{"id":65852,"date":"2025-04-27T16:40:11","date_gmt":"2025-04-27T16:40:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/65852\/"},"modified":"2025-04-27T16:40:11","modified_gmt":"2025-04-27T16:40:11","slug":"australischer-radiosender-nutzt-monatelang-ki-stimme-als-moderation-unbemerkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/65852\/","title":{"rendered":"Australischer Radiosender nutzt monatelang KI-Stimme als Moderation \u2013 unbemerkt"},"content":{"rendered":"<ol class=\"a-toc__list\">\n<li class=\"a-toc__item&#10;          &#10;            a-toc__item--counter&#10;          &#10;            a-toc__item--current\">\n<p>              Australischer Radiosender nutzt monatelang KI-Stimme als Moderation \u2013 unbemerkt<\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p>Zehntausende Menschen glaubten \u00fcber Monate, einer jungen Moderatorin bei einer australischen Radiosendung zuzuh\u00f6ren \u2013 ohne zu wissen, dass hinter der Stimme eine k\u00fcnstliche Intelligenz (KI) steckte. Erst nachdem mehrere Journalisten Verdacht gesch\u00f6pft hatten, flog auf, dass die Frau, die der Sender auf seiner Webseite als Moderatorin pr\u00e4sentiert, gar nicht existiert. Der Aufschrei ist gro\u00df.<\/p>\n<p>&#8222;Workdays with Thy&#8220;, auf Deutsch &#8222;Werktags mit Thy&#8220; hei\u00dft die Radiosendung, die der australische Sender CADA auf seiner <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20250425014838\/https:\/\/www.cada.com.au\/shows\/workdays-with-thy\/\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Webseite vorstellte<\/a> und nach wie vor vorstellt (Stand: 26. April 2025) \u2013 und dabei verschwieg, dass die Moderatorin gar nicht existierte, sondern eine k\u00fcnstliche Intelligenz (KI) sich dahinter verbarg.<\/p>\n<p>Moderatorin redete kaum<\/p>\n<p>Schweigsam soll auch die vermeintliche Moderatorin Thy in ihrer Sendung gewesen sein, die jeden Werktag f\u00fcr vier Stunden lief. So schreibt die Autorin des australischen Newsletters &#8222;<a href=\"https:\/\/www.thecarpet.com.au\/p\/meet-thy-the-radio-host-i-dont-think\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">The Carpet<\/a>&#8222;, dass sie die junge Frau bei mehrmaligem Anh\u00f6ren der Sendung fast kein einziges Mal reden geh\u00f6rt habe. Nur zwei Mal habe sich Thy gemeldet, um einen Song anzusagen und dabei immer nahezu identisch zu klingen.<\/p>\n<p>Was der Autorin aber weit verd\u00e4chtiger erschien: Als &#8222;Workdays with Thy&#8220; im vergangenen November zum ersten Mal auf Sendung ging, gab es von CADA dazu keinerlei Pressemitteilung oder \u00e4hnliches. Am auff\u00e4lligsten sei aber gewesen, dass Thy auch keinerlei Auftritte in sozialen Medien hatte, was f\u00fcr eine junge Journalistin \u00e4u\u00dfert un\u00fcblich ist. Und statt einer ausf\u00fchrlichen Vita, die es zu namhaften Radiomoderatoren in der Regel gibt, gab es zu Thy: rein gar nichts.<\/p>\n<p>Der Verdacht erh\u00e4rtete sich, als die Autorin nach eigenen Angaben mit mehreren Mitarbeitern von CADA sprach: Demnach habe noch nie jemand Thy in der Redaktion gesehen. Auch in der Personensuche des CADA-Intranets sei das vermeintliche neue Redaktionsmitglied nicht zu finden gewesen. Derweil versuchten auch diverse andere australische Journalisten herauszufinden, was es mit Thy auf sich hat. <a href=\"https:\/\/www.afr.com\/companies\/media-and-marketing\/she-broadcasts-hours-of-hip-hop-every-day-but-thy-is-all-ai-20250416-p5ls8d\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Einem Reporter des Australian Financial Review <\/a>gelang schlie\u00dflich der Durchbruch: Die Mediengruppe Australian Radio Network (ARN) zu der auch CADA geh\u00f6rt, konnte ihm gegen\u00fcber nicht mehr leugnen, dass Thy in Wahrheit KI-generiert ist.<\/p>\n<p>Die Gruppe erforsche st\u00e4ndig, wie neue Technologien gro\u00dfartige Inhalte unterst\u00fctzen und das H\u00f6rerlebnis verbessern k\u00f6nnen, hei\u00dft es demnach in einer Erkl\u00e4rung von ARN. Die Studie mit Thy habe nicht nur wertvolle Erkenntnisse gebracht, sondern auch den einzigartigen Wert unterstrichen, den Pers\u00f6nlichkeiten bei der Erstellung wirklich fesselnder Inhalte haben, betont der Konzern.<\/p>\n<p>Frau aus der Finanzabteilung stand Modell<\/p>\n<p>ARN best\u00e4tigte au\u00dferdem, dass sowohl die Frau, deren Foto als Thy pr\u00e4sentiert wurde, als auch ihre Stimme tats\u00e4chlich existieren. Eine junge Mitarbeiterin der Finanzabteilung habe f\u00fcr das Bild Modell gestanden und ihre Stimme bereitgestellt, damit der KI-Stimmgenerator Elevenlabs darauf aufbauend die Moderationen von Thy generieren kann. Elevenlabs hatte in der Vergangenheit bereits in einer <a href=\"https:\/\/www.maginative.com\/article\/elevenlabs-launches-enterprise-grade-ai-speech-solutions\/\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Pressemitteilung<\/a> eine Kooperation mit ARN bekannt gegeben.