{"id":661389,"date":"2025-12-21T05:54:35","date_gmt":"2025-12-21T05:54:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/661389\/"},"modified":"2025-12-21T05:54:35","modified_gmt":"2025-12-21T05:54:35","slug":"zu-besuch-beim-w124-club-in-stuttgart","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/661389\/","title":{"rendered":"Zu Besuch beim W124-Club in Stuttgart"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/d68624bf-1713-42dd-95b5-13191e9e95b2.jpg\" alt=\"Der Mythos des deutschen Autos ist geplatzt. Was bleibt von einem Land, das sich \u00fcber seine Motoren definierte? Ein Besuch bei einem Mercedes-Klub in Stuttgart\" loading=\"eager\" class=\"block h-full w-full object-cover object-center\"\/><\/p>\n<p class=\"mb-2 max-w-[640px] font-sans text-base leading-[26px] md:mb-4 md:text-[20px] md:leading-[32px] text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950\">Die deutsche Autoindustrie steckt in der schwersten Krise ihrer Geschichte. W\u00e4hrend Konzerne Tausende Stellen streichen und Stuttgart pleitegeht, w\u00e4chst ein Fanklub f\u00fcr alte Mercedes-Modelle. Er h\u00e4lt an einer \u00c4ra fest, die nie wiederkehrt.<\/p>\n<p class=\"articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jcrma1eg1\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Das goldene Zeitalter der deutschen Automobilindustrie steht im Nieselregen auf dem Parkplatz der Sportgastst\u00e4tte B\u00fchl, eine halbe Stunde von Stuttgart entfernt. Eine lange Motorhaube, strenge Linien, ein K\u00fchlergrill aus Chrom. Dar\u00fcber thront der Stern. Es ist ein Mercedes der Baureihe W124, Baujahr 1992.<\/p>\n<p>Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen<\/p>\n<p>NZZ.ch ben\u00f6tigt JavaScript f\u00fcr wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.<\/p>\n<p>Bitte passen Sie die Einstellungen an.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jcrma1eg2\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Ein Auto, das einst so selbstverst\u00e4ndlich war, dass niemand mehr genau hinschaute. Drinnen aber, in der warmen Gaststube der Sportgastst\u00e4tte B\u00fchl, sitzen etwa vierzig Menschen, die nur deswegen hier sind: Mitglieder des W124-Clubs, zwischen tropischen Zimmerpflanzen und zu \u00fcppig geratener Weihnachtsdekoration. Haupts\u00e4chlich M\u00e4nner \u00fcber f\u00fcnfzig, Lesebrillen auf der Nase, kleine Bierb\u00e4uche unter Funktionsjacken. Es ist Stammtischtag. Sie studieren die Speisekarte, Schweinemedaillons oder Pizza, bestellen noch ein Helles. Und reden \u00fcber Ausfahrten im kommenden Jahr oder tauschen Tipps f\u00fcr Ersatzteile aus.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jcrma1eg3\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">\u00abSchau mal\u00bb, sagt einer und reicht ein stark vergr\u00f6ssertes Foto eines japanischen AMG-Mercedes \u00fcber den Tisch. \u00abDa dr\u00fcben gibt es die Felgen noch.\u00bb Sein Gegen\u00fcber h\u00e4lt das Smartphone auf Armesl\u00e4nge, kneift die Augen zusammen. Schnaubt. \u00abTatsache\u00bb, sagt er und reicht das Telefon seinem Nachbar.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jcrma1eg4\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">F\u00fcr die Menschen hier ist der Mercedes-Benz W124 mehr als nur ein Auto. Er ist eine Zeitkapsel. Eine Erinnerung an eine Epoche, in der noch niemand \u00fcber Abgasgrenzwerte sprach, in der das Auto kein Umweltproblem war, sondern ein Versprechen von individueller Freiheit. Hier drin sind sich alle einig: Mit dem W124, jener Baureihe, die Mercedes von 1984 bis 1997 baute, war der H\u00f6hepunkt der Autoindustrie erreicht.