{"id":648765,"date":"2025-12-15T21:23:25","date_gmt":"2025-12-15T21:23:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/648765\/"},"modified":"2025-12-15T21:23:25","modified_gmt":"2025-12-15T21:23:25","slug":"neben-russland-werden-auch-die-usa-zum-feindbild-deutschlands-gefaehrlicher-sonderweg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/648765\/","title":{"rendered":"Neben Russland werden auch die USA zum Feindbild: Deutschlands gef\u00e4hrlicher Sonderweg"},"content":{"rendered":"<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Manchmal verdichtet sich ein Paradigmenwechsel in einer einzigen Fernsehstunde. Die Debatte bei Caren Miosga am vergangenen Sonntag war ein solcher Moment. Unter dem Deckmantel einer Diskussion \u00fcber die neue Sicherheitsstrategie der USA entfaltete sich ein fundamentaler Wandel im deutschen Denken. Mit G\u00e4sten wie dem CDU-Politiker <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/norbert-roettgen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Norbert R\u00f6ttgen<\/a>, dem Sicherheitsexperten Nico Lange und der Journalistin Anett Meiritz wurde nicht nur \u00fcber Amerika geredet \u2013 es wurde mit Amerika gebrochen.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die Sendung lief unter dem Titel \u201eTrumps neue Sicherheitsstrategie \u2013 die n\u00e4chste Zeitenwende f\u00fcr Europa?\u201c, und eigentlich war schon beim Betrachten der G\u00e4steliste klar, wohin die Reise gehen w\u00fcrde. Allerdings konnte es dann doch \u00fcberraschen, dass sich ein jahrelang treuer Transatlantiker wie Norbert R\u00f6ttgen zu verbalen Ma\u00dfregelungen gegen\u00fcber den amerikanischen Verb\u00fcndeten hinrei\u00dfen lie\u00df.<\/p>\n<p>Neues Feindbild USA<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Denn zwischen den Zeilen, in den scharfen T\u00f6nen und der kaum verhohlenen neuen Verachtung f\u00fcr Washington, offenbarte sich der Kern einer sich abzeichnenden deutschen Doktrin: die Er\u00f6ffnung eines verbalen Zwei-Fronten-Krieges. W\u00e4hrend man nach Osten den milit\u00e4rischen Sieg \u00fcber Russland herbeiredet, erkl\u00e4rt man nach Westen den langj\u00e4hrigen B\u00fcndnispartner <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/usa\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">USA<\/a> zum unliebsamen Rivalen, dessen Einmischung man sich verbittet. Es ist eine Rhetorik der Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung, die Deutschlands Interessen fundamental schadet.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Bei der Diskussion \u00fcber die inhaltlichen Punkte des Strategiepapiers hie\u00df es, ein zentrales Interesse der USA sei die Wiederherstellung \u201estrategischer Stabilit\u00e4t mit Russland\u201c. In der Berliner Blase l\u00f6st eine solche Aussage blankes Entsetzen aus. Dass ein stabiles Verh\u00e4ltnis zwischen den beiden gr\u00f6\u00dften Atomm\u00e4chten auch im ureigenen europ\u00e4ischen Interesse liegen k\u00f6nnte, scheint hier niemandem mehr in den Sinn zu kommen. Stattdessen erkl\u00e4rte R\u00f6ttgen mit Grabesstimme das \u201eEnde einer \u00c4ra\u201c. Die 80 Jahre w\u00e4hrende Epoche, in der die USA die Sicherheit Europas als eigenes Interesse definierten, sei beendet.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Diese Feststellung dient jedoch nicht der n\u00fcchternen Analyse, sondern als Rechtfertigung f\u00fcr die eigene verbale Eskalation. Wenn Donald Trump als Vermittler im Krieg auftreten will, wird ihm unterstellt, er st\u00fcnde \u201eauf der Seite Russlands\u201c. Semantische Spitzfindigkeiten, ob es ein Krieg \u201egegen\u201c oder \u201ein\u201c der <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/ukraine\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ukraine<\/a> sei, werden zu Beweisen f\u00fcr einen angeblichen Schulterschluss der USA mit Russland hochstilisiert.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die Pr\u00e4misse, dass eine Verhandlungsl\u00f6sung, die eine Belohnung von Krieg vorsieht, nur Putins Appetit anregen w\u00fcrde, bleibt dabei das unhinterfragte Mantra. Es ist eine bekannte Argumentation, die au\u00dfer der milit\u00e4rischen Unterwerfung Russlands keine Exit-Optionen kennt: ein Wunschtraum, der an der Realit\u00e4t an der Front seit Jahren zerschellt.