{"id":658471,"date":"2025-12-19T23:22:13","date_gmt":"2025-12-19T23:22:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/658471\/"},"modified":"2025-12-19T23:22:13","modified_gmt":"2025-12-19T23:22:13","slug":"putins-plan-fuer-kollaps-der-ukraine-gescheitert-dw-19-12-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/658471\/","title":{"rendered":"Putins Plan f\u00fcr Kollaps der Ukraine gescheitert \u2013 DW \u2013 19.12.2025"},"content":{"rendered":"<p>Die Teilnehmer des <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/eu-ukraine-kredit-russland-eingefrorenes-staatsvermoegen-friedrich-merz-kompromiss-bruessel-ungarn\/a-75236103\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">EU-Gipfels<\/a> vom 18. und 19. Dezember in Br\u00fcssel haben eine f\u00fcr die Ukraine \u00e4u\u00dferst wichtige Entscheidung getroffen. Kyjiw soll in den Jahren 2026 und 2027 Kredite in H\u00f6he von 90 Milliarden Euro erhalten. Das Darlehen soll \u00fcber den EU-Haushalt abgesichert werden. Damit bleibt das eingefrorene russische Verm\u00f6gen vorerst unber\u00fchrt.\u00a0<\/p>\n<p>Die\u00a0Gelder, die Kyjiw von der EU erhalten wird, muss die Ukraine im Wesentlichen nicht zur\u00fcckzahlen und sie sind zinslos. Eine R\u00fcckzahlung soll erst dann erfolgen, wenn Russland die Ukraine f\u00fcr die Verluste entsch\u00e4digt, die es dem Nachbarland durch seinen <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/ukraine-krieg\/t-60978725\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Angriffskrieg<\/a> zugef\u00fcgt hat.<\/p>\n<p>Kyjiw w\u00fcrdigt die EU-Entscheidung<\/p>\n<p>Der ukrainische Pr\u00e4sident <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/wolodymyr-selenskyj\/t-48449478\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wolodymyr Selenskyj<\/a> begr\u00fc\u00dfte die Entscheidung und dankte den Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten. &#8222;Dies ist eine bedeutende Unterst\u00fctzung, die unsere Widerstandskraft st\u00e4rkt&#8220;, sagte er unmittelbar nach Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses. Selenskyj betonte zudem, es sei wichtig, dass die <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/russlands-eingefrorene-verm\u00f6genswerte-worum-geht-es\/a-75190948\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">russischen Verm\u00f6genswerte<\/a> weiter eingefroren bleiben und dass die Ukraine f\u00fcr die kommenden Jahre eine finanzielle Sicherheitsgarantie erhalten hat.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"75224956\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/75224956_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Der ukrainische Pr\u00e4sident Wolodymyr Selenskyj spricht vor einem Mikrofon bei seiner Pressekonferenz in Br\u00fcssel\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Der ukrainische Pr\u00e4sident Wolodymyr Selenskyj bei der Pressekonferenz in Br\u00fcssel am 18. DezemberBild: John Thys\/AFP\/Getty Images<\/p>\n<p>Der ukrainische Au\u00dfenminister Andrij Sybiha bezeichnete die Entscheidung der EU als rechtzeitig und entschieden. &#8222;Die Ukraine hat eine Garantie f\u00fcr ihre finanzielle Sicherheit bekommen. Entgegen Russlands Absichten\u00a0wird Europas Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Ukraine nicht nachlassen. Die russischen Verm\u00f6genswerte bleiben eingefroren. Europa bleibt geeint und stark&#8220;, schrieb Sybiha im sozialen Netzwerk X.