{"id":661021,"date":"2025-12-21T01:52:14","date_gmt":"2025-12-21T01:52:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/661021\/"},"modified":"2025-12-21T01:52:14","modified_gmt":"2025-12-21T01:52:14","slug":"gedenken-nach-anschlag-merz-in-magdeburg-auch-wut-und-zorn-duerfen-sein-im-auge-von-grausamen-verbrechen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/661021\/","title":{"rendered":"Gedenken nach Anschlag: Merz in Magdeburg \u2013\u00a0\u201eAuch Wut und Zorn d\u00fcrfen sein im Auge von grausamen Verbrechen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Ein Jahr nach dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt wurde der Opfer und Angeh\u00f6rigen gedacht. Bundeskanzler Merz zeigt Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Wut und Zorn. Dem Vater des get\u00f6teten Kindes ist wenig nach Weihnachten oder offiziellem Gedenken zumute.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Bundeskanzler Friedrich Merz hat Opfern und Angeh\u00f6rigen des Anschlags auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt anhaltende Unterst\u00fctzung der Bundesregierung zugesagt. \u201eWir stehen an Ihrer Seite, heute und in Zukunft. Und wenn es daran fehlen sollte, dann sind wir auch heute noch aufgerufen, dies zu korrigieren und dies zu verbessern\u201c, sagte der CDU-Politiker bei einer Gedenkveranstaltung ein Jahr nach der Tat.<\/p>\n<p>Die \u201eschreckliche Gewalttat\u201c vom 20. Dezember 2024 \u00fcberschatte auch Weihnachten in diesem Jahr, sagte Merz. In der gemeinsamen Trauer k\u00f6nnten Trost und Kraft liegen. Aber: \u201eAuch Wut und Zorn d\u00fcrfen sein im Auge von grausamen Verbrechen, wie dieses eines war\u201c, betonte Merz.<\/p>\n<p>Deutschland sei ein Land, \u201edas nichts h\u00f6her stellt als den Menschen, jeden Einzelnen, als das Leben eines Menschen.\u201c Es gehe darum, einander bedingungslos Anteilnahme zu schenken, wo Unrecht geschehe, zusammenzustehen, wo Gewalt ausbreche, und beharrlich denen beizustehen, die Gewalt erleben. <\/p>\n<p>Haseloff: \u201eWir kapitulieren nicht vor dem Terror\u201c<\/p>\n<p>Sachsen-Anhalts Ministerpr\u00e4sident Reiner Haseloff (CDU) best\u00e4rkte die Menschen darin, sich nicht dauerhaft von den Geschehnissen einschr\u00e4nken zu lassen. \u201eWir haben Verletzlichkeit erfahren, aber wir d\u00fcrfen nicht Verletzte bleiben. Darum ist es ein wichtiges Zeichen, dass der Weihnachtsmarkt in Magdeburg nur wenige Meter von hier auch in diesem Jahr stattfindet\u201c, sagte Haseloff vor mehreren Hundert Betroffenen. \u201eWir kapitulieren nicht vor dem Terror, wir leben unser Leben und unsere Traditionen.\u201c<\/p>\n<p>Die Tat habe die Stadt und das Land ver\u00e4ndert, so der Ministerpr\u00e4sident. \u201eDie Wunden sind bis heute nicht verheilt, der Schrecken ist noch allgegenw\u00e4rtig.\u201c Er erinnerte an die gro\u00dfe Welle der Solidarit\u00e4t nach dem Anschlag und dankte den zahlreichen freiwilligen Helfern sowie den Rettungskr\u00e4ften. \u201eUnser Miteinander beruht auf gegenseitigem Vertrauen, der Achtung vor der unantastbaren Menschenw\u00fcrde und der N\u00e4chstenliebe.\u201c Attent\u00e4ter w\u00fcrden mit aller H\u00e4rte des Gesetzes zur Verantwortung gezogen, \u201eaber wir d\u00fcrfen unsere Freiheit und W\u00fcrde nicht preisgeben, indem wir Hass in unseren Herzen Raum geben\u201c.<\/p>\n<p>Der Angriff vor einem Jahr habe in der Stadt tiefe Wunden hinterlassen, sichtbare, unsichtbare, pers\u00f6nliche, famili\u00e4re und gesellschaftliche, sagte Oberb\u00fcrgermeisterin Simone Borris (parteilos). Den Betroffenen und Angeh\u00f6rigen sagte sie: \u201eSie tragen Lasten, die man nicht ablegen kann.\u201c Aber niemand solle mit seinem Schmerz allein bleiben.<\/p>\n<p>\u201eEs ist schwierig. Mein Kind ist tot\u201c, sagt der Vater<\/p>\n<p>F\u00fcr den Tag des Gedenkens blieb der Markt geschlossen. Um 19.02 Uhr, zur Tatzeit vor einem Jahr, l\u00e4uteten die Kirchenglocken der Stadt. Am Abend gab es eine lange Lichterkette rund um den Tatort. An der Mahnwache nahm auch Marco Glei\u00dfner teil, dessen neunj\u00e4hriger Sohn Andr\u00e9 bei der Amokfahrt get\u00f6tet wurde.