{"id":65615,"date":"2025-04-27T14:36:18","date_gmt":"2025-04-27T14:36:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/65615\/"},"modified":"2025-04-27T14:36:18","modified_gmt":"2025-04-27T14:36:18","slug":"warum-europa-noch-keine-wiederverwendbaren-raketen-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/65615\/","title":{"rendered":"Warum Europa (noch) keine wiederverwendbaren Raketen hat"},"content":{"rendered":"<p>Warum Europa (noch) keine wiederverwendbaren Raketen hat &#8211; Spektrum der Wissenschaft<a class=\"show-for-sr\" href=\"#main\" id=\"top\" title=\"Direkt zum Inhalt\">Direkt zum Inhalt<\/a>Aufholsprint in Zeitlupe: Warum Europa (noch) keine wiederverwendbaren Raketen hat<\/p>\n<p>In den USA ist es inzwischen Standard, Tr\u00e4gerraketen wiederzuverwenden. Das ist nicht nur nachhaltiger, sondern auch kosteng\u00fcnstiger. Kann und will Europa den R\u00fcckstand aufholen?<\/p>\n<p>von <a class=\"author-scroll line\" href=\"#content__author-1703926\">Peter Michael Schneider<\/a><img decoding=\"async\" alt=\"Eine Rakete startet in den blauen Himmel, umgeben von wei\u00dfen Wolken. Die Rakete strahlt helles Licht aus ihrem Antrieb aus, w\u00e4hrend sie aufsteigt. Keine Menschen sind sichtbar. Das Bild vermittelt ein Gef\u00fchl von Fortschritt und Technologie.\" class=\"full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Themis.jpg\" title=\"Eine Rakete startet in den blauen Himmel, umgeben von wei\u00dfen Wolken. Die Rakete strahlt helles Licht aus ihrem Antrieb aus, w\u00e4hrend sie aufsteigt. Keine Menschen sind sichtbar. Das Bild vermittelt ein Gef\u00fchl von Fortschritt und Technologie.\"\/> \u00a9 CNES-REAL DREAM \/ <a href=\"https:\/\/www.esa.int\/Enabling_Support\/Space_Transportation\/Future_space_transportation\/Themis_flight_model_assemble!\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Themis<\/a> (Ausschnitt) <\/p>\n<p> Ist ein Wunschtraum und wird es m\u00f6glicherweise auch bleiben: die wiederverwendbare Rakete Themis der\u00a0ESA. <\/p>\n<p>In dem Moment, in dem sich im Oktober\u00a02024 die Greifarme des Startturms sanft um die hochhaushohe Unterstufe des Starship legten und diese nach einem Ausflug ins All wieder auf der Erde in Empfang nahmen, sahen die Raumfahrzeuge der Europ\u00e4er auf der anderen Seite des Atlantiks ziemlich alt aus. Denn die neue europ\u00e4ische Tr\u00e4gerrakete Ariane\u00a06, die nur wenige Monate zuvor zu ihrem Jungfernflug gestartet war, sieht nicht nur ihrer Vorg\u00e4ngerin Ariane\u00a05 verd\u00e4chtig \u00e4hnlich\u00a0\u2013 sie ist es auch. Eine herk\u00f6mmliche Wegwerfrakete. Anders als das zukunftsweisende Starship von Elon Musks Firma SpaceX entlockt sie Raumfahrtfans keine Freudenschreie. Nach jedem der maximal zehn Starts pro Jahr wird sie wie schon die Raketen der Apollo-Zeit ins Meer fallen, um dann allenfalls Fischen noch einmal als Unterschlupf zu dienen. <\/p>\n<p>In den USA hingegen <a href=\"https:\/\/spacenews.com\/spacex-launch-surge-helps-set-new-global-launch-record-in-2024\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hoben im Jahr 2024 allein 134\u00a0Falcon-9-Raketen<\/a> ab. Bei knapp 130\u00a0davon landete die Hauptstufe zur\u00fcck auf der Erde, um anschlie\u00dfend wieder einsatzbereit gemacht zu werden. Erst im Januar\u00a02025 hob die Tr\u00e4gerrakete NewGlenn von Musks Konkurrent Jeff Bezos erfolgreich ab. Zwar misslang die Landung