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/1206b33c-676d-488f-9d42-7bcd61d4d0be.jpg\" class=\"absolute left-0 top-0 block h-full w-full  \"  width=\"5000\" height=\"4000\" alt=\"\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1)\" loading=\"lazy\" \/><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/7c29440d-8dd9-49ac-beed-815354a355cb.jpg\" class=\"absolute left-0 top-0 block h-full w-full  \"  width=\"4001\" height=\"5000\" alt=\"\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1)\" loading=\"lazy\" \/><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/5b59de3e-35b1-4502-a478-6a2c5f62ec3e.jpg\" class=\"absolute left-0 top-0 block h-full w-full  \"  width=\"4000\" height=\"5000\" alt=\"\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1)\" loading=\"lazy\" \/><\/p>\n<p>Am Stammtisch des W124-Automobilclubs werden Mercedes verglichen und Kaufangebote genauestens unter die Lupe genommen.<\/p>\n<p>Wird Stuttgart zum neuen Detroit?<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jcrma1eh0\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Die Schweizer haben ihre Uhren. Die Franzosen haben ihren Wein. Und die Deutschen? Ihre Autos. Mercedes, BMW, VW, Audi, Opel, Porsche: Kein Produkt steht so sehr f\u00fcr Ingenieurskunst und Pr\u00e4zision, f\u00fcr jenen deutschen Perfektionismus, der bei 180 km\/h auf der Autobahn erst richtig zur Geltung kommt. Das deutsche Auto steht f\u00fcr Exportst\u00e4rke und Wirtschaftsmacht, f\u00fcr den Wiederaufstieg nach dem Krieg.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jcrma1eh2\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Die Autoindustrie ist der mit Abstand wichtigste Industriezweig Deutschlands. Sie besch\u00e4ftigt rund 800\u00a0000 Menschen, 2023 lag ihr Umsatz bei 564 Milliarden Euro. Wenn sie f\u00e4llt, f\u00e4llt Deutschland mit. Und derzeit wackelt sie gewaltig. Gewinne brechen ein, Elektroautos verkaufen sich schleppend, chinesische Hersteller dr\u00e4ngen mit g\u00fcnstigen Modellen auf den Markt. Mercedes bietet Tausenden Mitarbeitenden Abfindungen an, Zulieferer wie ZF oder Bosch streichen Zehntausende Stellen.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jcrma1eh3\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Besonders in Baden-W\u00fcrttemberg, wo Porsche, Mercedes und Bosch sitzen, gilt die Krise als existenziell. Sogar der gr\u00fcne Ministerpr\u00e4sident Winfried Kretschmann will die Autoindustrie sch\u00fctzen und fordert mehr Flexibilit\u00e4t bei den EU-Klimazielen. Diese Woche hat die EU-Kommission das urspr\u00fcnglich geplante Verbrenner-Aus f\u00fcr 2035 tats\u00e4chlich aufgeweicht. W\u00e4hrenddessen rechnet Stuttgart, einst reich durch Mercedes und Porsche, f\u00fcr 2025 mit einem Defizit von 785 Millionen Euro. Deutsche Zeitungen schicken Reporter ins L\u00e4ndle und fragen: Wird Stuttgart zum neuen Detroit, zur bankrotten Autostadt?<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jcrma1eh4\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">In der Sportgastst\u00e4tte B\u00fchl sind mittlerweile die ersten zwei Punkte auf der Traktandenliste abgehakt: Getr\u00e4nke- und Essensbestellung. Punkt drei: Ein neues Mitglied wird geehrt, Nummer 2252. W\u00e4hrend draussen die Autoindustrie wankt, w\u00e4chst der W124-Club. Der Vizepr\u00e4sident steht mit einem Mikrofon am Kopf der Tafel und spricht von einer stattlichen Mitgliederzahl. Die vielen grauen Haare im Raum, sagt er, sollten nicht t\u00e4uschen, es gebe durchaus auch junge Mitglieder. Die J\u00fcngsten seien Anfang dreissig.