Sch\u00fcler Zeichenunterricht beim renommierten Portr\u00e4t- und Landschaftsmaler Georg R\u00fctzel und studierte sp\u00e4ter acht Jahre lang an der M\u00fcnchner Akademie der bildenden K\u00fcnste. Er war ein talentierter Pianist, der aber auch Gitarre und Blasinstrumente beherrschte. Doch um die <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Kunst\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kunst<\/a> zum Beruf zu machen, brauchte es auch schon Anfang des 20. Jahrhunderts Mut. Und so verdiente sich der 1871 in Unterfranken geborene Otto D. Franz seinen Lebensunterhalt als Jurist, mehr als 40 Jahre lang mit einer Kanzlei in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/M%C3%BCnchen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">M\u00fcnchen<\/a>.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Immerhin, und das w\u00fcrde ihn wohl tr\u00f6sten, ist der 1961 gestorbene Franz der Nachwelt dann doch als K\u00fcnstler in Erinnerung geblieben. Einmal durch zahlreiche Gem\u00e4lde, die sich heute in Museen und Privatbesitz befinden. Noch mehr aber durch seine Gerichtszeichnungen vom <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/hitler-putsch-prozess-1924-muenchen-100-jahre-1.6394400\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hitler-Prozess 1924<\/a>. Das Staatsarchiv M\u00fcnchen zeigt jetzt noch bis zum 7. M\u00e4rz bislang unver\u00f6ffentlichte Zeichnungen in der <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Ausstellung\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ausstellung<\/a> \u201eNahaufnahmen \u2013 Unbekannte Skizzen vom Hitler-Ludendorff-Prozess und ihr Zeichner Otto D. Franz\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/hitler-putsch-prozess-1924-muenchen-100-jahre-1.6394400\" aria-label=\"Artikelverlinkung:\" data-track-szde=\"{&quot;event&quot;:&quot;teaser_clicked&quot;,&quot;teaser_clicked&quot;:{&quot;article_title&quot;:&quot;das_skandal_urteil_das_hitlers_aufstieg_ermoeglichte&quot;,&quot;doctype&quot;:&quot;&quot;,&quot;label&quot;:&quot;szplus&quot;,&quot;main_topic&quot;:&quot;geschichte_muenchens&quot;,&quot;object_id&quot;:&quot;sz.1.6394400&quot;,&quot;pcat&quot;:&quot;paid&quot;,&quot;section&quot;:&quot;muenchen&quot;,&quot;teaser_type&quot;:&quot;article_teaser_top&quot;}}\" data-manual=\"teaser-url\" data-tb-link=\"\" aria-labelledby=\"teaser-httpswwwsueddeutschedemuenchenhitler-putsch-prozess-1924-muenchen-100-jahre-16394400\" class=\"css-14tg8sh\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/91428832-b158-410c-b45d-2408e7d5a3eb.jpeg\"   alt=\"\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/><\/p>\n<p>Prozess vor 100 Jahren<\/p>\n<p>:Das Skandal-Urteil, das Hitlers Aufstieg erm\u00f6glichte<\/p>\n<p class=\"css-a6ecqs\" data-manual=\"teaser-text\" data-tb-description=\"\" data-schema-org-speakable=\"true\">Vor Gericht geht es um Hochverrat und den Putschversuch vom November 1923. Hitler kommt dabei mit einem skandal\u00f6s milden Urteil davon. Warum es dazu kam.<\/p>\n<p>SZ PlusVon Barbara Galaktionow<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">M\u00f6glich wurde dies durch den Ankauf des Nachlasses von Franz im November 2024. Der Historiker Benedikt Martin Ertl hat die 89 Archivalien gesichtet, ausgewertet und nach Recherchen in weiteren Archiven und Zeitzeugen-Interviews zu dieser Schau verarbeitet. Im Mittelpunkt stehen die bislang unver\u00f6ffentlichten Skizzen vom Hitler-Ludendorff-Prozess aus dem Jahr 1924, einschlie\u00dflich der etwa 15 Zeichnungen, die damals in der M\u00fcnchner Illustrierten Presse und der Illustrierten Presse in Leipzig ver\u00f6ffentlicht wurden. Dies sind deshalb wichtige Geschichtszeugnisse, weil es zwar Fotografien der Beteiligten vor der Infanterieschule gibt, in welcher der Prozess stattfand, im Saal selbst aber Fotografier-Verbot herrschte. Von der Atmosph\u00e4re und den Abl\u00e4ufen dort gibt es also nur schriftliche Beschreibungen \u2013 und Gerichtszeichnungen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Franz