{"id":658695,"date":"2025-12-20T01:35:14","date_gmt":"2025-12-20T01:35:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/658695\/"},"modified":"2025-12-20T01:35:14","modified_gmt":"2025-12-20T01:35:14","slug":"verdraengte-malerinnen-des-nordens-schmerzhaft-wenig-malerinnen-spuren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/658695\/","title":{"rendered":"Verdr\u00e4ngte Malerinnen des Nordens: Schmerzhaft wenig Malerinnen-Spuren"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">Vermutlich ist der Sch\u00e4del nicht echt, sondern lediglich eine Nachbildung. Aus irgendeinem plastischen Material gefertigt, aus Ton vielleicht, so \u00fcberzeugend die leeren Augenh\u00f6hlen und die blanken Zahnreihen auf dem Schwarzwei\u00dffoto zun\u00e4chst wirken m\u00f6gen. Auch stehen die Chancen 50 zu 50, dass es sich um den Sch\u00e4del eines Mannes handelt. Aber da ist dieser leicht sp\u00f6ttische Blick einer der jungen, namenlosen Frauen auf einem Flur der <a href=\"https:\/\/www.historisches-lexikon-bayerns.de\/Lexikon\/Dachauer_K%C3%BCnstlerkolonie\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">K\u00fcnstlerkolonie Dachau<\/a> bei M\u00fcnchen, irgendwann im Jahre 1902; mehr noch ist es die Art, wie sie den Sch\u00e4del h\u00e4lt: Achtlos liegt er in ihrem Scho\u00df. Vielleicht rutscht er ihr gleich aus der Hand, kullert \u00fcber den Boden und kann schauen, wo er bleibt.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Eine der jungen Frauen, die der Szenerie zuschaut, stehend, zur\u00fcckhaltend, ist Marie Schlaikier. Es ist eine der wenigen Fotografien, die es von ihr gibt. Marie Schlaikier ist ein \u201e<a href=\"https:\/\/taz.de\/Emanzipation-vor-100-Jahren\/!5605564\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Malweib<\/a>\u201c, wie man damals absch\u00e4tzig sagte, als junge, an der Bildenden Kunst interessierte Frauen nur in \u201eDamenklassen\u201c unterrichtet wurden, wenn \u00fcberhaupt; und wenn, dann eher an Kunstgewerbeschulen als an Kunstakademien.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Marie Schlaikier wird ein Jahr sp\u00e4ter <a href=\"https:\/\/kuenstlerkolonie-gothmund.de\/kuenstlerkolonie\/19-jahrhundert\/anton-nissen\/\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">Anton Nissen<\/a> heiraten, einen der malenden Protagonisten der K\u00fcnstlerkolonie Ekensund auf der Nordseite der Flensburger F\u00f6rde. Ab 1875 ist dies ein Hort der Freiluftmalerei, auf dass sich die Landschaft, der Himmel und all das Licht in seinen Jahres- und Tageszeiten auf bisher ungesehene Weise malend neu \u00f6ffnen und den Menschen zeigen m\u00f6gen. \u201eEs gab in unserem Haus so viele Ausstellungen zu den M\u00e4nnern von Ekensund, nun m\u00f6chte ich die Frauenseite beleuchten\u201c, sagt denn auch Madeleine St\u00e4dtler, seit 2022 Kustodin und stellvertretende Leiterin des <a href=\"https:\/\/www.museumsberg-flensburg.de\/de\/museumsberg.html\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">Flensburger Museumsbergs<\/a>.<\/p>\n<p>Die Ausstellung<\/p>\n<p class=\"bodytext first paragraph last\">\u201eUntersch\u00e4tzt! Starke Frauen der K\u00fcnstlerkolonie Ekensund.\u201c Bis 8. M\u00e4rz 2026, Museumsberg Flensburg<\/p>\n<p>      Sechs Lebensl\u00e4ufe von Malerinnen<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-7\" pos=\"5\">\u201eUntersch\u00e4tzt! Die starken Frauen der K\u00fcnstlerkolonie Ekensund\u201c, unter diesem Titel zeigt das Flensburger Haus nun sechs Lebensl\u00e4ufe von Malerinnen, die auf unterschiedliche Weise mit der K\u00fcnstlerkolonie verbunden sind. Wobei sie eines eint: Es ist schmerzhaft wenig von ihrem Schaffen erhalten.<\/p>\n<p><a class=\"slides icon maximize_opahov large pswp-slides pl-0\" href=\"https:\/\/taz.de\/picture\/8106615\/1200\/10-ElsaNoebbe.jpeg\" data-pswp-width=\"\" data-pswp-height=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/10-ElsaNoebbe.jpeg\" alt=\"Die Malerein Else N\u00f6bbe an der Staffelei\" title=\"Die Malerein Else N\u00f6bbe an der Staffelei\" height=\"937\" type=\"image\/jpeg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Als Frau beim Malen gemalt: Elsa N\u00f8bbe, wie ihr Vater Jacob sie sah<\/p>\n<p>Kunst:<br \/>\nJacob N\u00f8bbe \/Museumsberg<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-9\" pos=\"6\">Neben Marie Nissen bietet die Ausstellung vor allem einen Blick auf das Wirken von <a href=\"https:\/\/www.vdbk1867.de\/enzyklopaedie\/gotzmann-emmy\/\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">Emmy Gotzmann<\/a>, die erst zu entdecken ist. Gotzmann, Jahrgang 1881, kam von Chemnitz aus zun\u00e4chst nach Berlin, wurde dort von Malern der Berliner Secession unterrichtet. Und geh\u00f6rte ab 1903 zur Ekensunder Mal-Gemeinschaft, fest entschlossen, Berufsmalerin zu werden. Mit Erfolg: Ihre Deb\u00fctausstellung 1908 auf dem Flensburger Museumsberg f\u00fcllt drei S\u00e4le mit knapp 90 Gem\u00e4lden; als 1909 quasi in der Nachbarschaft die Kieler Kunsthalle er\u00f6ffnet, ist Gotzmann auch dort mit mehreren Werken vertreten.