{"id":65396,"date":"2025-04-27T12:39:09","date_gmt":"2025-04-27T12:39:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/65396\/"},"modified":"2025-04-27T12:39:09","modified_gmt":"2025-04-27T12:39:09","slug":"rock-und-rap-als-instrumente-der-groenlaendischen-nationsbildung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/65396\/","title":{"rendered":"Rock und Rap als Instrumente der gr\u00f6nl\u00e4ndischen Nationsbildung"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"headline__lead\">Seit der norwegischen Missionar Hans Egede Gr\u00f6nland 1721 f\u00fcr die d\u00e4nische Krone annektierte, waren die Gr\u00f6nl\u00e4nder B\u00fcrger zweiter Klasse.<\/p>\n<p>  <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" alt=\"Statue des norwegischen Missionars und Stadtgr\u00fcnders Hans Egede in Nuuk.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"5363\" height=\"3575\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/746e084d-cd9a-4e3e-a5eb-3f051a37d7f3.jpeg\" loading=\"eager\"   class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Statue des norwegischen Missionars und Stadtgr\u00fcnders Hans Egede in Nuuk. <\/p>\n<p>Arctic-Images \/ Stone \/ Getty<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ipjj280l2\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text\">In Gr\u00f6nland pr\u00e4gten forcierte Modernisierung, Entwurzelung und Danisierung des Schulwesens die Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg. Von 1964 bis 1991 sorgte ein Gesetz daf\u00fcr, dass Staatsangestellte mit d\u00e4nischem Geburtsort besser bezahlt wurden als ihre gr\u00f6nl\u00e4ndischen Kollegen. Die Gr\u00f6nl\u00e4nder f\u00fcrchteten, ihre Sprache und Kultur zu verlieren, sie waren gezwungen, ihre Identit\u00e4t preiszugeben, ohne aber von den D\u00e4nen als gleichwertig anerkannt zu werden.<\/p>\n<p> Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen <\/p>\n<p>\n        NZZ.ch ben\u00f6tigt JavaScript f\u00fcr wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.\n      <\/p>\n<p>Bitte passen Sie die Einstellungen an.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ipjj280m0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Das war die Geburtsstunde des gr\u00f6nl\u00e4ndischen Rock. Das erste Album in gr\u00f6nl\u00e4ndischer Sprache, betitelt \u00abWohin\u00bb, war 1973 ein Riesenerfolg. Das Cover zeigt einen Holzschnitt von 1860: Ein Inuk hat soeben den letzten Wikinger niedergestreckt und ihm einen Arm abgehackt.<\/p>\n<p>Nah an der Welt der Geister<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ipjj280m2\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Sume \u2013 so hiess die Band \u2013 revitalisierte die vom norwegischen Missionar Hans Egede bek\u00e4mpfte schamanische Trommel. Egede hatte Gr\u00f6nland 1721 f\u00fcr die d\u00e4nische Krone annektiert. Sumes Texte hatten gem\u00e4ss einer Nuuker Hochschulschrift grosse Bedeutung f\u00fcr die \u00abWiederbelebung einer nuancierten und selbst\u00e4ndigen gr\u00f6nl\u00e4ndischen Sprache\u00bb. Sume baute in die Songs Phrasen wie \u00abAajai ja aai aajaa aa\u00bb ein, die die Inuit beim Trommelgesang verwendet hatten. Sie wurden zu Lautsymbolen gr\u00f6nl\u00e4ndischer Identit\u00e4t.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ipjj280m3\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">In Sumes Tradition steht heute der Rapper Tarrak. Als 15-j\u00e4hriger Sch\u00fcler erlebte er in D\u00e4nemark Rassismus und Stigmatisierung. \u00abSo wurde mir bewusst, dass ich Gr\u00f6nl\u00e4nder bin\u00bb, sagte er k\u00fcrzlich einer d\u00e4nischen TV-Station. Sein Video \u00abTupilak\u00bb (2016) wurde 300\u00a0000 Mal angeklickt \u2013 das F\u00fcnffache der gr\u00f6nl\u00e4ndischen Einwohnerzahl. \u00abDie D\u00e4nen f\u00fchlen sich den Gr\u00f6nl\u00e4ndern \u00fcberlegen\u00bb, sagt Tarrak, und er rappt: \u00abIn der Schule re\u00fcssieren wir nur, wenn wir eine Sprache sprechen, die nicht die unsere ist.