{"id":659275,"date":"2025-12-20T07:49:20","date_gmt":"2025-12-20T07:49:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/659275\/"},"modified":"2025-12-20T07:49:20","modified_gmt":"2025-12-20T07:49:20","slug":"junge-italiener-nach-deutschland-wie-damals-die-gastarbeiter-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/659275\/","title":{"rendered":"Junge Italiener: Nach Deutschland &#8211; wie damals die &#8222;Gastarbeiter&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/gastarbeiter-italien-102.jpg\" alt=\"Eine Gruppe der ersten 86 italienischen Gastarbeiter w\u00e4hrend eines Aufenthalts auf dem Hauptbahnhof in Hannover, aufgenommen am 16.01.1962.\" title=\"Eine Gruppe der ersten 86 italienischen Gastarbeiter w\u00e4hrend eines Aufenthalts auf dem Hauptbahnhof in Hannover, aufgenommen am 16.01.1962. | picture alliance \/ dpa\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 20.12.2025 07:49 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>70 Jahre nach dem ersten Anwerbeabkommen ist Deutschland bei Italienern Auswanderungsland Nr. 1, vor allem bei gut Ausgebildeten. Es geht um Berufsperspektiven &#8211; und liegt vielleicht auch an den Erinnerungen der ersten &#8222;Gastarbeiter&#8220;.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                    <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/lisa-weiss-102.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                        <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Lisa Wei\u00df\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/weiss-110.jpg\"\/><br \/>\n                                    <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Im Anf\u00e4ngerkurs Deutsch beim Goethe-Institut in Rom geht es an diesem Tag um das Thema Essen und Trinken. Etwa ein Dutzend Menschen jeden Alters sitzt Lehrerin Stephanie Schulze gegen\u00fcber, die Worte Hamburger, K\u00e4se, Salat, Kaffee machen die Runde.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Livia will bald \u00fcber mehr sprechen k\u00f6nnen als nur \u00fcbers Essen. Die 26-j\u00e4hrige R\u00f6merin ist seit kurzem fertig mit dem Studium und sucht einen Job als Ingenieurin in Deutschland. Am liebsten in Berlin, aber Hamburg oder M\u00fcnchen w\u00e4ren auch okay.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Livia reizt das Ausland, sie sei als Studentin mit dem Erasmus-Programm in Oslo gewesen und nach dem Studium einige Monate in Deutschland, erz\u00e4hlt sie. Die deutsche Ingenieurskunst habe einen guten Ruf &#8211; aber haupts\u00e4chlich geht es ihr doch ums Geld und um eine Perspektive.<\/p>\n<p>    Auswanderungs-Ziel Nummer 1<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Hier in Italien machst du deinen Uni-Abschluss und dann f\u00e4ngst du irgendein Praktikum an, f\u00fcr das du nicht mal 1.000 Euro im Monat bekommst. Als ich mich im Ausland umgeschaut habe, ist mir klar geworden, dass du da f\u00fcr Einstiegs-Positionen wirklich Geld bekommst, also, wie f\u00fcr einen normalen Job.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Also hat sie sich in Deutschland beworben &#8211; und festgestellt, ohne Deutschkenntnisse wird&#8217;s schwer. Deshalb sitzt sie hier im Kurs, genau wie auch ein anderer junger Ingenieur.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Deutschland war im vergangenen Jahr das Auswanderungs-Ziel Nummer 1 f\u00fcr Italienerinnen und Italiener, das geht aus dem Bericht &#8222;Italiener in der Welt&#8220; der Fondazione Migrantes der italienischen Bischofskonferenz hervor. Und: Im vergangenen Jahr sind so viele Italienerinnen und Italiener ausgewandert wie noch nie in den vergangenen 20 Jahren.<\/p>\n<p>    Erste Kandidaten, handverlesen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das Ph\u00e4nomen der Auswanderung von Italien nach Deutschland ist nicht neu. In der Bundesrepublik der 1950er- und 1960er-Jahre brummte die Wirtschaft, und im so genannten Wirtschaftswunderland fehlten die Arbeitskr\u00e4fte, w\u00e4hrend in Italien die Arbeitslosigkeit hoch war. Deshalb schloss die Bundesrepublik am 20. Dezember 1955 das erste Anwerbeabkommen ab, eben mit Italien.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Wenige Monate sp\u00e4ter, im April 1956, kamen die ersten so genannten Gastarbeiter nach Deutschland. In Emigrationszentren in Verona und Neapel w\u00e4hlte eine deutsche Kommission die passenden Kandidaten f\u00fcr freie Stellen in Deutschland aus den italienischen Bewerbern aus. Sp\u00e4ter konnten sich Italienerinnen und Italiener auch direkt in Deutschland bewerben.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Eigentlich sollten die Gastarbeiter nur begrenzte Zeit in Deutschland bleiben und dann wieder zur\u00fcckkehren. Viele holten aber ihre Familien nach und lie\u00dfen sich dauerhaft in Deutschland nieder.