{"id":653898,"date":"2025-12-17T23:51:12","date_gmt":"2025-12-17T23:51:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/653898\/"},"modified":"2025-12-17T23:51:12","modified_gmt":"2025-12-17T23:51:12","slug":"boppard-stockholm-wenn-hormone-adhs-verstaerken-was-frauen-wissen-sollten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/653898\/","title":{"rendered":"Boppard\/Stockholm | Wenn Hormone AD(H)S verst\u00e4rken: Was Frauen wissen sollten"},"content":{"rendered":"<p>Boppard\/Stockholm (dpa\/tmn) &#8211; Viele Frauen kennen das Gef\u00fchl: In bestimmten Phasen des Lebens oder des Monats f\u00e4llt es ihnen schwerer, sich zu konzentrieren, belastbar zu bleiben oder ihre Gef\u00fchle zu regulieren. Stimmungsschwankungen, innere Unruhe oder Ersch\u00f6pfung nehmen zu. Hormone spielen dabei oft eine zentrale Rolle \u2013 besonders bei Frauen mit einer Aufmerksamkeitsdefizitst\u00f6rung.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend AD(H)S bei Jungen und M\u00e4nnern h\u00e4ufig schon im Kindesalter erkannt wird, bleibt die neurobiologische St\u00f6rung bei M\u00e4dchen und Frauen mit der Aufmerksamkeitsdefizitst\u00f6rung mit Hyperaktivit\u00e4t (ADHS) oder ADS, der Aufmerksamkeitsdefizitst\u00f6rung, oft lange unbeachtet. Ein Grund daf\u00fcr ist, dass sich die Symptome bei ihnen anders zeigen und zudem st\u00e4rker schwanken \u2013 etwa im Verlauf des Zyklus, w\u00e4hrend einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren.<\/p>\n<p>Auff\u00e4llig ist: Bei Frauen mit AD(H)S k\u00f6nnen bereits vergleichsweise kleine hormonelle Ver\u00e4nderungen gr\u00f6\u00dfere Auswirkungen haben als bei Frauen ohne Aufmerksamkeitsdefizitst\u00f6rung. Fachleute sprechen von st\u00e4rkeren \u00abAusschl\u00e4gen\u00bb \u2013 etwa bei Stimmung, Konzentration oder Stressverarbeitung.<\/p>\n<p>Motivation, Stimmung, Stabilit\u00e4t &#8211; alles eine Hormonfrage<\/p>\n<p>Ein zentraler Faktor sind dabei weibliche Sexualhormone, vor allem \u00d6strogen. Dieses Hormon beeinflusst nicht nur den K\u00f6rper, sondern auch spezielle Botenstoffe im Gehirn \u2013 darunter Dopamin und Serotonin. Diese Stoffe sind unter anderem wichtig f\u00fcr Konzentration, Motivation, Stimmung und emotionale Stabilit\u00e4t.<\/p>\n<p>Sinkt der \u00d6strogenspiegel \u2013 etwa in der zweiten Zyklush\u00e4lfte, nach einer Geburt oder in der Menopause \u2013, kann dieses fein austarierte Gleichgewicht gest\u00f6rt werden. Viele Frauen reagieren dann empfindlicher auf Stress oder emotionale Belastungen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Frauen mit AD(H)S k\u00f6nnen sich die Symptome in solchen Phasen deutlich verst\u00e4rken, sagt die schwedische Psychiaterin Lotta Borg Skoglund. Betroffene berichten dann h\u00e4ufiger von erh\u00f6hter Ablenkbarkeit, geringerer Stressresistenz, starker Emotionalit\u00e4t und vermehrten Schlafproblemen. Borg Skoglund ist auf die Behandlung von ADHS und ADS bei M\u00e4dchen und Frauen spezialisiert und hat dem Thema ein Buch gewidmet.