\u00bb<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ipjj280m4\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Obwohl Gr\u00f6nl\u00e4ndisch seit 2009 alleinige Amtssprache ist, wird an Gymnasien auf D\u00e4nisch unterrichtet, hat D\u00e4nisch in Wirtschaft und Verwaltung nach wie vor eine starke Position. \u00abUnsere Geschichte wurde nicht von uns geschrieben\u00bb, sagt Tarrak. Die Gr\u00f6nl\u00e4nder, ein Volk ohne B\u00fccher, tradierten ihre Kultur m\u00fcndlich. Viele seien mit d\u00e4nischer Fernsehkost aufgewachsen, ihr Bild vom guten Leben sei d\u00e4nisch. Das will Tarrak \u00e4ndern. Er identifiziert sich mit Inuit-Werten. Inuit-Tattoos, die der Missionar Egede einst bek\u00e4mpfte, schm\u00fccken seinen K\u00f6rper. Die auf die Nase t\u00e4towierte Br\u00fccke signalisiert, dass er nah an der Welt der Geister ist.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\u00abIch bin ein Gr\u00f6nl\u00e4nder\u00bb: der Rapper Josef Tarrak-Petrussen,\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"1440\" height=\"1800\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"  class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    \u00abIch bin ein Gr\u00f6nl\u00e4nder\u00bb: der Rapper Josef Tarrak-Petrussen, <\/p>\n<p>Bolt Lamar<\/p>\n<p> Kampf um eine Statue<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ipjj280n1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Auch mit seinen Landsleuten geht der Rapper ins Gericht. Die D\u00e4nen \u00ablabeln uns als S\u00e4ufer und Nobodys\u00bb. Tats\u00e4chlich, so Tarrak, geb\u00e4rden sich manche Gr\u00f6nl\u00e4nder im Ausland als S\u00e4ufer. \u00abSie lassen uns schlecht aussehen. \/ Wir kehren kaputt nach Hause zur\u00fcck, \/ betrachten uns selbst als wertlos.\u00bb \u00abGr\u00f6nl\u00e4nder! Wacht auf! .\u00a0.\u00a0. Wir sind Tupilak.\u00bb<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ipjj280n2\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Tupilak war im alten Gr\u00f6nland ein Wesen mit magischen Kr\u00e4ften, das der Schamane zum Leben erweckte, um jemandem, etwa aus Rache oder Missgunst, gezielt zu schaden. Nicht ohne Risiko. Wenn das Opfer \u00fcber einen starken Gegenzauber gebot, griff Tupilak seinen eigenen Sch\u00f6pfer an.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ipjj280n3\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Im Video rappt Tarrak vor Egedes Statue, die auf einem H\u00fcgel \u00fcber der Stadt Nuuk thront. Sie wurde wiederholt mit Farbe \u00fcbergossen, ja gek\u00f6pft, der Bischofsstab durch eine Peitsche ersetzt. Vor dem 300.\u00a0Jahrestag von Egedes gr\u00f6nl\u00e4ndischer Landnahme 2021 forderte eine Unterschriftensammlung ihren Abriss: \u00abVersenken wir sie im Meer!\u00bb Eine andere Unterschriftensammlung warb f\u00fcr \u00abGr\u00f6nlands Apostel\u00bb, der der Insel das Christentum brachte. Schliesslich h\u00e4tten Nuuker B\u00fcrger das Denkmal zu Egedes 200.\u00a0Geburtstag errichtet.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ipjj280n4\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" data-vars-danzz-last-article-element=\"true\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Eine Volksabstimmung wurde angesetzt. Bei einer Stimmbeteiligung von 6,5 Prozent obsiegten mitten in den Sommerferien die Verteidiger des Standbilds mit 921 zu 600 Stimmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seit der norwegischen Missionar Hans Egede Gr\u00f6nland 1721 f\u00fcr die d\u00e4nische Krone annektierte, waren die Gr\u00f6nl\u00e4nder B\u00fcrger zweiter&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":65397,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1772],"tags":[29,214,30,1779,810,215],"class_list":{"0":"post-65396","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-musik","8":"tag-deutschland","9":"tag-entertainment","10":"tag-germany","11":"tag-music","12":"tag-musik","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65396","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=65396"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65396\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/65397"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=65396"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=65396"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=65396"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}