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jcrma1eh5\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Der \u00c4lteste ist Wolfram K\u00f6rner, Klubmitglied Nummer eins. Gerade neunzig geworden, mit einem grossv\u00e4terlichen L\u00e4cheln. Der Vizepr\u00e4sident reicht ihm nachtr\u00e4glich einen Geschenkkorb mit Pasta und Saucen \u2013 und das Mikrofon. K\u00f6rner h\u00e4lt sich kurz. \u00abWenn man solche Klubkollegen hat wie ich hier\u00bb, sagt er, \u00abist es nicht schwer, neunzig zu werden.\u00bb Er sagt, wie viel ihm die Gemeinschaft bedeutet, und bedankt sich f\u00fcr die vielen Jahre Freundschaft. Applaus. Dann gibt er das Mikrofon zur\u00fcck.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/8cbe7f42-a31b-458a-8432-6b6ff7e13ab4.jpg\" class=\"absolute left-0 top-0 block h-full w-full  \"  width=\"5000\" height=\"4000\" alt=\"\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1)\" loading=\"lazy\" \/><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/b5ca4c08-8e5d-417e-aa5f-cf8fba98639f.jpg\" class=\"absolute left-0 top-0 block h-full w-full  \"  width=\"4000\" height=\"5000\" alt=\"\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1)\" loading=\"lazy\" \/><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/dd019fbf-2bcb-4a92-81e3-697c0077b35e.jpg\" class=\"absolute left-0 top-0 block h-full w-full  \"  width=\"5278\" height=\"6598\" alt=\"\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1)\" loading=\"lazy\" \/><\/p>\n<p>Wolfram K\u00f6rner (unten rechts) ist das Klubmitglied Nummer eins. Er hat den Klub vor \u00fcber zwanzig Jahren mitgegr\u00fcndet. Viele hier haben durch ihr Auto Freundschaften f\u00fcrs Leben geschlossen.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jcrma1eh6\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Die Autokrise trifft die Deutschen nicht nur wirtschaftlich. Es geht um mehr als um Jobs oder Quartalszahlen. Es geht um ein Produkt, \u00fcber das sich ein Land \u00fcber Jahrzehnte definiert hat und das nun seine Selbstverst\u00e4ndlichkeit verliert. Es geht um Identit\u00e4t.<\/p>\n<p>Erst sp\u00e4t zum Autoland geworden<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jcrma1eh8\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Andreas Knie sitzt in Berlin vor einem B\u00fccherregal, die Sonne scheint durchs Fenster in sein Gesicht. Der Verkehrsforscher muss schmunzeln, wenn man ihm vom W124-Club erz\u00e4hlt. Deutschland sei lange kein Autoland gewesen, sagt er. Es sei dazu gemacht worden, aus einem Mangelgef\u00fchl heraus. Aus einem kollektiven Minderwertigkeitskomplex, der bis heute nachwirke.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jcrma1eh9\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Bis weit in die f\u00fcnfziger Jahre hinein hatten die USA, aber auch L\u00e4nder wie Frankreich, England, Italien oder Spanien deutlich mehr Autos pro Kopf. \u00abDeutschland war ein Eisenbahnland\u00bb, sagt Knie. Die Reichsbahn funktionierte, die Fahrradindustrie war weltweit f\u00fchrend, Mopeds und Motorr\u00e4der kamen aus deutschen Werkhallen. Mobil war man auch ohne Auto.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jcrma1eh10\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Automobile hingegen waren Luxus. Hersteller wie Daimler-Benz oder Audi bauten vor dem Zweiten Weltkrieg Einzelst\u00fccke f\u00fcr Wohlhabende. Bertolt Brecht oder Leni Riefenstahl konnten sich ein Auto leisten, doch f\u00fcr die meisten blieb es ein fernes Versprechen.