{"id":661291,"date":"2025-12-21T04:52:19","date_gmt":"2025-12-21T04:52:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/661291\/"},"modified":"2025-12-21T04:52:19","modified_gmt":"2025-12-21T04:52:19","slug":"meyer-werft-warum-ein-haudegen-aus-der-luftfahrtbranche-die-werft-leiten-soll","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/661291\/","title":{"rendered":"Meyer Werft: Warum ein Haudegen aus der Luftfahrtbranche die Werft leiten soll"},"content":{"rendered":"<p>Seit langer Zeit arbeitet Andr\u00e9 Walter f\u00fcr Airbus, im kommenden Jahr soll er die F\u00fchrung der gr\u00f6\u00dften deutschen Werft f\u00fcr den zivilen Schiffbau \u00fcbernehmen. Die Herausforderungen \u00e4hneln sich \u2013 die Ansprechpartner auch.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Eine m\u00e4chtige und streitlustige Gewerkschaft, den Staat als Miteigner, ein Produkt mit nur wenigen Anbietern auf einem globalen Markt, permanente Ver\u00e4nderungen der Unternehmensstruktur und hoher Druck bei der technologischen Modernisierung \u2013 Andr\u00e9 Walter, 59, kennt das alles, derzeit als Chef des zivilen Flugzeugbaus von Airbus in Deutschland und vom 1. Juli an als neuer Chef der Meyer Werft in Papenburg.<\/p>\n<p>Am Freitag teilte die Meyer Werft mit, dass Walter zur Mitte des kommenden Jahres auf Bernd Eikens als Vorsitzender der dreik\u00f6pfigen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung folgen wird. Am Montag gab in Berlin Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) gemeinsam mit Pierfrancesco Vago, dem Aufsichtsratschef von MSC Cruises, bekannt, dass die Reederei vier bis sechs Kreuzfahrtschiffe mit einem Auftragswert von zehn Milliarden Euro bei der Meyer Werft bauen lassen will. Das w\u00fcrde die Werft bis 2035 voll auslasten. Zun\u00e4chst hat MSC Cruises dazu eine Absichtserkl\u00e4rung gegeben, der Vertrag soll 2026 folgen. MSC Cruises ist Teil des weltgr\u00f6\u00dften Maritimkonzerns MSC mit Sitz in Genf.<\/p>\n<p>Der Bund und das Land Niedersachsen halten derzeit je 40 Prozent an der Meyer Werft in Papenburg, die Familie Meyer 20 Prozent. Das Unternehmen Meyer Turku in Finnland geh\u00f6rt der Familie weiterhin komplett, ebenso auch viele Zulieferunternehmen der Meyer Werft.<\/p>\n<p>\u201eMit Herrn Dr. Andr\u00e9 Walter gewinnt die Meyer Werft einen erfahrenen Manager, der die Weiterentwicklung des Unternehmens konsequent vorantreiben wird\u201c, sagte Klaus Richter, der Aufsichtsratsvorsitzende der Meyer Werft. Der bisherige Werftchef Eikens habe die Leitung des Unternehmens \u201ein einer schwierigen finanziellen Lage \u00fcbernommen. Er hat mit gro\u00dfer Weitsicht den Restrukturierungsprozess eingeleitet und die Weichen f\u00fcr eine erfolgreiche Sanierung gestellt.\u201c Man freue sich dar\u00fcber, Walter als einen Manager gewonnen zu haben, \u201eder mit seiner Erfahrung diesen eingeschlagenen Weg weitergehen und die Werft weiter voranbringen wird. Dr. Andr\u00e9 Walter bringt eine ausgesprochene Expertise in der Unternehmensf\u00fchrung mit.\u201c<\/p>\n<p>Als Folge der Pandemie und wegen Fehleinsch\u00e4tzungen des Managements \u2013 auch der Familie selbst \u2013 stand die Meyer Werft im vergangenen Jahr vor der Insolvenz. Technologisch ist die Meyer Werft, die haupts\u00e4chlich Kreuzfahrtschiffe baut, eine der besten Werften der Welt \u2013 und das weitaus wichtigste Unternehmen des zivilen Schiffbaus in Deutschland. Ein veraltetes System der Schiffbaufinanzierung und mangelnde Sicherheiten brachte das Unternehmen aber beinahe zu Fall. Die Meyer Werft, 230 Jahre alt, hat rund 3200 Besch\u00e4ftigte, neben etlichen anderen Schiffstypen lieferte das Unternehmen seit Mitte der 1980er-Jahre 61 Kreuzfahrtschiffe ab.