hatte keine offizielle Akkreditierung oder Funktion, er besuchte den Prozess sozusagen als Privatmann, hatte aber als Jurist wohl leichteren Zugang. Und er war nicht der einzige Zeichner im Saal, denn das \u00f6ffentliche Interesse an dem Verfahren, mit dem der gescheiterte \u201e<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/projekte\/artikel\/muenchen\/hitlerputsch-november-1923-hitler-ludendorff-buergerbraeukeller-muenchen-100-jahre-e912988\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hitlerputsch<\/a>\u201c vom 8. und 9. November 1923 aufgearbeitet werden sollte, war riesig. F\u00fcr die Berliner Illustrierte Zeitung etwa, die auflagenst\u00e4rkste Illustrierte im Reich, sa\u00df Willibald Krain im Saal. F\u00fcr die Hamburger Illustrierte Zeitung ein Hans Schweitzer, der vermutlich mit jenem Hans Herbert Schweizer identisch ist, der in den Drei\u00dfigerjahren eine wichtige Figur im Reichspropagandaministerium war. Auch von ihnen sind Zeichnungen ausgestellt, und im Vergleich f\u00e4llt auf, dass Otto Franz der genaueste und technisch beste Zeichner war.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6249fbf8-ae2c-44bc-82d8-2a0a6dd2c60c.jpg\"   alt=\"Seinen Lebensunterhalt verdiente Otto D. Franz als Jurist. Studiert hatte er allerdings auch an der Akademie der bildenden K\u00fcnste M\u00fcnchen. Hier hat er seine Staffelei am Gardasee aufgebaut.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Seinen Lebensunterhalt verdiente Otto D. Franz als Jurist. Studiert hatte er allerdings auch an der Akademie der bildenden K\u00fcnste M\u00fcnchen. Hier hat er seine Staffelei am Gardasee aufgebaut. (Foto: BayHStA M\u00fcnchen)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Betrachtet man seine Saal-Zeichnungen, kommt es einem kaum wie ein Hochverrats-Prozess (zu einem Putschversuch mit 19 Toten) vor, eher wie eine Podiumsveranstaltung politisch Gleichgesinnter. Was zu dem von der Sympathie des Vorsitzenden Richters Georg Neidhardt f\u00fcr die Angeklagten gepr\u00e4gten Verfahren passt, das schon damals von allen Demokraten als Justizskandal empfunden wurde. Einmal, weil es generell rechtswidrig war: Zust\u00e4ndig w\u00e4re das Reichsgericht in Berlin gewesen, und der Angeklagte Hitler w\u00e4re nach bayerischem Recht als \u00d6sterreicher zwingend auszuweisen gewesen. Vor allem aber wegen der unglaublich milden Urteile, die es Hitler erst erm\u00f6glichten, in der fast schon luxuri\u00f6sen Haft in Landsberg \u201eMein Kampf\u201c zu schreiben und seine politische Karriere fortzusetzen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Bei einer quellenkritischen Ausstellung r\u00fcckt dann automatisch der Urheber in den Blick. War Franz ebenfalls ein Sympathisant der Angeklagten? Wie vieles andere \u2013 unter anderem die wom\u00f6glich nicht sehr \u201earische\u201c Herkunft seiner Frau Clara \u2013 kann man das nicht gesichert sagen, weil viele seiner gesch\u00e4ftlichen wie privaten Unterlagen verloren gingen, als bei Luftangriffen im April und Juli 1944 erst seine Kanzlei, dann seine Wohnung zerst\u00f6rt wurden. Aus den erhaltenen Briefen seines \u00e4lteren, in Berlin lebenden Bruders, besonders aus einem, in dem der den Ausgang des Putsches beklagt, kann man eine konservative Grundhaltung der Familie annehmen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Franz lie\u00df sich auch eine Zeichnung des angeklagten Hauptt\u00e4ters Erich Ludendorff von diesem signieren. Bereits 1932 wurde er NSDAP-Mitglied. Eines seiner Gem\u00e4lde wurde 1938 von der NSDAP f\u00fcr die Parteizentrale angekauft. Und dann gibt es 21 erst viel sp\u00e4ter angefertigte Prozess-Zeichnungen, die Franz als Mappe mit pers\u00f6nlicher Widmung 1933 Hitler schenkte. Sie befinden sich bis heute in der sogenannten Hitler-Bibliothek in der Library of Congress in Washington.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6f9d21ce-3dbd-4a2c-9845-8ea6d5f52323.jpg\"   alt=\"Der Angeklagte Erich Ludendorff signierte die Zeichnung, die Otto D. Franz von ihm fertigte.