{"id":649147,"date":"2025-12-16T01:12:22","date_gmt":"2025-12-16T01:12:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/649147\/"},"modified":"2025-12-16T01:12:22","modified_gmt":"2025-12-16T01:12:22","slug":"groteskes-maerchenspektakel-punch-and-judy-an-der-oper-frankfurt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/649147\/","title":{"rendered":"Groteskes M\u00e4rchenspektakel \u00bb Punch and Judy\u00ab an der Oper Frankfurt &#8211;"},"content":{"rendered":"<p><img fetchpriority=\"high\" width=\"640\" height=\"381\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Punch-and-Judy_OPFFM_c_MonikaRittershaus_21-640x381.jpg\" class=\"attachment-mh-magazine-content size-mh-magazine-content wp-post-image\" alt=\"\" title=\"Punch and Judy\" loading=\"eager\" decoding=\"async\"\/><br \/>\nPunch and Judy ~ Oper Frankfurt ~ Gesamtansicht des B\u00fchnenraums, v.l.n.r. Punch (Jarrett Porter), Doctor (Alfred Reiter), Lawyer (Sven Hj\u00f6rleifsson), Pretty Polly (Danae Kontora), Judy (Cecelia Hall) ~ \u00a9 Monika Rittershaus<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"188\" height=\"86\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/kulturfreak_4_5.jpg\" alt=\"kulturfreak Bewertung: 4 von 5\" class=\"wp-image-521\"\/><\/p>\n<p>Dramatik von Anfang an: Wenn das Orchester zu spielen beginnt, ert\u00f6nen brutal anmutende T\u00f6ne. Dazu schrillt eine Trillerpfeife, es entsteht eine dichte und Angst sch\u00fcrende Atmosph\u00e4re. Und dies ganz zu Recht. Der Puppenspielerbauer Choregos (charmant wie diabolisch und mit baritonaler W\u00e4rme: <strong>Liviu Holender<\/strong>) l\u00e4sst seine Puppen los. Allen voran Punch, der erst einmal sein Baby durch einen Fleischwolf dreht und daraus W\u00fcrstel fertigt. Auf seinem Weg, seine Angebetete Judy f\u00fcr sich zu gewinnen, mordet er munter weiter. Schlie\u00dflich wird er verurteilt, doch dann ist es der Henker selbst, der stirbt, nicht Punch.<\/p>\n<p>Das grotesk-blutige M\u00e4rchenspektakel <strong>Punch and Judy<\/strong> ist Harrison Birtwistles erste Oper, sie wurde 1968 im britischen Aldeburgh uraufgef\u00fchrt. Punch and Judy steht f\u00fcr die englische Variante des deutschen Kasperltheaters.<\/p>\n<p>Die Oper ist nichts f\u00fcr schwache Nerven (und Ohren), auch wenn die Puppen nicht leiden, nie lange tot sind und der Horror einfach nur grell \u00fcberzeichnet ist. Regisseur <strong>Wolfgang N\u00e4gele<\/strong>, Hausregisseur am Theater Bielefeld, erz\u00e4hlt die absurde Geschichte \u00e4u\u00dferst ideenreich. Die gezeigte Brutalit\u00e4t ist so schr\u00e4g, dass sie zwischendurch immer wieder komisch anmutet.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"427\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Punch-and-Judy_OPFFM_c_MonikaRittershaus_03m.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-48020\"  \/><strong>Punch and Judy<\/strong><br \/>Oper Frankfurt<br \/><strong>v.l.n.r. Choregos (Liviu Holender),  Punch (Jarrett Porter); im Hintergrund: Lawyer (Sven Hj\u00f6rleifsson), Judy (Cecelia Hall), Doctor (Alfred Reiter)<\/strong><br \/>\u00a9 Monika Rittershaus<\/p>\n<p>Gro\u00dfe Unterst\u00fctzer hat N\u00e4gele im mit viel Spielfreude aufwartenden Ensemble der Oper Frankfurt, allen voran durch Bariton<strong> Jarrett Porter <\/strong>in der Partie des Punch. Die abartige Puppe gibt er changierend zwischen kindlicher Naivit\u00e4t und einem aus einem Irrenhaus entflohenen Insassen. F\u00fcr diese Produktion ist die Koloratursopranistin <strong>Danae Kontora<\/strong> an die Oper Frankfurt zur\u00fcckgekehrt. Als Pretty Polly besticht sie erneut mit ihrer extremen H\u00f6he und zudem mit k\u00f6rperlicher Flexibilit\u00e4t. Denen beiden gegen\u00fcber wirken die Figuren Judy (Mezzosopranistin <strong>Cecelia Hall<\/strong>) und die beiden Volksvertreter Lawyer (Tenor <strong>Sven Hj\u00f6rleifsson<\/strong>) und Doctor (Bass<strong> Alfred Reiter<\/strong>) fast schon \u201enormal\u201c.