{"id":650622,"date":"2025-12-16T16:19:14","date_gmt":"2025-12-16T16:19:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/650622\/"},"modified":"2025-12-16T16:19:14","modified_gmt":"2025-12-16T16:19:14","slug":"schwimmen-fuer-kinder-mangelnde-schwimmfaehigkeit-hamburg-verteilt-gutscheine-an-19-000-erstklaessler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/650622\/","title":{"rendered":"Schwimmen f\u00fcr Kinder: Mangelnde Schwimmf\u00e4higkeit \u2013 Hamburg verteilt Gutscheine an 19.000 Erstkl\u00e4ssler"},"content":{"rendered":"<p>Mit \u201eAb ins Wasser\u201c schenkt Hamburg 19.000 Erstkl\u00e4sslern drei Schwimmbadbesuche. Die Aktion soll fr\u00fche Wassererfahrungen erm\u00f6glichen, soziale Unterschiede ausgleichen und Teil der Olympia\u2011Strategie f\u00fcr eine aktive, sichere junge Generation sein.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Hamburg startet eine neue Offensive, um Kinder fr\u00fcher und besser ans Wasser zu gew\u00f6hnen: Rund 19.000 Erstkl\u00e4ssler, die im Sommer 2025 eingeschult wurden, erhalten Eintrittsgutscheine f\u00fcr drei kostenfreie Besuche in einem st\u00e4dtischen Schwimmbad ihrer Wahl. Die Aktion hei\u00dft \u201eAb ins Wasser\u201c und soll Familien einen niedrigschwelligen Zugang erm\u00f6glichen \u2013 der kostenlose Eintritt gilt f\u00fcr die Erstkl\u00e4ssler plus ein Elternteil.<\/p>\n<p>Hintergrund ist der weiterhin hohe Anteil von Kindern, die zu Beginn des Schulschwimmens nicht schwimmen k\u00f6nnen. Das startet f\u00fcr alle Hamburger Grundsch\u00fcler verbindlich in der dritten Klasse und dauert zwei Halbjahre. Im letzten Jahrgang starteten rund 53 Prozent der Kinder ohne mindestens das Seepferdchenabzeichen. <\/p>\n<p>Zwar machten Viertkl\u00e4ssler zuletzt Fortschritte, am Ende der Grundschulzeit konnten 84 Prozent zumindest in Grundz\u00fcgen schwimmen. Doch Hamburg will, dass dies 95 Prozent der Kinder gelingt. Zudem soll der gr\u00f6\u00dfte Teil der Schulkinder mit dem Bronzeabzeichen die Grundschule verlassen. Erst dann gelte man als sicherer Schwimmer, erkl\u00e4rte Sport- und Innensenator Andy Grote (SPD) am Dienstag. Aktuell schaffen das etwas mehr als 60 Prozent der Hamburger Viertkl\u00e4ssler. Ein fr\u00fcher Ansatz soll nun helfen, die Kinder fit f\u00fcrs Wasser zu machen \u2013 und vielleicht sogar f\u00fcr den Schwimmsport zu begeistern.<\/p>\n<p>Grote betont die Bedeutung fr\u00fcher Wassererfahrungen: \u201eSchwimmen zu k\u00f6nnen, ist in Hamburg wie Laufen- und Sprechenlernen. Damit wirklich jedes Kind Bewegung und Aktivit\u00e4t im Wasser als etwas Selbstverst\u00e4ndliches wahrnimmt, helfen wir beim ersten Schritt ins Wasser mit einem Gutschein f\u00fcr die rund 19.000 Erstkl\u00e4ssler in unserer Stadt.\u201c<\/p>\n<p>Laut Senat stehen 950.000 Euro bereit, die f\u00fcr die Gutscheine und sogenannte Aquabags ausgegeben werden k\u00f6nnen. Die Gutscheine k\u00f6nnen vom 1. M\u00e4rz bis zum 31. Mai eingel\u00f6st werden, ein gro\u00dfer Aktionstag in allen B\u00e4dern ist f\u00fcr den 15. Mai geplant. Verteilt werden die Coupons direkt \u00fcber die Schulen, die sogenannten Aquabags mit Schwimmzubeh\u00f6r, dass den Kindern Spa\u00df bringen soll, gibt es beim Einl\u00f6sen der Gutscheine in den st\u00e4dtischen Schwimmb\u00e4dern.<\/p>\n<p>Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Gr\u00fcne) ist nicht nur im Senat f\u00fcr B\u00e4derland zust\u00e4ndig, sie selbst war Leistungsschwimmerin und arbeitete Schwimmlehrerin. Aus der Praxis wisse sie, wie entscheidend fr\u00fche Begegnungen mit dem Element Wasser sei \u2013 und wie schnell Kinder Hemmungen entwickeln k\u00f6nnen, wenn diese Erfahrungen fehlten. Viele h\u00e4tten zun\u00e4chst Angst, die sich aber je leichter \u00fcberwinden lie\u00dfe, je kleiner die Kinder ans Wasser gew\u00f6hnt w\u00fcrden. Genau hier setze die Aktion an: Kinder, \u201edie bisher noch nicht so viel Wasserber\u00fchrung hatten\u201c, sollten niedrigschwellig positive Erlebnisse im Wasser sammeln, bevor der Pflichtunterricht beginnt. <\/p>\n<p>Die Gutscheine sind Teil der Active-City-Strategie Hamburgs und flankieren das Ziel des Senats, eine \u201eOlympische Generation\u201c sportaktiver Kinder heranwachsen zu lassen. Besonders angesprochen werden sollen Stadtteile mit erh\u00f6hter Zahl nicht schwimmf\u00e4higer Kinder: Zwei der drei begleiteten Aktionstage finden in B\u00e4dern statt, die in sozial belasteten Gebieten liegen \u2013 Billstedt, Wilhelmsburg (Inselpark), Bramfeld und an der Elbgaustra\u00dfe. Die regul\u00e4ren Gutscheine hingegen gelten f\u00fcr alle B\u00e4der von B\u00e4derland.