<\/p>\n<p>\u201eWir haben keine Lust auf Weihnachten, haben auch nichts dekoriert\u201c, sagte der 47-J\u00e4hrige der Katholischen Nachrichtenagentur. F\u00fcr seine Trauer findet er schwer Worte: \u201eEs ist schwierig. Mein Kind ist tot.\u201c Die \u00c4rzte h\u00e4tten ihm eine posttraumatische Belastungsst\u00f6rung attestiert.<\/p>\n<p>Den Weihnachtsmarkt habe er dieses Jahr gemieden, sagt Glei\u00dfner, der noch vier weitere Kinder hat: \u201eEs ist schwer, das alles zu sehen. Und ich habe auch Angst, dass wieder etwas passiert.\u201c Den Tag will er an der Mahnwache verbringen. Da m\u00fcsse er niemandem etwas erkl\u00e4ren. \u201eUnd in den Gottesdienst gehe ich. Auf die Gedenkstunde mit dem Bundeskanzler habe ich eigentlich keinen Bock.\u201c Er sei von den Beh\u00f6rden entt\u00e4uscht.<\/p>\n<p>Vor der Johanniskirche nahe dem Tatort brennen an diesem grau verhangenen Tag viele Kerzen, Menschen legen Blumen und Kuscheltiere nieder, verharren kurz. Viele haben kleine Gedenksteine bemalt. \u201eWarum?\u201c ist darauf immer wieder zu lesen. Jutta, Kathleen, Nadine, Andr\u00e9, Birgit und Rita \u2013 die Vornamen der sechs Todesopfer werden im Gedenkgottesdienst verlesen. F\u00fcr jedes von ihnen haben die Angeh\u00f6rigen Gedenkplatten gestaltet, die nahe dem Tatort im Boden eingelassen wurden. \u201eAus dem Leben entrissen! Niemals werden wir vergessen!\u201c steht auf einer.<\/p>\n<p>\u201eNach einem Jahr merken wir, dass die Finsternis immer noch da ist: Da sind L\u00fccken, die der Verlust eines Menschen in Familien und Freundeskreise gerissen hat und sich nicht einfach wieder schlie\u00dfen. Unz\u00e4hlige tragen Verletzungen an K\u00f6rper und Seele, die so schnell nicht heilen\u201c, sagte der katholische Bischof Gerhard Feige im Gedenkgottesdienst vor rund 250 Anwesenden. \u201eDas Leben ist ein anderes, es ist ein St\u00fcck dunkler geworden.\u201c<\/p>\n<p>Ersthelfer schildern Chaos und Leid nach der Amokfahrt<\/p>\n<p>Peggy Litzrodt war damals als Ersthelferin vor Ort und schildert, wie die Schreckenstat die fr\u00f6hliche Weihnachtsmarktatmosph\u00e4re zerschnitt: \u201eMan sah pl\u00f6tzlich Menschen herumschleudern. Und dann brach es aus, das Chaos. Schreie, unendliche Schreie. Menschen lagen kreuz und quer auf dem Boden und schrien vor Schmerzen. Man sieht Blut, verdrehte Gliedma\u00dfen und alle schreien. Wem hilft man da zuerst?\u201c<\/p>\n<p>Neben ihr berichten weitere Zeugen eindrucksvoll im Gottesdienst von ihren Erinnerungen. Der Chefarzt der Unfallchirurgie im benachbarten Stendal, Senat Krasnici, erz\u00e4hlt, wie ihm per Anruf ein \u201eGro\u00dfschadensereignis\u201c mit vielen Schwerverletzten angek\u00fcndigt wurde. Als er realisierte, worum genau es sich handelte, war es wie ein D\u00e9j\u00e0-vu: \u201eBeim Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin 2016 habe ich als Arzt in der Charit\u00e9 gearbeitet und auch damals die Opfer versorgt.\u201c<\/p>\n<p>Seit Mitte November l\u00e4uft am Landgericht der <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/article69259e26913af3ed1363eed6\/magdeburg-eskalation-im-prozess-spezialkraefte-ueberwaeltigen-todesfahrer.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/article69259e26913af3ed1363eed6\/magdeburg-eskalation-im-prozess-spezialkraefte-ueberwaeltigen-todesfahrer.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mammutprozess mit \u00fcber 180 Nebenkl\u00e4gern gegen den Todesfahrer<\/a>. Dieser ist gest\u00e4ndig, zeigt aber keine Reue. Er war vor einem Jahr mit einem Auto \u00fcber den Weihnachtsmarkt gerast, ein neunj\u00e4hriger Junge und f\u00fcnf Frauen im Alter von 45 bis 75 Jahren starben, mehr als 300 Menschen wurden verletzt. Anfang der Woche schilderten mehrere Zeugen im Prozess sehr ergreifend, wie der Anschlag sie und ihre Familie getroffen habe und bis heute belaste \u2013 mit schweren Verletzungen, k\u00f6rperlichen und psychischen Folgen.<\/p>\n<p>dpa\/AFP\/KNA\/jho\/sebe<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein Jahr nach dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt wurde der Opfer und Angeh\u00f6rigen gedacht. 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