{"id":659111,"date":"2025-12-20T06:03:24","date_gmt":"2025-12-20T06:03:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/659111\/"},"modified":"2025-12-20T06:03:24","modified_gmt":"2025-12-20T06:03:24","slug":"gegenwehr-acht-berliner-buchlaeden-verbuenden-sich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/659111\/","title":{"rendered":"Gegenwehr: Acht Berliner Buchl\u00e4den verb\u00fcnden sich"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Werfen wir mitten im Weihnachts\u00adgesch\u00e4ft einen kurzen Blick auf unsere Art zu leben im fr\u00fchen 21. Jahrhundert \u2013 \u201eThe Way We Live Now\u201c, wie es im unsterblichen Romantitel von Anthony Trollope hei\u00dft. Der alte Viktorianer ver\u00f6ffentlichte sein Buch 1875. Genau 150 Jahre sp\u00e4ter sind wir auf dem Weg zur volldigitalisierten Gesellschaft. Gesch\u00e4tzt 80 Prozent aller Reisenden in Bus und Bahn beugen ihren bedenklich krummen Nacken w\u00e4hrend der Fahrt \u00fcber ein Smartphone. Wir sind auf dem besten Weg, unsere Innenst\u00e4dte zu ver\u00f6den, den Einzelhandel zu killen und unsere Alten von der Kommunikation auszuschlie\u00dfen. Wir betrachten als wichtigste Nachricht, was im Internet \u201eviral geht\u201c, also oft von den frechsten Schreih\u00e4lsen durchs Netz geschossen wird. \u201eFollower\u201c haben Bekannte und Freunde ersetzt.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Zusammenh\u00e4ngende Gespr\u00e4che, jeder wei\u00df es, werden schwieriger, l\u00e4ngere Buchlekt\u00fcre ist f\u00fcr die meisten kaum noch vorstellbar. Soziologen sind dabei, die Digitalisierung nicht nur als gr\u00f6\u00dfte Transformation der Menschengesellschaft seit der indus\u00adtriellen Revolution zu studieren. Sie berechnen auch schon die Sch\u00e4den, und eines l\u00e4sst sich ohne Risiko sagen: Sie sind irreversibel. \u201eTruth Social\u201c, die Plattform des m\u00e4chtigsten Politikers der Erde, w\u00e4re ein guter Ausgangspunkt, um sich ein Bild von digital befeuerter charakterlicher Ver\u00adrohung zu machen.<\/p>\n<p>Raum f\u00fcr Debatten<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Vor diesem schwindelerregend gro\u00dfen Panorama ist die Initiative von acht unabh\u00e4ngigen Berliner Buchhandlungen zu sehen, sich zu einem Verbund zusammenzuschlie\u00dfen, der IG Indie-Buchl\u00e4den (Interessengemeinschaft unabh\u00e4ngiger Buchl\u00e4den Berlin). Die L\u00e4den der Stadtteile Mitte, Kreuzberg, Neuk\u00f6lln und Friedrichshain wollen ihre Bedeutung f\u00fcr die Gesellschaft st\u00e4rker herausstellen. \u201eGesellschaft\u201c bedeutet hier das Gegenteil von Netzgemeinschaft, n\u00e4mlich das Stadtviertel, den Kiez, die Nachbarn links und rechts: konkrete N\u00e4he. Es begann mit einem Stammtisch, an dem ein paar Buchh\u00e4ndlerinnen fanden, sie m\u00fcssten etwas gegen die schlechte Stimmung, die regelm\u00e4\u00dfigen Katastrophenbotschaften in der Buchbranche und die \u00dcbermacht der Internet\u00adriesen tun. Andere schlossen sich an. Weitere k\u00f6nnten folgen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">\u201eWir erleben t\u00e4glich, wie der Raum f\u00fcr Unabh\u00e4ngigkeit in Berlin schrumpft \u2013 in der Literatur, in den Kiezen und im Handel\u201c, schreibt Stefanie Hirsbrunner, Ko-Inhaberin von InterKontinental, in der Pressemitteilung. Nadine Vollmer, Ko-Inhaberin von Die Buchk\u00f6nigin, definiert Buchhandlungen als \u201elokale Kulturorte\u201c, die mehr leisteten als reine Verkaufsarbeit: \u201eWir schaffen R\u00e4ume f\u00fcr pers\u00f6nliche Gespr\u00e4che, generations\u00fcbergreifende Begegnung, Debatte und Inspiration.\u201c Ihre Gesch\u00e4ftspartnerin Caroline Fr\u00f6se erz\u00e4hlt am Telefon, ihre Botschaft solle weder weinerlich noch edukativ r\u00fcberkommen, doch die Leistung m\u00fcsse erkannt werden: Die Buchl\u00e4den dieses Verbunds bieten viele Veranstaltungen unentgeltlich an. Sie kooperieren mit Kultureinrichtungen, k\u00fcmmern sich um Kinder und Jugendliche und f\u00f6rdern die Arbeit kleiner Berliner Verlage, die hier ihre Programme vorstellen k\u00f6nnen. Spenden sind immer willkommen; an gro\u00dfe Profite ist nicht zu denken.<\/p>\n<p>Der Buchladen ist ein Organismus<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Vor dreizehn Jahren kauften noch knapp 37 Prozent der deutschen Bev\u00f6lkerung gelegentlich ein Buch. Im letzten Jahr waren es keine 25 Prozent mehr. Diese Kurve neigt sich sanft, aber unaufhaltsam nach unten \u2013 bei insgesamt steigenden Ums\u00e4tzen, von denen der klassische Sortimentsbuchhandel aber nur noch gut vierzig Prozent abbekommt. Den Abstieg von Bildung und Lesekultur braucht man nicht weiter zu kommentieren, das \u201eBuchhandlungssterben\u201c geh\u00f6rt zu den \u00fcblichen Wirtschaftsnachrichten.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Gesine Tosin, Inhaberin des about bookshops, erz\u00e4hlt im Gespr\u00e4ch mit der F.A.Z., viele Menschen w\u00fcssten gar nicht mehr, wie eine Buchhandlung \u00fcberhaupt funktioniert. Die promovierte Kunsthistorikerin w\u00fcrde im Verbund mit ihren Kolleginnen gern zeigen, was dieser Kulturort bedeutet, wie wichtig Geschichten f\u00fcr unser Leben sind und dass wir sie am besten im Austausch mit anderen verankern. Die Buchh\u00e4ndlerin verhehlt nicht, dass sie und ihre Kolleginnen eines gemeinsam haben: Sie sind bereit, viel Kraft und Zeit zu investieren. \u201eDer Buchladen ist ein Organismus\u201c, sagt Gesine Tosin.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Wenn er bedroht ist, k\u00f6nnte man erg\u00e4nzen, sammelt er seine Kr\u00e4fte und leistet Gegenwehr. Wie jetzt in Berlin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Werfen wir mitten im Weihnachts\u00adgesch\u00e4ft einen kurzen Blick auf unsere Art zu leben im fr\u00fchen 21. 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