{"id":652568,"date":"2025-12-17T11:36:24","date_gmt":"2025-12-17T11:36:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/652568\/"},"modified":"2025-12-17T11:36:24","modified_gmt":"2025-12-17T11:36:24","slug":"nach-entzug-deutscher-aufnahmezusagen-verzweifelte-afghanen-in-pakistan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/652568\/","title":{"rendered":"Nach Entzug deutscher Aufnahmezusagen: Verzweifelte Afghanen in Pakistan"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/afghanen-lager-pakistan-100.jpg\" alt=\"Afghanische Gefl\u00fcchtete in einem Lager in Pakistan.\" title=\"Afghanische Gefl\u00fcchtete in einem Lager in Pakistan. | EPA\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 17.12.2025 11:47 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>Deutschland hatte ihnen Hilfe versprochen, doch dann die Aufnahmezusage zur\u00fcckgezogen: Hunderte Afghanen in Pakistan bef\u00fcrchten nun, abgeschoben zu werden. Und hat Deutschland sensible Informationen weitergegeben? <\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                    <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/peter-hornung-105.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                        <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Peter Hornung, NDR\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/peter-hornung-103.jpg\"\/><br \/>\n                                    <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Es war am vergangenen Freitag, einem Abend, den Neela (Name ge\u00e4ndert) und ihre Familie nie vergessen werden. &#8222;Wir sa\u00dfen mit einer Gruppe junger Frauen und Teenagerm\u00e4dchen im Speisesaal des G\u00e4stehaus und lernten flei\u00dfig Deutsch.&#8220; Eine Zehnj\u00e4hrige sei weinend hereingekommen und habe ihre Schwester gesucht, um ihr die Hiobsbotschaft mitzuteilen. Alle hatten E-Mails im Namen der Bundesregierung bekommen, der Inhalt: Deutschland zieht seine Aufnahmezusagen zur\u00fcck.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Betroffen ist eine Gruppe von etwa 640 Afghaninnen und Afghanen, die bislang in Pakistan warten &#8211; allesamt Menschen, die sich vor der Macht\u00fcbernahme der Taliban in der Zivilgesellschaft engagiert hatten. Einige von ihnen sind &#8211; wie Neelas Familie &#8211; in G\u00e4steh\u00e4usern in der westpakistanischen Gro\u00dfstadt Peshawar untergebracht.<\/p>\n<p>Neela ist die Tochter eines Journalisten, der als gef\u00e4hrdet gilt, sollte er ins von den Taliban beherrschte Afghanistan zur\u00fcckkehren m\u00fcssen. Er ist derjenige, der den Schutz f\u00fcr sich und seine Familie beantragt hatte. Alle zusammen sind seither in der sogenannten Menschenrechtsliste, einem der vier deutschen Aufnahmeprogramme. An ihrer Aufnahme habe die Bundesregierung &#8222;kein politisches Interesse&#8220; mehr, teilte vergangene Woche eine Sprecherin von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) zun\u00e4chst \u00fcber die Medien mit. Das werde man den Betroffenen noch in einer E-Mail schreiben.<\/p>\n<p>    \u00dcberpr\u00fcfungen der pakistanischen Polizei nur ein Zufall?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Und genau in der Nacht, in der wir die E-Mail erhielten mit der Absage unserer Aufnahme, kam die pakistanische Polizei in unser Hotel und verlangte unsere Ausweis- und Aufenthaltsdokumente&#8220;, sagt Neela. Und sie fragt: &#8222;Kann das Zufall sein? Nach all dieser Zeit ist die absolute Mehrheit dieser 640 Fl\u00fcchtlinge \u00fcberzeugt: Nein, das kann kein Zufall sein.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Tats\u00e4chlich ist das eine Frage, die sich stellt: Warum kamen pakistanische Polizisten so kurz, nachdem die Mails aus Deutschland eingetroffen waren? Wussten sie etwa, dass genau diesen afghanischen Familien die Aufnahmezusagen aus Deutschland genommen worden waren? Werden solche sensible Daten wom\u00f6glich sogar von deutscher Seite weitergegeben?