{"id":661810,"date":"2025-12-21T10:09:24","date_gmt":"2025-12-21T10:09:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/661810\/"},"modified":"2025-12-21T10:09:24","modified_gmt":"2025-12-21T10:09:24","slug":"influencerin-ueber-fehlgeburt-olivia-von-platen-die-ganze-welt-hat-ploetzlich-keinen-sinn-mehr-gemacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/661810\/","title":{"rendered":"Influencerin \u00fcber Fehlgeburt: Olivia von Platen: \u201eDie ganze Welt hat pl\u00f6tzlich keinen Sinn mehr gemacht\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Die Stuttgarterin Olivia von Platen ist <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Influencerin\" title=\"Influencerin\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Influencerin<\/a> und Mutter. Auf Social Media gew\u00e4hrt die 29-J\u00e4hrige ihren Followern Einblicke in ihren Alltag und spricht mit ihrer Freundin und Ex-Miss Germany <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Anahita_Rehbein\" title=\"Anahita Rehbein\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Anahita Rehbein<\/a> in ihrem gemeinsamen Podcast \u201eA&amp;O Hotline\u201c \u00fcber Themen wie das Muttersein und Kindererziehung. Mit ihrem Mann und Ex-<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Porsche\" title=\"Porsche\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Porsche<\/a>-Manager Detlev von Platen hat sie bereits zwei gemeinsame Kinder. Ein Gespr\u00e4ch \u00fcber Trauer, den Umgang mit dem Verlust nach einer<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.frau-von-ex-porsche-vorstand-olivia-von-platen-teilt-auf-instagram-nachricht-ueber-fehlgeburt.293a92b4-024a-4022-8c7c-55d963cbc5fd.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"> Fehlgeburt<\/a> als Person des \u00f6ffentlichen Lebens und Themen, die nicht l\u00e4nger in der gesellschaftlichen Tabu-Zone verstauben sollen.<\/p>\n<p> <b>Frau von Platen, nach Ihrer Fehlgeburt vor etwa vier Wochen haben Sie in einem emotionalen Instagram-Video \u00fcber ein Tabu-Thema gesprochen \u2013 was hat sie dazu bewegt, Ihren pers\u00f6nlichen Verlust \u00f6ffentlich zu teilen?<\/b> <\/p>\n<p>Es ist ja so, dass ich schon vorher mit dem Thema in der \u00d6ffentlichkeit stand. Schon davor hatte ich mich dazu entschieden, alles rund um meine Schwangerschaft zu teilen, auch unseren Kinderwunsch-Gedanken habe ich damals \u00f6ffentlich gemacht.<\/p>\n<p>Man bekommt von vielen Paaren mit, dass es zum Teil sehr lange dauern kann, bis man \u00fcberhaupt schwanger wird. Dieser ganze Prozess \u2013 vom Kinderwunsch bis zur Schwangerschaft und die ersten drei Monate davon \u2013 das ist ein Thema, das normalerweise immer komplett im Verborgenen stattfindet.<\/p>\n<p> <b>Inwiefern?<\/b> <\/p>\n<p>In der Regel teilen Frauen ihrem Umfeld erst nach der zw\u00f6lften Woche mit, dass sie schwanger sind. Das wollte ich \u00e4ndern und habe meine Schwangerschaft recht fr\u00fch \u00f6ffentlich gemacht. Deshalb geh\u00f6rt es f\u00fcr mich dazu, jetzt auch \u00fcber die Fehlgeburt zu sprechen. Wenn ich mich pl\u00f6tzlich gar nicht mehr gemeldet und mich zur\u00fcckgezogen h\u00e4tte, dann w\u00e4re es ja quasi die gleiche Information gewesen. <\/p>\n<p>Au\u00dferdem m\u00f6chte ich zeigen, dass das Thema so viele Frauen betrifft. Ich m\u00f6chte das Thema Fehlgeburt aus der Tabu-Ecke hervorholen. Es ist nichts, wof\u00fcr man sich sch\u00e4men muss oder wor\u00fcber man schweigen sollte. Im Gegenteil, man sollte offen dar\u00fcber sprechen. <\/p>\n<p> <b>Welche Tabus meinen Sie konkret?