<\/p>\n<p>Wenn Hormone schwanken, ver\u00e4ndern sich auch die Symptome<\/p>\n<p>Damit verst\u00e4ndlich wird, warum Hormone wie \u00d6strogen AD(H)S-Symptome beeinflussen k\u00f6nnen, lohnt sich ein Blick auf Dopamin. Dieser Neurotransmitter hilft dabei, Aufmerksamkeit zu steuern, Motivation aufrechtzuerhalten und Gef\u00fchle zu regulieren. Steht zu wenig Dopamin zur Verf\u00fcgung, f\u00e4llt es schwerer, sich zu konzentrieren, innere Anspannung zu kontrollieren oder Aufgaben bis zum Ende durchzuhalten.<\/p>\n<p>Bei Menschen mit ADHS ist dieses Dopamin-System ver\u00e4ndert. Fachleute gehen davon aus, dass Dopamin im Gehirn weniger wirksam zur Verf\u00fcgung steht \u2013 nicht unbedingt, weil es gar nicht vorhanden ist, sondern weil es schneller wieder abgebaut oder nicht ausreichend genutzt wird. Das kann erkl\u00e4ren, warum Betroffene oft impulsiv reagieren, sich leicht ablenken lassen oder emotional st\u00e4rker schwanken.<\/p>\n<p>Dinge motiviert angehen<\/p>\n<p>Um diesen Mangel auszugleichen, erhalten ADHS-Patientinnen h\u00e4ufig Medikamente. Sie erh\u00f6hen die Verf\u00fcgbarkeit der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin im Gehirn und k\u00f6nnen so Konzentration, Antrieb und emotionale Stabilit\u00e4t verbessern. \u00abDopamin tr\u00e4gt dazu bei, viele unserer allt\u00e4glichen Verhaltensweisen, aber auch einige der problematischeren zu steuern. Durch die Aussch\u00fcttung von Dopamin erleben wir Gef\u00fchle von Energie und Freude\u00bb, erkl\u00e4rt Borg Skoglund. Es wirkt motivierend und sorgt daf\u00fcr, dass Menschen Aufgaben beginnen und auch dabeibleiben.\u00a0<\/p>\n<p>An dieser Stelle kommen die Hormone ins Spiel: \u00d6strogen beeinflusst den Dopamin-Haushalt im Gehirn auf mehreren Ebenen. Es kann die Produktion des Neurotransmitters anregen, dessen Freisetzung f\u00f6rdern und den Abbau verlangsamen. \u00ab\u00d6strogen ist ein wahrer Dopamin-Booster\u00bb, sagt Matthias Rudolph, Facharzt f\u00fcr Psychosomatische Medizin und Psychotherapie mit Praxis im rheinland-pf\u00e4lzischen Boppard. Sinkt der \u00d6strogenspiegel, steht entsprechend oft weniger Dopamin zur Verf\u00fcgung \u2013 was sich bei Frauen mit AD(H)S besonders deutlich bemerkbar machen kann.<\/p>\n<p>Frauen mit ADHS leiden h\u00e4ufiger an PMS und PMDS<\/p>\n<p>Das zeigt sich besonders im monatlichen Zyklus. In der ersten Zyklush\u00e4lfte dominiert \u00d6strogen und unterst\u00fctzt unter anderem die Dopaminproduktion im Gehirn. In der zweiten Zyklush\u00e4lfte sinkt der \u00d6strogenspiegel, w\u00e4hrend Progesteron ansteigt \u2013 das hormonelle Gleichgewicht ver\u00e4ndert sich, und dem Gehirn steht h\u00e4ufig weniger Dopamin zur Verf\u00fcgung. Viele Frauen reagieren in dieser Phase empfindlicher und haben mehr Schwierigkeiten, ihren Alltag zu strukturieren.<\/p>\n<p>Und es beg\u00fcnstigt das Pr\u00e4menstruelle Syndrom (PMS), zu dessen Symptomen Reizbarkeit, Angstzust\u00e4nde, depressive Verstimmungen, Brustspannen und -schmerzen sowie Kopfschmerzen geh\u00f6ren. Studien zeigen, dass Frauen mit AD(H)S deutlich h\u00e4ufiger unter PMS leiden als Frauen ohne die St\u00f6rung \u2013 je nach Untersuchung ist fast jede zweite betroffen. Die \u00c4rztin Astrid Neuy-Lobkowicz beschreibt es als \u00abeine kleine Depression, die sich hormonbedingt jeden Monat wiederholt\u00bb.