{"id":659051,"date":"2025-12-20T05:28:20","date_gmt":"2025-12-20T05:28:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/659051\/"},"modified":"2025-12-20T05:28:20","modified_gmt":"2025-12-20T05:28:20","slug":"rondo-beethovenhalle-bonn-es-ist-vollbracht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/659051\/","title":{"rendered":"RONDO \/ Beethovenhalle Bonn \u2013 Es ist vollbracht"},"content":{"rendered":"<p>                    Es ist vollbracht                    Nach neun Jahren Generalsanierung er\u00f6ffnet die Bonner Beethovenhalle mit einem langen Festkonzert und prominenten G\u00e4sten.                     <\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/4649.jpg\" class=\"img-fluid w-100\" alt=\"Beethovenhalle Bonn\"\/><\/p>\n<p class=\"mt-2\" style=\"text-align:right; font-style:italic; font-size:0.9em;\">Feierliche Wiederer\u00f6ffnung: das Beethoven Orchester Bonn unter Generalmusikdirektor Dirk Kaftan | \u00a9 nodesign<\/p>\n<p>Ende gut, alles gut? Wenn man so manchen Vertreter der Stadt h\u00f6rt, dann sicherlich. Da ist aber auch eine Menge Zweckoptimismus dabei, denn Pleiten, Pech und Pannen gab es w\u00e4hrend der Sanierung zuhauf, und am Ende gab es auch noch Knatsch um die Vermietung \u2013 jetzt aber steht die teure Halle fertig da und will bespielt werden. Mit einer glanzvollen Er\u00f6ffnung in Gegenwart von Bundespr\u00e4sident Frank-Walter Steinmeier gab es eine Sause nach Ma\u00df f\u00fcr die gute Stube der Bundesrepublik, in der zu Hauptstadtzeiten immerhin vier Bundespr\u00e4sidenten gew\u00e4hlt und zahlreiche Empf\u00e4nge gegeben wurden.<\/p>\n<p>                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/10722_bild1.jpg\" class=\"img-fluid w-100\" alt=\"Elke B\u00fcndenbender, Bundespr\u00e4sident Frank-Walter Steinmeier, Ministerin Ina Brandes, Oberb\u00fcrgermeister Guido D\u00e9us und Generalmusikdirektor Dirk Kaftan im Gespr\u00e4ch\"\/><\/p>\n<p class=\"mt-2\" style=\"text-align:right; font-style:italic; font-size:0.9em;\">\n                                            Elke B\u00fcndenbender, Bundespr\u00e4sident Frank-Walter Steinmeier, Ministerin Ina Brandes, Oberb\u00fcrgermeister Guido D\u00e9us und Generalmusikdirektor Dirk Kaftan im Gespr\u00e4ch                                             |                                             \u00a9 Sascha Engst\/Bundesstadt Bonn                                        <\/p>\n<p>                        Ort demokratischer Kultur<\/p>\n<p>Steinmeier betonte in seiner Rede denn auch die staatstragende Bedeutung der Halle, die als Ort demokratischer Kultur zum nationalen Erbe geh\u00f6re. Er verwies zudem auf das b\u00fcrgerschaftliche Engagement, ohne das die Halle nicht existieren w\u00fcrde, und auf ihren internationalen Charakter. F\u00fcr die UN-Stadt Bonn ist das kein nebens\u00e4chlicher Aspekt: Rund 2200 Handwerker aus 22 Nationen waren an der Sanierung beteiligt. NRW-Kulturministerin Ina Brandes w\u00fcrdigte die Halle als Bauwerk, das selbstbewusst seine Geschichte zeige und zugleich in die Zukunft blicke. Sie zog den Vergleich zur Hamburger Elbphilharmonie und lobte insbesondere die Akustik, die nun zu den besten in Deutschland z\u00e4hlen solle \u2013 eine Einsch\u00e4tzung, die sich allerdings erst noch bewahrheiten muss. Eine architektonische Ikone wie die Elbphilharmonie ist die Beethovenhalle jedenfalls nicht. Trotz ihrer unbestreitbaren historischen Bedeutung bleibt sie eine st\u00e4dtische Mehrzweckhalle. Daran \u00e4ndert auch eine denkmalgerechte, technisch hochger\u00fcstete Generalsanierung nichts.<\/p>\n<p>F\u00fcr einen unfreiwillig heiteren Moment sorgte Bonns neuer Oberb\u00fcrgermeister Guido D\u00e9us, der \u2013 kaum im Amt \u2013 die Hoffnung \u00e4u\u00dferte, Politik und Verwaltung k\u00f6nnten aus den ausufernden Kosten der Sanierung Lehren ziehen. Pikant dabei ist nur, dass ausgerechnet D\u00e9us j\u00fcngst einen geleasten Dienstwagen im Wert von 100 000 Euro samt Chauffeur (j\u00e4hrliche Kosten etwa 57 000 Euro) bestellt hat, nachdem seine Vorg\u00e4ngerin Katja D\u00f6rner aus Spar- und Klimaschutzgr\u00fcnden darauf verzichtet hatte. Immerhin lobte D\u00e9us D\u00f6rners Mut, den externen Projektsteuerer Steffen G\u00f6bel mit ins Boot zu holen, der die verfahrene Lage aufdr\u00f6selte und den sprichw\u00f6rtlichen Gordischen Knoten durchschlug.