der Hauptstufe. Aber mit der Erfahrung der ebenfalls wiederverwendbaren kleineren Schwesterrakete NewShepard im R\u00fccken k\u00f6nnte dies <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/business\/autos-transportation\/blue-origin-targets-late-spring-next-new-glenn-launch-after-faa-probe-2025-03-31\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">wom\u00f6glich schon beim n\u00e4chsten Versuch im sp\u00e4ten Fr\u00fchling 2025<\/a> gelingen. Zudem plant mit dem Unternehmen Rocket Lab der erste Betreiber einer Kleinrakete, <a href=\"https:\/\/www.space.com\/space-exploration\/missions\/rocket-lab-unveils-plan-to-land-neutron-rockets-at-sea-1st-launch-in-2025\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">dass diese nach dem Start wieder landet<\/a>. <\/p>\n<p>Es gilt als sicher, dass wiederverwendbare Raketen in Zukunft die Kosten f\u00fcr den Transport von Fracht und Menschen in den Weltraum dr\u00fccken werden. Dramatisch sinken d\u00fcrften die Preise auf lange Sicht zus\u00e4tzlich, sobald SpaceX auch die Landung der Oberstufe und damit s\u00e4mtlicher Teile seines Raumtransportsystems gelingt. In Anbetracht dieser Pl\u00e4ne stellt sich die Frage, ob die Europ\u00e4ische Weltraumbeh\u00f6rde ihre mehrere Jahre w\u00e4hrende Raketenkrise tats\u00e4chlich gemeistert hat, <a href=\"https:\/\/spacenews.com\/europe-lifts-off-from-its-launcher-crisis\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">wie ESA-Direktor Josef Aschbacher nach dem Ariane-6-Erststart stolz verk\u00fcndete<\/a>. Oder ob sie angesichts des gestiegenen Bedarfs an Raumtransportm\u00f6glichkeiten nicht ungebremst auf eine noch gr\u00f6\u00dfere Krise zusteuert.<\/p>\n<p>Die ESA kennt ihren Entwicklungsr\u00fcckstand<\/p>\n<p>Es ist nicht so, dass die Manager und Ingenieure der ESA die ver\u00e4nderte Lage nicht erkannt h\u00e4tten. Sie lie\u00dfen schon 1994 Konzepte f\u00fcr wiederverwendbare Raumfahrzeuge untersuchen. Umgesetzt wurde jedoch keine der Ideen. Immerhin: Mittlerweile entwickelt die ESA zusammen mit der franz\u00f6sischen Raumfahrtagentur CNES <a href=\"https:\/\/www.esa.int\/Enabling_Support\/Space_Transportation\/Themis \" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die wiederverwendbare Versuchsrakete Themis<\/a>. <\/p>\n<p>Das <a href=\"https:\/\/cnes.fr\/en\/projects\/themis-lanceur\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">28\u00a0Meter hohe Raumfahrzeug<\/a> soll senkrecht abheben und auf ausklappbaren Landebeinen (gebaut von MT Aerospace in Augsburg) wieder aufsetzen. Ihr Herzst\u00fcck ist das parallel dazu entwickelte Triebwerk Prometheus. Der Motor verbrennt wie das Starship und die NewGlenn tiefgek\u00fchlten Sauerstoff sowie Methan und entwickelt dabei <a href=\"https:\/\/www.dlr.de\/de\/ra\/forschung-transfer\/projekte\/esa-projekte\/prometheus-1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">eine Schubkraft, die bis zu 100\u00a0Tonnen Nutzlast transportieren kann<\/a>. Damit ist er etwa so stark wie das Vulcain-2-Triebwerk der Ariane\u00a06. <\/p>\n<p>Da Methan bei minus 162\u00a0Grad Celsius und damit in einem \u00e4hnlichen Temperaturbereich fl\u00fcssig wird wie Sauerstoff, vereinfacht das die Handhabung der Treibstoffe im Vergleich zu Wasserstoff (minus 253\u00a0Grad Celsius), der in den Ariane-Raketen verwendet wird. Entscheidend ist aber, dass sich der Motor mehrmals z\u00fcnden und vor allem <a href=\"https:\/\/www.esa.int\/Enabling_Support\/Space_Transportation\/Future_space_transportation\/Themis_flight_model_assemble!