{"id":649218,"date":"2025-12-16T01:55:11","date_gmt":"2025-12-16T01:55:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/649218\/"},"modified":"2025-12-16T01:55:11","modified_gmt":"2025-12-16T01:55:11","slug":"wie-ein-mediziner-begeisterung-bei-studenten-weckt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/649218\/","title":{"rendered":"Wie ein Mediziner Begeisterung bei Studenten weckt"},"content":{"rendered":"<p>Ab der Universit\u00e4t M\u00fcnster setzt Medizin-Dozent Dr. Dogus Darici auf innovative Lehrmethoden: Daf\u00fcr erh\u00e4lt er den Landeslehrpreis.<\/p>\n<p>M\u00fcnster (gl) &#8211; Ein grauer Dezembervormittag in M\u00fcnster: Um 10.05 Uhr f\u00fcllt sich der H\u00f6rsaal des Instituts f\u00fcr Physiologische Chemie und Pathobiochemie. Ein vielstimmiges Gemurmel liegt in der Luft. W\u00e4hrend die Studenten nach und nach eintrudeln, bereitet sich <a href=\"https:\/\/www.medizin.uni-muenster.de\/das-institut\/team\/dr-dogus-darici.html\" target=\"_blank\" class=\"contextmenu inlinelink\" idref=\"X0.6496439430726345\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Dr. Dogus Darici<\/a> vorne auf die Vorlesung \u201eGrundlagen der Anatomie und Embryologie\u201c vor.<\/p>\n<p class=\"contextmenu caption\">\u201ePerspektive der Studierenden einnehmen\u201c<\/p>\n<p>Punkt 10.15 Uhr beginnt der Dozent. Was in den kommenden 90 Minuten geschieht, ist weit mehr als die <\/p>\n<p>Zum vierten Mal hat das Land NRW den Landeslehrpreis verliehen. Wissenschaftsministerin Ina Brandes (CDU) zeichnete die Preistr\u00e4ger im Deutschen Bergbau-Museum in Bochum in folgenden Kategorien aus:<\/p>\n<p>Lehre an Universit\u00e4ten: Dr. Dogus Darici (Universit\u00e4t M\u00fcnster)<\/p>\n<p>Lehre an Kunst -und Musikhochschulen: Anne Kohler (Hochschule f\u00fcr Musik Detmold)<\/p>\n<p>Lehre an Hochschulen f\u00fcr Angewandte Wissenschaften: Prof. Dr. Lorenz Narku Laing (Evangelische Hochschule Bochum)<\/p>\n<p>Lehre zur Gr\u00fcndung innovativer Start-ups: Prof. Dr. Malte Brettel (RWTH Aachen)<\/p>\n<p>Lehre junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler: Prof. Dr. Andrea Upmann (FH Aachen)<\/p>\n<p>Die Auszeichnungen sind je mit 50 000 Euro dotiert. Das Preisgeld kann zur individuellen Weiterentwicklung der Lehre an der jeweiligen Hochschule verwendet werden.<\/p>\n<p>Vermittlung von Fakten. Darici versteht Lehre als \u201eBeziehungsgeschehen\u201c. \u201eGute Lehre beginnt damit, die Perspektive der Studierenden einzunehmen\u201c, sagt Darici. Der 35-J\u00e4hrige ist in der Kategorie \u201eLehre an Universit\u00e4ten\u201c mit dem Landeslehrpreis des Ministeriums f\u00fcr Kultur und Wissenschaft gew\u00fcrdigt worden. Statt klassischer Frontalvorlesungen pr\u00e4gen dialogische Formate seinen Stil: Einstiegsfragen, Live-Abstimmungen mittels QR-Code, kurze Diskussionen und klinisch orientierte Fallbeispiele. Komplexe neuroanatomische und embryologische Zusammenh\u00e4nge werden nicht nur erkl\u00e4rt, sondern gemeinsam erarbeitet. \u201eIch versuche wahrzunehmen: Was k\u00f6nnen sie schon, und wo brauchen sie Unterst\u00fctzung? Ich m\u00f6chte die Studierenden herausfordern, anstatt sie zu \u00fcberfordern\u201c, sagt Darici.<\/p>\n<p>Der Mediziner, der nach Stationen in Gie\u00dfen und Berlin im Jahr 2020 an die Universit\u00e4t M\u00fcnster wechselte, setzt auf eine evidenz- und kompetenzorientierte Lehre. Anstatt sich auf spontane Eingebungen oder reine Erfahrung zu verlassen, st\u00fctzt er sich auf Erkenntnisse der Lehr-Lern-Forschung. Diese besch\u00e4ftigt sich mit Fragen wie: Wann ist der beste Zeitpunkt, um Inhalte zu wiederholen? Wie l\u00e4sst sich die Aufmerksamkeitsspanne sinnvoll nutzen? Wie viel neues Wissen kann das Arbeitsged\u00e4chtnis aufnehmen, ohne \u00fcberfordert zu werden? Evidenzbasierte Lehre bedeutet f\u00fcr ihn, Formate und Methoden gezielt an solchen Befunden auszurichten, und nicht, m\u00f6glichst viel Stoff in k\u00fcrzester Zeit durchzupauken. \u201eWir Lehrenden kennen den Stoff seit Jahren. Die eigentliche Aufgabe besteht darin, die Perspektive zu wechseln, sich in Studierende ohne Vorwissen hineinzuversetzen und ihre kognitive Belastung im Blick zu behalten. Das gelingt nicht mit 60 Folien am St\u00fcck\u201c, sagt Darici.