<\/p>\n<p>Bei einem Teil der Betroffenen fallen die Beschwerden jedoch deutlich st\u00e4rker aus. Dann sprechen Fachleute von der Pr\u00e4menstruellen dysphorischen St\u00f6rung (PMDS), bei der besonders die psychischen Symptome die Lebensqualit\u00e4t und den Alltag beeintr\u00e4chtigen. In der weiblichen Allgemeinbev\u00f6lkerung sind drei bis acht Prozent betroffen; es gibt Hinweise darauf, dass ADHS-Betroffene auch hier ein h\u00f6heres Risiko haben.<\/p>\n<p>Medikamente an den Tagen vor den Tagen<\/p>\n<p>Um PMS oder PMDS zu behandeln, gibt es verschiedene M\u00f6glichkeiten. So empfiehlt Matthias Rudolph das Naturheilmittel M\u00f6nchspfeffer, das Symptome abmildern kann. Mediziner k\u00f6nnen aber auch etwa niedrig dosierte Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI), also Medikamente, die man auch bei Depressionen oder Angstst\u00f6rungen nehmen w\u00fcrde, verordnen. Die Betroffenen nehmen das Mittel nur an den Tagen vor der Periode. Eine andere Option sei, das ADHS-Medikament in dieser Zeit um f\u00fcnf bis zehn Milligramm h\u00f6her zu dosieren.<\/p>\n<p>Bei Frauen, die es vertragen, kommen auch hormonelle Pr\u00e4parate in Betracht. Etwa eine Verh\u00fctungspille, die durchgehend genommen wird, sodass es gar nicht zur Periode kommt und die zyklischen Schwankungen unterdr\u00fcckt werden. Auch die Gabe eines \u00d6strogen-Gels kann stabilisierend wirken.<\/p>\n<p>Wichtig ist in jedem Fall, dass Behandler sich eng abstimmen.<\/p>\n<p>Was sich in Schwangerschaft und Geburt \u00e4ndert\u00a0<\/p>\n<p>In der Schwangerschaft steigen die \u00d6strogenspiegel stark an. F\u00fcr Frauen mit AD(H)S kann das zu einer Ver\u00e4nderung ihrer Symptome f\u00fchren. Ob ADHS-Medikamente reduziert oder pausiert werden k\u00f6nnen, sollte individuell nach Nutzen-Risiko-Abw\u00e4gung mit der behandelnden \u00c4rztin oder dem Arzt entschieden werden.<\/p>\n<p>Gleichzeitig, so schreibt Borg Skoglund, berichteten schwangere Frauen mit AD(H)S h\u00e4ufig, dass sie sich in ihrem K\u00f6rper unwohl f\u00fchlen, sich Sorgen \u00fcber die Geburt machen und von Selbstzweifeln angesichts der Mutterschaft geplagt werden.<\/p>\n<p>Fachleute raten deshalb dazu, Frauen mit AD(H)S w\u00e4hrend Schwangerschaft und Wochenbett besonders eng zu begleiten \u2013 etwa durch fr\u00fchzeitiges Screening, eine engere Betreuung durch Hebammen und eine gute Vernetzung mit \u00e4rztlichen Ansprechpersonen.<\/p>\n<p>Mit der Geburt sinkt das \u00d6strogen dann stark ab, depressive Stimmungen nehmen zu. Studien legen nahe, dass auch die Rate an postpartalen Depressionen unter Frauen mit ADHS erh\u00f6ht ist. Matthias Rudolph zufolge liegt sie f\u00fcr Frauen in der Allgemeinbev\u00f6lkerung bei 10 bis 20 Prozent, bei Frauen mit AD(H)S in einigen Studien bei 60 Prozent.<\/p>\n<p>Hinzu kommt: Untersuchungen haben gezeigt, dass ADHS famili\u00e4r geh\u00e4uft auftritt. Sie kann demnach von Eltern vererbt werden. Das kann unter Umst\u00e4nden bedeuten, dass stresssensible Eltern ein Baby haben, das Regulationsst\u00f6rungen zeigt und zum Beispiel viel schreit. Facharzt Matthias Rudolph r\u00e4t dazu, sich in solchen F\u00e4llen zum Beispiel an Pro Familia zu wenden und mit der Hebamme und der Krankenkasse zu sprechen, damit die Eltern l\u00e4nger betreut werden und Hilfe erhalten.