\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">auf bis zu 30\u00a0Prozent seiner Nennleistung<\/a> drosseln l\u00e4sst, um den freien Fall der Rakete zu bremsen und sie sanft aufsetzen zu lassen. Themis soll noch im Jahr 2025 vom Raumfahrtzentrum Esrange in Schweden zun\u00e4chst etwa 100\u00a0Meter hoch aufsteigen, ein zweiter Prototyp sp\u00e4ter noch deutlich h\u00f6her. <\/p>\n<p>Themis\u00a0\u2013 nur ein Demonstrator?<\/p>\n<p>Allerdings handelt es sich nur um Demonstratoren: Die Raumfahrzeuge bestehen lediglich aus einer einzigen Stufe und k\u00f6nnen keine Nutzlast ins All transportieren. Sie entstehen im Rahmen <a href=\"https:\/\/www.esa.int\/Enabling_Support\/Space_Transportation\/Future_space_transportation\/Unveiling_vehicles_and_technologies_for_future_space_transportation?s \" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">des 2004 initiierten Future Launchers Preparatory Programme (FLPP)<\/a>. Damit entwickelt die ESA Technologien, die sie als wichtig empfindet, aber nicht zwangsl\u00e4ufig einsetzen will. Vielmehr m\u00f6chten die Verantwortlichen vorbereitet sein, um im Bedarfsfall nicht blank dazustehen. Diese Technologie-Prophylaxe l\u00e4sst sich die europ\u00e4ische Beh\u00f6rde einiges kosten. An die beteiligten Herstellerfirmen hat sie <a href=\"https:\/\/europeanspaceflight.com\/esa-award-another-e230m-to-arianegroup-for-themis-demonstrator\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">fast eine halbe Milliarde Euro verteilt<\/a>. <\/p>\n<blockquote><p>Die technischen H\u00fcrden f\u00fcr eine wiederverwendbare Rakete sind hoch<\/p><\/blockquote>\n<p>Aber kommt so ein Forschungsprojekt in Anbetracht des gigantischen Vorsprungs der US-Amerikaner nicht viel zu sp\u00e4t, und ist es \u00fcberdies nicht zu teuer? Schlie\u00dflich sollte die 2019 initiierte Themis-Rakete urspr\u00fcnglich schon 2023 abheben. SpaceX gibt zudem an, f\u00fcr die Entwicklung der gesamten flugf\u00e4higen Falcon\u00a09 inflationsbereinigt <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20130328121051\/http:\/\/www.spacex.com\/usa.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">umgerechnet etwa 470\u00a0Millionen Euro<\/a> ausgegeben zu haben. <\/p>\n<p>Doch so simpel ist die Rechnung nicht. SpaceX gelang es erst f\u00fcnf Jahre nach dem Erstflug der Falcon\u00a09, die Hauptstufe erfolgreich zu landen. Auch Blue Origin erreichte dieses Ziel beim Erstflug der NewGlenn nicht, obwohl seine Ingenieure und Ingenieurinnen seit fast 20\u00a0Jahren daran arbeiten und zudem <a href=\"https:\/\/www.blueorigin.com\/new-shepard\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">auf spezifisches Knowhow zur kleinen, wiederverwendbaren, aber nur suborbitalen Schwesterrakete NewShepard<\/a> zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bauteile m\u00fcssen extreme Temperaturen aushalten<\/p>\n<p>Die technischen H\u00fcrden f\u00fcr eine wiederverwendbare Rakete sind hoch. Neben einer ausgekl\u00fcgelten Software ben\u00f6tigt eine solche auch Steuerungsfl\u00fcgel (\u00bbGrid Fins\u00ab) sowie wiederentz\u00fcndbare und drosselbare Triebwerke. Da die Raketenstufen <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/live\/aKrbUe2sNr0?si=-Y-cLhy3zKvecZkZ&amp;t=897\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mit