<\/p>\n<p>Der Senat verkn\u00fcpft die Aktion zudem mit der Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele. Die Stadt wolle \u2013 so Andy Grote \u2013 nachhaltige Effekte erzielen, die \u00fcber m\u00f6gliche Spiele weit hinausreichen. Ziel sei es, dass die heute F\u00fcnf\u2011 bis F\u00fcnfzehnj\u00e4hrigen zur \u201eaktivsten und fittesten Generation\u201c Hamburgs w\u00fcrden. Ein zentraler Baustein daf\u00fcr sei die Schwimmf\u00e4higkeit: Jedes Kind solle die Grundschule k\u00fcnftig sicher schwimmend verlassen, unabh\u00e4ngig vom sozialen Hintergrund. In einer Stadt am Wasser sei das auch eine Frage von Teilhabe und Sicherheit. Die Initiative \u201eAb ins Wasser\u201c solle genau daf\u00fcr konkrete Voraussetzungen schaffen.<\/p>\n<p>Auch die B\u00e4derland-Chefin sieht erheblichen Bedarf, Kinder ans Schwimmen heranzuf\u00fchren. Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Susan Zetzmann sagte, viele Kinder k\u00e4men erst sp\u00e4t zum ersten Mal ins Schwimmbad: \u201eMan kann von fast 50 Prozent sprechen, die in der dritten oder vierten Klasse ein Schwimmbad noch nie von innen gesehen haben.\u201c Die fr\u00fche Wassergew\u00f6hnung sei zwischen sechs und sieben Jahren am effektivsten; zugleich sei die Begleitung der Eltern entscheidend.<\/p>\n<p>Fachliche Unterst\u00fctzung kommt vom Deutschen Schwimmverband. Bundestrainer Wissenschaft und Bildung, Stephan Haumann, sprach von einer bundesweiten Herausforderung: \u201eDeutschland steht vor einer strukturellen Schwimmf\u00e4higkeitskrise \u2013 mehr als jedes zweite Kind kann am Ende der Grundschule nicht sicher schwimmen.\u201c Die Hamburger Initiative setze \u201eein wichtiges Signal weit \u00fcber die Stadt hinaus\u201c, weil sie Zugangsh\u00fcrden wie hohe Kosten oder lange Wartezeiten gezielt abbaue.<\/p>\n<p>Aus wissenschaftlicher Sicht spielt dabei vor allem die fr\u00fche Wassergew\u00f6hnung eine Schl\u00fcsselrolle. Nils Schumacher von der Universit\u00e4t Hamburg erinnerte daran, dass Schwimmlernen \u201elange vor dem ersten Unterricht\u201c beginne. M\u00fcsse in der dritten Klasse zun\u00e4chst Angst abgebaut werden, \u201ebleiben oft nicht mehr genug Stunden, um die Kinder bis zum Bronze\u2011Abzeichen zu bringen\u201c. Auff\u00e4llig seien zudem die sozialen Unterschiede: \u201eEin niedriger Sozialstatus verdreifacht das Risiko, nicht schwimmen zu k\u00f6nnen.\u201c Fr\u00fchzeitige, positive Erfahrungen im Wasser seien daher entscheidend, um schulische Lernziele \u00fcberhaupt erreichen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Kritik kommt von mehreren Oppositionsfraktionen. Die Linke sieht in der Aktion \u201eAb ins Wasser\u201c vor allem eine \u201epunktuelle Werbema\u00dfnahme\u201c f\u00fcr die Olympia-Bewerbung. Ihr sportpolitischer Sprecher Martin Wolter bem\u00e4ngelt anhaltend eingeschr\u00e4nkte \u00d6ffnungszeiten und hohe Eintrittspreise bei B\u00e4derland sowie fehlende nachhaltige Strategien, um Kindern in allen Stadtteilen sicheren Zugang zum Schwimmen zu erm\u00f6glichen. Die Fraktion fordert seit Jahren freien Eintritt f\u00fcr Kinder und Jugendliche sowie deutlich h\u00f6here Investitionen in die Schwimmbadinfrastruktur.<\/p>\n<p>Auch die CDU \u00e4u\u00dfert Zweifel am Nutzen der Gutschein-Aktion. Bildungspolitikerin Birgit St\u00f6ver begr\u00fc\u00dft zwar grunds\u00e4tzlich jede Ma\u00dfnahme zur Verbesserung der Schwimmf\u00e4higkeit, sieht aber in \u201eGutscheinen und Giveaways\u201c keine L\u00f6sung f\u00fcr strukturelle Probleme. Es brauche vor allem mehr Wasserzeiten und zus\u00e4tzliche Schwimmfl\u00e4chen, um verl\u00e4sslichen Unterricht sicherzustellen. Die CDU hatte mehrfach mobile Schwimmcontainer an Kitas und Grundschulen gefordert, um vor Ort niedrigschwellige Angebote zu schaffen. Der Senat habe hier \u201eeine gro\u00dfe Chance vertan\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mit \u201eAb ins Wasser\u201c schenkt Hamburg 19.000 Erstkl\u00e4sslern drei Schwimmbadbesuche. 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