{"id":654050,"date":"2025-12-18T01:19:19","date_gmt":"2025-12-18T01:19:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/654050\/"},"modified":"2025-12-18T01:19:19","modified_gmt":"2025-12-18T01:19:19","slug":"dieser-exoplanet-ist-einzigartig-und-unerklaerlich-astronomen-raetseln-ueber-pulsar-nahen-gasriesen-aus-fast-reinem-kohlenstoff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/654050\/","title":{"rendered":"Dieser Exoplanet ist einzigartig \u2013 und unerkl\u00e4rlich &#8211; Astronomen r\u00e4tseln \u00fcber Pulsar-nahen Gasriesen aus fast reinem Kohlenstoff"},"content":{"rendered":"<p>\u00dcberraschung im Spektrum<\/p>\n<p>Aber es wird noch exotischer: Zhang und sein Team haben diesen Pulsar-Planeten jetzt erstmals mit dem hochaufl\u00f6senden Nahinfrarot-Spektrometer (NIRSpec) des James-Webb-Teleskops genauer untersucht. Ziel war es, mehr Informationen \u00fcber die Gash\u00fclle und Zusammensetzung von PSR J2322\u20132650b zu gewinnen. Weil der Pulsar vorwiegend Gammastrahlung aussendet, ist das Infrarotspektrum des Planeten besonders gut und st\u00f6rungsfrei zu erkennen.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich lieferte das Teleskop ein extrem klares Spektrum der hei\u00dfen Tagseite des Exoplaneten \u2013 und zeigte etwas v\u00f6llig Unterwartetes. \u201eDas war eine absolute \u00dcberraschung\u201c, erinnert sich Koautor Peter Gao von der Carnegie Institution in Washington DC. \u201eAls wir die ersten Daten empfingen, war unsere kollektive Reaktion: Was zum Teufel ist das? Das war v\u00f6llig anders als alles, war wir erwartet hatten.\u201c\n<\/p>\n<p>Molek\u00fcle aus reinem Kohlenstoff in der Gash\u00fclle<\/p>\n<p>Denn im Spektrum von PSR J2322\u20132650b waren die zackigen Signaturen von molekularem Kohlenstoff zu erkennen \u2013 Verbindungen nur aus zwei oder drei Kohlenstoffatomen (C2 und C3). \u201eEine solche Planetenatmosph\u00e4re hat noch niemand zuvor gesehen\u201c, sagt Zhang. \u201eStatt der f\u00fcr Planetenatmosph\u00e4ren typischen Molek\u00fcle wie Wasser, Methan und CO2 sahen wir diesen molekularen Kohlenstoff.\u201c\n<\/p>\n<p>Ungew\u00f6hnlich ist dies deshalb, weil Kohlenstoff bei hohen Temperaturen fast nie in reiner Form vorkommt: Sobald andere Elemente wie Stickstoff oder Sauerstoff vorhanden sind, reagiert er sofort mit ihnen. Doch auf dem Pulsar-Planeten scheint es au\u00dfer dem reaktionstr\u00e4gen Helium kaum andere Elemente zu geben.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/wp-content\/uploads\/k\/a\/karbonplanet3g.jpg\" data-lightbox=\"https:\/\/www.scinexx.de\/wp-content\/uploads\/k\/a\/karbonplanet3g.jpg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/wp-content\/uploads\/k\/a\/karbonplanet3g.jpg\" data-lightbox=\"https:\/\/www.scinexx.de\/wp-content\/uploads\/k\/a\/karbonplanet3g.jpg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-310261\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/karbonplanet3g-300x210.jpg\" alt=\"Pulsar-Begleiter im Vergleich\" width=\"300\" height=\"210\"  \/><\/a>Schon durch seine geringe Masse und die N\u00e4he zum Pulsar ist PSR J2322-2650b bisher einzigartig. \u00a9 Zhang et al.\/ Astrophysical Journal Letters, <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/4.0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">CC-by 4.0<\/a>\n<\/p>\n<p>Einzigartig unter allen Exoplaneten<\/p>\n<p>Damit ist der Pulsar-Planet PSR J2322\u20132650b ein absolutes Novum unter den bisher bekannten Exoplaneten. In seiner Gash\u00fclle k\u00f6nnten Wolken aus Ru\u00df schweben, die in tieferen Schichten immer kompakter werden \u2013 bis der Kohlenstoff zu Diamant wird. Durch seine gro\u00dfe N\u00e4he zum Pulsar ist der exotische Gasriese zudem l\u00e4nglich verformt \u2013 er \u00e4hnelt eher einer Zitrone als einer Kugel, wie die Astronomen berichten. In der Gash\u00fclle von PSR J2322\u20132650b toben zudem starke und schnelle Westwinde.