{"id":649627,"date":"2025-12-16T06:14:14","date_gmt":"2025-12-16T06:14:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/649627\/"},"modified":"2025-12-16T06:14:14","modified_gmt":"2025-12-16T06:14:14","slug":"verhandlung-am-bgh-rassistischer-taeter-aber-keine-rassistische-tat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/649627\/","title":{"rendered":"Verhandlung am BGH: Rassistischer T\u00e4ter, aber keine rassistische Tat?"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/bgh-184.jpg\" alt=\"Hinweisschild mit Bundesadler und dem Schriftzug &quot;Bundesgerichtshof&quot;.\" title=\"Hinweisschild mit Bundesadler und dem Schriftzug &quot;Bundesgerichtshof&quot;. | dpa\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 16.12.2025 06:26 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>Ein Landgericht hatte einen Mann wegen der T\u00f6tung eines Gefl\u00fcchteten zu einer geringen Haftstrafe verurteilt. War es Totschlag oder doch Mord aus rassistischen Motiven? Diese Frage muss nun der Bundesgerichtshof kl\u00e4ren.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                    <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/max-bauer-102.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                        <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Max Bauer\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/max-bauer-101.jpg\"\/><br \/>\n                                    <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Es geht um eine schreckliche Tat, die heute am obersten deutschen Strafgericht verhandelt wird. Im Luftkurort Rickenbach im s\u00fcdlichen Schwarzwald t\u00f6tete Patrick E. einen Tag vor Heiligabend 2023 den Gefl\u00fcchteten Mahdi B. durch einen Kopfschuss. Anschlie\u00dfend zerteilte er die Leiche des Tunesiers und versenkte die K\u00f6rperteile im Rhein.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das Landgericht Waldshut-Tiengen verurteilte Patrick E. zu sechs Jahren und zehn Monaten Haft. Eine zu milde Strafe, meint die Schwester des Get\u00f6teten. Sie hat beim Bundesgerichtshof eine \u00dcberpr\u00fcfung des Urteils beantragt. Aus ihrer Sicht war die Tat ein Mord aus rassistischen Motiven. Das Landgericht hat hingegen keinen rassistischen Beweggrund und daher nur Totschlag angenommen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Begr\u00fcndung des Landgerichts: Beim Angeklagten sei &#8222;gegen\u00fcber Menschen schwarzer Hautfarbe eine generell geringsch\u00e4tzige Einstellung anzunehmen, die als Rassismus zu qualifizieren ist&#8220;. Aber: &#8222;Der Gesch\u00e4digte geh\u00f6rte als hellh\u00e4utiger Tunesier dieser Gruppe nicht an.&#8220; Jedenfalls habe der T\u00e4ter in der Vergangenheit nie eine &#8222;aktiv k\u00e4mpferische Haltung&#8220; gegen\u00fcber Asylsuchenden eingenommen. Weshalb er ausgerechnet am 23. Dezember 2023 eine solche Haltung eingenommen habe, sei f\u00fcr das Gericht &#8222;nicht nachvollziehbar&#8220;.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><a href=\"https:\/\/www.ardmediathek.de\/video\/monitor\/rassistischer-taeter-mildes-urteil\/das-erste\/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLXNvcGhvcmEtNTgxNTk5MmYtODJlNC00OTI1LTgwOTctNGZkNTE0NjlkMGVl\" title=\"ARD-Magazin Monitor: Rassistischer T\u00e4ter - mildes Urteil?\" class=\"textlink--extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dem ARD-Magazin Monitor<\/a> sagte Johannes Daun, Vizepr\u00e4sident des Landgerichts Waldshut-Tiengen, dass man sich bei der Tat auch vorstellen k\u00f6nnte, dass eine ausl\u00e4nderfeindliche Gesinnung des Angeklagten gar keine Rolle gespielt hat, &#8222;sondern er einfach aus der Situation heraus, vielleicht weil er sich beleidigt sah, weil er sich \u00fcberfordert sah, sich dazu entschloss, zur Waffe zu greifen&#8220;.<\/p>\n<p>    Hitlerbilder und rechtsextreme Memes<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das Urteil des Landgerichts Waldshut-Tiengen wirft allerdings Fragen auf. Vor allem, ob die Gesinnung des T\u00e4ters nicht doch f\u00fcr einen rassistischen Mord spricht. Denn dass der Angeklagte eine rassistische und rechtsextremistische Gesinnung hat, daf\u00fcr hat das Gericht viele Anhaltspunkte gefunden: Auf seinem Computer fanden die Ermittler Hitlerbilder, rechtsextreme Memes und ein Nutzerkonto beim Internetshop der AfD.