{"id":656256,"date":"2025-12-19T00:13:23","date_gmt":"2025-12-19T00:13:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/656256\/"},"modified":"2025-12-19T00:13:23","modified_gmt":"2025-12-19T00:13:23","slug":"die-zwei-von-der-klangstelle-mit-der-leichten-muse-gegen-das-vergessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/656256\/","title":{"rendered":"Die Zwei von der Klangstelle: mit der \u201eleichten Muse gegen das Vergessen\u201c"},"content":{"rendered":"<p><b>Die Zwei von der Klangstelle mit der \u201eleichten Muse gegen das Vergessen\u201c<\/b><\/p>\n<p>In der Metropolregion kennt man ihn weithin als \u201eFr\u00e4ulein Baumann\u201c, auf der Fasnachtsb\u00fchne als Grand Dame im rosa Kleid. Im Rahmen der Kulturtage Waldhof stand er nun als Chansonnier mit Strohhut und Hosentr\u00e4ger im Waldhofer Franziskussaal auf der B\u00fchne: Dr. Markus Weber, seines Zeichens Apotheker aus Weinheim, pr\u00e4sentierte gemeinsam mit seinem Pianisten Dieter Scheithe, dieses Mal stilvoll am Fl\u00fcgel, in seinem Programm \u201eDie Zwei von der Klangstelle \u2013 Mit der leichten Muse gegen das Vergessen\u201c Lieder aus der Zeit der Weimarer Republik, der 1920er und 1930er Jahre.  Doch was auf den ersten Blick leicht, frivol und unbeschwert daherkommt, hat einen dunklen Hintergrund: \u201eDie Chansons spiegeln die glitzernde Oberfl\u00e4che der damaligen Zeit\u201c, so Weber, dahinter aber lauere die Verfolgung und Ausd\u00fcnnung einer ganzen K\u00fcnstlerszene durch die Nazi-Diktatur. Sein Programm sei eine \u201emahnende Warnung vor den Keimzellen des heutigen Antisemitismus\u201c, sagt Weber: \u201eWir machen musikalische Stolpersteine.\u201c<br \/>Auf dem Programm stehen die leichten, heiteren Lieder der Weimarer Republik, jener Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, die von Ausschweifung und Dekadenz, von unb\u00e4ndigem Lebenshunger und Leichtigkeit, von Frivolit\u00e4t und Sehnsucht und einem sich \u00e4ndernden Frauenselbstbild gepr\u00e4gt war. \u201eEs war ein Tanz auf dem Pulverfass\u201c, betont Weber, denn unter der heiteren Oberfl\u00e4che breitete sich Fremdenhass und Nationalsozialismus aus.<br \/>Jedes der hier vorgetragenen Lieder stellt Weber in den Kontext der damaligen Zeit und die dahinterliegenden Geschichten gibt den Menschen dadurch wieder einen Namen.<br \/>Das Programm schl\u00e4gt einen musikalischen Bogen von der harmlosen Erotik (\u201eIch hab\u2018 das Fr\u00e4ulein Helen baden sehn\u201c) bis \u201eDu hast Gl\u00fcck bei den Frau\u2019n, Bel Ami\u201c (Lizzi Waldm\u00fcller, 1939), von \u201eDie M\u00e4nner sind alle Verbrecher\u201c (Lisa Weise, 1913), bis hin zu der Gewissheit: \u201eEs wird einmal ein Wunder geschehn\u201c der gro\u00dfen Zarah Leander. Die Lieder handeln von Ruth, die gut tut, und zu Hans, der sich beim Tanz so ungeschickt anstellt und zahlreichen weiteren Ohrw\u00fcrmern einer schillernden Zeit.<br \/>Weber stellt insbesondere die K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler in den Mittelpunkt, die trotz ihrer Popularit\u00e4t in Deutschland von den Machthabern des Dritten Reiches im deutschen Namen grausam gejagt und verfolgt wurden, weil sie anders glaubten, anders liebten oder anderer politischer Meinung waren. Bestenfalls gelang ihnen die rechtzeitige Emigration ins Ausland. So geschehen dem ber\u00fchmten Operntenor Richard Tauber (\u201eDein ist mein ganzes Herz\u201c, 1928) oder Fritzi Massary (\u201eWarum sollte eine Frau kein Verh\u00e4ltnis haben\u201c, 1932), aber einige wurden auch deportiert und im KZ ermordet, so ergangen Robert Gilbert (\u201eMy Fair Lady\u201c, \u201eCabaret\u201c oder \u201eAnnie get your Gun\u201c) oder Fritz L\u00f6hner-Beda und seiner Familie (\u201eich hab mein Herz in Heidelberg verloren\u201c). Weber erinnerte zudem mit deren letzten in Deutschland gesungenen Liedern an so gro\u00dfe Weltstars wie Marlene Dietrich (\u201eIch hab noch einen Koffer in Berlin\u201c) oder den Comedian Harmonists (\u201eIrgendwo auf der Welt gibt es ein kleines bisschen Gl\u00fcck\u201c). Bruno Balz konnte sein Leben nur retten, weil er, nachdem sich Zarah Leander eingemischt hatte, in einer Nacht um sein Leben schrieb und der Welt gleich zwei Hits schenkte wie \u201eDavon geht die Welt nicht unter\u201c und den Welthit \u201eIch wei\u00df, es wird einmal ein Wunder geschehen\u201c.<br \/>Nicht fehlen durfte das verbotene Nazi-Gr\u00f6\u00dfen verspottende Widerstandsgedicht \u201eZehn kleine Meckerlein (N\u00f6rgler, Kritisierer) Otto Oppenheimers, 1938.<br \/>Zum Schluss sang Weber noch \u201eLilli Marleen\u201c, den Hit, der den Soldaten auf den Schlachtfeldern Europas jeden Abend um 22 Uhr eine kleine Verschnaufpause verg\u00f6nnte. Damit endet ein gro\u00dfartiger Abend, eine Hommage an eine Goldene Zeit, aber auch eine eindringlich mahnende Warnung vor den Keimzellen des um sich greifenden Rechtsruck und Antisemitismus. Den Abend beendete Weber mit einem Zitat aus dem Jahr 1922 des Gro\u00dfherzogs Max von Baden an Friedrich Ebert: \u201ePassen Sie auf unser Deutschland auf\u201c.<br \/>Text und Bilder : Beate Tilg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Zwei von der Klangstelle mit der \u201eleichten Muse gegen das Vergessen\u201c In der Metropolregion kennt man ihn&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":656257,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1845],"tags":[1634,3364,29,548,663,3934,30,13,2096,14,15,12],"class_list":{"0":"post-656256","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-mannheim","8":"tag-baden-wuerttemberg","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-eu","12":"tag-europa","13":"tag-europe","14":"tag-germany","15":"tag-headlines","16":"tag-mannheim","17":"tag-nachrichten","18":"tag-news","19":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115743346554377885","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/656256","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=656256"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/656256\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/656257"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=656256"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=656256"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=656256"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}