<\/p>\n<p>Der ukrainische Finanzminister Serhij Martschenko teilte mit, dass die von der EU bereitgestellten Mittel in den Staatshaushalt flie\u00dfen und f\u00fcr die Verteidigung verwendet werden sollen.\u00a0<\/p>\n<p>Warum Moskaus Kalkulation nicht aufgeht<\/p>\n<p>Die Entscheidung des EU-Gipfels, der Ukraine 90 Milliarden Euro zu gew\u00e4hren, sei kein Ausdruck strategischen Mutes, sondern stelle die F\u00e4higkeit der EU unter Beweis, in Verhandlungen Kompromisse zu erzielen, meint Serhij Solodkyj von der ukrainischen Denkfabrik &#8222;New Europe Center&#8220;. &#8222;Die EU hat sich nicht f\u00fcr das von der ukrainischen Seite bef\u00fcrwortete Szenario entschieden, einen Reparationskredit aus eingefrorenen russischen Verm\u00f6genswerten zu vergeben, aber sie hat auch das Worst-Case-Szenario vermieden, das in v\u00f6lliger Entscheidungslosigkeit h\u00e4tte enden k\u00f6nnen&#8220;, sagt Solodkyj im DW-Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>Dem Experten zufolge ist die EU-Entscheidung von strategischer Bedeutung, da Russlands Pr\u00e4sident <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/wladimir-putin\/t-17289915\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wladimir Putin<\/a>\u00a0stark darauf gesetzt hat, dass der Westen der Ukraine die Unterst\u00fctzung entzieht, wonach das Land nicht mehr in der Lage w\u00e4re, seinen Verteidigungskampf fortzusetzen. Dies w\u00fcrde letztendlich zu einem Sieg Russlands f\u00fchren. Doch dieser Plan sei vereitelt worden. Solodkyj merkt an, die Ukraine habe nun mindestens f\u00fcr die n\u00e4chsten zwei Jahre eine Grundfinanzierung, um stabil bleiben zu k\u00f6nnen. &#8222;Dies untergr\u00e4bt eindeutig Putins Kalkulation eines schnellen Sieges durch einen wirtschaftlichen und damit milit\u00e4rischen Zusammenbruch der Ukraine&#8220;, erl\u00e4utert der Experte.<\/p>\n<p>Aus seiner Sicht d\u00fcrfte sich die russische F\u00fchrung dennoch die H\u00e4nde reiben. Denn es sei ihr offenbar gelungen, bestimmte Staats- und Regierungschefs der EU zu verunsichern.<\/p>\n<p>Belgische Politiker und hochrangige Finanzmanager\u00a0sollen Ziel einer Einsch\u00fcchterungskampagne der russischen Geheimdienste geworden sein,\u00a0<a rel=\"noopener follow\" target=\"_blank\" class=\"external-link\" href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2025\/dec\/17\/belgian-politicians-finance-bosses-targeted-russian-intelligence-seized-assets\" title=\"Externer Link \u2014 berichtete der britische &quot;Guardian&quot; am 17. Dezember\">berichtete der britische &#8222;Guardian&#8220; am 17. Dezember<\/a> unter Berufung auf europ\u00e4ische Geheimdienste. Diese Taktik\u00a0zielte dem Bericht zufolge darauf ab,\u00a0Druck auf Belgien auszu\u00fcben,\u00a0damit es die Nutzung des eingefrorenen russischen Verm\u00f6gens f\u00fcr den Reparationskredit an die Ukraine blockiert. In Belgien befindet sich\u00a0der Sitz der Euroclear-Zentrale, die \u00fcber 180 Milliarden der 210 Milliarden Euro eingefrorenen Gelder der russischen Zentralbank\u00a0verwahrt.<\/p>\n<p>Wo Europas Schwachstellen liegen<\/p>\n<p>Positiv sei, dass die Ukraine ab dem zweiten Quartal 2026 dringend ben\u00f6tigte Gelder zur Deckung des Haushaltsbedarfs sowie Mittel f\u00fcr die eigene Waffenproduktion erhalten werde, sagt Olena Haluschka von der ukrainischen Expertengruppe &#8222;Internationales Zentrum f\u00fcr den Sieg der Ukraine&#8220; (ICUV). &#8222;Doch diese Gelder reichen lediglich zum \u00dcberleben, nicht f\u00fcr einen Sieg oder um die Lage auf dem Schlachtfeld grundlegend zu ver\u00e4ndern&#8220;, bedauert die Expertin.