{"id":650375,"date":"2025-12-16T13:48:16","date_gmt":"2025-12-16T13:48:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/650375\/"},"modified":"2025-12-16T13:48:16","modified_gmt":"2025-12-16T13:48:16","slug":"fuenfte-verlegung-von-stolpersteinen-durch-den-kuenstler-gunter-demnig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/650375\/","title":{"rendered":"F\u00fcnfte Verlegung von Stolpersteinen durch den K\u00fcnstler Gunter Demnig"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-615952 size-large\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Abschluss-01_2sp90mm-750x500.jpg\" alt=\"Abschluss 01 2sp90mm\" width=\"750\" height=\"500\"  \/><\/p>\n<p>Am 20. November kam der K\u00fcnstler Gunter Demnig wieder nach Mutterstadt, um 16 weitere Stolpersteine in Gedenken an NS-Opfer zu setzen. Es liegen nun 94 Erinnerungssteine und eine \u201eStolperschwelle\u201c auf Mutterstadts Gehwegen.<\/p>\n<p>Seit 2021 beteiligt sich Mutterstadt an dem Kunstprojekt STOLPERSTEINE, das Demnig 1996 ins Leben gerufen hat. \u00dcber 116 000 Steine hat er bis heute in Deutschland und in Europa verlegt. Finanziert wird die Anfertigung der Stolpersteine mit den Inschriften \u2013 die \u00fcbrigens per Hand, Buchstabe f\u00fcr Buchstabe, in das Messingblech eingeschlagen werden \u2013 vor allem durch Spenden.<\/p>\n<p>B\u00fcrgermeister Thorsten Leva begr\u00fc\u00dfte auf dem Vorplatz zur NEUEN PFORTE alle, die gekommen waren, um bei der f\u00fcnften Stolpersteinverlegung dabei zu sein. \u201eErinnerungskultur ist kein Selbstzweck\u201c, sagte er, \u201esie verpflichtet uns zu Wachsamkeit, zu Respekt, zu Empathie und zu einem aktiven Einsatz f\u00fcr Demokratie, Menschlichkeit und Vielfalt.\u201c Er bedankte sich ausdr\u00fccklich bei allen Spenderinnen und Spendern dieser neuen 16 Stolpersteine und begr\u00fc\u00dfte herzlich den K\u00fcnstler und dessen Kollegen Frank-Matthias Mann. Er bedankte sich auch bei Lothar Distler, der regelm\u00e4\u00dfig alle Steine im Ort blank poliert, bei den Mitarbeitern des Bauhofs, die jede Verlegestelle vorbereitet hatten, bei den Sch\u00fclern der IGS, die zusammen mit ihrem Geschichtslehrer Peter Werner und dem Schulleiter Jens Pellkofer gekommen waren, bei Uli und Ute Valnion, die die Verlegung musikalisch begleiteten, beim Ortschronisten Volker Schl\u00e4fer als Mitglied des Stolperstein-Teams, bei Gunter Holzwarth, der die Verlegung organisierte, bei Dr. Christina Wolf, die zum Leben der NS-Opfer recherchierte, bei Michael Hemberger, der f\u00fcr die Fotos, Publikationen und die \u00d6ffentlichkeitsarbeit zust\u00e4ndig ist. Weiter hie\u00df er die ehemalige Landtagsvizepr\u00e4sidentin Hannelore Klamm,\u00a0 Verbandsb\u00fcrgermeister Stefan Veth aus Dannstadt-Schauernheim und\u00a0 Irmgard Metzger, Zeitzeugin und Stifterin mehrerer Stolpersteine, willkommen.<\/p>\n<p>Der Ablauf der Verlegungstour durch den Ort, die diesmal 2,5 Stunden dauerte, war so organisiert, dass w\u00e4hrend der Arbeiten des K\u00fcnstlers die Schicksale und Lebensl\u00e4ufe der Opfer verlesen wurden. Bei den vier politischen Opfern schilderte Volker Schl\u00e4fer die Lebensdaten, bei den zw\u00f6lf j\u00fcdischen Opfern \u00fcbernahmen das abwechselnd Ute Valnion, Uli Valnion und Christina Wolf.<\/p>\n<p>Der erste Stein wurde \u2013 nach dem einleitenden Liedbeitrag von Uli Valnion \u201eDie Gedanken sind frei\u201c \u2013 f\u00fcr Rudolf Steink\u00f6nig in der Ludwigshafener Stra\u00dfe 10 gesetzt. Viele Mutterstadter kennen die historischen Fotos Steink\u00f6nigs, die auch Grundlage f\u00fcr Postkarten waren. Dem Fotografen wurde von den Nazis vorgeworfen, im 1. Weltkrieg f\u00fcr die Franzosen gearbeitet zu haben. Das galt als \u201eHochverrat\u201c und so wurde er verhaftet und in das Lager \u201eNeue Bremm\u201c bei Saarbr\u00fccken geschickt. Hier wurden nicht nur politische H\u00e4ftlinge systematisch physisch und psychisch misshandelt. Steink\u00f6nig hatte das Gl\u00fcck, von seinem Sohn befreit zu werden. Sein Gro\u00dfneffe war bei der Verlegung dabei.