<\/p>\n<p>                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/10720_bild1.jpg\" class=\"img-fluid w-100\" alt=\"Das Beethoven Orchester Bonn unter Dirk Kaftan spielt zur Wiederer\u00f6ffnung der Beethovenhalle\"\/><\/p>\n<p class=\"mt-2\" style=\"text-align:right; font-style:italic; font-size:0.9em;\">\n                                            Das Beethoven Orchester Bonn unter Dirk Kaftan spielt zur Wiederer\u00f6ffnung der Beethovenhalle                                             |                                             \u00a9 Sascha Engst\/Bundesstadt Bonn                                        <\/p>\n<p>Die Hauptrolle am Er\u00f6ffnungsabend spielte aber die Musik und hier nat\u00fcrlich die des wohl ber\u00fchmtesten Sohnes der Stadt. Die ersten Takte der Ouvert\u00fcre zu \u201eDie Gesch\u00f6pfe des Prometheus\u201c von Ludwig van Beethoven fuhren wie gewaltige Donnerschl\u00e4ge durch den akustisch aufgeh\u00fcbschten und jetzt sehr klar und direkt klingenden Raum. Das Beethoven Orchester Bonn, das war un\u00fcberh\u00f6rbar, hatte nach neun Jahren ohne feste Heimst\u00e4tte einiges nachzuholen. Mit Energie und gro\u00dfem Nachdruck entwarf Dirk Kaftan ein ungemein plastisches und scharf konturiertes Bild des Feuerbringers Prometheus. Im vierten Klavierkonzert Beethovens war mit Fabian M\u00fcller ein Solist von internationalem Rang zu erleben, der zugleich eine enge lokale Verbindung mitbringt: in Bonn aufgewachsen, hier musikalisch sozialisiert, ist er l\u00e4ngst auf den gro\u00dfen Podien der Welt zu Hause.<\/p>\n<p>In der Beethovenhalle erwies sich das Zusammenspiel zwischen M\u00fcller und dem Orchester als ausgesprochen stimmig. Besonders eindrucksvoll geriet der zweite Satz mit seinem scharf profilierten Wechselspiel zwischen kraftvollen Unisoni des Orchesters und lyrischen Antworten des Solisten, ebenso das temperamentvolle Finale. Was hier geboten wurde, bewegte sich tats\u00e4chlich auf Weltklasse-Niveau. Eine geplante Urauff\u00fchrung von Sara Glojnari\u0107 musste zwar aus Zeitgr\u00fcnden entfallen, doch mit ihrem 2022 entstandenen St\u00fcck \u201eEverything, Always\u201c wurde angemessener Ersatz pr\u00e4sentiert. Das Werk versteht sich als offener Arbeitsprozess, der den Entstehungsakt selbst zum Thema macht \u2013 humorvoll, selbstreflexiv und vom Publikum nicht selten schmunzelnd aufgenommen.<\/p>\n<p>                                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/10719_bild1.jpg\" class=\"img-fluid w-100\" alt=\"Ins rechte Licht ger\u00fcckt: die wiederer\u00f6ffnete Beethovenhalle Bonn bei Nacht\"\/><\/p>\n<p class=\"mt-2\" style=\"text-align:right; font-style:italic; font-size:0.9em;\">\n                                            Ins rechte Licht ger\u00fcckt: die wiederer\u00f6ffnete Beethovenhalle Bonn bei Nacht                                             |                                             \u00a9 Sascha Engst\/Bundesstadt Bonn                                        <\/p>\n<p>                        Flotte Tempi, scharfe Details<\/p>\n<p>Den monumentalen Abschluss des mehr als vierst\u00fcndigen Abends bildete Gustav Mahlers Zweite Sinfonie. Wie schon zu Beginn mit der Prometheus-Ouvert\u00fcre besa\u00df auch dieses Werk eine deutliche programmatische Aussage: So wie die Beethovenhalle \u2013 einem Ph\u00f6nix gleich \u2013 aus der Asche neu entstanden ist, richtet Mahlers Musik den Blick auf Erl\u00f6sung und Neubeginn. Die Dramaturgie erwies sich als h\u00f6chst wirkungsvoll. Kaftan lie\u00df die ersten Worte des Chores im Finale (\u201eAufersteh\u2019n, ja aufersteh\u2019n\u2026\u201c) im Sitzen singen, im kaum h\u00f6rbaren Pianissimo, wie aus dem Nichts \u2013 ein Moment, der unter die Haut ging.