{"id":654433,"date":"2025-12-18T05:26:20","date_gmt":"2025-12-18T05:26:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/654433\/"},"modified":"2025-12-18T05:26:20","modified_gmt":"2025-12-18T05:26:20","slug":"vergessener-ort-in-stuttgart-dunkle-seite-des-hoehenparks-raetsel-um-mysterioeses-steinkreuz-am-killesberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/654433\/","title":{"rendered":"Vergessener Ort in Stuttgart: Dunkle Seite des H\u00f6henparks: R\u00e4tsel um mysteri\u00f6ses Steinkreuz am Killesberg"},"content":{"rendered":"<p>Ein solcher Ort, dessen urspr\u00fcngliche Bestimmung vergessen ist, findet sich n\u00f6rdlich <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.killesbergturm-erbauer-joerg-schlaich-bekommt-preis-fuer-baukultur.a5b2b368-4138-4eb1-b68d-c156a658927c.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">des Aussichtsturms,<\/a> zwischen H\u00f6hencaf\u00e9 und \u201eMilchbar\u201c. Vor einem dicht bewachsenen Erdwall breitet sich dort eine baumbestandene Wiese aus, die von einer h\u00fcfthohen Mauer im Halbrund umfasst ist. Ihren Anfang markiert ein steinernes Haus, dessen Nordseite von einer Apsis begrenzt ist \u2013 einer Kapelle nicht un\u00e4hnlich.<\/p>\n<p>Das <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Kreuz\" title=\"Kreuz\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kreuz<\/a> ist wohl ein Relikt der Reichsgartenschau 1939 in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stuttgart<\/a> <\/p>\n<p>Noch mysteri\u00f6ser: Im nahen Unterholz, \u00fcberwuchert von B\u00e4umen und Str\u00e4uchern, wacht auf einem H\u00fcgel ein moosbewachsenes Steinkreuz \u00fcber das Areal. Wer die stark verwitterte Inschrift entziffert, kann den Namen \u201eManfred\u201c lesen. Kein Nachname. Keine Lebensdaten.<\/p>\n<p>Ein unbekanntes altes Grab mitten im Park? Kaum vorstellbar. Befanden sich doch auf dem Gel\u00e4nde einst jahrhundertelang Steinbr\u00fcche. Tats\u00e4chlich d\u00fcrfte dieses im Geb\u00fcsch verborgene Kreuz daran erinnern, dass auf der Reichsgartenschau 1939 an diesem Ort ein sogenannter Musterfriedhof angelegt war. Besucher der Schau sollten hier erfahren, wie sich die Ideologen des <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Nationalsozialismus\" title=\"Nationalsozialismus\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nationalsozialismus<\/a> die Bestattungskultur im \u201etausendj\u00e4hrigen Reich\u201c vorstellten.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/media.media.f94cb437-07e6-4946-a39d-6533d213b321.original1024.media.jpeg\"\/>     Das im Unterholz verborgene Kreuz zeugt wohl von dem Musterfriedhof bei der Reichsgartenschau 1939.    Foto: Torsten Sch\u00f6ll    <\/p>\n<p>G\u00fcnter Riederer, Mitarbeiter im Stadtarchiv Stuttgart, versucht seit geraumer Zeit, \u00fcber diesen weitgehend vergessenen Musterfriedhof mehr zu erfahren. \u201eJede Besch\u00e4ftigung mit dem H\u00f6henpark\u201c, sagt er, \u201ef\u00fchrt automatisch in die NS-Vergangenheit der Stadt.\u201c In diesem Sinne sei der Park, der doch eigentlich dem Vergn\u00fcgen gilt, \u201edoppelgesichtig\u201c.<\/p>\n<p>Im \u201eAmtlichen F\u00fchrer zur Reichsgartenschau 1939\u201c ist der \u201eMusterfriedhof\u201c verzeichnet. \u201eEine Erfindung der Nationalsozialisten war er aber nicht\u201c, sagt Riederer. Schon zuvor und auch sp\u00e4ter habe es im Rahmen von Gartenschauen immer wieder Ausstellungen zur Gr\u00e4bergestaltung gegeben. Echte Grabst\u00e4tten wurden das nie, so auch nicht auf dem <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/H%C3%B6henpark_Killesberg\" title=\"Killesberg\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Killesberg<\/a>.