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jcrma1eh11\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Dann kam Adolf Hitler. Und mit ihm die Idee, dass Modernit\u00e4t messbar sei. Zum Beispiel anhand der Zahl von Autos. Er sah die Entwicklungen in den USA oder Frankreich und sagte: Ein Volk ohne Autos ist kein modernes Volk. Also sollte jede deutsche Familie ein eigenes Fahrzeug besitzen. Weil die Industrie z\u00f6gerte, beauftragte Hitler Ferdinand Porsche mit der Entwicklung eines Volkswagens. Der K\u00e4fer entstand, flankiert von nahezu unbegrenzten staatlichen Mitteln, die unter anderem den Gewerkschaften geraubt worden waren. Gigantische Werke wurden aus dem Boden gestampft, Gesetze umgeschrieben, Pl\u00e4tze zu Parkpl\u00e4tzen gemacht.<\/p>\n<p>Hitler, der Vision\u00e4r des deutschen Automobils<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jcrma1eh13\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Die Nazis setzten alles auf das Auto. Die Strassenverkehrsordnung wurde auf den motorisierten Verkehr zugeschnitten, die Reichsgaragenordnung zwang Bauherren, \u00fcberall Stellpl\u00e4tze einzuplanen. Und dann die Autobahnen: Rund 4000 Kilometer liess Hitler errichten, obwohl der Autoverkauf nur langsam Fahrt aufnahm.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/a54e0afb-0a88-4b9f-99cc-d3334ada7469.jpeg\" class=\"absolute left-0 top-0 block h-full w-full  \"  width=\"3000\" height=\"2035\" alt=\"Arbeiter h\u00f6ren Adolf Hitler 1933 bei einer Rede zu. Gleich sollen sie beginnen, die ersten Meter der Reichsautobahn zu schaufeln. Die Nationalsozialisten hatten einen grossen Einfluss auf die Entstehung der deutschen Automobilindustrie.\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1)\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\" \/>Arbeiter h\u00f6ren Adolf Hitler 1933 bei einer Rede zu. Gleich sollen sie beginnen, die ersten Meter der Reichsautobahn zu schaufeln. Die Nationalsozialisten hatten einen grossen Einfluss auf die Entstehung der deutschen Automobilindustrie.<\/p>\n<p>AP<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jcrma1ei0\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Knie nennt das den Versuch einer nachholenden Modernisierung, geboren aus dem Gef\u00fchl, den Anschluss an die Welt zu verlieren. Und dieses Denken verschwand nach 1945 nicht, im Gegenteil: Steuerliche Anreize f\u00fcrs Pendeln mit dem Auto, das Dienstwagenprivileg, der Ausbau autogerechter St\u00e4dte, der R\u00fcckzug des \u00f6ffentlichen Verkehrs aus l\u00e4ndlichen Regionen, all das wurde eingef\u00fchrt, weil Deutschland glaubte, aufholen zu m\u00fcssen. Das ging nicht von heute auf morgen: Erst 1962 hatte Deutschland gleich viele private Autos pro Kopf wie seine Nachbarn. Dann kam der Boom.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jcrma1ei1\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Wolfram K\u00f6rner, Klubmitglied Nummer eins, hat die Glanzzeiten miterlebt. Fast sein ganzes Berufsleben arbeitete er f\u00fcr Mercedes, war in \u00fcber dreissig L\u00e4ndern t\u00e4tig, vom Irak und von Pakistan \u00fcber Frankreich bis nach Mexiko. K\u00f6rner k\u00f6nnte stundenlang \u00fcber Mercedes sprechen. \u00dcber Firmeninterna, dar\u00fcber, wie Porsche-Ingenieure einst heimlich Motoren f\u00fcr Mercedes bauten, \u00fcber die Beschaffenheit des Cabriodachs eines W124. Er spricht etwas lauter als der Rest. Sein H\u00f6rger\u00e4t sei neu, sagt er, \u00abteuer wie ein Daimler\u00bb, aber noch nicht richtig eingestellt.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jcrma1ei2\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">K\u00f6rner erz\u00e4hlt von den achtziger Jahren, von seiner Zeit im Mercedes-Salon auf der Champs-\u00c9lys\u00e9es in Paris. \u00abDa verkauften wir keine Autos\u00bb, sagt K\u00f6rner, \u00abda verkauften wir Lieferzeiten.