<\/p>\n<p>Die \u00f6ffentliche Hand stieg bei der Meyer Werft und auch bei dessen Tochterunternehmen Neptun Werft in Rostock-Warnem\u00fcnde ein, weil sie die Unternehmen als \u201esystemrelevant\u201c betrachtet \u2013 k\u00fcnftig zum Beispiel auch f\u00fcr den Bau von Umspannwerken f\u00fcr Offshore-Windparks, von Tankern und f\u00fcr Kooperationen beim Bau von Marineschiffen. Der fr\u00fchere Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) nannte die Werft vor der Rettung ein \u201eindustrielles Kronjuwel\u201c: \u201eDie Meyer Werft ist ein Trumpf, den wir nicht aufgeben d\u00fcrfen und den wir nicht aufgeben werden.\u201c<\/p>\n<p>Der \u201eSpiegel\u201c berichtet, dass die Familie Meyer die Mehrheit an der Werft gern zeitnah zur\u00fcckkaufen will, dass der Bund seine Anteile wieder ver\u00e4u\u00dfern m\u00f6chte, das Land Niedersachsen aber nicht. Vor diesem Hintergrund muss der k\u00fcnftige Chef die Meyer Werft zukunftsf\u00e4hig aufstellen und daf\u00fcr sorgen, dass an der Ems weiterhin die modernsten Kreuzfahrtschiffe der Welt gebaut werden.<\/p>\n<p>Walters Bestellung zum Werftchef erscheint dabei schl\u00fcssig. Der Bau von Flugzeugen und Kreuzfahrtschiffen \u00e4hnelt sich \u2013 es geht vor allem um die Integration komplexer Systeme, bei Kreuzfahrtschiffen speziell auch im Innenausbau. Eine von Robotern getragene Massenproduktion wie in der Automobilindustrie wird es auf den Werften f\u00fcr Flugzeuge und f\u00fcr Schiffe auch k\u00fcnftig nicht geben. \u201eWir brauchen sehr stark spezialisierte und angepasste Robotik f\u00fcr die Montage von Flugzeugr\u00fcmpfen\u201c, sagt Walter vor einiger Zeit WELT AM SONNTAG. \u201eStandardl\u00f6sungen zum Beispiel aus der Automobilbranche helfen uns hierbei nicht weiter. Wir entwickeln Systeme zur Automatisierung teils auch bei Airbus selbst.\u201c Solche sehr speziell angepassten L\u00f6sungen braucht auch der Schiffbau. Und der promovierte Maschinenbau-Ingenieur Walter muss daf\u00fcr sorgen, dass sie in Papenburg zur Anwendung kommen. Gro\u00dfanlagen zum automatischen Stahlschnitt und zum Schwei\u00dfen hat die Meyer Werft schon vor Jahren installiert.<\/p>\n<p>Den Staat als Anteilseigner kennt Walter von Airbus ebenfalls. Deutschland und Frankreich halten je 10,8 Prozent, Spanien rund vier Prozent der Anteile an Airbus. Der zurzeit weltweit f\u00fchrende Hersteller von Passagierflugzeugen ist eines der komplexesten Unternehmen in Europa \u00fcberhaupt. <\/p>\n<p>In jahrzehntelanger K\u00e4rrnerarbeit hat Airbus den gro\u00dfen Rivalen Boeing aus den USA hinter sich gelassen und zudem die C-Serie kleinerer Passagierjets des Konkurrenten Bombardier in Kanada gekauft. Neben Boeing wird vor allem der Flugzeugbau aus China Airbus in den kommenden Jahren Konkurrenz machen \u2013 auch dadurch, dass die Chinesen das Gesch\u00e4ft von den Europ\u00e4ern erlernen. Im chinesischen Tianjin betreibt Airbus ein eigenes Werk f\u00fcr die Endmontage der A320-Modelle, um den n\u00f6tigen Zugang zum chinesischen Markt zu erhalten.<\/p>\n<p>Im Schiffbau ist das \u00e4hnlich: Die wichtigsten Anbieter f\u00fcr Kreuzfahrtschiffe weltweit sind neben der Meyer Werft heutzutage Fincantieri in Italien und Chantiers de l\u2018Atlantique in Frankreich \u2013 und k\u00fcnftig die Werftindustrie in China.