{"id":658282,"date":"2025-12-19T21:29:15","date_gmt":"2025-12-19T21:29:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/658282\/"},"modified":"2025-12-19T21:29:15","modified_gmt":"2025-12-19T21:29:15","slug":"wie-streamingplattformen-die-filmindustrie-veraendern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/658282\/","title":{"rendered":"Wie Streamingplattformen die Filmindustrie ver\u00e4ndern"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/oscar-isaac-102.jpg\" alt=\"Oscar Isaac als Victor Frankenstein\" title=\"Oscar Isaac als Victor Frankenstein | picture alliance\/dpa\/Netflix\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 19.12.2025 20:28 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>Netflix k\u00f6nnte Warner Bros. \u00fcbernehmen und Streaming endg\u00fcltig zur dominierenden Macht in der Filmbranche machen. Wird das Kino bald nur noch Beiwerk zu Streamingplattformen sein?<\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Caroline O. Jebens, SWR Kultur\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Nachrichten von der m\u00f6glichen \u00dcbernahme von Warner Bros. Discovery durch die Mediengruppe Paramount Skydance oder den Streaminganbieter Netflix lasen sich Anfang Dezember als weiterer Schritt weg vom Kino, wie wir es kennen: Erst wurde aus dem Old-Hollywood-Studio ein Medienunternehmen, nun k\u00f6nnte es in einem Internetkonzern aufgehen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Aktuell sieht es danach aus, als k\u00f6nnte der Bieterkampf zugunsten von Netflix ausgehen. Nachdem die Walt Disney Company 2019 das Filmstudio 21st Century Fox \u00fcbernommen hat und diesen Sommer das Medienunternehmen Skydance das angeschlagene Studio Paramount \u00fcbernahm, w\u00fcrde Netflix die Rechte f\u00fcr HBO-Serien (u.a. &#8222;Game of Thrones&#8220;), die Comics von DC und &#8222;Harry Potter&#8220; erhalten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Doch geht es nicht nur darum, geistiges Eigentum zu sichern. Streaminganbieter nehmen immer gr\u00f6\u00dferen Einfluss darauf, wie Filme produziert, distribuiert und gesehen werden. Sowohl Netflix als auch Paramount Skydance betonten zwar, aktuelle Warner-Bros.-Produktionen w\u00fcrden auch weiterhin im Kino laufen. Man h\u00e4lt sich aber die Option offen, Filme auch sofort online bereitzustellen. Damit k\u00f6nnte Streaming endg\u00fcltig das Kino dominieren.<\/p>\n<p>    Kino auf dem R\u00fcckzug<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Sorge um das Kino ist keine neue: Als in den 1950er-Jahren das Fernsehen auf dem Vormarsch war, wurde bereits bef\u00fcrchtet, dass die Kinos\u00e4le leer blieben. In den 1970er- und 1980er-Jahren wurden prestigetr\u00e4chtige Studiomarken von internationalen Konzernen aufgekauft. Doch durch die digitale Revolution zur Jahrtausendwende und zuletzt m\u00e4chtiger werdende Internetkonzerne hat sich der Markt nachhaltig ver\u00e4ndert. Geschlossene Kinos w\u00e4hrend der Pandemie taten ihr \u00dcbriges.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Zwar gehen wieder mehr Menschen ins Kino, der Trend ist jedoch weiterhin r\u00fcckl\u00e4ufig. Laut einer Erhebung der Filmf\u00f6rderungsanstalt sank die Kinobesucherzahl 2024 um zehn Prozent auf 18,9 Millionen. Neue Filme landen schnell auf Plattformen und konkurrieren dort mit Serien, Dokumentationen und Reality-Fernsehen.<\/p>\n<p>    Filmemacher setzen auf Streaminganbieter<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Streamingplattformen bem\u00fchen sich daher um Exklusivrechte f\u00fcr diese Bandbreite.\u00a0Neben dem Kauf von Franchises werden Filme nun vermehrt auf Festivals akquiriert und selbst produziert. Als Alfonso Cuar\u00f3ns Schwarzwei\u00df-Drama &#8222;Roma&#8220; 2018 f\u00fcr Netflix gro\u00dfe Preise einheimste, gab es bereits eine Debatte dar\u00fcber, ob Filmkunst, die f\u00fcr die Leinwand gedacht ist, nun kampflos LCD-Bildschirmen \u00fcberlassen werden soll.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Fronten zwischen Filmemachern und Streaminganbietern sind dabei l\u00e4ngst aufgeweicht. Diesen Herbst zeigte gleich eine ganze Reihe namhafter Filmemacher Netflix-Produktionen: Guillermo del Toro mit &#8222;Frankenstein&#8220;, Noah Baumbach mit &#8222;Jay Kelly&#8220;, Katherine Bigelow mit &#8222;A House of Dynamite&#8220;. Und Edward Berger, der Netflix mit &#8222;Im Westen nichts Neues&#8220; gro\u00dfen Oscar-Erfolg bescherte, legte mit &#8222;Ballad of a Small Player&#8220; einen neuen starbesetzten Film vor.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Fr\u00fcher dauerte es in der Regel gut drei Monate, bis Filme von der Kinoleinwand ins Fernsehen oder auf DVD wanderten. Nun werden Produktionen von einstigem Leinwandformat nur noch kurz gezeigt &#8211; und erscheinen zwei Wochen sp\u00e4ter schon auf der Plattform. Der Anreiz f\u00fcr einen Kinobesuch ist gering.