<\/p>\n<p>Aber wie kommt ein solcher Exoplanet zustande? Und noch dazu in unmittelbarer N\u00e4he zu einem Pulsar? Bisher stehen die Astronomen vor einem R\u00e4tsel. Denn schon die Pr\u00e4senz eines Planeten so nah an einem Millisekundenpulsar ist extrem selten. Typischerweise bestehen solche Doppelsysteme aus einem Stern, der allm\u00e4hlich vom Pulsar ausgesaugt wird \u2013 solche Pulsare werden auch als \u201e<a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/news\/kosmos\/gammastrahlenquelle-entpuppt-sich-als-schwarze-witwe\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Schwarze Witwen<\/a>\u201c bezeichnet.\u00a0\n<\/p>\n<p>\u201eVon rund 50 bekannten Schwarze-Witwe-Systemen hat nur eine Handvoll einen Begleiter von weniger als zehn Jupitermassen\u201c, erkl\u00e4rt das Team. Und keiner dieser Begleiter hat eine so ungew\u00f6hnliche Zusammensetzung wie PSR J2322\u20132650b.\n<\/p>\n<p>Entstehung dieses Exoplaneten bisher unerkl\u00e4rlich<\/p>\n<p>\u201eEs ist schwer sich auszumalen, wie ein solcher Pulsar-Planet eine so extrem kohlenstoffreiche Zusammensetzung bekommen kann\u201c, sagt Zhang. \u201eJeder bisher bekannte Bildungsmechanismus scheidet hier aus.\u201c Theoretisch kann ein Schwarze-Witwen-Pulsar zwar seinen Begleitstern soweit aussaugen, dass nur noch ein planeten\u00e4hnlicher Rest \u00fcbrigbleibt. Aber solche Reste enthalten neben Helium typischerweise viel Stickstoff und Sauerstoff. \u201eDie Kernphysik in einem solchen Stern produziert aber keinen reinen Kohlenstoff\u201c, so Zhang.\n<\/p>\n<p>Doch der Pulsar-Planet muss 100-mal mehr Kohlenstoff als Sauerstoff und 10.000-mal mehr Kohlenstoff als Stickstoff enthalten. \u201eWie dieser Prozess solche Elementverh\u00e4ltnisse erzeugt, ist schwer erkl\u00e4rbar\u201c, schreiben die Astronomen. Zwar gibt es in seltenen F\u00e4llen Fusionsprozesse, die besonders viel Kohlenstoff erzeugen, aber selbst bei solchen Kohlenstoffsternen sind die Elementverh\u00e4ltnisse nicht so extrem wie bei PSR J2322\u20132650b.\n<\/p>\n<p>Damit bleibt der exotische Kohlenstoff-Planet vorerst ein nicht erkl\u00e4rbarer Sonderling. Die Astronomen hoffen nun, dass die spektrale Untersuchung weiterer besonders leichter Pulsar-Begleiter vielleicht einige Antworten liefert. Zumindest k\u00f6nnte dies kl\u00e4ren, ob PSR J2322\u20132650b ein Einzelfall ist oder nur der erste Vertreter einer ganz neuen Exoplanetenklasse. (The Astrophysical Journal Letters, 2025; <a href=\"https:\/\/iopscience.iop.org\/article\/10.3847\/2041-8213\/ae157c\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">doi: 10.3847\/2041-8213\/ae157c<\/a>)\n<\/p>\n<p>Quelle: NASA, Space Telescope Science Institute<br \/>\n&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&#13;\n\t<\/p>\n<p>18. Dezember 2025\t&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n\t &#8211; Nadja Podbregar<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u00dcberraschung im Spektrum Aber es wird noch exotischer: Zhang und sein Team haben diesen Pulsar-Planeten jetzt erstmals mit&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":654051,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[135],"tags":[29,21028,153144,153145,30,25082,73769,153146,153147,145936,153148,190,189,194,191,193,192],"class_list":{"0":"post-654050","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-wissenschaft-technik","8":"tag-deutschland","9":"tag-exoplanet","10":"tag-gashuelle","11":"tag-gasriese","12":"tag-germany","13":"tag-james-webb-teleskop","14":"tag-kohlenstoff","15":"tag-kohlenstoffplanet","16":"tag-millisekundenpulsar","17":"tag-pulsar","18":"tag-schwarze-witwe","19":"tag-science","20":"tag-science-technology","21":"tag-technik","22":"tag-technology","23":"tag-wissenschaft","24":"tag-wissenschaft-technik"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/654050","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=654050"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/654050\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/654051"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=654050"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=654050"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=654050"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}