<\/p>\n<p>AD(H)S-Diagnose in den Wechseljahren<\/p>\n<p>Bei vielen Frauen wird AD(H)S erst mit der (Peri-)Menopause diagnostiziert, also rund um die sogenannten Wechseljahre. Mit der Perimenopause ver\u00e4ndert sich das Zusammenspiel der Hormone: Progesteron wird weniger oder gar nicht mehr produziert, gleichzeitig schwankt auch der \u00d6strogenspiegel stark. Das wirkt sich unter anderem darauf aus, wie viel Serotonin und Dopamin im Gehirn verf\u00fcgbar sind \u2013 also Botenstoffe, die f\u00fcr Stimmung, Motivation und emotionale Stabilit\u00e4t wichtig sind.\u00a0<\/p>\n<p>Der unstete Hormonspiegel kann dadurch st\u00e4rkere Stimmungsschwankungen sowie Probleme bei emotionaler Regulierung und Stresstoleranz beg\u00fcnstigen. Einige Frauen berichten Borg Skoglund zufolge in der Menopause von AD(H)S-Symptomen, die sie zuvor noch nie erlebt hatten.<\/p>\n<p>\u00abBei ihnen gilt es, unter Abw\u00e4gung m\u00f6glicher Kontraindikationen, die Einleitung einer Hormonersatztherapie besonders gr\u00fcndlich zu pr\u00fcfen\u00bb, sagt Rudolph. Wichtig f\u00fcr Frauen mit AD(H)S ist dem Mediziner zufolge eine intensive Zusammenarbeit zwischen behandelnden Fachpersonen, also etwa Gyn\u00e4kologin, Therapeut und Hausarzt. Neben Medikamenten kann Bewegung helfen oder Sportarten, die mit Entspannungsverfahren kombiniert werden wie Tai Chi, Yoga und Qigong.\u00a0<\/p>\n<p>\u00abStrategien im Alltag wie feste Routinen, ausreichend Schlaf, regelm\u00e4\u00dfige Bewegung, gesunde Ern\u00e4hrung und strukturierte Planung, sind in hormonell turbulenten Phasen besonders wichtig\u00bb, sagt Borg Skoglund. Auch Selbsthilfegruppen und Psychoedukation k\u00f6nnten hilfreich sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Boppard\/Stockholm (dpa\/tmn) &#8211; Viele Frauen kennen das Gef\u00fchl: In bestimmten Phasen des Lebens oder des Monats f\u00e4llt es&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":653899,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[137],"tags":[2632,29,153110,3236,30588,30,141,232,84459,638,18115,837,153112,88324,88372,153111,13353,624,834,28482,61023],"class_list":["post-653898","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-gesundheit","tag-brcmj","tag-deutschland","tag-dopamin","tag-frauen","tag-frauengesundheit","tag-germany","tag-gesundheit","tag-health","tag-hormone","tag-krankheiten","tag-medikamente","tag-medizin","tag-neurodiversitaet","tag-oestrogen","tag-pmds","tag-pms","tag-psychologie","tag-ratgeber","tag-schwangerschaft","tag-wechseljahre","tag-zyklus"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115737597756061511","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/653898","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=653898"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/653898\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/653899"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=653898"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=653898"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=653898"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}