<\/p>\n<p>Historiker des Stadtarchivs in Stuttgart: Zutiefst politische Angelegenheit <\/p>\n<p>\u201eEine zutiefst politische Angelegenheit\u201c nennt der Historiker des Stadtarchivs die Bestattungskultur im Nationalsozialismus. So legten beispielsweise bereits 1937 Richtlinien fest, dass bei der Grabgestaltung tunlichst \u201eanzustreben\u201c sei, \u201eden Gedanken der Volksgemeinschaft st\u00e4rker als bisher zum Ausdruck zu bringen\u201c. Des Weiteren mahnte das Reichsministerium des Inneren 1941 in einem \u201eMerkblatt\u201c an, f\u00fcr Grabmale \u201esch\u00f6ne Natursteinarten\u201c aus \u201edeutscher Erde\u201c zu verwenden. Selbst in Bezug auf die Grabbepflanzung sollte \u201edas Fremde\u201c, nach dem Willen der Nazis, \u201eausgeschlossen\u201c werden.<\/p>\n<p>In Bildb\u00e4nden zur Reichsgartenschau sind auf dem Musterfriedhof im H\u00f6henpark unter anderem Grabsteine mit Hakenkreuzen zu erkennen, die der Stuttgarter Bildhauer und Kunstprofessor Alfred L\u00f6rcher entworfen hat. Die Gesamtgestaltung des Schaufriedhofs verantwortete der Degerlocher Gartenarchitekt Adolf Haag.<\/p>\n<p>Einen Einblick in dessen Ideen zur nationalsozialistischen Grabkultur lieferte Haag in einem Beitrag f\u00fcr die Zeitschrift \u201eGartenkunst\u201c: Darin forderte er die \u201esichtbare Unterordnung des Einzelgrabs\u201c sowie eine \u201eEinheitlichkeit der Grabmale\u201c.<\/p>\n<p> F\u00fcr heutige Besucher des Parks in Stuttgart sind die Relikte schwer einzuordnen <\/p>\n<p>Die ganze Friedhofsanlage sollte \u201ebestimmt sein von der Idee der Gemeinschaft\u201c. Selbst entwarf der Stuttgarter Gartenarchitekt f\u00fcr den Musterfriedhof der Reichsgartenschau, ein archaisch anmutendes \u201eSippengrab\u201c, wof\u00fcr er schmale Grabstelen im Kreis anordnete.<\/p>\n<p>Das Steingeb\u00e4ude am Rand der Wiese, das zugleich den Durchgang in den Friedhofsbereich bildet, wird 1939 noch als \u201eFeierhalle\u201c bezeichnet. Anl\u00e4sslich der Deutschen Gartenschau elf Jahre sp\u00e4ter, die ebenfalls in Stuttgart stattfand, wird dasselbe Bauwerk dann \u201eKapelle\u201c genannt und ist erneut Teil eines Musterfriedhofs, so Riederer, den wieder Haag konzipierte.<\/p>\n<p> <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.dark-tourism-in-stuttgart-warum-touristen-online-nach-den-duestersten-orten-stuttgarts-suchen.2040c423-f41a-4e9f-a50f-80f6e47df83b.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Heute kann der Parkbesucher mangels erkl\u00e4render Tafeln vor Ort nicht mehr nachvollziehen<\/a>, welchen Zweck Mauer und Kapelle einst hatten. Die Mustergr\u00e4ber sind l\u00e4ngst verschwunden. Nur wer das etwas abseitsstehende Kreuz im Unterholz entdeckt, von dem auch G\u00fcnter Riederer nicht wei\u00df, in welchen Zusammenhang es zu dem verschwundenen Friedhof steht, erh\u00e4lt einen verborgenen Hinweis.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein solcher Ort, dessen urspr\u00fcngliche Bestimmung vergessen ist, findet sich n\u00f6rdlich des Aussichtsturms, zwischen H\u00f6hencaf\u00e9 und \u201eMilchbar\u201c. 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