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt tat Kaftan mit relativ flotten Tempi und schroffen Gegens\u00e4tzen alles, um Mahlers oft als \u00fcberbordend empfundene Partitur von jeglicher Patina zu befreien. Doch er bestand auch auf Transparenz, tastete sich pr\u00e4zise an die schmalen Grenzen zwischen Pathos, Kitsch und Volksmusik heran und \u00fcberzeugte mit einer bemerkenswerten Detailarbeit. Gemeinsam mit dem in jeder Hinsicht gl\u00e4nzend disponierten Beethoven Orchester entstanden zahlreiche pr\u00e4gende Momente: der t\u00e4nzerische Charakter des Andante mit seinem perfekt ausgeh\u00f6rten Schluss, der derb-rustikale Auftakt des burlesken dritten Satzes, in dem die N\u00e4he zur Kirmesmusik mit immensem Drive ausgelotet wurde, oder das gewaltige, dabei stets kontrolliert wirkende Finale. Hervorragend pr\u00e4sentierten sich auch der traumhaft pr\u00e4zise intonierende Bundesjugendchor sowie die beiden Solistinnen: Gerhild Romberger mit nobel zur\u00fcckgenommener Altfarbe im \u201eUrlicht\u201c und Katerina von Benningsen mit einem strahlenden, niemals grellen Sopran.<\/p>\n<p>Dirk Kaftan war es auch, der mit seiner frei gehaltenen Rede die wohl aufrichtigste Ansprache des Abends hielt. Einem von Herzen kommenden \u201eDanke!\u201c folgte ein tief empfundenes \u201eEndlich!\u201c. Der Generalmusikdirektor scheute sich aber auch nicht, unbequeme Fragen zu stellen. \u201eWas soll das?\u201c fragte er provokant und mit Blick ebenso auf die von R\u00fcckschl\u00e4gen, Pannen und Fehlentscheidungen gepr\u00e4gte Baugeschichte der Halle wie auf die immer wieder aufflammende Debatte um die angebliche Abgehobenheit der Hochkultur \u2013 schlie\u00dflich w\u00fcrde die Halle von allen bezahlt, aber nicht von allen genutzt. Kaftans Antwort: \u201eDas ist kein Systemfehler, das ist eine bewusste Entscheidung.\u201c Diese Entscheidung stehe f\u00fcr gesellschaftliche Teilhabe, f\u00fcr ein staatliches Angebot kultureller M\u00f6glichkeiten. Daraus erwachse f\u00fcr Musikerinnen und Musiker aber auch eine enorme Verantwortung \u2013 der man sich bewusst sei. Und wie auch das Programm der Er\u00f6ffnungswoche zeigt, arbeitet man ernsthaft daran, das Versprechen von Vielfalt und inhaltlicher Breite einzul\u00f6sen.<\/p>\n<p>Weitere Informationen und Tickets:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.beethovenhalle.de\/\" target=\"blank\" rel=\"nofollow noopener\">www.beethovenhalle.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es ist vollbracht Nach neun Jahren Generalsanierung er\u00f6ffnet die Bonner Beethovenhalle mit einem langen Festkonzert und prominenten G\u00e4sten.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":659052,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1842],"tags":[1741,63531,145173,3364,29,154020,5609,30,14084,91,30134,2877,143752,1779,810,1209,154023,154022,154021,4638],"class_list":{"0":"post-659051","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-bonn","8":"tag-bonn","9":"tag-cds","10":"tag-classical","11":"tag-de","12":"tag-deutschland","13":"tag-e-paper","14":"tag-fernsehprogramm","15":"tag-germany","16":"tag-jazz","17":"tag-klassik","18":"tag-klassische-musik","19":"tag-magazin","20":"tag-magazine","21":"tag-music","22":"tag-musik","23":"tag-nordrhein-westfalen","24":"tag-ro","25":"tag-rondocd","26":"tag-rondoplus","27":"tag-zeitschrift"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115750249760781520","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/659051","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=659051"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/659051\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/659052"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=659051"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=659051"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=659051"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}