etwa 8000\u00a0Kilometern in der Stunde<\/a> in die Atmosph\u00e4re zur\u00fcckfallen, m\u00fcssen manche Bauteile an besonders exponierten Stellen extreme Temperaturen aushalten. Anf\u00e4nglich schmolzen die aus Aluminium bestehenden Grid Fins der Falcon\u00a09; nun werden sie aus einer speziellen Titanlegierung gefertigt. <\/p>\n<p> \u00a9 SpaceX \/ dpa \/ picture alliance (Ausschnitt) <\/p>\n<p> Leuchtspuren eines Raketenlebens | Das langzeitbelichtete Bild zeigt Start, Wiedereintritt und Landung einer Falcon-9-Rakete von SpaceX am Cape Canaveral in Florida. Im Jahr 2015 gelang Elon Musk die historisch erste Landung einer orbitalen Raketenstufe in der N\u00e4he der Startplattform. <\/p>\n<p>Doch selbst, wenn die europ\u00e4ischen Ingenieure und Ingenieurinnen die technischen Probleme meistern, hei\u00dft das noch lange nicht, dass tats\u00e4chlich eines Tages eine wiederverwendbare ESA-Rakete abhebt. <\/p>\n<p>Das liegt zum einem an der begrenzten Startfrequenz von europ\u00e4ischen Raketen, zum anderen an der harten Kurswende in der Frage, wie die Agentur ihren Mitgliedsstaaten zuk\u00fcnftig Zugang zum Weltraum verschaffen will. Denn die ESA selbst soll nach dem Willen ihrer Mitgliedsl\u00e4nder gar keine weiteren Tr\u00e4gerraketen mehr entwickeln. F\u00fcr die Ariane\u00a06 gab die F\u00fchrungsetage noch bis ins Detail vor, wie die Rakete gebaut werden soll, und bis zum 15.\u00a0Start ist die Agentur auch noch Betreiberin. Danach \u00fcbergibt sie den Tr\u00e4ger als flugtauglich eingestuft dem Hersteller ArianeSpace. <\/p>\n<p>Dieses bislang g\u00e4ngige Verfahren ist ab sofort pass\u00e9. Stattdessen hat die ESA die European Launcher Challenge ausgeschrieben und gibt in einem ersten Schritt darin nur noch vor, f\u00fcr welche Gewichtsklasse sie eine Transportgelegenheit ben\u00f6tigt. Bis zum 5.\u00a0Mai 2025 k\u00f6nnen europ\u00e4ische Unternehmen Vorschl\u00e4ge einreichen, mit welchem Typ Tr\u00e4gerrakete sie diese ins All bef\u00f6rdern w\u00fcrden. F\u00fcr Toni Tolker-Nielsen, Direktor f\u00fcr Raumtransport bei der ESA, ist die Sache klar: \u00bbWir werden nicht mehr definieren, wie eine Rakete aussehen und ob sie wiederverwendbar sein soll\u00ab, sagt er. \u00bbDas m\u00fcssen die Unternehmen bestimmen.\u00ab In einem zweiten Schritt erhalten die Gewinner f\u00fcr den Zeitraum von 2026 an bis zum Jahr 2030 Startauftr\u00e4ge f\u00fcr konkrete Missionen. Um ihre Tr\u00e4gerraketen f\u00fcr die geforderten Leistungen zu entwickeln und zu starten, gibt es f\u00fcr die Gewinner <a href=\"https:\/\/www.esa.int\/Enabling_Support\/Space_Transportation\/Submit_your_proposal_to_the_European_Launcher_Challenge\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">finanzielle Leistungen von maximal 169\u00a0Millionen Euro<\/a>. <\/p>\n<p>Dabei wird mit dem bisherigen Georeturn-Prinzip gebrochen: In der Vergangenheit erhielt jeder Staat den Gro\u00dfteil seines Finanzbeitrags an die ESA in Form von Industrieauftr\u00e4gen wieder zur\u00fcck. Bei der Ministerratskonferenz 2025 in Bremen sollen hingegen diejenigen Mitgliedsl\u00e4nder die Unternehmen mit F\u00f6rdergeldern und Auftr\u00e4gen versehen, aus denen sie stammen\u00a0\u2013 allerdings nachdem die ESA sie ausgew\u00e4hlt hat. Das Verfahren orientiert sich am US-amerikanischen Commercial Orbital Transportation Service (COTS), ein Programm, mit