\u00bb Zw\u00f6lf Monate Wartezeit waren normal. Jeder wollte einen Mercedes.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jcrma1ei3\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">F\u00fcr die Deutschen war das Auto da l\u00e4ngst mehr als ein Fortbewegungsmittel geworden. Es ging nicht mehr darum, von A nach B zu kommen, sondern um die Freude am Fahren selbst. So zumindest die Erz\u00e4hlung. Und sie wurde gepflegt, systematisch, in Slogans und Bildern: \u00abVorsprung durch Technik\u00bb (Audi), \u00abFreude am Fahren\u00bb (BMW) oder einfach \u00abDas Auto\u00bb (VW). James Bond fuhr BMW, der VW K\u00e4fer \u00abHerbie\u00bb bekam f\u00fcnf Filme, Motorsportlegenden wie Walter R\u00f6hrl und Michael Schumacher wurden zu Nationalhelden.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jcrma1ei4\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">In der Sportgastst\u00e4tte B\u00fchl ist die Pizza mittlerweile gegessen, die Ausfahrten f\u00fcrs n\u00e4chste Jahr sind geplant. Zeit, sich einmal einen Mercedes der Baureihe W124 anzusehen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/c4737094-dba7-41e6-a64d-e0e237cd672f.jpg\" class=\"absolute left-0 top-0 block h-full w-full  \"  width=\"5000\" height=\"3999\" alt=\"\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1)\" loading=\"lazy\" \/><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/158945af-a0c7-4287-9220-abb912e64659.jpg\" class=\"absolute left-0 top-0 block h-full w-full  \"  width=\"3999\" height=\"5000\" alt=\"\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1)\" loading=\"lazy\" \/><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/f22f1a4a-6a17-4265-833e-3452fe6a5df2.jpg\" class=\"absolute left-0 top-0 block h-full w-full  \"  width=\"3999\" height=\"5000\" alt=\"\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1)\" loading=\"lazy\" \/><\/p>\n<p>Jurica Vrandecic ist mit seinem Mercedes 500E zum Stammtisch angereist. Vom braven \u00c4usseren darf man sich nicht t\u00e4uschen lassen, sagt er. Unter der Haube versteckt sich ein V8-Motor.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jcrma1ei5\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Draussen auf dem Parkplatz, zwischen einem SUV aus S\u00fcdkorea und einem neongr\u00fcnen Lieferwagen, lauert der Wolf im Schafspelz. So nenne man seinen Mercedes, sagt Jurica Vrandecic. Weil er von aussen so unscheinbar aussehe. Eine klare, kantige Motorhaube, rechteckige Scheinwerfer, 1,6 Tonnen deutsche Bescheidenheit. Doch davon solle man sich nicht t\u00e4uschen lassen, sagt Vrandecic, steckt den Schl\u00fcssel ins Z\u00fcndschloss, dreht ihn und schaut uns einige Sekunden mit einem erwartungsvollen L\u00e4cheln an. Der Motor r\u00e4uspert sich kurz, dann f\u00e4hrt Vrandecic los.<\/p>\n<p>\u00abSchau mal, diese Laufruhe\u00bb<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jcrma1ei7\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">V8-Motor, 279 PS, erkl\u00e4rt er und t\u00e4tschelt das Armaturenbrett aus Wurzelholz. Auf der Hutablage wackelt der Kopf eines Wackeldackels. Vrandecic, Baujahr 1970, wie er sagt, grauer Ziegenbart, Schieberm\u00fctze, hat sich den Mercedes vor f\u00fcnf Jahren gekauft. Er lebt eigentlich auf einer kroatischen Insel, deshalb liegt neben dem Sitz ein Nothammer, f\u00fcr den Fall, dass er einmal ins Wasser f\u00e4llt. Vrandecic biegt auf die Hauptstrasse ab, f\u00e4hrt bis zur n\u00e4chsten Tankstelle und dann wieder zur\u00fcck. \u00abSchau mal, diese Laufruhe\u00bb, sagt er, w\u00e4hrend er zur\u00fcck auf den Parkplatz gleitet.