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Der Angeklagte Erich Ludendorff signierte die Zeichnung, die Otto D. Franz von ihm fertigte. (Foto: BayHStA M\u00fcnchen)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Andererseits ist Franz nie als Amtstr\u00e4ger oder Propagandist in Erscheinung getreten. In seinem Entnazifizierungsverfahren 1947 wurde er von der Spruchkammer als Mitl\u00e4ufer eingestuft, was die Wahrheit vermutlich gut trifft. Als Jurist besch\u00e4ftigte sich Franz fast ausschlie\u00dflich mit Zivilrecht und vertrat viele K\u00fcnstler. Vor allem als Scheidungsanwalt war er bekannt, unter anderem waren der Dirigent Karl B\u00f6hm und der befreundete Illustrator Olaf Gulbransson seine Mandanten. Stets zeichnete er in seinen Verhandlungen nebenbei, weshalb folgender scherzhafter Spruch kursiert haben soll: \u201eNehmen wir nur schnell den Justizrat Franz dran, sonst karikiert er uns!\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Franz musizierte viel und war Mitglied mehrerer Kunstvereine und K\u00fcnstlergesellschaften und oft an den Gruppenausstellungen im M\u00fcnchner Glaspalast beteiligt, bis dieser 1931 abbrannte. Neben Portr\u00e4ts liebte er die Landschaftsmalerei. Als Inspiration dienten ihm Reisen, oft an den Gardasee oder an die Ostsee, aber auch nach Frankreich, Schweden oder die Niederlande. Zu einer Zeit, in der dies f\u00fcr die meisten noch unerschwinglich war. So erz\u00e4hlt die Schau auch eine spannende Biografie und beleuchtet zugleich einen selten beachteten Teil der Schwabinger Boh\u00e8me.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Viel Platz hat die Schau daf\u00fcr nicht. Nur ein Vorraum (mit den Gerichtszeichnungen) und ein Gang (mit dem Biografischen)\u00a0 stehen ihr im Staatsarchiv zur Verf\u00fcgung. Deshalb finden sich bei den meisten Exponaten QR-Codes, \u00fcber die man auf dem Smartphone in die Vertiefungsebene gelangt, wenn man es genauer wissen will. In jedem Fall empfehlenswert ist der kleine Ausstellungskatalog.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\"><strong>\u201e<\/strong><strong><a href=\"https:\/\/www.gda.bayern.de\/aktuelles\/nahaufnahmen-eine-ausstellung-des-staatsarchiv-muenchen-zu-sehen-vom-26-november-2025-bis-7-maerz-2026\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Nahaufnahmen \u2013 Unbekannte Skizzen vom Hitler-Ludendorff-Prozess und ihr Zeichner Otto D. Franz<\/a><\/strong><strong>\u201c, eine Ausstellung des Staatsarchivs M\u00fcnchen, Sch\u00f6nfeldstr. 3, bis 7. M\u00e4rz, mit Katalog (Schriftenreihe Kleine Ausstellungen Nr. 73)<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Er hatte schon als Sch\u00fcler Zeichenunterricht beim renommierten Portr\u00e4t- und Landschaftsmaler Georg R\u00fctzel und studierte sp\u00e4ter acht Jahre&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":648128,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1827],"tags":[5791,2076,2396,2704,772,29,30,2989,2986,2392,2075,1268,57,149],"class_list":{"0":"post-648127","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenchen","8":"tag-adolf-hitler","9":"tag-ausstellung","10":"tag-ausstellung-muenchen","11":"tag-ausstellungen","12":"tag-bayern","13":"tag-deutschland","14":"tag-germany","15":"tag-geschichte","16":"tag-geschichte-muenchens","17":"tag-kultur-in-muenchen","18":"tag-kunst","19":"tag-muenchen","20":"tag-nationalsozialismus","21":"tag-sueddeutsche-zeitung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115724273047638472","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/648127","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=648127"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/648127\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/648128"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=648127"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=648127"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=648127"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}