dem die Amerikaner ab 2005 ihren Raumtransport erfolgreich reorganisierten. <\/p>\n<p>Ob das europ\u00e4ische Pendant jedoch zu wiederverwendbaren Raketen f\u00fchrt, ist fraglich. Bauteile wie Turbopumpen, Tanks und D\u00fcsen, die mehrmals, vielleicht dutzende Male zum Einsatz kommen, m\u00fcssen deutlich solider\u00a0\u2013 und somit kostspieliger\u00a0\u2013 konstruiert werden. Zudem m\u00fcssen zur\u00fcckgekehrte Fahrzeuge aufw\u00e4ndig gewartet werden. Doch dieser Aufpreis kann sich rentieren. Schon 2017 sagte SpaceX-Pr\u00e4sidentin Gwynne Shotwell, eine Hauptstufe der Falcon\u00a09 noch mal zu verwenden, <a href=\"https:\/\/spacenews.com\/spacex-gaining-substantial-cost-savings-from-reused-falcon-9\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">w\u00fcrde die H\u00e4lfte ihrer Kosten einsparen<\/a>. Seither d\u00fcrfte sich diese Rechnung zudem erheblich verbessert haben. Im Februar\u00a02025 startete dieselbe Hauptstufe zum 26.\u00a0Mal, und im M\u00e4rz\u00a02025 wurde eine andere bereits genutzte Hauptstufe in einer Zeit von nur neun Tagen wieder flott gemacht.<\/p>\n<p>Hohe Startrate ist Voraussetzung f\u00fcr Wiederverwendbarkeit<\/p>\n<p>Die Rendite mehrmaliger Eins\u00e4tze l\u00e4sst sich jedoch erst einfahren, wenn eine Rakete sehr h\u00e4ufig startet. <a href=\"https:\/\/spacenews.com\/europe-lifts-off-from-its-launcher-crisis\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Ariane\u00a06 soll aber auch in Zukunft nicht h\u00e4ufiger als zehnmal pro Jahr fliegen<\/a>. <\/p>\n<p>Der Grund: Die Hauptaufgabe der Ariane ist es, den Europ\u00e4ern den Zugang zum Weltraum zu sichern und institutionelle Nutzlasten zu transportieren, beispielsweise f\u00fcr Forschungs- oder Spionagesatelliten. Das ist im Vergleich zu den USA allerdings seltener der Fall. \u00bbDaf\u00fcr ben\u00f6tigen wir j\u00e4hrlich nur etwa vier Starts\u00ab, sagt Tolker-Nielsen. Die Ariane\u00a06 starte nur deswegen h\u00e4ufiger und transportiert dabei auch kommerzielle Lasten, um den Anteil der Fixkosten in der Gesamtrechnung zu senken und durch eine Startroutine ihre Zuverl\u00e4ssigkeit zu sichern. <\/p>\n<p>Eine wiederverwendbare Ariane\u00a06 h\u00e4tte sich bei dieser Startrate nicht gerechnet. Erschwerend kam zuletzt hinzu, dass Mitgliedstaaten wie Deutschland aus der strategischen Ariane-Allianz ausscherten. So lie\u00df ausgerechnet die Bundeswehr ihre Spionagesatelliten an Bord einer Falcon\u00a09 starten\u00a0\u2013 aus Kostengr\u00fcnden.<\/p>\n<blockquote><p>\u00bbSollten wir die Raketenstufen einfach weiterhin ins Meer schmei\u00dfen? Ich denke nicht. Wir brauchen auch im Raumtransport eine Kreislaufwirtschaft\u00abToni Tolker-Nielsen, Direktor f\u00fcr Raumtransport bei der ESA<\/p><\/blockquote>\n<p>Daher l\u00e4uft die Kritik an der ESA, die Agentur sei zu langsam, um mit der Entwicklungsgeschwindigkeit US-amerikanischer Unternehmen mitzuhalten, weitgehend ins Leere. Die Frage ist nicht, ob die ESA Wiederverwendbarkeit kann, sondern vielmehr ob ihre Mitgliedsstaaten sie wollen. Das kann sich k\u00fcnftig \u00e4ndern. <\/p>\n<p>\u00bbWir werden in den kommenden zehn Jahren Startraten erleben, die eine Wiederverwendbarkeit rentabel machen\u00ab, mutma\u00dft Tolker-Nielsen. \u00bbDas m\u00fcssen zwar letztlich die Unternehmen entscheiden, aber ich bin mir sicher, es denken bereits alle dar\u00fcber nach.