{"id":653734,"date":"2025-12-17T22:17:16","date_gmt":"2025-12-17T22:17:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/653734\/"},"modified":"2025-12-17T22:17:16","modified_gmt":"2025-12-17T22:17:16","slug":"desinformations-kampagne-jan-marsalek-und-seine-operation-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/653734\/","title":{"rendered":"Desinformations-Kampagne &#8211; Jan Marsalek und seine &#8222;Operation Berlin&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/brandenburger-tor-170.jpg\" alt=\"Brandenburger Tor\" title=\"Brandenburger Tor | dpa\"\/><\/p>\n<p>                    <strong>exklusiv<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 17.12.2025 18:00 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>Der fl\u00fcchtige Ex-Wirecard-Manager Marsalek beauftragte offenbar eine Desinformations-Kampagne in Berlin, um die Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Ukraine zu untergraben. Das geht aus Chats hervor, die WDR, NDR und SZ nun einsehen konnten.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Manuel Bewarder, NDR\/WDR, und Florian Flade, WDR\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Im Mai 2022, wenige Monate nach Russlands Angriff, sollte eine Desinformations-Kampagne gegen die Ukraine mit Schwerpunkt in Berlin stattfinden: mit Aufklebern und Graffitis. So zumindest hatte es Jan Marsalek geplant.\u00a0Der fl\u00fcchtige Ex-Vorstand des Wirecard-Konzerns, der sich in Russland aufhalten soll, soll nach Erkenntnissen westlicher Sicherheitsbeh\u00f6rden als Agent f\u00fcr Moskau t\u00e4tig sein.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">WDR, NDR, S\u00fcddeutsche Zeitung und dem \u00f6sterreichischen Magazin profil liegen jetzt Chatnachrichten vor, die Marsalek nach seiner Flucht verfasst haben soll. Sie zeigen: Marsalek leitete offenbar aus Moskau per Handychat seinen bulgarischen Kontaktmann Orlin Roussev in Gro\u00dfbritannien an, die Aufkleber- und Graffiti-Aktion durchf\u00fchren zu lassen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auf die Telegram-Nachrichten waren britische Beh\u00f6rden nach der Festnahme Roussevs gesto\u00dfen. Er bekannte sich mittlerweile der Spionage f\u00fcr Russland schuldig und wurde &#8211; wie andere Bulgaren auch &#8211; zu einer langj\u00e4hrigen Haftstrafe verurteilt. Sie hatten unter anderem eine US-Milit\u00e4reinrichtung in Deutschland und Russland-kritische Journalisten ausgesp\u00e4ht. Beim Austausch dazu schreckten sie auch nicht vor Mordphantasien zur\u00fcck.<\/p>\n<p>    Das Ziel: die Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Ukraine torpedieren<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In weiteren Botschaften, die jetzt ausgewertet werden konnten, tauschen sich die beiden aus, wie sie Aufkleber und Graffiti herstellen k\u00f6nnen. Die\u00a0sollten \u00a0den Eindruck vermitteln, dass in Berlin Sympathisanten ukrainischer Rechtsextremisten unterwegs seien.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">So sollen etwa Motive wie Runen und Wolfsangeln ausgew\u00e4hlt worden sein, auch das Logo des ukrainischen Kampfverbandes &#8222;Azov&#8220;, der in der Vergangenheit wegen rechtsextremer Verbindungen umstritten war, sich eigenen Angaben zufolge davon inzwischen abgrenzt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">F\u00fcr den Gr\u00fcnen-Vertreter im Parlamentarischen Kontrollgremium, Konstantin von Notz, ist die Operation beispielhaft f\u00fcr &#8222;einen Nadelstich von vielen, vielen anderen&#8220;. Er warnt deshalb davor, die Aktion kleinzureden: &#8222;Es mag harmlos wirken, aber es gibt einen Effekt mit relativ wenig Aufwand.&#8220;\u00a0 Schon zu Sowjetzeiten waren sogenannte &#8222;Aktive Ma\u00dfnahme ein verbreitetes Mittel, um dem politischen Gegner Schaden zuzuf\u00fcgen: Durch L\u00fcgen und Ger\u00fcchte sollen Konflikte im Westen befeuert werden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>    Mehrere Personen f\u00fcr die &#8222;Operation Berlin&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Den Chats zufolge schickte Roussev am 1. Mai 2022 mehrere Personen f\u00fcr die &#8222;Operation Berlin&#8220; in die Hauptstadt. Marsalek wiederum soll Kontakt zu \u00a0seinen Auftraggebern in Russland gehalten haben: &#8222;Habe die Berlin-Kampagne mit unseren Freunden besprochen, und sie finden sie toll&#8220;, hei\u00dft es im Chat. . . &#8222;Alle sagen, dass sie von den Medien nicht ignoriert werden kann (\u2026) Der Kindergarten, dass Brandenburger Tor und das Anne-Frank-Museum haben ihnen sehr gut gefallen&#8220;.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">An pr\u00e4gnanten Orten wie eben dem Brandenburger Tor,\u00a0 dem J\u00fcdischen Museum, dem Mahnmal f\u00fcr die ermordeten Juden Europas oder an einer Bundeswehr-Rekrutierungsstelle sollten die angeblich pro-ukrainischen, anti-russischen Aufkleber und Graffitis angebracht werden. Die daf\u00fcr vorgesehenen Personen stellten dann aber \u00fcberrascht fest, dass aufgrund des 1. Mai viele Polizisten in der Stadt unterwegs waren.