<\/p>\n<p class=\"contextmenu caption\">Verbindung von Analogem und Digitalem<\/p>\n<p>Die Studenten sollen nicht nur Fakten aufnehmen, sondern auch fachliche Kompetenzen und die F\u00e4higkeit ihr Handeln zu reflektieren entwickeln. Als Fachberater erlebt Darici immer wieder, dass viele Studenten mit Herausforderungen zu k\u00e4mpfen haben, beispielsweise bei Pr\u00fcfungen oder beim Mitkommen im Semesterverlauf. \u201eOft liegt es daran, dass sie wenige Veranstaltungen besucht haben. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind vielf\u00e4ltig: famili\u00e4re Verpflichtungen, Sprachbarrieren oder Isolation. Diese Aspekte m\u00fcssen wir als Dozentinnen und Dozenten st\u00e4rker ber\u00fccksichtigen\u201c, betont er.<\/p>\n<p>Die Innovationskraft von Dr. Dogus Darici zeigt sich unter anderem in der Verbindung von Analogem und Digitalem. Hybrid \u00fcbertragene Vorlesungen, digitale Abstimmungstools, problemorientiertes Lernen und viel Praxisbezug sind f\u00fcr ihn keine modischen Extras, sondern Werkzeuge, um Studenten aktiv einzubinden. Gleichzeitig bleibt sein Unterricht pers\u00f6nlich. Der Dozent sucht Blickkontakt, reagiert spontan auf Fragen und passt sein Tempo den Studenten an.<\/p>\n<p class=\"contextmenu caption\">Ansatz kommt an<\/p>\n<p>Bei denen kommt all das gut an. \u201eDogus Darici hat ein Talent daf\u00fcr, komplizierte Themen so zu erkl\u00e4ren, dass man sie wirklich versteht. Und er hat ein Gesp\u00fcr daf\u00fcr, ob wir die Inhalte verstanden haben oder nicht\u201c, sagt Lina, die im ersten Semester studiert. \u201eEr sorgt f\u00fcr eine ruhige Lernatmosph\u00e4re und schafft es, unsere Aufmerksamkeit immer wieder zu fokussieren, wenn sie abdriftet\u201c, erg\u00e4nzt Kommilitone Florian. \u201eIhm ist wichtig, dass wir die Anatomie nicht einfach auswendig lernen, sondern verstehen. Das ist ein deutlicher Unterschied zu anderen Dozenten.\u201c<\/p>\n<p>Dem 35-J\u00e4hrigen geht es um mehr als die reine Vermittlung von Inhalten. Er m\u00f6chte, dass Studenten lernen, ihr Wissen anzuwenden und Zusammenh\u00e4nge zu erkennen. Er versteht Evaluationen nicht als Kontrolle, sondern als Dialog. Regelm\u00e4\u00dfiges Feedback flie\u00dft direkt in die Weiterentwicklung der Veranstaltungen ein. Dass diese Haltung nun mit dem Landeslehrpreis gew\u00fcrdigt wird, ist f\u00fcr ihn weniger Ziel als Best\u00e4rkung.<\/p>\n<p class=\"contextmenu caption\">F\u00fcr jeden Einzelnen Zeit nehmen<\/p>\n<p>Kurz vor zw\u00f6lf Uhr: Die letzte Live-Abstimmung flackert \u00fcber die Leinwand, die Vorlesung endet wenige Minuten sp\u00e4ter. Der Saal leert sich, vorne bildet sich eine kleine Menschentraube. Rund zwanzig Studenten stellen Fragen und bitten um Einordnung. Darici h\u00f6rt zu, erkl\u00e4rt erneut \u2013 ruhig, klar und geduldig. Er nimmt sich f\u00fcr jeden Einzelnen Zeit, geht individuell auf Verst\u00e4ndnisfragen ein und schafft so eine Atmosph\u00e4re, in\u00a0 der Lernen wirklich m\u00f6glich wird.<\/p>\n<p>Texte und Fotos von die-glocke.de sind urheberrechtlich gesch\u00fctzt.<br \/>\n            Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ab der Universit\u00e4t M\u00fcnster setzt Medizin-Dozent Dr. Dogus Darici auf innovative Lehrmethoden: Daf\u00fcr erh\u00e4lt er den Landeslehrpreis. 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