<\/p>\n<p>Walter ist seit 2022 Vorsitzender der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung der Airbus Aerostructures GmbH und der Airbus GmbH in Hamburg. Seine Karriere bei Airbus begann 2006, sp\u00e4ter leitete der begeisterte L\u00e4ufer und Rennradfahrer unter anderem die Standorte Bremen und Hamburg. Bei Airbus erlebte Walter spektakul\u00e4re technologische Spr\u00fcnge mit \u2013 vor allem die Fertigung des weltgr\u00f6\u00dften Passagierflugzeugs A380, das allerdings nur von 2005 bis 2021 gebaut wurde, auch in Hamburg. Ein genau gegenteiliges Konzept verfolgt Airbus heutzutage mit dem kleinen Langstreckenflugzeug A321XLR, das wesentlich bei Airbus in Hamburg entwickelt wurde und heutzutage auf der Werft in Finkenwerder produziert wird.<\/p>\n<p>Mit der Gewerkschaft IG Metall f\u00fchrte Walter in den vergangenen Jahren harte Verhandlungen \u00fcber die Neuorganisation der deutschen Werke, begleitet wurde dieser Prozess von Streiks. Airbus r\u00fcckte die Fertigung von R\u00fcmpfen auch in seiner rechtlichen und unternehmerischen Struktur wieder ins Zentrum des Konzerns. \u201eAuch die ArbeitnehmervertreterInnen im Aufsichtsrat hei\u00dfen Dr. Andr\u00e9 Walter in seiner neuen Funktion herzlich willkommen\u201c, sagt Heiko Messerschmidt, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Meyer Werft. \u201eWir setzen weiterhin auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Betriebsrat, IG Metall und Unternehmensleitung. Bei Herrn Dr. Walter kennen wir diese bereits von Airbus und freuen uns, daran nun bei der Meyer Werft ankn\u00fcpfen zu k\u00f6nnen.\u201c <\/p>\n<p>Messerschmidt, Leiter des Berliner B\u00fcros der IG Metall, kennt Walter aus seiner Zeit bei der IG Metall K\u00fcste in Hamburg gut. Der enge Draht zur Gewerkschaft d\u00fcrfte dem k\u00fcnftigen Werftchef noch sehr n\u00fctzlich sein. Die Neuaufstellung der Meyer Werft ist l\u00e4ngst nicht abgeschlossen. Sie hat, im Gegenteil, gerade erst begonnen.<\/p>\n<p><b>Olaf Preu\u00df ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG f\u00fcr Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet seit drei Jahrzehnten \u00fcber den Schiffbau und auch \u00fcber den Flugzeugbau.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seit langer Zeit arbeitet Andr\u00e9 Walter f\u00fcr Airbus, im kommenden Jahr soll er die F\u00fchrung der gr\u00f6\u00dften deutschen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":661292,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[134],"tags":[63498,175,170,169,29,154390,30,171,174,46858,32795,110629,173,172],"class_list":{"0":"post-661291","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-unternehmen-maerkte","8":"tag-airbus-industries","9":"tag-business","10":"tag-companies","11":"tag-companies-markets","12":"tag-deutschland","13":"tag-flugzeugbau-ks","14":"tag-germany","15":"tag-markets","16":"tag-maerkte","17":"tag-meyer-werft","18":"tag-preuss-olaf","19":"tag-schiffbau-ks","20":"tag-unternehmen","21":"tag-unternehmen-maerkte"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115755768278896572","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/661291","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=661291"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/661291\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/661292"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=661291"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=661291"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=661291"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}