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die aktuellsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen: 2024 lebten immer noch 67.000 ehemalige Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter aus Italien in Deutschland, die zwischen 1955 und 1973 &#8211; da endete die Anwerbephase &#8211; eingewandert waren, um zu arbeiten. Andere sind zur\u00fcckgegangen.<\/p>\n<p>    &#8222;Es reichte f\u00fcrs Essen und ab und zu f\u00fcrs Kino&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">So wie Agostino de Stefano. Er ist heute 88 Jahre alt, wohnt im Corviale, einem riesigen Hochhaus am Stadtrand von Rom. In den 1960er-Jahren arbeitete er in der N\u00e4he von Stuttgart, zun\u00e4chst auf dem Bau, sp\u00e4ter als Automechaniker.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In Kampanien hatte er keinen Job gefunden, mit dem er seine Frau und seinen kleinen Sohn ern\u00e4hren konnte, also suchte er sein Gl\u00fcck in Deutschland. Der Anfang sei nicht leicht gewesen, sagt er. In den ersten 18 Monaten habe das Geld f\u00fcr einen Heimaturlaub nicht gereicht. &#8222;Das bisschen, was ich in meiner Anstellung verdient habe, habe ich meiner Frau geschickt. Und ich habe davon gelebt, was ich nebenher verdient habe. Das reichte f\u00fcrs Essen und ab und zu f\u00fcrs Kino.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Als er noch kein Deutsch konnte, sei er oft beschimpft worden, erz\u00e4hlt er. Aber mit der Zeit habe er die Sprache gelernt, ganz ohne Sprachkurs, an einige Worte erinnert er sich bis heute.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Die deutsche K\u00fcche der fr\u00fchen 1960er-Jahre war f\u00fcr viele &#8222;Gastarbeiter&#8220; schwer verdaulich. Immerhin gab es, wie hier 1962 in Wolfsburg, schon damals Spaghetti.\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Und mit den Deutschen habe er sich am Ende gut verstanden. Sie h\u00e4tten ihn als flei\u00dfigen Arbeiter gesch\u00e4tzt, sagt er, er sei sogar Vorarbeiter geworden. Und auch, wenn er sich ans deutsche Essen nie gew\u00f6hnt und immer italienisch gekocht habe, habe er sich irgendwann doch vorstellen k\u00f6nnen, in Deutschland zu bleiben.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Eine kleine Wohnung zur Miete, ein Zimmer, Bad, K\u00fcche &#8211; das war seine Vorstellung. Das Kind sollte bei der Schwiegermutter in Italien bleiben. Aber dann sei seine Frau krank geworden, viereinhalb Jahre lang. &#8222;Und irgendwann war klar, das kann so nicht weitergehen, und ich musste eine Entscheidung treffen. Und ich habe gek\u00fcndigt und bin zur\u00fcck nach Italien. Aber Arbeit habe ich erst mal keine gefunden.&#8220;<\/p>\n<p>    Vertrauen auf eine R\u00fcckkehr<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Keine Perspektive in Italien, daf\u00fcr attraktive Jobm\u00f6glichkeiten in Deutschland &#8211; in gewisser Weise klingen die Geschichten des 88-j\u00e4hrigen Arbeiters Agostino und der 26-j\u00e4hrigen Ingenieurin Livia ziemlich \u00e4hnlich, obwohl so viele Jahrzehnte dazwischenliegen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Aber f\u00fchlt sich Livia auch als k\u00fcnftige Gastarbeiterin? Ja, sagt sie, &#8222;irgendwie schon. Aber ich will daran glauben, dass ich viel privilegierter bin, weil meine Familie hinter mir steht. Wenn es in Deutschland nicht gut laufen sollte, kann ich nach Italien zur\u00fcck und dann einen anderen Job im Ausland suchen. Bei den Gastarbeitern damals war das nicht so&#8220;.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Mehr Perspektiven, gerade f\u00fcr junge Leute in Italien, w\u00fcnscht sie sich trotzdem. Damit junge Italienerinnen und Italiener sich wirklich frei entscheiden k\u00f6nnen, ob sie ins Ausland gehen &#8211; oder doch lieber bleiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 20.12.2025 07:49 Uhr 70 Jahre nach dem ersten Anwerbeabkommen ist Deutschland bei Italienern Auswanderungsland Nr. 1, vor&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":659191,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[70121,29,30,13,355,14,15,12,10,8,9,11],"class_list":{"0":"post-659275","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-deutschland","8":"tag-auswanderung","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-headlines","12":"tag-italien","13":"tag-nachrichten","14":"tag-news","15":"tag-schlagzeilen","16":"tag-top-news","17":"tag-top-meldungen","18":"tag-topmeldungen","19":"tag-topnews"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115750802077513375","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/659275","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=659275"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/659275\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/659191"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=659275"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=659275"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=659275"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}