{"id":648129,"date":"2025-12-15T15:23:22","date_gmt":"2025-12-15T15:23:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/648129\/"},"modified":"2025-12-15T15:23:22","modified_gmt":"2025-12-15T15:23:22","slug":"kundin-bekommt-geld-fuer-kosmetiktermin-zurueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/648129\/","title":{"rendered":"Kundin bekommt Geld f\u00fcr Kosmetiktermin zur\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t\t\t<strong><\/p>\n<p>Eine Frau hatte online einen Termin f\u00fcr ein Permanent Make-up gebucht und direkt bezahlt. Erst kurz vor dem Termin wurde sie \u00fcber die Risiken informiert. Das AG M\u00fcnchen sagt: Kommt die Aufkl\u00e4rung so sp\u00e4t, bekommt die Kundin alles Geld zur\u00fcck.<\/p>\n<p><\/strong><\/p>\n<p>Permanent Make-up (PMU) mag je nach Anwendungsgebiet auf Dauer angelegt sein \u2013 Vertr\u00e4ge sind es dagegen nicht zwingend. Jedenfalls dann nicht, wenn wesentliche Informationen erst offengelegt werden, wenn die Kundin praktisch schon auf dem Behandlungsstuhl sitzt. Genau das hat das <a href=\"https:\/\/www.lto.de\/gerichte\/aktuelle-urteile-und-adresse\/amtsgericht-muenchen\" target=\"_top\" class=\"external-link-new-window\" title=\"AG M\u00fcnchen LTO-Gerichtsseite\" rel=\"nofollow noopener\">Amtsgericht (AG) M\u00fcnchen<\/a> einer Kosmetikerin nun unmissverst\u00e4ndlich klargemacht: Wer \u00fcber Risiken erst nach Vertragsschluss aufkl\u00e4rt, er\u00f6ffnet der Kundin den R\u00fccktritt und damit den Weg zur R\u00fcckzahlung (Urt. v. 03.10.2025, Az. 191 C 11493\/25).<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchjahr 2024 hatte eine M\u00fcnchenerin \u00fcber ein Online-Portal bei einer M\u00fcnchner Kosmetikerin zwei Sitzungen f\u00fcr ein permanentes Lippen-Make-up gebucht. Nach ein paar schnellen Klicks zahlte sie auch gleich online. Der Preis betrug 120 Euro, die die Kundin vollst\u00e4ndig im Voraus entrichtete. \u00dcber m\u00f6gliche gesundheitliche Risiken verlor der Anbieter beim Buchungsvorgang allerdings kein Wort.<\/p>\n<p>Die Gesundheitsaufkl\u00e4rung holte die Kosmetikerin erst beim vereinbarten Behandlungstermin nach. Kurz vor der Behandlung wies sie darauf hin, dass das PMU auf Lippen lediglich ein bis zwei Wochen halte und nicht ganz risikofrei sei. Als die Kundin der Kosmetikerin auf Fragen zu ihrer Gesundheit antwortete, machte die Anbieterin einen R\u00fcckzieher: Wegen des Gesundheitszustandes der Kundin seien die Risiken bei ihr gr\u00f6\u00dfer als \u00fcblich. Sie riet von der Durchf\u00fchrung der Behandlung letztlich ab, ein Lippen-PMU wurde an diesem Tag nicht aufgetragen.<\/p>\n<p>Gutschein statt Geld zur\u00fcck<\/p>\n<p>Die bereits gezahlten 120 Euro wollte die Kosmetikerin der Kundin aber nicht erstatten. Stattdessen bot sie ihr einen Gutschein an. Die Kundin winkte ab, setzte per WhatsApp eine Frist zur R\u00fcckzahlung und wartete vergeblich.<\/p>\n<p>Nachdem auch eine Mahnung nichts brachte, landete der Streit vor dem AG M\u00fcnchen. Dort bekam die klagende Kundin nun vollumf\u00e4nglich Recht: Das AG verurteilte die beklagte Kosmetikerin dazu, die 120 Euro zur\u00fcckzuzahlen, au\u00dferdem Zinsen sowie die Kosten des Inkassodienstleisters zu ersetzen.<\/p>\n<p>Tragender Grund der Entscheidung war die unterbliebene Risikoaufkl\u00e4rung vor Vertragsschluss. Die angebotene kosmetische Behandlung sei mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Daraus folge eine Pflicht zur umfassenden Aufkl\u00e4rung bereits vor Abschluss des Behandlungsvertrags (\u00a7 241 Abs. 2 B\u00fcrgerliches Gesetzbuch (BGB)), so das Gericht.<\/p>\n<p>Konkret regelt \u00a7 241 Abs. 2 BGB sogenannte R\u00fccksichtnahmepflichten. Vertragspartner m\u00fcssen danach auf die Rechte und Interessen des anderen R\u00fccksicht nehmen. Bei Behandlungen mit Gesundheitsrisiken bedeutet das: Kundinnen m\u00fcssen fr\u00fchzeitig wissen, worauf sie sich einlassen.<\/p>\n<p>Zu sp\u00e4t informiert<\/p>\n<p>Die Kosmetikerin hat laut AG nicht nachweisen k\u00f6nnen, dass eine solche Aufkl\u00e4rung bereits im Rahmen der Online-Buchung erfolgt sei. Die Kundin habe hingegen glaubhaft gemacht, erst unmittelbar vor der geplanten Behandlung davon erfahren zu haben.<\/p>\n<p>Diese versp\u00e4tete Aufkl\u00e4rung reichte dem Gericht nicht aus, um von einem R\u00fccktrittsanspruch abzusehen. Im Gegenteil: Eine so sp\u00e4te Aufkl\u00e4rung er\u00f6ffne gerade erst den Weg zum R\u00fccktritt. Ein solcher nach \u00a7\u00a7 346 ff. BGB erlaubt es, sich nachtr\u00e4glich vom Vertrag zu l\u00f6sen, wenn daf\u00fcr ein rechtlicher Grund besteht.<\/p>\n<p>Da die Kundin die Behandlung nach der Risikoaufkl\u00e4rung berechtigterweise nicht in Anspruch genommen habe, bestehe auch keine Verg\u00fctungspflicht, so das AG. Auch an eine kostenpflichtige Stornierung sei unter diesen Umst\u00e4nden nicht zu denken. Die Kosmetikerin m\u00fcsse den bereits gezahlten Betrag im Ergebnis vollst\u00e4ndig zur\u00fcckzahlen.<\/p>\n<p>Das Urteil ist rechtskr\u00e4ftig.<\/p>\n<p>xp\/LTO-Redaktion<\/p>\n<p>Zitiervorschlag<\/p>\n<p id=\"citeArticleContent\">\n<p>\t\t\t\t\tAG M\u00fcnchen bejaht R\u00fccktrittsrecht:<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t. In: Legal Tribune Online,<br \/>\n\t\t\t\t\t15.12.2025<br \/>\n\t\t\t\t\t, https:\/\/www.lto.de\/persistent\/a_id\/58865 (abgerufen am:<br \/>\n\t\t\t\t\t15.12.2025<br \/>\n\t\t\t\t\t)\n\t\t\t\t<\/p>\n<p>\t\t\t\tKopieren<br \/>\n\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/www.lto.de\/rechtliches\/zitierhinweise\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Infos zum Zitiervorschlag<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eine Frau hatte online einen Termin f\u00fcr ein Permanent Make-up gebucht und direkt bezahlt. 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