<\/p>\n<p>B\u00fchnenbildner <strong>Thilo Ullrich<\/strong> hat die von Birtwistle beschriebene Jahrmarktatmosph\u00e4re in der Au\u00dfenspielst\u00e4tte Bockenheimer Depot aufwendig in Szene gesetzt. Im B\u00fchnenvordergrund befindet sich der Au\u00dfenbereich eines Jahrmarkts, was mittig durch eine dunkle Fl\u00e4che mit feinem Ger\u00f6ll angedeutet wird. Rechts steht die Puppenbude, die auch als Hotdog-Stand genutzt wird, daneben St\u00fchle f\u00fcr das Puppentheaterpublikum. Das Orchester spielt von der linken Seite und ist dabei gut zu beobachten. <\/p>\n<p>Ein zentrales B\u00fchnenelement stellt ein \u201eCircle of Death\u201c dar. Dabei handelt es sich um ein gro\u00dfes rundes Metallrad, einem Riesenrad \u00e4hnlich. Punchs Mordinstrumente prangen ebenso daran wie die vier Himmelsrichtungen, in die es Punch auf seiner Reise verschl\u00e4gt. Dahinter befinden sich vier klaustrophobisch anmutende R\u00e4ume (Jahrmarktsbuden), die abwechselnd in den Fokus r\u00fccken. In ihnen wirkt die knallig bunte Lackkleidung der Figuren besonders stark (Kost\u00fcme: <strong>Marlen Duken<\/strong>).<\/p>\n<p>Birtwistles \u201eKompositionen vereinen eine progressive \u00c4sthetik mit archaischer Wirkungskraft und emotionaler Dichte, sie sind oft inspiriert durch zeitgen\u00f6ssische Kunst sowie Rituale aus dem Bereich der klassischen Mythologie und der Fr\u00fchgeschichte\u201c (Boosey &amp; Hawkes). Dirigent <strong>Alden Glatt<\/strong> und das klein besetzte <strong>Frankfurter Opern- und Museumsorchester<\/strong> bringen Birtwistles komplexe Schauermusik gro\u00df heraus. Dabei spielen die Musiker mindestens jeweils zwei Instrumente, die beiden Perkussionisten zusammen gar rund 80. Mehrheitlich expressive Kl\u00e4nge gibt es zu Beginn, sp\u00e4ter stehen filigrane und lyrischere Tongeflechte im Mittelpunkt.<\/p>\n<p>Im Hintergrund steht die Frage, wer letztlich f\u00fcr die Morde verantwortlich ist: die Puppe oder der Puppenspieler? Dar\u00fcber lassen sich Parallelen in die Gegenwart ziehen: Wer wird beispielsweise k\u00fcnftig bei von der KI entwickelten Dingen letztlich verantwortlich sein: die KI oder deren Sch\u00f6pfer?<\/p>\n<p>Am Ende intensiver Beifall.<\/p>\n<p>Markus Gr\u00fcndig, Dezember 25<\/p>\n<p>Als Kontrastprogramm zu den derzeit im Opernhaus gespielten Werken (Die Banditen, Carmen, <a href=\"https:\/\/kulturfreak.de\/mozarts-mitridate-re-di-ponto-erstmals-szenisch-in-frankfurt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mitridate<\/a> und <a href=\"https:\/\/kulturfreak.de\/puccinis-tosca-wieder-im-spielplan-der-oper-frankfurt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tosca<\/a>) gibt es \u201e<strong>Punch and Judy<\/strong>\u201c an ausgew\u00e4hlten Tagen noch bis zum Jahresende im Bockenheimer Depot zu erleben (am 20.12. mit einem Nachgespr\u00e4ch).<\/p>\n<p>Punch and Judy<\/p>\n<p>A tragical comedy or comical tragedy in 1 act<\/p>\n<p><strong>Von: <\/strong>Harrison Birtwistle (1934\u20132022)<br \/><strong>Text von: <\/strong>Stephen Pruslin<br \/><strong>Urauff\u00fchrung:<\/strong> 8. Juni 1968 (Aldeburgh, Jubilee Hall)<\/p>\n<p><strong>Premiere \/ Frankfurter Erstauff\u00fchrung:<\/strong> Donnerstag, 11. Dezember 25 (Bockenheimer Depot)<\/p>\n<p><strong>Musikalische Leitung: <\/strong>Alden Gatt<br \/><strong>Inszenierung:<\/strong> Wolfgang N\u00e4gele<br \/><strong>B\u00fchnenbild: <\/strong>Thilo Ullrich<br \/><strong>Kost\u00fcme: <\/strong>Marlen Duken<br \/><strong>Licht:<\/strong> Joachim Klein<br \/><strong>Dramaturgie: <\/strong>Deborah Einspieler<\/p>\n<p><strong>Besetzung:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Pretty Polly \/ Witch: <\/strong>Danae Kontora<br \/><strong>Judy \/ Fortune-Teller: <\/strong>Cecelia Hall<br \/><strong>Lawyer:<\/strong> Sven Hj\u00f6rleifsson<br \/><strong>Punch:<\/strong> Jarrett Porter<br \/><strong>Choregos \/ Jack Ketch:<\/strong> Liviu Holender<br \/><strong>Doctor: <\/strong>Alfred Reiter<\/p>\n<p><strong>Frankfurter Opern- und Museumsorchester<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/oper-frankfurt.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">oper-frankfurt.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Punch and Judy ~ Oper Frankfurt ~ Gesamtansicht des B\u00fchnenraums, v.l.n.r. 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