<\/p>\n<p>\n\ue80f\n<\/p>\n<p>            Es ist schmerzhaft wenig vom Schaffen dieser Malerinnen erhalten<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-11\" pos=\"7\">Sp\u00e4ter \u2013 ihr zweiter Mann, ein Rezitator, lebt in Berlin \u2013 taucht sie in die dortige Kunstszene ein, wird f\u00fchrend im Verein Bildender K\u00fcnstlerinnen, neben Lotte Laserstein und K\u00e4the Kollwitz. Und doch sind Gotzmanns Werke kaum in \u00f6ffentlichen Sammlungen vertreten: Der Museumsberg hat ein einziges Gotzmann-Bild, eine F\u00f6rde-Ansicht, in seinem sonst so umfassenden Ekensund-Bestand. Was bewahrt wurde, befindet sich weitgehend im Besitz der Familie im fernen Hessen: Sie nahm Gotzmanns beindruckend-kraftvolle Landschaftsbilder wie Portr\u00e4ts von den W\u00e4nden, \u00f6ffnete private Fotoalben sowie Skizzenb\u00fccher und lieh dem Museumsberg gut 20 Exponate, die diesem Kapitel der Ausstellung eine solide Grundierung geben.<\/p>\n<p>      Sie wurden nicht gesamelt<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-13\" pos=\"9\">Apropos malen und dann (nicht) gesammelt werden: Sophie Eckener, ausgebildet in der Portr\u00e4t- und Landschaftsmalerei, die ihrem Mann, den Maler und Radierer Alex Eckener, nach Ekensund folgte und ihn um 30 Jahre \u00fcberlebte, hielt zeitlebens Kontakt zum Museumsberg: \u201eSie hat immer wieder dem Museum geschrieben, wo es \u00fcberall noch Informationen zu ihrem Mann g\u00e4be, aber ich habe keinen Hinweis gefunden, dass sie dem Museum mal eines ihrer Werke angeboten hat\u201c, sagt Kustodin St\u00e4dtler. Selbst als Eckener eine Einzelausstellung hat, erw\u00e4hnt sie das in nur einem Satz \u2013 um danach weitere Werke ihres Mannes f\u00fcr die n\u00e4chste Ekensund-Ausstellung anzubieten.<\/p>\n<p><a class=\"slides icon maximize_opahov large pswp-slides pl-0\" href=\"https:\/\/taz.de\/picture\/8106615\/1200\/4-AgnesSlott.jpeg\" data-pswp-width=\"\" data-pswp-height=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/4-AgnesSlott.jpeg\" alt=\"Im Zentrum eines wie ein Tryptichon durch einen geschnitzten Rahmen unterteilten Gem\u00e4ldes sitzen zwei Goldstickerinnen in Renaissance-Tracht, die linken und rechten Fl\u00fcgel \u00f6ffnen in eine bewaldete Landschaft\" title=\"Im Zentrum eines wie ein Tryptichon durch einen geschnitzten Rahmen unterteilten Gem\u00e4ldes sitzen zwei Goldstickerinnen in Renaissance-Tracht, die linken und rechten Fl\u00fcgel \u00f6ffnen in eine bewaldete Landschaft\" height=\"886\" type=\"image\/jpeg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Reizender Nationalismus: Agnes Slott-M\u00f8ller verbindet fotorealistische Landschaft und altert\u00fcmliche Motive zum Ruhme D\u00e4nemarks<\/p>\n<p>Foto:<br \/>\nAgnes Slott-M\u00f8ller \/ Museumsberg<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-15\" pos=\"10\">Doch es gibt auch verschlungenenere Wege. Zum Beispiel den von Elsa N\u00f6bbe, die biografisch gesehen noch einmal anders zur Kunst findet: Sie ist die j\u00fcngste Tochter des damals arrivierten Malers Jakob N\u00f6bbe (1850\u20131919), einer der Ekensunder Protagonisten, auch Privatlehrer des jungen Emil Nolde. So w\u00e4chst sie in die K\u00fcnstlerkolonie hinein, steht immer wieder Modell f\u00fcr den Vater. Malt, zeichnet in jungen Jahren, erprobt Holzschnitte.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-16\" pos=\"11\">Sie webt und schneidert, verspricht ihrem Vater aber auf dessen Sterbebett, dass sie es mit der Kunst richtig ernst nehmen werde. 1952, sie ist 60 Jahre alt, ist es so weit: Sie siedelt auf die Insel Fan\u00f8, ihr Haus und Atelier werden Zentrum der s\u00fcdd\u00e4nischen Kunstszene. Und sie malt mit R\u00fcckgriff auf die Ekensunder Jahre noch einmal die R\u00e4ume, in denen sie einst ihr Vater drapierte, nur diesmal personenleer.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-18\" pos=\"12\">\n        Untersch\u00e4tzt! Starke Frauen der K\u00fcnstlerkolonie Ekensund. Bis 8. M\u00e4rz 2026, Museumsberg Flensburg\n      <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Vermutlich ist der Sch\u00e4del nicht echt, sondern lediglich eine Nachbildung. 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