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Marsalek schlug daraufhin vor, die Aktion auf andere Stadtteile \u00a0auszuweiten. &#8222;Wenn m\u00f6glich, sollten wir die Azov-Graffitis wahllos in der Stadt verteilen, vor allem auch in ,normalen\u2018 Gebieten, um die Bev\u00f6lkerung zu \u00e4rgern&#8220;, hei\u00dft es in einer Nachricht von Marsalek. &#8222;Vielleicht sollten wir auch noch in andere St\u00e4dte gehen, vielleicht ein bisschen in Ostdeutschland und echte Nazis anwerben. Und Wien, \u00d6sterreich (\u2026) Lass uns \u00fcberall in der Stadt Azov-Graffitis anbringen. Die Leute m\u00fcssen wissen, dass die Nazis wieder in der Stadt sind.&#8220;\u00a0\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>    Hinweise auch auf Aktionen in M\u00fcnchen und Hamburg<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Vor Gericht in London hatte eine der Angeklagten zugegeben, mit einem Vertrauten Roussevs in Berlin unterwegs gewesen zu sein: &#8222;Er brachte Sticker an verschiedenen Orten an&#8220;, erkl\u00e4rte sie und schr\u00e4nkte ein, dass es sich um vielleicht 15 Aufkleber gehandelt habe. Von einer Desinformationskampagne zulasten der Ukraine habe sie nichts gewusst, sagte sie.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dass die Aktion tats\u00e4chlich durchgef\u00fchrt wurde, belegen auch Aufkleber in Wien. Eine weitere Bulgarin hatte das Stickern gegen\u00fcber \u00f6sterreichischen Ermittlern gestanden. Es gibt auch Hinweise auf Aktionen in M\u00fcnchen und Hamburg. \u00a0\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Aus den Nachrichten geht au\u00dferdem hervor, dass offenbar nicht alles nach Plan lief. Am 4. Mai 2022 schrieb Roussev an Marsalek, dass zwei der Angeheuerten, die &#8222;am j\u00fcdischen Mahnmal gemalt haben&#8220;, festgenommen worden seien.<\/p>\n<p>    Erfolge oder \u00dcbertreibung?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Roussev meldete aber auch immer wieder Erfolge: Es gebe Bilder und Videos der Klebe- und Spr\u00fchaktionen. So sei ein russischer Kindergarten um 4:30 Uhr morgens mit Graffitis bemalt worden. Auch auf der Berliner Mauer habe man Aufkleber hinterlassen. Insgesamt seien 4000 Aufkleber in Berlin verteilt worden. Eine \u00dcbertreibung?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Roussev hatte ein gesch\u00e4ftliches Interesse daran, die Aktionen m\u00f6glichst erfolgreich darzustellen &#8211; um dann von Marsalek Folgeauftr\u00e4ge\u00a0 zu erhalten. Die Berliner Polizei erkl\u00e4rte auf Anfrage, dass ihr zu fast keiner der skizzierten Aktionen Hinweise vorliegen. Sie best\u00e4tigte lediglich eine Anzeige im Mai 2022: An einem russischen Kindergarten sei eine Farbschmiererei &#8222;im Zusammenhang mit dem Russland-Ukraine-Konflikt&#8220; festgestellt worden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Laut Staatsanwaltschaft wurde das Verfahren eingestellt, da es keine Hinweise auf die T\u00e4ter gegeben habe.\u00a0Die Anw\u00e4lte von Marsalek und Roussev antworteten bislang\u00a0 nicht auf Anfragen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Marsalek wunderte sich laut Chatnachrichten dar\u00fcber, dass in den Medien nichts von der Aktion zu lesen sei. &#8222;Seltsamerweise bis jetzt null in der Presse&#8220;, hei\u00dft es in einer Nachricht vom 16. Mai 2022. &#8222;Die Gegner haben ihre Presse gut gemanagt&#8220;. Dass seine bulgarischen Agenten vielleicht am Ende doch nicht so flei\u00dfig und erfolgreich waren wie behauptet, kam ihm offenbar nicht in den Sinn &#8211; oder er behielt es f\u00fcr sich.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"exklusiv Stand: 17.12.2025 18:00 Uhr Der fl\u00fcchtige Ex-Wirecard-Manager Marsalek beauftragte offenbar eine Desinformations-Kampagne in Berlin, um die Unterst\u00fctzung&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":653735,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,3553,29,30,41749,307,1712,39017],"class_list":{"0":"post-653734","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-desinformation","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-marsalek","13":"tag-russland","14":"tag-ukraine-krieg","15":"tag-wirecard"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115737228504960909","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/653734","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=653734"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/653734\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/653735"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=653734"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=653734"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=653734"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}