{"id":650981,"date":"2025-12-16T19:49:12","date_gmt":"2025-12-16T19:49:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/650981\/"},"modified":"2025-12-16T19:49:12","modified_gmt":"2025-12-16T19:49:12","slug":"der-chor-des-bayerischen-rundfunks-und-die-augsburger-philharmoniker-mit-brahms-requiem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/650981\/","title":{"rendered":"Der Chor des Bayerischen Rundfunks und die Augsburger Philharmoniker mit Brahms\u2018 Requiem"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Solch ein Gast auf der B\u00fchne zieht nat\u00fcrlich Publikum in den Saal. Sichtlich st\u00e4rker besucht als zuletzt war der Kongress am Park beim j\u00fcngsten Sinfoniekonzert der Augsburger Philharmoniker. Und auch wenn mit dem \u201eDeutschen Requiem\u201c von Johannes Brahms ein Goldst\u00fcck aus dem Schatzk\u00e4stlein des klassisch-romantischen Repertoires solit\u00e4r das Programm bestritt, so war es doch wohl in erster Linie die Mitwirkung des Chors des Bayerischen Rundfunks, die dem Konzert von vornherein Glanz verlieh. Gilt der Chor doch im globalen Ma\u00dfstab als einer der besten seines Fachs; und \u00fcberhaupt, wenn eine M\u00fcnchner Institution solchen Formats sich einmal nach Augsburg begibt, so will man sich das keinesfalls entgehen lassen.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Was den von Howard Arman einstudierten Chor so besonders macht, das teilt sich denn auch schon mit der ersten Phrase des vertonten Bibeltextes mit. \u201eSelig sind, die da Leid tragen\u201c \u2013 leise und doch kompakt, mit wohldosierter Expressivit\u00e4t, pr\u00e4gnant in der Wortformulierung, geboten aufblendend an Sinnschwerpunkten, um sich gleich wieder zur\u00fcckzunehmen. So souver\u00e4n pr\u00e4sentiert sich ein Ensemble von S\u00e4ngerinnen und S\u00e4ngern, dem alles zu Gebote steht, F\u00fclle und jegliche Farbe und eine dynamische Skala von breitester Dehnung. Wenn dieser Chor im ersten Teil des Requiems den \u00fcber eineinhalb Takte gezogenen Terminus \u201ege-tr\u00f6stet\u201c sph\u00e4risch in den Raum schickt im Modus einer t\u00f6nenden Gewissheit, dann trifft das in den Kern der ideellen Absicht des Komponisten.\n  <\/p>\n<p>            Was braucht der Mensch im Gedanken an den Tod?<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Denn Brahms\u2018 \u201eDeutsches Requiem\u201c, auch wenn es Anleihen nimmt bei Traditionen der Vertonung der lateinischen Totenmesse, ist doch nichts weniger als eine herk\u00f6mmliche Trauer- oder gar \u2013 \u201edies irae!\u201c \u2013 Schreckensmusik. Brahms\u2018 Anliegen, sich spiegelnd auch in den von ihm selbst zusammengestellten Bibeltexten in Luthers \u00dcbersetzung, war es vielmehr, eine Musik der Beschwichtigung und des Trostes zu schaffen, gerade wenn von den letzten Dingen, vom Tod die Rede ist.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    F\u00fcr Domonkos H\u00e9ja am Pult von Chor und Orchester ist das \u201eDeutsche Requiem\u201c denn auch alles andere als eine Musik des schmerzerf\u00fcllten Lebensausgangs. \u00dcberhaupt durchzieht ein eher diesseitiges Werkverst\u00e4ndnis seine Interpretation, die sich auf der Ebene des Orchesters immer wieder Bahn schafft in sinfonisch-knackig formulierten Passagen. F\u00fcr den BR-Chor ist es ein Leichtes, hier mitzugehen und jederzeit klanglich Paroli zu bieten. Ein Bollwerk der Stabilit\u00e4t ist der Chor dann auch in den Fugen, die H\u00e9ja im Tempo recht z\u00fcgig nimmt. Zahnradgleich greifen die Stimmen ineinander, bleiben konturfest auch im dichten Satzgef\u00fcge, kr\u00f6nend-packender Abschluss der betreffenden Requiem-Teile, ganz besonders des dritten mit seinem insistierenden Orgelpunkt.\n  <\/p>\n<p>            Die \u00e4ngstliche Ungewissheit bleibt bei H\u00e9ja au\u00dfen vor<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Und doch, so effektstark sich Domonkos H\u00e9ja durch das Requiem vorarbeitet, bleibt eines lange \u00fcberdeckt: Dass da Fragen des definitiven Abschieds verhandelt werden, dass Wort und Ton hier in weltabgewandte Bereiche vordringen. H\u00e9ja interessiert sich \u00fcber weite Strecken nicht f\u00fcr die Zust\u00e4nde der \u00e4ngstlich-bohrenden Ungewissheit, f\u00fcr das, was \u201edanach\u201c kommen wird. Schon im zweiten, marsch\u00e4hnlichen Satz verschwimmt die rhythmische Unerbittlichkeit der Pauke, die daran gemahnt, dass \u201ealles Fleisch\u201c verg\u00e4nglich ist \u201ewie Gras\u201c. Und wenn im dritten Satz der Baritonsolist auf das Alles-ist-eitel verweist (die Menschen \u201esammeln und wissen nicht, wer es kriegen wird\u201c): Da h\u00e4tte man sich die umgebende orchestrale Klangrhetorik zweifelnder, br\u00fcchiger, verzagter gew\u00fcnscht.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Dabei ist mit Modestas Sedlevi\u010dius ein vorz\u00fcglicher Interpret f\u00fcr die beiden heiklen Bariton-Soli als Gast verpflichtet worden, der nicht nur Spitzen kraftvoll meistert, sondern den Ausdruck auch stets eng am Text entlangf\u00fchrt. Jihyun Cecilia Lee vom hiesigen Staatstheater-Ensemble ist mit der Sopran-Solopartie betraut, eine ebenso gl\u00fcckliche Wahl: Schlank und doch bl\u00fchend formt sie die Kantilene, gestaltet ungemein anr\u00fchrend das Prophetenwort \u201eich will euch tr\u00f6sten, wie einen seine Mutter tr\u00f6stet\u201c.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Im siebten und letzten Werkabschnitt stellt sich dann doch noch ein, was zuvor nicht offenbar werden wollte, die Transzendierung des nur gelingenden Musizierens hin\u00fcber in eine ergreifende Auff\u00fchrung. Der BR-Chor hat daran ma\u00dfgeblichen Anteil durch \u00e4u\u00dferst innige, \u201eeng(e)lische\u201c Momente, getragen von sonorem Holzbl\u00e4ser- und sattem Posaunenklang der Augsburger Philharmoniker \u2013 musikalische Beglaubigung der Schlussformel \u201eSelig sind die Toten\u201c. In anderem Sinne, ins Diesseitige gewendet, nicht weniger beseligt das Konzert-Auditorium: langer Applaus, mit Jubel vermischt.\n  <\/p>\n<ul data-module-id=\"DragDropModule\" class=\"flex flex-wrap justify-start group-[.no-bookmarks]:hidden\">\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Stefan Dosch<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Augsburg<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Johannes Brahms<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Solch ein Gast auf der B\u00fchne zieht nat\u00fcrlich Publikum in den Saal. 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