<\/p>\n<p>Ihrer Ansicht nach hat Russland mit der Erprobung von Druck und Einsch\u00fcchterung gegen\u00fcber Europa einen\u00a0taktischen Erfolg\u00a0erzielt. Und diese Praxis werde es auch weiterhin gegen\u00fcber einzelnen EU-L\u00e4ndern anwenden. &#8222;Der Kreml hat erkannt, dass die Einsch\u00fcchterung von Staats- und Regierungschefs sowie von Vertretern von Institutionen wie Euroclear funktioniert. Die Russen haben Europas Schwachstellen aufgesp\u00fcrt oder sich ihrer erneut vergewissert, und es ist damit zu rechnen, dass sie diese bald erneut ausnutzen werden&#8220;, warnt die Expertin des ICUV im Gespr\u00e4ch mit der DW.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"75184355\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/75184355_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Blick auf das Geb\u00e4ude des Hauptsitzes von Euroclear in Br\u00fcssel, wo eingefrorene russische Verm\u00f6genswerte verwahrt werden\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Der Hauptsitz von Euroclear in Br\u00fcssel, wo eingefrorene russische Verm\u00f6genswerte verwahrt werdenBild: Yves Herman\/REUTERS<\/p>\n<p>Hauptgrund daf\u00fcr, dass sich die europ\u00e4ischen Staats- und Regierungschefs nicht auf einen Reparationskredit f\u00fcr die Ukraine einigen konnten, war der Widerstand Belgiens.\u00a0Der belgische Premierminister Bart De Wever forderte aus Furcht vor Klagen aus Russland uneingeschr\u00e4nkte Finanzgarantien.<\/p>\n<p>Trotz Kritik auch Lob f\u00fcr die EU<\/p>\n<p>Auch der ukrainische Finanzexperte und Investmentbanker Serhij Fursa kritisiert, die EU habe eine inakzeptable Schw\u00e4che an den Tag gelegt, indem sie sich dem Druck Russlands und der USA gebeugt habe.<\/p>\n<p>&#8222;Die EU hat zwar Geld f\u00fcr die Ukraine gefunden, aber es bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Wegen des Einflusses externer Akteure, insbesondere Russlands und der USA, konnte die EU keine Entscheidung im eigenen Interesse treffen und musste Plan B anwenden &#8211; die Mittelbeschaffung durch Kreditaufnahme innerhalb der EU selbst. Russlands Gelder bleiben eingefroren. Die EU darf sich eine solche Schw\u00e4che nicht erlauben. Dies ist eine Herausforderung f\u00fcr die EU selbst. Man kann nur hoffen, dass dieses Warnsignal in Berlin, Paris und anderen Hauptst\u00e4dten deutlich geh\u00f6rt wurde&#8220;, schreibt Fursa auf Facebook.<\/p>\n<p>Der Experte betont aber, dass die Entscheidung der EU f\u00fcr den Kriegsverlauf dennoch von strategischer Bedeutung ist. &#8222;Das hei\u00dft nicht, dass der Krieg noch zwei Jahre dauern muss. Er kann schneller enden oder noch l\u00e4nger dauern. Russland wird sich jetzt aber nicht mehr vormachen, die ukrainische Wirtschaft k\u00f6nnte nicht \u00fcberleben&#8220;, so Fursa. Das k\u00f6nnte ihm zufolge Putin dazu bringen, zu einem bestimmten Zeitpunkt echte Verhandlungen aufzunehmen, weil Russlands Plan, einen Kollaps der ukrainischen Wirtschaft herbeizuf\u00fchren, letztendlich gescheitert ist.<\/p>\n<p>Adaption aus dem Ukrainischen: Markian Ostaptschuk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Teilnehmer des EU-Gipfels vom 18. und 19. 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