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dass sie \u00fcberhaupt im Kino laufen, hat andere Gr\u00fcnde: Zum einen will man leichter mit Regisseuren ins Gesch\u00e4ft kommen und Kinopremieren abhalten k\u00f6nnen. Zum anderen l\u00e4sst sich ein Film sp\u00e4ter besser f\u00fcr die Plattform vermarkten. Und, am wichtigsten: Filme k\u00f6nnen nur so f\u00fcr Filmpreise nominiert werden.<\/p>\n<p>    Von Arthouse-Streaming zur Kinoleinwand?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Verkommt der Kinovertrieb zum prestigetr\u00e4chtigen Beiwerk f\u00fcr den Fernseher zu Hause? Nicht ganz. Neben den einschl\u00e4gigen Plattformen vermarkten sich beispielsweise Criterion, Kanopy und Fandor als Streamingplattformen f\u00fcr Kinoliebhaber.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der erfolgreichste Anbieter hierzulande ist Mubi. W\u00e4hrend der Pandemie sch\u00f6pfte das britische Unternehmen die Zielgruppe der zu Hause gebliebenen Cineasten ab und ist seitdem stark gewachsen. Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer betont dabei stets, Mubi sei kein Streamingunternehmen, sondern eine Kuratierungsplattform, die Menschen ermutigen soll, ins Kino zu gehen. Man wirbt mit einem speziellen Abo, mit dem man einmal die Woche kostenlos ins Kino gehen kann.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Wie Netflix und Prime Video akquiriert und produziert Mubi mittlerweile selbst Filme. Diese sollen f\u00fcr zwei Monate im Kino gezeigt werden, bevor sie auf der Plattform zu sehen sind. Paradoxerweise stellten sich Kinoreleases f\u00fcr die Plattform als lukrativ heraus: Der Horrorfilm &#8222;The Substance&#8220; spielte weltweit sch\u00e4tzungsweise 82 Millionen US-Dollar an den Kinokassen ein. Ausgerechnet eine Streamingplattform habe den Film zu einem Kinoerfolg gemacht, hielt der Produzent des Films sp\u00e4ter fest. An dieser Widerspr\u00fcchlichkeit zeige sich, wie die Branche revolutioniert werden kann.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ein erfolgreicher Kinostart erh\u00f6ht nicht nur das Prestige f\u00fcr die eigene Distribution, sondern soll weitere Eigenproduktionen und Festivaleink\u00e4ufe finanzieren. Dieses Jahr stellte Mubi mit &#8222;The Mastermind&#8220; von Kelly Reichardt seine erste eigene Produktion in Cannes vor.<\/p>\n<p>    Was bedeutet das f\u00fcr die Zukunft des Kinos?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Hoffnung k\u00f6nnte auf Independent-Produktionen liegen: Nachdem sich eine gro\u00dfe Franchise-M\u00fcdgkeit ausgebreitet hatte, zogen Independent-Filme dieses Jahr wieder viele Besucher ins Kino. Die f\u00fcnf wichtigsten Titel spielten gut 430 Millionen US-Dollar weltweit ein. Bei den Oscars 2025 waren sechs von zehn Nominierungen in der wichtigsten Kategorie &#8222;Bester Film&#8220; Independent-Produktionen, in den vorigen Jahren waren es je vier.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Eine weitere Tendenz l\u00e4sst sich in der Statistik der Filmf\u00f6rderanstalt ablesen: Der Umsatz von US-Produktionen in den deutschen Kinos verringerte sich 2024. Europ\u00e4ische und internationale Produktionen legten hingegen mit 36 Prozent stark zu. Streamingplattformen k\u00f6nnten daf\u00fcr sorgen, dass nationale oder Special-Interest-Produktionen eher realisiert werden. Denn w\u00e4hrend fr\u00fcher vor allem vorige Einspielergebnisse \u00fcber einen Zuschlag entschieden, lassen sich nun \u00fcber Verhaltensdaten Zielgruppen genauer feststellen und Filme f\u00fcr einen speziellen Raum vermarkten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch eine weitere Entwicklung k\u00f6nnte dem Kino in die Karten spielen: Die Wachstumsphase im Streaming stagniert. Durch das \u00fcberbordende Angebot und Werbepausen ist Streaming zum teuren Bezahlfernsehen geworden. Vielleicht ist man dann doch bereit, wieder mal ein Kinoticket zu kaufen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 19.12.2025 20:28 Uhr Netflix k\u00f6nnte Warner Bros. \u00fcbernehmen und Streaming endg\u00fcltig zur dominierenden Macht in der Filmbranche&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":658283,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[134],"tags":[175,170,169,29,92,3182,30,95,80,171,174,2846,7725,173,172,47039],"class_list":{"0":"post-658282","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-unternehmen-maerkte","8":"tag-business","9":"tag-companies","10":"tag-companies-markets","11":"tag-deutschland","12":"tag-film","13":"tag-filmindustrie","14":"tag-germany","15":"tag-kino","16":"tag-kultur","17":"tag-markets","18":"tag-maerkte","19":"tag-netflix","20":"tag-streamingdienste","21":"tag-unternehmen","22":"tag-unternehmen-maerkte","23":"tag-warner"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115748363793437381","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/658282","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=658282"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/658282\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/658283"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=658282"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=658282"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=658282"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}