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jcrma1ei8\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Lange konnte nichts dem Mythos des deutschen Autos etwas anhaben, doch in den letzten zwanzig Jahren habe er angefangen zu br\u00f6ckeln, sagt der Verkehrsforscher Andreas Knie. Den ersten Wendepunkt setzt er im Jahr 2006. China habe damals entschieden, konsequent auf batterieelektrische Autos zu setzen, und zwar nicht nur aus Klimagr\u00fcnden: Beim Verbrenner, so die chinesische Kalkulation, k\u00f6nne man den Deutschen das Wasser nicht reichen.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jcrma1ei9\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Knie beschreibt das als fr\u00fches, gut sichtbares Signal. China habe Rohstoff- und Lieferketten gesichert, Kooperationen geschlossen, Standards gesetzt. Und es habe die Deutschen eingeladen, mitzuziehen. Einer der Architekten dieser Strategie sei Wan Gang gewesen, sp\u00e4ter Wissenschaftsminister, zuvor Audi-Ingenieur in Ingolstadt, bis heute gut in Deutschland vernetzt. Doch den Deutschen habe die Demut gefehlt, sagt Knie. Man habe geglaubt, technologisch \u00fcberlegen zu sein. Ein Irrtum, den Deutschland mit weiten Teilen Europas teilt. \u00abMit dieser falschen Einsch\u00e4tzung hat man den Sargnagel eingeschlagen.\u00bb<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jcrma1ei10\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Doch es sind nicht nur die Chinesen. Es ist auch der Mythos selbst, der sich von innen aush\u00f6hlt. \u00abEs gibt einfach zu viele Autos\u00bb, sagt Knie. 69 Millionen bei 83 Millionen Einwohnern. Fahren mache keinen Spass mehr, weil die Strassen \u00fcberall verstopft seien. Und weil der \u00f6ffentliche Verkehr auf dem Land massiv zur\u00fcckgebaut wurde, gibt es f\u00fcr die meisten keine Alternative. Sie m\u00fcssen fahren, ob sie wollen oder nicht. Das mache es nur schlimmer, sagt Knie. Die emotionale Bedeutung schwindet. Vor allem f\u00fcr die j\u00fcngere Generation sehe das Freiheitsversprechen heute anders aus. Das Auto ist f\u00fcr viele zum Gebrauchsgegenstand geworden.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jcrma1ei11\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Die meisten Klubmitglieder haben heute ihr \u00abWinterauto\u00bb dabei. Neuere Modelle, manchmal aus Japan oder S\u00fcdkorea. \u00abReiskocher\u00bb nennen sie die, ein Begriff, den man heute nicht mehr verwenden w\u00fcrde. Das merken auch die Herren hier und schieben hastig nach: Das sei nicht b\u00f6se gemeint, sie w\u00fcrden ja selbst solche Autos fahren, und die seien oft ganz in Ordnung.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/d7adab65-e74c-419f-ade2-d45e4a413ff8.jpg\" class=\"absolute left-0 top-0 block h-full w-full  \"  width=\"5000\" height=\"4000\" alt=\"\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1)\" loading=\"lazy\" \/><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/a39ad48f-d71b-4742-8d70-c133897b4b02.jpg\" class=\"absolute left-0 top-0 block h-full w-full  \"  width=\"4000\" height=\"5000\" alt=\"\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1)\" loading=\"lazy\" \/><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/c014c523-b3d7-4249-9068-22932c2efc9b.jpg\" class=\"absolute left-0 top-0 block h-full w-full  \"  width=\"3659\" height=\"4573\" alt=\"\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1)\" loading=\"lazy\" \/><\/p>\n<p>Gabi und Horst Mohr besitzen gleich drei Mercedes W124. Die Autos von heute b\u00f6ten nicht mehr das gleiche Fahrgef\u00fchl, sagen sie.