{"id":654708,"date":"2025-12-18T08:40:26","date_gmt":"2025-12-18T08:40:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/654708\/"},"modified":"2025-12-18T08:40:26","modified_gmt":"2025-12-18T08:40:26","slug":"taxi-nach-leipzig-des-architekten-gunnar-volkmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/654708\/","title":{"rendered":"\u201eTaxi nach Leipzig\u201c des Architekten Gunnar Volkmann"},"content":{"rendered":"<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Da war offenbar Druck auf dem Kessel: Gunnar Volkmann, geboren 1958 in Duisburg, seit 30 Jahren Architekt in Leipzig, hat ein Buch geschrieben. \u201eTaxi nach Leipzig\u201c hei\u00dft es. Es ist eine Streitschrift, ein literarischer Film-Essay, eine Liebeserkl\u00e4rung an Leipzig, ein Endzeit-Epos. Und es musste offenbar. <\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Anders als Walter Richter, der 1970 im allerersten \u201eTatort\u201c als Kommissar Trimmel von Hamburg mit dem \u201eTaxi nach Leipzig\u201c gekommen war, um schnell wieder zur\u00fcckzukehren, ist Volkmann geblieben. Er hat mit dem Architekturb\u00fcro W&amp;V in drei Jahrzehnten das Bild der Stadt Leipzig ver\u00e4ndert und baulich gepr\u00e4gt wie wenige andere. Er hat sich verliebt in diese Stadt. \u201eDenn Leipzig kann Demo und Bach, Startup und Elektroauto, Szene und Weltspiele, Party und allerlei mehr &#8230; Die Messemetropole ist regelm\u00e4\u00dfig unter den Top Ten unterschiedlichster Rankings und wurde zeitweise dezent hysterisch \u00fcberh\u00f6ht &#8230; G\u00e4be es diese Stadt nicht, man m\u00fcsste sie erfinden.\u201c<\/p>\n<p>Die Stadt als Spielfeld<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">\u00dcber rund 400 Seiten argumentiert Gunnar Volkmann sich atemlos in Rage. Assoziativ, soziologisch, paradox, st\u00e4dtebaulich, historisch, leidenschaftlich. In fiebriger Geschwindigkeit zeichnet Volkmann nach, wie die Gesellschaft und Leipzig so geworden sind, wie sie sind. Welche Fehler gemacht wurden. Welche Fehler auch er machte, als er noch, mit immerhin leichtem Unbehagen, mitmachte bei der \u201eGamification des Urbanen, bei der Punkte in Quadratmetern z\u00e4hlen.\u201c<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Der Leipziger Architekt Gunnar Volkmann mit seinem Buch \u201eTaxi nach Leipzig\u201c.\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/NKGKFSJAR5F5RIK5SIOLYYYCBY.jpg\" \/><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">\u201eUnd dennoch: Gerade in dieser Hyperrealit\u00e4t liegt der Keim f\u00fcr eine andere Stadt.\u201c Ja, f\u00fcr Volkmann ist es keine Frage, dass Leipzig anders ist als das melancholisch verendende Duisburg, aus dem er einst auszog, um mitzuspielen im Spiel der Stadt. Auch anders als D\u00fcsseldorf oder Frankfurt am Main. Obschon sich Probleme \u00e4hneln: \u201eHistorisch gewachsener Einzelhandel ist mittlerweile Mangelware, nachdem die Expansionswelle sich jahrzehntelang \u00fcber die Stadt ergossen hat. Traditionsgastronomie und individuelle L\u00e4den schlie\u00dfen ihre T\u00fcren, w\u00e4hrend die Macht der Systemgastronomie, der Franchise und Discounter die Szene dominieren.\u201c <\/p>\n<p>Die Anker der Innenstadt<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">F\u00fcr Leipzig gilt aber auch: \u201eWas die Innenstadt heute rettet, sind die gro\u00dfen Anker der Verwaltung, der Universit\u00e4t, der Museen, der M\u00e4rkte, der Events etc. Und die Identifikationsorte der Stadt: das Rathaus, die \u00e4ltesten Kirchen, Oper und Denkm\u00e4ler, Brunnen und Gastst\u00e4tten, noch!\u201c<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Blick \u00fcber den Leuschnerplatz zum neuen Rathaus.\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/HLSG2TCHQBB5FFA26UAIBGZKSA.jpg\" \/><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Wie lange dieses \u201eNoch\u201c Geltung haben wird, ob sogar eine Trendumkehr gelingen kann, das wird, f\u00fchrt Volkmann aus, \u201ewesentlich davon abh\u00e4ngen, wie sich die Innenstadtmieten entwickeln und wer sich den Standort \u00fcberhaupt noch leisten kann.\u201c Diese Entwicklung ist schwer absch\u00e4tzbar in Zeiten, in denen immer mehr Boden in die H\u00e4nde anonymer Jongleure ger\u00e4t, die als Mieter und Vermieter gleichzeitig irrsinnige Summen verschieben und denen die Entwicklung unserer Innenst\u00e4dte herzlich gleichg\u00fcltig ist.<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Durch die urbane Apokalypse<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Keine Frage: Die multiple Krise hat auch Leipzig im Griff. Der Auwald &#8211; gef\u00e4hrdet. Das soziale Miteinander &#8211; vergiftet. Die Wirtschaft &#8211; am Abgrund. Die Tr\u00e4ume einer Zeit des Neuanfangs, in der alles tr\u00e4umbar war &#8211; begraben. Das Klima &#8211; nicht mehr zu retten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"&quot;W\u00fcste in der Stadt&quot; von Christian Rothe.