{"id":657553,"date":"2025-12-19T13:59:22","date_gmt":"2025-12-19T13:59:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/657553\/"},"modified":"2025-12-19T13:59:22","modified_gmt":"2025-12-19T13:59:22","slug":"satellitenbilder-neue-methode-zur-kriegsueberwachung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/657553\/","title":{"rendered":"Satellitenbilder: Neue Methode zur Kriegs\u00fcberwachung"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/zerstoerung-mariupol-100.jpg\" alt=\"Mit einer neuen Methode erstellte Aufnahme von Zerst\u00f6rungen (orange markiert) in der ukrainischen Stadt Mariupol nach der Belagerung durch die russische Armee 2022.\" title=\"Mit einer neuen Methode erstellte Aufnahme von Zerst\u00f6rungen (orange markiert) in der ukrainischen Stadt Mariupol nach der Belagerung durch die russische Armee 2022. | Racek et al. (2025) \/ Creative Commons Licence CC BY 4.0\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 19.12.2025 12:45 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>Wissenschaftler haben eine einfache und g\u00fcnstige Methode entwickelt, um die Zerst\u00f6rung von Geb\u00e4uden in Kriegs- oder Katastrophengebieten zu erfassen. So ist nicht nur ein schneller \u00dcberblick f\u00fcr Hilfslieferungen m\u00f6glich. <\/strong>\n    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Durch die Nutzung von frei verf\u00fcgbaren Sentinel-1-Radarsatellitenbildern der Europ\u00e4ischen Weltraumorganisation ESA k\u00f6nnen zerst\u00f6rte Geb\u00e4ude identifiziert werden, ohne dass teure Bilder kommerzieller Anbieter erforderlich sind. Jeder der <a href=\"https:\/\/sentinels.copernicus.eu\/copernicus\/sentinel-1\" title=\"Sentinel-1\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Sentinel-1-Satelliten<\/a> \u00fcberfliegt alle zw\u00f6lf Tage denselben Ort und erfasst ihn mit einem speziellen Radarsystem, das Bilder mit einer Aufl\u00f6sung von 5 bis 100 Metern erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>    Radartechnologie funktioniert unabh\u00e4ngig vom Wetter<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Im Gegensatz zu bisher genutzten, h\u00f6her aufgel\u00f6sten, optischen Satellitenbildern, die durch Wolken und Dunkelheit beeintr\u00e4chtigt werden k\u00f6nnen, arbeitet Radar unabh\u00e4ngig von Wetter- und Lichtverh\u00e4ltnissen. Dies macht es besonders geeignet f\u00fcr eine langzeitige \u00dcberwachung von Konflikt- oder Katastrophengebieten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Aufnahmen werden bei der <a href=\"https:\/\/academic.oup.com\/pnasnexus\/article\/4\/12\/pgaf367\/8373190\" title=\"Methode\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">neuen Methode<\/a> technisch aufbereitet, sodass eine Aufl\u00f6sung von 10&#215;10 Metern m\u00f6glich ist, berichtet der an der Entwicklung beteiligte Datenwissenschaftler Daniel Racek von der Universit\u00e4t der Bundeswehr in M\u00fcnchen: &#8222;Wir k\u00f6nnen f\u00fcr jegliche Geb\u00e4ude in der Region \u00fcberpr\u00fcfen, ob das zur\u00fcckgeworfene Radarsignal pl\u00f6tzlich ungew\u00f6hnliche Ver\u00e4nderungen zeigt zu einem bestimmten Zeitpunkt, was dann nat\u00fcrlich in Kriegsgebieten in den meisten F\u00e4llen ein Hinweis auf Geb\u00e4udebesch\u00e4digung beziehungsweise Zerst\u00f6rung ist, wie zum Beispiel das Einst\u00fcrzen von einem Dach.&#8220;<\/p>\n<p>    Mit statistischen Methoden Ursache von Zerst\u00f6rung berechnen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Zudem zeigen statistische Berechnungen, mit welcher Wahrscheinlichkeit die Zerst\u00f6rung durch das vermutete Ereignis eingetreten ist. Also, ob das Haus durch einen Bombentreffer zerst\u00f6rt wurde oder durch ein davon unabh\u00e4ngiges Ereignis, beispielsweise durch einen geplanten Abriss.\u00a0<\/p>\n<p>    Dokumentation von im Krieg zerst\u00f6rten Geb\u00e4uden<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die genutzten Bilder der Sentinel-1-Satelliten der ESA sind zudem kostenlos. Andere Dokumentationsverfahren nutzen Satellitenbilder kommerzieller Anbieter. Mit ihren optischen Kameras erreichen die zwar eine h\u00f6here Aufl\u00f6sung, teilweise unter einen Meter. Die Kosten f\u00fcr eine Langzeit-Bilderreihe, wie sie die Wissenschaftler in ihren Beispieldemonstrationen verwendet haben, k\u00f6nnen dann aber mehr als 500.000 Euro betragen.<\/p>\n<p>    Zerst\u00f6rungen sichtbar machen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Forscher demonstrieren ihre Methode anhand dreier F\u00e4lle: bei der Beiruter Hafenexplosion von 2020, der Belagerung von Mariupol in der Ukraine im Jahr 2022 und dem Gaza-Konflikt 2023-2024.