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jcrma1ej0\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Horst und Gabi Mohr, 56 und 57 Jahre alt, geh\u00f6ren zu den wenigen, die mit dem alten Mercedes gekommen sind. Sie haben drei W124: ein Cabrio, einen Kombi und eine Limousine, die im Winter herhalten muss. Horst wirkt wie jemand, der lieber schraubt als klagt, aber heute klagt er trotzdem. Die Autobauer, sagt er, seien nur noch auf Profit aus. Fr\u00fcher sei Qualit\u00e4t Ehrensache gewesen.<\/p>\n<p>Das Auto sei zum Wegwerfartikel geworden, sagt sie<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jcrma1ej2\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Er beugt sich zur T\u00fcr, greift den Griff, l\u00e4sst sie zufallen. Rumms. \u00abH\u00f6rst du das?\u00bb, fragt Horst Mohr. Er redet \u00fcber Spaltmasse und Haptik. \u00dcber das Fahrgef\u00fchl der alten Autos, das es heute nicht mehr gebe. Die alten Autos h\u00e4tten kein ABS und keinen anderen Schnickschnack gehabt, sagt er. \u00abDa f\u00e4hrst du mit dem Kopf, mit dem Verstand, den man dir als Kind beigebracht hat.\u00bb Heute werde alles von Elektronik \u00fcbernommen, von Assistenten, Sensoren, Bildschirmen. Von einer neuen E-Klasse, aus der er einmal ausgestiegen sei, bleibt ihm vor allem das Material in Erinnerung: zu viel Plastik, alles knarrt und quietscht. \u00abDas ist nicht mehr die Werthaltigkeit, die ich von Mercedes kenne.\u00bb<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jcrma1ej3\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Gabi Mohr h\u00f6rt zu, nickt, erg\u00e4nzt. Sie arbeitet seit 38 Jahren bei Mercedes, hat dort die Ausbildung gemacht, viele Jahre am Band gestanden, heute ist sie in der Entwicklung. Ein Angebot f\u00fcr Altersteilzeit habe sie bekommen, sagt sie. Sie hat abgelehnt. Die Stimmung sei extrem schlecht im Betrieb.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jcrma1ej4\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Die meisten Jungen interessierten sich nicht mehr wirklich f\u00fcr Autos, sagt Horst. \u00abDie wollen Apple Carplay und Android und weiss der Kuckuck.\u00bb Langlebigkeit sei ihnen egal. Gabi nickt. Das Auto sei f\u00fcr viele zum Wegwerfartikel verkommen, sagt sie, so wie Handys oder Klamotten.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jcrma1ej5\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Horst versteht nicht, warum Deutschland die E-Mobilit\u00e4t so forciere und dabei \u00abeine ganze Industrie kaputtmacht\u00bb, statt beides parallel laufen zu lassen. Seit die Pr\u00e4mien weg seien, wolle ohnehin niemand mehr ein E-Auto. Und dass Mercedes nun einen Hybridmotor von Geely verbaue, dem chinesischen Grossaktion\u00e4r, sei f\u00fcr ihn der Endpunkt: \u00abDa machen sie ihr ganzes Know-how kaputt.\u00bb<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jcrma1ej6\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Nachhaltigkeit, sagt Gabi Mohr, werde ihrer Meinung nach oft falsch verstanden. Batterien seien auch nicht gr\u00fcn, man m\u00fcsse an seltene Erden denken. Dann lacht sie kurz und schiebt hinterher: \u00abAuf \u00d6lplattformen wachsen zwar auch keine Blumen.