<\/p>\n<p>    Dementi vom Ausw\u00e4rtigen Amt<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Eine Sprecherin des Ausw\u00e4rtigen Amtes sagte auf ARD-Anfrage klar: nein. Man gebe den Pakistanern zwar Listen der Afghanen, die eine Aufnahmezusage bekommen haben &#8211; um diese vor Verhaftung zu bewahren. Wenn sie sie aber verl\u00f6ren, melde man das der pakistanischen Seite nicht. &#8222;Austritte aus den Verfahren und m\u00f6gliche Hintergr\u00fcnde werden nicht weitergegeben&#8220;, so die Sprecherin. Alles doch nur Zufall?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Chemnitzer Rechtsanw\u00e4ltin Mia Silberman jedenfalls ist eine von mehreren deutschen Juristinnen, die von afghanischen Mandanten berichtet, denen es so wie Neela erging. Deren Aufnahmezusagen waren widerrufen worden, und sie sollten innerhalb von sieben Tagen das von der Bundesregierung bezahlte G\u00e4stehaus verlassen. Doch nach dem Widerruf dauerte es nur einen Tag, bis die Polizei kam. &#8222;Die Frist endete an einem Mittwoch&#8220;, sagt Rechtsanw\u00e4ltin Silberman, &#8222;und am Donnerstagfr\u00fch erhielt ich die Mitteilung, dass die Mandanten in das Hadschi-Lager (in Islamabad, Anm. d.Red.) gebracht wurden, um eben die Abschiebung nach Afghanistan vorzubereiten.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ein b\u00f6ser Verdacht also, der auch gen\u00e4hrt wird durch die Aussage eines pakistanischen Polizisten &#8211; als er und seine Kollegen Anfang September ein von Afghanen bewohntes G\u00e4stehaus in Islamabad durchsuchten. Man bekomme durchaus Namenslisten von der deutschen Seite von Afghanen, die ihre Aufnahmezusage verloren h\u00e4tten. Das sagte er vor mehreren Zeugen. Dem ARD Studio Neu-Delhi liegt ein entsprechender Mitschnitt vor. Das Ausw\u00e4rtige Amt aber wollte diese Aussage ausdr\u00fccklich nicht kommentieren.<\/p>\n<p>    Angst und Verunsicherung<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Was wichtig ist: Der Entzug der Aufnahmezusage alleine muss f\u00fcr die Betroffenen noch nicht das Ende aller Hoffnung sein. Denn h\u00e4ufig k\u00f6nnen sie noch vor deutschen Gerichten klagen. Wenn sie aber inzwischen nach Afghanistan abgeschoben werden, sinken ihre Chancen, jemals nach Deutschland zu kommen, praktisch auf null. Und so bleibt &#8211; trotz des Dementis von deutscher Seite &#8211; ein Verdacht, der die Angst und Verunsicherung noch vergr\u00f6\u00dfert. Das gilt f\u00fcr Neela, ihre Familie und allen Afghaninnen und Afghanen, die in Pakistan noch auf eine Weiterreise nach Deutschland hofften.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Deutschland ist ein weltweit anerkanntes demokratisches Land und es hat nun sein Versprechen zur\u00fcckgezogen, Dutzende von Familien aufzunehmen, denen in ihrer Heimat der sichere Tod droht&#8220;, sagt die junge Frau und fragt verzweifelt: &#8222;Gibt es denn \u00fcberhaupt noch einen Ort f\u00fcr Gerechtigkeit und Menschenrechte in der Welt?\u201c Sie glaube, so Neela, dass trotz allem Deutschland dieser Ort sein kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 17.12.2025 11:47 Uhr Deutschland hatte ihnen Hilfe versprochen, doch dann die Aufnahmezusage zur\u00fcckgezogen: Hunderte Afghanen in Pakistan&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":652569,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[7451,18647,29,30,13,14,15,10670,12,10,8,9,11],"class_list":{"0":"post-652568","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-deutschland","8":"tag-afghanistan","9":"tag-bundesinnenministerium","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-headlines","13":"tag-nachrichten","14":"tag-news","15":"tag-pakistan","16":"tag-schlagzeilen","17":"tag-top-news","18":"tag-top-meldungen","19":"tag-topmeldungen","20":"tag-topnews"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115734707561670718","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/652568","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=652568"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/652568\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/652569"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=652568"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=652568"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=652568"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}