\u00ab Tats\u00e4chlich soll das Prometheus-Triebwerk schon im Jahr 2026 die teilweise wiederverwendbare Kleinrakete des franz\u00f6sischen Start-ups MaiaSpace antreiben, ein Ableger der ArianeGroup. Damit sich aber auch rein kommerzielle Entwickler von Schwerlastraketen dazu entscheiden, sie als wiederverwendbare Fahrzeuge zu bauen, m\u00fcssten sich die ESA-Mitgliedsstaaten aufraffen, ihnen eine ausreichend gro\u00dfe Zahl an Starts zu garantieren. <\/p>\n<p>Abgesehen von den technischen und wirtschaftlichen Minenfeldern, die es zu \u00fcberwinden gilt, k\u00f6nnte ein bisher noch weitgehend unbeachteter Aspekt an Bedeutung gewinnen: die Nachhaltigkeit. \u00bbSollten wir die Raketenstufen einfach weiterhin ins Meer schmei\u00dfen?\u00ab, fragt Tolker-Nielsen. \u00bbIch denke nicht. Wir brauchen auch im Raumtransport eine Kreislaufwirtschaft.\u00ab Dieses Ziel k\u00f6nnte nach Ansicht des D\u00e4nen ein Treiber f\u00fcr die Wiederverwendbarkeit werden. \u00bbVielleicht wird Nachhaltigkeit ja in Zukunft eine Voraussetzung, um \u00fcberhaupt eine Startlizenz zu bekommen.\u00ab Dann w\u00fcrde der Raketenfriedhof am Meeresgrund zwar nicht so schnell verschwinden, aber zumindest nicht mehr gr\u00f6\u00dfer werden.<\/p>\n<p>Diesen Artikel empfehlen:<\/p>\n<p><strong>Peter Michael Schneider<\/strong><\/p>\n<p> Wissenschaftsjournalist und Buchautor <\/p>\n<ul class=\"columns kiosk__bar__categories medium-3 no-bullet small-12\">\n<li class=\"active kiosk__bar__category__digital\">Digitalausgaben <\/li>\n<li class=\"kiosk__bar__category__print\">Printausgaben <\/li>\n<li class=\"kiosk__bar__category__topseller\">Topseller <\/li>\n<li class=\"kiosk__bar__category__bundle show-for-medium\">Bundles<\/li>\n<\/ul>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" height=\"1\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/b062853433934117acc0a4d8e9ab7bc1.gif\" width=\"1\"\/><\/p>\n<p>Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalit\u00e4t von Spektrum.de zu erhalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Warum Europa (noch) keine wiederverwendbaren Raketen hat &#8211; Spektrum der WissenschaftDirekt zum InhaltAufholsprint in Zeitlupe: Warum Europa (noch)&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":65616,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,14794,3251,427,548,663,158,3934,3935,13,14,10581,15,29276,1170,426,12,5870,29274,29275,1172],"class_list":{"0":"post-65615","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-all","11":"tag-astronomie","12":"tag-esa","13":"tag-eu","14":"tag-europa","15":"tag-europaeische-union","16":"tag-europe","17":"tag-european-union","18":"tag-headlines","19":"tag-nachrichten","20":"tag-nasa","21":"tag-news","22":"tag-nutzlast","23":"tag-rakete","24":"tag-raumfahrt","25":"tag-schlagzeilen","26":"tag-spacex","27":"tag-themis","28":"tag-traegerrakete","29":"tag-weltraum"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114410434338439179","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65615","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=65615"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65615\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/65616"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=65615"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=65615"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=65615"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}