{"id":660545,"date":"2025-12-20T21:06:16","date_gmt":"2025-12-20T21:06:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/660545\/"},"modified":"2025-12-20T21:06:16","modified_gmt":"2025-12-20T21:06:16","slug":"warum-eine-polizistin-300-opfer-angerufen-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/660545\/","title":{"rendered":"Warum eine Polizistin 300 Opfer angerufen hat"},"content":{"rendered":"<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Fast zehn Jahre ist es her, als Anja Kleck und ihre Kollegen telefonierten. Und telefonierten. Und telefonierten. Mehrere hundertmal griffen die Opferschutzbeauftragte der K\u00f6lner <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/polizei\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Polizei<\/a> und ihr Team zum H\u00f6rer. Alle bekannten Opfer der \u201eK\u00f6lner Silvesternacht\u201c sollten einen Anruf erhalten. \u00dcberwiegend Frauen waren in der Nacht des 31. Dezember 2015 begrapscht und beklaut worden. Die Taten spielten sich vor allem zwischen Hauptbahnhof und K\u00f6lner Dom ab. In den Wochen und Monaten danach erstatteten laut K\u00f6lner Staatsanwaltschaft 1.04 Personen Anzeige; 661 davon wegen sexueller \u00dcbergriffe. In 28 F\u00e4llen ging es um \u201eversuchte oder vollendete\u201c Vergewaltigungen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eDas waren Dimensionen, die habe ich noch nicht erlebt\u201c, sagt Kleck r\u00fcckblickend. Die 55-J\u00e4hrige ist seit 2014 Opferschutzbeauftragte der K\u00f6lner Polizei. Zuvor arbeitete sie viele Jahre im Kriminalkommissariat f\u00fcr Sexualdelikte. Gewalt, Missbrauch, Vergewaltigung &#8211; als Ermittlerin hat sie viel gesehen. An ihrem neuen Amt mag sie den Perspektivwechsel. Dass sie den Opfern nicht mehr so viel abverlangen muss, etwa bei Vernehmungen oder Begleitungen zu gyn\u00e4kologischen Untersuchungen. Dass sie ab und zu ein \u201eDanke\u201c h\u00f6rt. \u201eViele rechnen gar nicht mit so einer Unterst\u00fctzung.\u201c<\/p>\n<p>Normale Reaktion auf unnormales Ereignis      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Nach der \u201eK\u00f6lner Silvesternacht\u201c bestand Klecks Hauptaufgabe im Telefonieren. Im Zuh\u00f6ren, wie es den Frauen geht. Im Weitervermitteln an Traumaambulanzen und Fachberatungsstellen. Im Aufkl\u00e4ren \u00fcber Opferrechte. Die meisten Frauen, mit denen sie sprach, h\u00e4tten einen stabilen Eindruck gemacht. \u201eIch bin ja zeitversetzt an die Menschen herangetreten\u201c, sagt die Kriminalhauptkommissarin. \u201eViele konnten in der Zwischenzeit mit Familie und Freunden \u00fcber das Erlebte sprechen. Da gab es oft die Reaktion: Ja, das war kein sch\u00f6nes Ereignis, aber ich habe das gut verkraftet, und ich ben\u00f6tige im Moment keine Hilfe.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Einige der Frauen seien aber durchaus noch ver\u00e4ngstigt gewesen und h\u00e4tten etwa unter Schlafst\u00f6rungen gelitten. \u201eDann habe ich erl\u00e4utert, dass das ganz normale Reaktionen sind auf dieses unnormale Ereignis, das sie erleben mussten. Das hilft vielen Menschen dabei, das einzuordnen\u201c, erkl\u00e4rt Kleck. Wenn Angstsymptome jedoch nicht besser w\u00fcrden &#8211; und sie sollten jeden Tag ein wenig besser werden &#8211; sei professionelle Hilfe n\u00f6tig. In einigen F\u00e4llen habe sie Frauen direkt an Traumaambulanzen und Fachberatungsstellen vermittelt. So h\u00e4tten die Opfer nicht selbst anrufen und das Erlebte schildern m\u00fcssen. \u201eDas ist oftmals eine gro\u00dfe H\u00fcrde.\u201c<\/p>\n<p>Viele Telefonate und Hausbesuche nach \u201eK\u00f6lner Silvesternacht\u201c      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">All ihren Gespr\u00e4chspartnerinnen bot Kleck einen Hausbesuch an. Das sei eigentlich nicht die Regel. Doch die \u201eK\u00f6lner Silvesternacht\u201c sei ein herausragendes Ereignis gewesen, \u201ewo es uns ein ganz gro\u00dfes Anliegen war, den Menschen pers\u00f6nliche Angebote zu unterbreiten\u201c. Zwei besonders betroffene Frauen h\u00e4tten das auch angenommen. Zu Hause habe sie ihnen Hilfsangebote vorgestellt, Opferrechte erkl\u00e4rt &#8211; und anschlie\u00dfend den Kontakt zu Traumaambulanzen hergestellt.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Zust\u00e4ndig f\u00fcr die Opferkontakte war Kleck gemeinsam mit ihrem damaligen Kollegen. Wegen der hohen Anzahl an Betroffenen unterst\u00fctzte sie zudem der Opferschutzbeauftragte aus Bonn. Kleck alleine rief rund 300 Telefonnummern durch &#8211; alle Betroffenen aus K\u00f6ln und Leverkusen. Ihre Kollegen informierten die Polizeidienststellen an den Wohnorten der \u00fcbrigen Gesch\u00e4digten. Die dortigen Beamten griffen ebenfalls zum H\u00f6rer.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Wer nicht ranging, erhielt eine E-Mail. Wer auf die Mail nicht antwortete, bekam Post. Klecks Team arbeitete auch am Wochenende. Insgesamt wurden den Angaben zufolge mehr als 1000 Opfer kontaktiert, und ihnen wurde Hilfe angeboten. Das dauerte rund drei Monate, wie sich die Wahl-K\u00f6lnerin erinnert.<\/p>\n<p>Kritik an Polizeieinsatz in \u201eK\u00f6lner Silvesternacht\u201c 2015      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Unterdessen arbeitete die Staatsanwaltschaft ebenfalls unter Hochdruck. 335 Beschuldigte konnten im Zusammenhang mit der Tatnacht namentlich ermittelt werden. \u00dcberwiegend handelte es sich um junge M\u00e4nner aus Algerien und <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/marokko\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Marokko<\/a>. Das f\u00fchrte schnell zu einer scharfen Debatte \u00fcber Migration und Asyl.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Auch an der K\u00f6lner Polizei wurde Kritik laut. Der Einsatz sei chaotisch verlaufen, die Beamten seien \u00fcberfordert gewesen. In den Monaten danach verst\u00e4rkte die Polizei ihre Pr\u00e4senz bei Gro\u00dfveranstaltungen, etwa beim Karneval 2016. \u201eNat\u00fcrlich hat man alles daran gesetzt, dass sich so etwas nicht wiederholt\u201c, sagt Kleck. \u201eDas hat gegriffen. Ich glaube, dass die &#8218;K\u00f6lner Silvesternacht&#8216; ein einmaliges Ereignis bleiben wird.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Fast zehn Jahre ist es her, als Anja Kleck und ihre Kollegen telefonierten. Und telefonierten. Und telefonierten. 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