\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/ZYTXO56HORCDZGHR2VHIJPDN64.jpg\" \/><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Oder doch? Wie Volkmann da in halsbrecherischen M\u00e4andern durch die urbane Apokalypse reitet, schwingt immer auch die Hoffnung mit, dass doch noch alles gut ausgeht. F\u00fcr Leipzig scheint es sich beinahe um eine Gewissheit zu handeln. Denn noch scheint Leipzig sich dem allein \u201etechnokratischen Zugriff\u201c der \u201eSmart City, ihrer Resilienz und unbedingten Effizienz\u201c zu verweigern. Denn \u201edas eigentliche Substrat der Stadt\u201c sei ihre konflikthafte Vielstimmigkeit. F\u00fcr Volkmann ist \u201eStadt der Versuch, Differenz in N\u00e4he zu \u00fcbersetzen, ohne sie aufzul\u00f6sen. Stadtentwicklung m\u00fcsste daher, radikal gedacht, Symbiosearbeit sein: ein andauerndes Verhandeln zwischen Mensch, Tier, Technik, Atmosph\u00e4re, Geschichte und M\u00fcll.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSchwellenlos, spontan, souver\u00e4n\u201c<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Leipzig ist in den Augen Gunnar Volkmanns &#8211; noch &#8211; nicht vom Geld beherrscht. \u201eHier regieren Energie, Improvisation. Eine widerst\u00e4ndige Gespr\u00e4chskultur, gewachsen wie Weinranken auf dem R\u00fcckgeb\u00e4ude. Denn was jetzt z\u00e4hlt, ist nicht nur das Wohnen, sondern die R\u00fcckeroberung des \u00f6ffentlichen Raumes \u2013 als Ort, der nicht kontrolliert, sondern geteilt wird\u201c. Wie auf der Karl-Liebknecht-Stra\u00dfe, der Sachsenbr\u00fccke, der Merseburger Stra\u00dfe, in den Parks: \u201eschwellenlos, spontan, souver\u00e4n\u201c. Das ist &#8211; ebenfalls noch &#8211; das Lebensgef\u00fchl Leipzigs. Das macht diese Stadt so anziehend f\u00fcr junge Menschen. <\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Blick vom V\u00f6lkerschlachtdenkmal auf die Innenstadt.\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/6BG6LBOA2RHE7I7JDCCNKVECQA.jpg\" \/><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">\u201eGerade Leipzig hat Erfahrung mit Br\u00fcchen. Mit Umbr\u00fcchen. Mit der Gestaltung des Ungewissen.\u201c Die Friedliche Revolution in Leipzig war \u201enicht das Ende, sondern ein Auftakt\u201c. Und: \u201eDas sch\u00f6pferische Chaos von damals ist heute noch sp\u00fcrbar \u2013 zwischen Demos, Initiativen, st\u00e4dtischen Beteiligungsverfahren und stillen R\u00fcckz\u00fcgen. Nicht jeder Protest ist laut. Nicht jede Transformation sichtbar. Doch gerade in der Summe dieser Einzelk\u00e4mpfe liegt die Zukunft.\u201c Anders gesagt: \u201eDie Alternative zur Weltrettung ist ein Pragmatismus der kleinen Schritte, nicht der kleinen L\u00f6sungen.\u201c<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Sie ist nicht leicht zu lesen, diese verliebte Streitschrift eines West-Architekten, der sich selbst als \u201eossifiziert\u201c klassifiziert. Aber sie ist so hart an die aktuelle Leipziger Lebenswelt geschnitten, an das Leipziger Lebensgef\u00fchl, dass dieses Buch nicht aus der Hand legen kann, wer es einmal begonnen hat.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Gunnar Volkmann: Taxi nach Leipzig. MBooks, 416 Seiten mit 116 Fotos von Christian Rothe, 26 Euro. \" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/EDA76HMRF5FYBL4N7LAE72IH7I.jpg\" \/><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Ma\u00dfgeblich beteiligt daran sind die maximal lapidaren Schwarz-Wei\u00df-Fotos, die der 1986 in Gera geborene Christian Rothe dort in der Stadt machte, wo sie ihren Nerz eher nach innen tr\u00e4gt. Sie f\u00fchren geschmeidig hin zu Gunnar Volkmanns finaler Einladung: \u201eLearning from Leipzig \u2013 das meint nicht nur eine Stadt, sondern eine Haltung.\u201c <\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Info: <\/b>Gunnar Volkmann: Taxi nach Leipzig. MBooks, 416 Seiten mit 116 Fotos von Christian Rothe, 26 Euro. <\/p>\n<p class=\"Editorialstyled__Editorial-sc-1bfvh9l-0 cSmjnJ\">LVZ<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Da war offenbar Druck auf dem Kessel: Gunnar Volkmann, geboren 1958 in Duisburg, seit 30 Jahren Architekt in&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":654709,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1832],"tags":[3364,29,30,71,859],"class_list":{"0":"post-654708","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-leipzig","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-leipzig","12":"tag-sachsen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115739679332666325","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/654708","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=654708"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/654708\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/654709"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=654708"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=654708"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=654708"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}