<\/p>\n<p>Souver\u00e4nit\u00e4t als Konfrontationskurs<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Neben der neuen Sicherheitsstrategie stand der Streit um die eingefrorenen russischen Verm\u00f6genswerte im Zentrum. Der Vorschlag der USA, diese Gelder in amerikanische Investmentfonds zu \u00fcberf\u00fchren und sich dabei eine hohe Rendite zu sichern, wurde von R\u00f6ttgen als Affront gegen die \u201eeurop\u00e4ische Souver\u00e4nit\u00e4t\u201c gegei\u00dfelt. Die europ\u00e4ische Antwort, die nun auf dem EU-Gipfel am Donnerstag beschlossen werden soll, ist jedoch nicht weniger riskant.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die Verm\u00f6gen sollen als Sicherheit f\u00fcr einen gigantischen Kredit dienen, der die Ukraine \u00fcber Jahre finanzieren soll. Deutschland allein soll Garantien in H\u00f6he von rund 40 Milliarden Euro bereitstellen. Als R\u00f6ttgen nach bohrender Nachfrage zugeben musste, dass im schlimmsten Fall der deutsche Steuerzahler f\u00fcr diese Summe haften w\u00fcrde, eilte Nico Lange mit der rhetorischen Allzweckwaffe zu Hilfe: \u201eWas ist die Alternative?\u201c<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Diese Frage dient inzwischen als Totschlagargument f\u00fcr jede Ma\u00dfnahme, deren Kosten und Konsequenzen nicht mehr rational zu rechtfertigen sind. Es geht hier l\u00e4ngst nicht mehr nur um die Ukraine. Die Entscheidung \u00fcber die russischen Gelder wird zum Machtkampf mit Washington stilisiert, bei dem Europa seine angebliche St\u00e4rke demonstrieren will. Dass ausgerechnet der Vizevorsitzende der Atlantik-Br\u00fccke, Norbert R\u00f6ttgen, diesen Konfrontationskurs anf\u00fchrt, ist an Ironie kaum zu \u00fcberbieten.<\/p>\n<p>Die Kampfansage aus Berlin<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die intellektuelle Kriegserkl\u00e4rung an Washington erfolgte, als die Debatte auf die amerikanische Kritik an Europa kam. Den Anfang machte Nico Lange, der sich den \u201eherablassenden Tonfall\u201c verbittet, mit dem die USA Europa als \u201earm\u201c und \u201etechnologisch r\u00fcckst\u00e4ndig\u201c darstellten. Norbert R\u00f6ttgen legte nach und erkl\u00e4rte die amerikanische Kritik rundweg f\u00fcr \u201eabsolut inakzeptabel\u201c. Jede kritische Analyse aus Washington wird hier zur illegitimen \u201eEinmischung\u201c umgedeutet.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Zur Meinungsfreiheit erkl\u00e4rte Lange, es habe \u201eschon immer unterschiedliche Auffassungen\u201c zwischen Europa und Amerika gegeben. In Amerika seien im Internet Dinge m\u00f6glich, die in Europa nicht gingen. Schlie\u00dflich operiere man hier im Rahmen der \u201efreiheitlich-demokratischen Grundordnung\u201c. Die unausgesprochene Unterstellung ist brisant: Der \u00e4lteste Verb\u00fcndete wird nicht nur als Rivale, sondern als ein System au\u00dferhalb des eigenen Wertekanons dargestellt. Gilt in den USA also keine freiheitlich-demokratische Grundordnung?<\/p>\n<p>BND soll vor USA warnen<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Der Gipfel der Entfremdung war die Aussage von Anett Meiritz, als sie darauf angesprochen wurde, ob russische Desinformationskampagnen mit amerikanischen vergleichbar seien. Man wundere sich, warum der Bundesnachrichtendienst nicht l\u00e4ngst vor amerikanischer Einmischung warne. Diese sei, anders als die russische, keine abstrakte Bot-Aktivit\u00e4t, sondern reale Einmischung, sagte Meiritz in einem fast schon beil\u00e4ufigen Statement kurz vor Schluss.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Der einstige Schutzpatron wird zum Saboteur der eigenen Demokratie umgedeutet, und die Botschaft des Abends war unmissverst\u00e4ndlich: Die massive Aufr\u00fcstung Deutschlands dient nicht nur der Abschreckung Russlands, sondern ist auch das Fundament einer neuen Eigenst\u00e4ndigkeit, die sich gegen den Einfluss der USA richtet.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ article_paragraph_end-of-article-icon__tzjPO\">80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, der Deutschland durch die USA Befreiung und Demokratie brachte, erkl\u00e4ren Teile der politischen Elite in Berlin nun ihre Unabh\u00e4ngigkeit von Ratschl\u00e4gen aus Washington. Es ist der direkte Weg in die selbst gew\u00e4hlte Isolation. Ein Land, das glaubt, einen Zwei-Fronten-Konflikt mit Russland und den USA bestehen zu k\u00f6nnen, hat die Lektionen seiner Geschichte nicht gelernt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Manchmal verdichtet sich ein Paradigmenwechsel in einer einzigen Fernsehstunde. 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