<\/p>\n<p>In der Ringstra\u00dfe 9 wohnte Hieronymus Seppi, er war der Gemeindeeinnehmer der Gemeinde, den die Nazis \u2013 weil er SPD-Mitglied war \u2013 aus dem Amt entfernten. Stefan Veth berichtete, als Kind in dem Haus gewohnt zu haben.<\/p>\n<p>Danach wurden Steine f\u00fcr j\u00fcdische Familien in der Speyerer Stra\u00dfe verlegt: vor dem Haus Nr. 66 f\u00fcr Martha, Salli und Hans Dellheim \u2013 der Familie gelang die Flucht in die USA. Zwei Steine setzte Demnig f\u00fcr Lisa und Fritz L\u00f6b in der Speyerer Stra\u00dfe 60: Lisa wurde in Ausschwitz ermordet und Fritz starb im Lager Gurs. Hier trugen Uli und Ute Valnion das Lied \u201eDonna, donna\u201c vor \u2013 teilweise auf Jiddisch. Schlie\u00dflich verlegte Gunter Demnig f\u00fcr Familie L\u00f6b aus der Speyerer Stra\u00dfe 46, die nach Chile fliehen konnte, f\u00fcnf Stolpersteine.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Stein kam vor das Gesch\u00e4ftshaus Neustadter Stra\u00dfe 2 f\u00fcr Adolf L\u00f6b, der hier mit seinem Bruder Bernhard ein Eisenwarengesch\u00e4ft f\u00fchrte. Die Wohnung lag dar\u00fcber und wurde am Tag des Novemberpogroms gepl\u00fcndert und zerst\u00f6rt. Adolf L\u00f6b war politisch engagiert und Mitglied des B\u00fcndnisses \u201eEiserne Front\u201c, das sich gegen den Nationalsozialismus stellte. Er \u00fcberlebte die Haft in verschiedenen Lagern und wurde 1953 amerikanischer Staatsb\u00fcrger.<\/p>\n<p>Die B\u00e4ckerei Maas befand sich in der Fu\u00dfg\u00f6nheimer Stra\u00dfe 9 und hier lebte auch die Familie. Emma Marx war die Schwester von Klara, die den B\u00e4cker Isidor Maas geheiratet hatte. Emma wurde 1944 in Ausschwitz ermordet und der Stolperstein kam neben den bereits verlegten Stein f\u00fcr Klara.<\/p>\n<p>Mit dem Stein in der Dammstra\u00dfe 5 wird an Karl R\u00f6der erinnert, der SPD-Mitglied war und 1933 in Neustadt inhaftiert war. Er arbeitete auch nach dem Verbot der Partei im Untergrund f\u00fcr sie, wurde dann aber eingezogen und starb 1943 in Russland. Seine Enkelin Karin Kolesow war bei der Verlegung anwesend.<\/p>\n<p>Der letzte Stein kam vor das neue Rathaus, denn August Biebinger wohnte in der Oggersheimer Stra\u00dfe 12 im Haus seines Bruders, das bis in die 1970er Jahre an dieser Stelle stand. Biebinger wurde im ersten Weltkrieg als Soldat schwer verletzt. Danach galt er als \u201egeisteskrank\u201c und wurde von den Nazis in der \u201eHeil- und Pflegeanstalt\u201c Frankenthal ermordet. An dieser Stelle spielte Uli Valnion begleitet von seiner Frau Ute, das Lied \u201eMein Vater wird gesucht\u201c. Abschlie\u00dfend sagte Thorsten Leva: \u201cM\u00f6ge dieser Stolperstein uns im Vor\u00fcbergehen erinnern, mahnen und dazu anregen, immer wieder neu hinzuschauen und f\u00fcr das einzustehen, was unsere Gesellschaft zusammenh\u00e4lt.\u201c Er bedankte sich dann noch einmal bei allen Mitwirkenden. Gunter Demnig und sein helfender Kollege Frank-Matthias Mann erhielten jeweils eine Flasche Mutterstadter Sekt. Der K\u00fcnstler und Herr Mann sprachen der Gemeindeverwaltung, dem Bauhofverantwortlichen Marvin Metzger und seinen Kollegen Bastian Claus und Matthias Mugrauer, dem Stolperstein-Team und Ute und Uli Valnion, ein Lob aus f\u00fcr die Organisation und Durchf\u00fchrung der Verlegung in Mutterstadt, die beispielhaft sei.<\/p>\n<p>Text: Dr. Christina Wolf \/ Volker Schl\u00e4fer<\/p>\n<p class=\"post-modified-info\">Zuletzt aktualisiert am 16. Dezember 2025, 14:09<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am 20. 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