\u00bb Trotzdem: Ihr Kombi sei wirklich nachhaltig. Er ist dreissig Jahre alt, zweimal im Jahr seien sie damit nach Spanien gefahren, nach Alicante, mittlerweile hat er 450\u00a0000 Kilometer und f\u00e4hrt immer noch. Die Winterautos der anderen werden das kaum schaffen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/e8f8458e-dab1-4018-86ca-7fa61d27d085.jpg\" class=\"absolute left-0 top-0 block h-full w-full  \"  width=\"5000\" height=\"3750\" alt=\"\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1)\" loading=\"lazy\" \/><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/1bfaac8d-5d8c-4cf6-955a-d12c36529ddc.jpg\" class=\"absolute left-0 top-0 block h-full w-full  \"  width=\"4000\" height=\"5000\" alt=\"\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1)\" loading=\"lazy\" \/><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/a3c64b0d-a7b9-4362-97f9-fe37af301ae4.jpg\" class=\"absolute left-0 top-0 block h-full w-full  \"  width=\"4000\" height=\"5000\" alt=\"\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1)\" loading=\"lazy\" \/><\/p>\n<p>Die Mercedes W124 kommen noch ohne viel technischen Schnickschnack aus. Man kann sie selbst reparieren und sie fahren auch nach 30 Jahren noch, sagen die Mohrs.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jcrma1ej7\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Wird die deutsche Autoindustrie verschwinden? Der Verkehrsforscher Knie glaubt das nicht. Mercedes, BMW oder Volkswagen w\u00fcrden in absehbarer Zeit nicht bankrottgehen, sagt er. Daf\u00fcr sei zu viel Geld im Spiel, zu viel internationales Interesse daran, dass die Produktion weiterlaufe. In den n\u00e4chsten zehn, f\u00fcnfzehn Jahren w\u00fcrden deutsche Hersteller mit ihren grossen Modellen in bestimmten M\u00e4rkten noch immer \u00abwunderbare Margen\u00bb machen.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jcrma1ej8\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Doch das sei kein Comeback, sondern ein Auslaufen. Der Markt werde kleiner, die Besch\u00e4ftigung auch. Und irgendwann, so Knie, werde die deutsche Autoindustrie vor allem das machen, was sie historisch immer gekonnt habe: Blech biegen. Die Intelligenz, die Software, die Plattformen, die das Auto der Zukunft definierten, k\u00e4men dann von anderswo.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jcrma1ek0\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Die letzten Mitglieder verabschieden sich, w\u00fcnschen sich frohe Weihnachten, fahren davon. Auf dem Parkplatz stehen jetzt nur noch nichtdeutsche Autos: ein Skoda, ein Seat, ein Honda.<\/p>\n<p class=\"text-paper-alpha-light-500 dark:text-paper-alpha-dark-400\/[.57] darknzz:text-paper-alpha-dark-400\/[.57] dark:lightnzz:text-paper-alpha-light-500 text-center text-sm \">Ein Artikel aus der \u00ab<a class=\"underline hover:text-black dark:hover:text-white transition-colors duration-200\" href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/nzz-am-sonntag\" data-discover=\"true\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">NZZ am Sonntag<\/a>\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die deutsche Autoindustrie steckt in der schwersten Krise ihrer Geschichte. W\u00e4hrend Konzerne Tausende Stellen streichen und Stuttgart pleitegeht,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":661390,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1830],"tags":[1634,3364,29,30,1441],"class_list":{"0":"post-661389","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-stuttgart","8":"tag-baden-wuerttemberg","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-stuttgart"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115756013393189803","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/661389","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=661389"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/661389\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/661390"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=661389"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=661389"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=661389"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}