<\/p>\n<p>Die Autorin von The Carpet sinnierte auch dar\u00fcber, ob sich der Ersatz junger Radiomoderatoren durch KI \u00fcberhaupt wirtschaftlich lohne. Solche Jobs w\u00fcrden mit einem Gehalt von rund 35.000 australischen Dollar dotiert, sch\u00e4tzt sie in einem weiteren <a href=\"https:\/\/substack.com\/home\/post\/p-161731285\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Blogbeitrag<\/a>. Die j\u00e4hrlichen Kosten, die ARN durch die Nutzung der KI von Elevenlabs hat, k\u00f6nnten nicht wirklich viel geringer ausfallen, glaubt sie. Wohingegen echte Radiomoderatoren auch &#8222;echte Radioarbeit&#8220;, zum Beispiel in Form von Interviews machen k\u00f6nnten. Auf m\u00f6gliche Skalierungseffekte, etwa mit einer KI gleich mehrere Radiomoderatoren \u2013 und Jahresgeh\u00e4lter \u2013 zu ersetzen, ging sie nicht ein. Ein denkbarer Vorteil w\u00e4re auch die Vermeidung von Krankenst\u00e4nden mithilfe der KI, oder auch von Abh\u00e4ngigkeiten, etwa wenn ein Moderator sich erstmal beim Publikum eines Senders etabliert hat und weit mehr als 35.000 Dollar pro Jahr verlangen kann. <\/p>\n<p>Medialer Aufschrei<\/p>\n<p>Soweit einige betriebswirtschaftliche Annehmlichkeiten, die sich das ARN-Management von dem Ansatz m\u00f6glicherweise versprochen haben k\u00f6nnte. Die andere Seite der Medaille durfte es in den vergangenen Tagen schon kennenlernen: Der mediale Aufschrei und der Vertrauensverlust, den das heimliche Deb\u00fct von Elevenlabs alias Thy nun mit sich bringt. Teresa Lim, die Vizepr\u00e4sidentin der Australian Association of Voice Actors (AAVA) einer Interessenvertretung f\u00fcr professionelle Sprecher, kritisierte, dass ARN den KI-Einsatz nicht offengelegt habe. &#8222;Die australischen H\u00f6rerinnen und H\u00f6rer verdienen Ehrlichkeit und eine ehrliche Offenlegung, anstatt aufgrund mangelnder Transparenz einer falschen Person zu vertrauen, die sie f\u00fcr eine echte Moderatorin halten&#8220;, monierte sie auch auf <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/posts\/teresalimstudios_dear-arn-yesterday-morning-i-received-activity-7318780322928644096-WpU1\/?utm_source=share&amp;utm_medium=member_desktop&amp;rcm=ACoAACjw9ZoBmrKRTdz4d71rpEsIL97f1EVRybM\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">LinkedIn<\/a>. Zahlreiche Medien berichten \u00fcber den Fall. Journalisten auf Nine News Australia, einem der bekanntesten TV-Nachrichtensender in Australien, sprachen vom &#8222;A.I. radio scandal&#8220;, dem &#8222;KI-Radio-Skandal&#8220;. Es sei eine rote Linie \u00fcberschritten, wenn KI nicht nur bei einzelnen Aufgaben des journalistischen Arbeitsalltags unterst\u00fctze, sondern die T\u00e4tigkeit als solche \u00fcbernehme, sind sich die Moderatoren in einer Liveschalte einig. Der Gedanke, dass auch ihre Gesichter als Basis f\u00fcr eine Moderations-KI dienen k\u00f6nnten, schien ihnen nicht zu gefallen. <\/p>\n<p>Doch Thy ist nicht das einizige Projekt dieser Art. Ein \u00e4hnliches Experiment des polnischen Senders Off Radio Krakau wurde <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Polnisches-KI-Programm-fuers-Radio-nach-nur-einer-Woche-einstellt-10003411.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">nach nur einer Woche eingestellt<\/a>. Die Verantwortlichen waren noch deutlich weitergegangen: So generierten sie auch ein fiktives Interview mit der polnischen Literatur-Nobelpreistr\u00e4gerin Wislawa Szymborska. Sie war 2012 verstorben. Unter anderem \u00e4u\u00dferte sich die KI \u00fcber Ereignisse, welche die Schriftstellerin nie erlebt haben konnte. Auch das sorgte f\u00fcr massive Kritik.<\/p>\n<p>(<a class=\"redakteurskuerzel__link\" href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/mailto:nen@heise.de\" title=\"Niklas Jan Engelking\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">nen<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Australischer Radiosender nutzt monatelang KI-Stimme als Moderation \u2013 unbemerkt Zehntausende Menschen glaubten \u00fcber Monate, einer jungen Moderatorin bei&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":65853,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1772],"tags":[29,214,29390,30,12934,5508,1256,62,1779,810,83,215],"class_list":{"0":"post-65852","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-musik","8":"tag-deutschland","9":"tag-entertainment","10":"tag-fakes","11":"tag-germany","12":"tag-journal","13":"tag-journalismus","14":"tag-kuenstliche-intelligenz","15":"tag-medien","16":"tag-music","17":"tag-musik","18":"tag-radio","19":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114410921756623294","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65852","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=65852"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65852\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/65853"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=65852"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=65852"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=65852"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}