{"id":659487,"date":"2025-12-20T09:57:13","date_gmt":"2025-12-20T09:57:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/659487\/"},"modified":"2025-12-20T09:57:13","modified_gmt":"2025-12-20T09:57:13","slug":"advent-am-hauptbahnhof-streetworkerinnen-begleiten-wohnungslose-menschen-in-nuernberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/659487\/","title":{"rendered":"Advent am Hauptbahnhof: Streetworkerinnen begleiten wohnungslose Menschen in N\u00fcrnberg"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Wenn alle von einer gem\u00fctlichen, ruhigen und warmen Adventszeit sprechen, st\u00fcrzen Menschen mit psychischen Krankheiten h\u00e4ufig in Krisen&#8220;, sagt Michelle Ja\u00df. Die Streetworkerin erlebt gerade jetzt wohnungslose Klienten, die der adventliche Trubel im Hauptbahnhof in N\u00fcrnberg besonders herunterzieht.<\/p>\n<p>Ja\u00df und ihre Kollegin Annika Zitzmann erkl\u00e4ren Menschen, die kein Dach \u00fcber dem Kopf haben, wie es zur n\u00e4chsten Notschlafstelle geht oder bringen sie kurzerhand selbst dort hin. &#8222;Wir gucken einfach, dass sie nicht erfrieren.&#8220; Aber alles beruht auf Freiwilligkeit, die Menschen entscheiden selbst. &#8222;Wenn sie nicht wollen, ziehen wir uns zur\u00fcck&#8220;, erkl\u00e4rt Zitzmann. Allerdings ist die Adventszeit auch die Zeit, in der die Klienten ihre Hilfeangebote seltener ablehnen.<\/p>\n<p>Die Passanten auf ihrem Weg zum und vom Christkindlesmarkt zwischen den U-Bahneing\u00e4ngen, Drogerien und Imbissl\u00e4den interessieren Annika Zitzmann und &#8222;Mickey&#8220; Ja\u00df nicht. Sie suchen die Menschen, die kein Obdach haben. &#8222;Wir kennen unsere Klienten und gehen daher mit einem Tunnelblick durch den Bahnhof.&#8220; Mit manchen der Betroffenen &#8211; zu 80 Prozent sind es M\u00e4nner &#8211; verst\u00e4ndigen sich die Streetworkerinnen mit Pantomime und \u00dcbersetzungs-Apps. &#8222;Die Stadt hat eine Unterbringungspflicht&#8220;, erkl\u00e4rt Zitzmann. F\u00fcr jeden m\u00fcsse zumindest ein Feldbett aufgestellt oder ein Platz f\u00fcr seine Isomatte gefunden werden.<\/p>\n<p>In N\u00fcrnberg etwa 2.500 Wohnungslose<\/p>\n<p>Ja\u00df und Zitzmann arbeiten f\u00fcr das vor neun Monaten gestartete Modellprojekt &#8222;Bahnhofsl\u00e4ufer*innen&#8220; der Stadtmission N\u00fcrnberg am Brennpunkt Hauptbahnhof. Im Sommer suchten sie obdachlose Menschen auch in den umliegenden Parks, aber im Winter sind die meisten Klienten im Bahnhof anzutreffen. Von den rund 45.000 Wohnungslosen in Bayern leben etwa 2.500 in N\u00fcrnberg. 100 Menschen sind dauerhaft auf der Stra\u00dfe.<\/p>\n<p>&#8222;Aufsuchende Sozialarbeit und niedrigschwellige Sozialberatung&#8220;, beschreibt Zitzmann ihre Aufgabe. &#8222;Manchen Menschen sieht man Wohnungslosigkeit nicht an&#8220;, erg\u00e4nzt Kollegin Ja\u00df, &#8222;andere sind verwahrlost, psychisch und k\u00f6rperlich im Ausnahmezustand.&#8220; Sie begegnen Suchtkranken und Kranken, verweisen auf die Stra\u00dfenambulanz, die in N\u00fcrnberg Menschen ohne Krankenkassenkarte medizinisch versorgt, oder rufen einen Rettungswagen zum Nottransport ins Klinikum. Manche der Wohnungslosen schaffen es nicht, sich aus eigener Kraft bei einer Beh\u00f6rde zu melden. &#8222;Dann begleite ich die Person zu einem Termin bei \u00c4mtern&#8220;, berichtet Ja\u00df.<\/p>\n<p>Im ersten halben Jahr des Projekts haben die beiden gut 1.200 Kontakte gehabt, 50 Personen z\u00e4hlen sie zum harten Kern ihrer Klienten. Darunter sind auch Menschen, die noch gar nicht mit dem bestehenden Hilfsangebot in Kontakt gekommen sind. Es gibt Wohnungslose, die sich nicht eingestehen, dass sie selbst ohne Obdach sind. Oder es gibt die, die schlechte Erfahrungen gemacht haben. Kontinuierliche Beziehungsarbeit, bis ihnen die Leute vertrauen, sei ihr t\u00e4glich Brot, erkl\u00e4ren die Streetworkerinnen. &#8222;Jeder Klient bestimmt selbst das Tempo beim Beziehungsaufbau&#8220;, sagt Zitzmann.<\/p>\n<p>Sorgenfalten wegen Finanzierung des Projekts<\/p>\n<p>Das Streetwork-Modellprojekt hat die Stadtmission N\u00fcrnberg entwickelt, um Menschen in den unterschiedlichsten Notlagen besser mit den bestehenden Hilfsangeboten zu verkn\u00fcpfen. Mitinitiator Andreas Bott, Einrichtungsleiter &#8222;Hilfen f\u00fcr Menschen in Wohnungsnot&#8220; bei der Stadtmission, sagt, das Angebot sei nicht mehr wegzudenken. Man wolle das Leben wohnungs- und obdachloser Menschen stabilisieren und gleichzeitig die sichtbare Obdachlosigkeit reduzieren. Leicht messbar ist der Erfolg der &#8222;Bahnhofsl\u00e4ufer*innen&#8220; nicht. Aber die Stra\u00dfenambulanz hat durch sie Kontakt zu bisher nicht bekannten Klienten. Man bekomme durch das Pilotprojekt auch bisher fehlende Daten.<\/p>\n<p>&#8222;Das zweij\u00e4hrige Projekt hat Aufmerksamkeit verdient&#8220;, sagt der Chef der Stadtmission, Kai St\u00e4hler. Denn &#8222;Verdr\u00e4ngung und Vertreibung sind bei Obdachlosigkeit keine L\u00f6sung&#8220;. Angesichts leerer Kassen der Kommunen sorgt er sich um eine solide Finanzierung. 132.000 Euro erh\u00e4lt die Stadtmission aus einem F\u00f6rdertopf des Bayerischen Sozialministeriums. Eine Stiftung der Diakonie Bayern hat sich zudem beteiligt. &#8222;Aber wir bringen auch selbst Geld mit, damit wir diese Arbeit \u00fcberhaupt machen k\u00f6nnen&#8220;, sagt St\u00e4hler.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&#8222;Wenn alle von einer gem\u00fctlichen, ruhigen und warmen Adventszeit sprechen, st\u00fcrzen Menschen mit psychischen Krankheiten h\u00e4ufig in Krisen&#8220;,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":659488,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1837],"tags":[772,3364,29,30,3783,5266,1458,32165],"class_list":{"0":"post-659487","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nuernberg","8":"tag-bayern","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-nuernberg","13":"tag-obdachlose","14":"tag-soziales","15":"tag-wohnungslosigkeit"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115751304928813846","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/659487","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=659487"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/659487\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/659488"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=659487"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=659487"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=659487"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}