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In Beirut identifizierte der Algorithmus 361 Geb\u00e4ude als zerst\u00f6rt, das sind \u00fcber 5% aller Geb\u00e4ude Beiruts. F\u00fcr Mariupol sch\u00e4tzen die Wissenschaftler, dass durch die Bombardements 2.437 Geb\u00e4ude komplett zerst\u00f6rt wurden, was etwa 22% aller Geb\u00e4ude im dortigen Bezirk entspricht. F\u00fcr Gaza zeigte die Analyse, dass 10,7% aller H\u00e4user zerst\u00f6rt wurden &#8211; allerdings lief die Bildauswertung nur bis zum 28. M\u00e4rz 2024, bemerkt Daniel Racek: &#8222;Danach ist noch deutlich mehr zerst\u00f6rt worden. Dort wo die Truppen vorger\u00fcckt sind, sehen wir in nahezu allen F\u00e4llen besonders viel Zerst\u00f6rung.&#8220;\u00a0<\/p>\n<p>    Planung f\u00fcr Hilfsma\u00dfnahmen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der an der Entwicklung der Methode beteiligte Politikwissenschaftler Paul Thurner von der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t M\u00fcnchen erkl\u00e4rt: &#8222;Bei solchen Eins\u00e4tzen muss man sich sehr kurzfristig \u00fcber die Gesamtlage orientieren, um planvoll Hilfsma\u00dfnahmen einzuleiten.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">W\u00e4hrend bei anderen Verfahren Satellitenbilder aufw\u00e4ndig von Fachleuten per Augenschein untersucht und ausgewertet werden m\u00fcssen, l\u00e4uft die neue Methode automatisch und sei somit weniger fehleranf\u00e4llig. Und sie bietet damit schnell zug\u00e4ngliche Informationen \u00fcber das Ausma\u00df von Zerst\u00f6rungen, auch in Katastrophengebieten.<\/p>\n<p>    Informationen f\u00fcr Konfliktforschung<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Methode, die Radarbilder der Sentinel-1-Satelliten der ESA auszuwerten, liefert auch der Wissenschaft ein g\u00fcnstiges und effizientes \u00dcberwachungstool, so Thurner: &#8222;Moderne Friedens- und Konfliktforschung bedarf dieser hochmodernen Verfahren&#8220;, sagt Thurner. Dies ist entscheidend, um die Prozesse und Dynamiken vor Ort zu erfassen und zu beschreiben. Sonst haben wir ja \u00fcberhaupt kein Bild von dort.&#8220;<\/p>\n<p>    Zukunftsaussichten der Technik<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Forscher sehen gro\u00dfes Potenzial f\u00fcr ihre Methode, um die \u00dcberwachung und Dokumentation von Kriegszerst\u00f6rungen weltweit zu verbessern. Die Technologie k\u00f6nnte auch als<a href=\"https:\/\/www.coe.int\/en\/web\/portal\/-\/council-of-europe-conference-to-launch-international-claims-commission-for-ukraine\" title=\"COE\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\"> Beleg f\u00fcr Reparationsforderungen<\/a> sowie f\u00fcr die Planung und Kontrolle eines Wiederaufbaus genutzt werden. Die Weltbank sch\u00e4tzt die <a href=\"https:\/\/www.worldbank.org\/en\/news\/press-release\/2025\/02\/25\/updated-ukraine-recovery-and-reconstruction-needs-assessment-released\" title=\"Weltbank\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Sch\u00e4den<\/a> beispielsweise in der Ukraine bis zum Februar 2025 auf 500 Milliarden Euro, was die Bedeutung der Methode unterstreiche, so Paul Thurner.<\/p>\n<p>    Satellitenbilder, die betroffen machen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ein Bild von der Zerst\u00f6rung durch Krieg zu bekommen, ist ihm aber auch ganz pers\u00f6nlich wichtig. Als Konfliktforscher arbeite man haupts\u00e4chlich mit gro\u00dfen Datenmengen, die dann quantitativ analysiert werden, &#8222;aber hierdurch&#8220;, so Thurner, &#8222;wird das Leid, das in Kriegen passiert, unmittelbar erfahrbar. Das macht einen schon sehr, sehr betroffen.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 19.12.2025 12:45 Uhr Wissenschaftler haben eine einfache und g\u00fcnstige Methode entwickelt, um die Zerst\u00f6rung von Geb\u00e4uden in&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":657554,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[13,153835,14,15,1171,12,153834,10,8,9,11],"class_list":{"0":"post-657553","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nachrichten","8":"tag-headlines","9":"tag-kriegsschaeden","10":"tag-nachrichten","11":"tag-news","12":"tag-satellit","13":"tag-schlagzeilen","14":"tag-sentinel","15":"tag-top-news","16":"tag-top-meldungen","17":"tag-topmeldungen","18":"tag-topnews"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115746595400850969","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/657553","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=657553"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/657553\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/657554"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=657553"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=657553"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=657553"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}