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Zuvor ist Patrick E. aufgefallen, weil er Sticker des rechtsextremen Magazins Compact verteilt hat und auf der Arbeit f\u00fcr den Spruch &#8222;Ein guter Deutscher kauft nicht beim Juden&#8220; abgemahnt wurde. Seine Hundeh\u00fctte trug den Schriftzug &#8222;Wolfsschanze&#8220; und an seiner Garage stand &#8222;Deutsches Schutzgebiet&#8220;.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">F\u00fcr das Verfahren ist das nicht unerheblich: Eine rassistische Einstellung kann rechtlich zu den sogenannten niedrigen Beweggr\u00fcnden z\u00e4hlen, so die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs. Und wer aus niedrigen Beweggr\u00fcnden t\u00f6tet, begeht einen Mord, der mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft wird.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das Landgericht Waldshut-Tiengen geht bei seiner rechtlichen W\u00fcrdigung kaum auf den rechtsextremistischen Hintergrund des T\u00e4ters ein. Auf knappen eineinhalb Seiten werden die niedrigen Beweggr\u00fcnde verneint.<\/p>\n<p>    Geringes Strafma\u00df<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Fragen stellen sich auch wegen der geringen Strafe von sechs Jahren und zehn Monaten. Ein Satz im Urteil zur Strafzumessung l\u00e4sst dabei besonders aufhorchen: Patrick E. hatte die Leiche seines Opfers nach der Tat in St\u00fccke zerteilt und diese mit Stacheldraht beschwert im Rhein versenkt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dazu schreibt das Landgericht Waldshut-Tiengen: &#8222;Die Zerteilung der Leiche mag verst\u00f6rend wirken, kann jedoch nicht als strafsch\u00e4rfender Umstand gewertet werden, denn sie stellt sich vorliegend nicht als nachtr\u00e4gliche schimpfliche Behandlung des Leichnams dar, sondern war &#8211; jedenfalls aus der n\u00fcchternen Sicht eines ausgebildeten J\u00e4gers &#8211; eine naheliegende Vorgehensweise zur Beseitigung der Leiche.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Verst\u00fcmmelung von Leichen ist in vielen Kulturen tabuisiert und wird oft sogar bestraft. Warum war sie in diesem Fall keine &#8222;schimpfliche Behandlung&#8220; des K\u00f6rpers des Opfers? Und warum wertet das Landgericht die Perspektive des T\u00e4ters beim Zerst\u00fcckeln seines Opfers als &#8222;n\u00fcchterne Sicht eines J\u00e4gers&#8220;? Begr\u00fcndungen dazu enth\u00e4lt das Urteil nicht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Vor dem obersten deutschen Strafgericht wird es heute vor allem um die Frage gehen, ob das Landgericht Waldshut-Tiengen Rechtsfehler gemacht hat, indem es die T\u00f6tung von Mahdi B. nicht als Mord aus rassistischen Motiven einstufte. Au\u00dferdem wird verhandelt, ob er die Tat heimt\u00fcckisch begangen hat, weil Mahdi B. gar nicht mit einem Angriff auf sein Leben gerechnet hat. Ob nach der Verhandlung gleich ein Urteil des Bundesgerichtshofs kommt, ist noch nicht absehbar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 16.12.2025 06:26 Uhr Ein Landgericht hatte einen Mann wegen der T\u00f6tung eines Gefl\u00fcchteten zu einer geringen Haftstrafe&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":649628,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[4249,6644,29,30,13,2183,14,15,12,10,8,9,11],"class_list":{"0":"post-649627","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-deutschland","8":"tag-rassismus","9":"tag-bundesgerichtshof","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-headlines","13":"tag-mord","14":"tag-nachrichten","15":"tag-news","16":"tag-schlagzeilen","17":"tag-top-news","18":"tag-top-meldungen","19":"tag-topmeldungen","20":"tag-topnews"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115727779669049844","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/649627","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=649627"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/649627\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/649628"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=649627"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=649627"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=649627"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}