<\/b> <\/p>\n<p>Gerade das Thema Frauengesundheit ist ein Thema, das so viele betrifft, gleichzeitig wissen viele kaum etwas dar\u00fcber. Damit meine ich nicht nur den unerf\u00fcllten Kinderwunsch, die fr\u00fche Zeit der Schwangerschaft oder Fehlgeburten, sondern beispielsweise auch das Thema Wechseljahre. Es ist heutzutage immer noch eine Art Tabu-Thema, weil so viele Menschen der Meinung sind, dass man dar\u00fcber nicht in der \u00d6ffentlichkeit sprechen darf. Dabei w\u00fcrde es helfen, wenn man mehr dar\u00fcber w\u00fcsste \u2013 auch einfach, um sich gedanklich und emotional darauf vorbereiten zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p> <b>Was sollte Ihrer Meinung nach passieren?<\/b> <\/p>\n<p>\u00dcber die Schwangerschaft wei\u00df man viel \u2013 was man darf, was man nicht darf \u2013 aber nur ab einer bestimmten Schwangerschaftswoche. Aber gerade diese Anfangszeit einer Schwangerschaft ist doch f\u00fcr die meisten Frauen die schwierigste Zeit. Deshalb w\u00e4re es wichtig, mehr dar\u00fcber zu sprechen. So w\u00fcrde Frauen schon in dieser fr\u00fchen Phase mehr Verst\u00e4ndnis entgegengebracht werden \u2013 beispielsweise auf der Arbeit durch einen K\u00fcndigungsschutz oder wenn sie sich \u201enur\u201c wegen \u00dcbelkeit krankmelden. Mit diesem Wissen k\u00f6nnte die Gesellschaft viel fr\u00fcher mit Empathie reagieren \u2013 das kann man nicht, wenn man nicht wei\u00df, dass jemand schwanger ist.<\/p>\n<p> <b>Sehen Sie sich als Person des \u00f6ffentlichen Lebens und Influencerin in einer Art Verantwortung, das zu \u00e4ndern?<\/b> <\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde nicht sagen, dass ich mich pers\u00f6nlich in einer Verantwortung sehe. Gleichzeitig habe ich durch meine \u00d6ffentlichkeit die M\u00f6glichkeit, den Leuten einen Mehrwert mitzugeben und auf diesem Weg Frauen, die mit dem Problem ganz allein sind, Halt zu geben. Das ist nicht unbedingt ein Gef\u00fchl von Verantwortung, sondern ich sage mir eher: Hey, ich kann jetzt die Person sein, die Betroffenen zeigt, dass sie damit nicht allein sind. <\/p>\n<p> <b>Was geben Sie diesen Frauen mit auf den Weg?<\/b> <\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte den Frauen vermitteln, dass sie selbstbestimmt handeln d\u00fcrfen und \u00fcber ihre Trauer sprechen k\u00f6nnen. Jedes Gef\u00fchl sollte erlaubt sein und auch anerkannt werden \u2013 seien es \u00c4ngste w\u00e4hrend der Fr\u00fchschwangerschaft oder die Trauer \u00fcber den Verlust. Mir selbst hat es sehr gutgetan, offen \u00fcber meine Gef\u00fchle zu sprechen und mich mit Freundinnen auszutauschen. Nat\u00fcrlich kann man keiner Frau vorschreiben, wie sie damit umgehen soll. Aber oft hilft es, \u00fcber Trauer und Verlust zu reden und es nicht nur mit sich selbst auszumachen. <\/p>\n<p> <b>Was hat Ihnen selbst geholfen, im ersten Moment mit dem Verlust klarzukommen?<\/b> <\/p>\n<p>Das war ein Ratschlag, den ich \u00fcber Social Media als eine Reaktion auf mein Instagram-Reel bekommen habe. Die Person meinte, man solle sich das Ganze weniger wie den Tod, sondern eher wie eine Seele vorstellen, die wiederkommen kann. Das ist sehr spirituell, so denke ich normalerweise gar nicht. In diesem Fall hat es meine Trauer aber in ein Warten verwandelt. In ein Warten, dass dieses Kind wiederkommen kann. Dadurch f\u00fchlt es sich nicht mehr ganz so endg\u00fcltig an. Das war mir auch eine Hilfe, als ich dar\u00fcber nachgedacht habe, was mit dem Kind nach seinem Tod passiert. Denn es war ja noch immer in meinem Bauch. Durch die Vorstellung der Seele, die einfach wiederkommen kann, konnte ich damit in gewisser Weise besser umgehen.<\/p>\n<p> <b>Wie war das f\u00fcr Ihren Mann?<\/b> <\/p>\n<p>Er war im ersten Moment fast geschockter als ich. F\u00fcr ihn war es so v\u00f6llig aus der Welt, dass es so etwas geben k\u00f6nnte. Ich hingegen war ja schon die gesamte Schwangerschaft \u00fcber unsicher, weil sie schon mit Blutungen begonnen hatte. Als das \u00fcberstanden war, war f\u00fcr ihn klar: Jetzt ist alles gut. Bei mir hat danach aber die Unsicherheit \u00fcberwogen. Entsprechend war mein Mann eher derjenige, den die Nachricht von der Fehlgeburt eiskalt erwischt hat. Er ist dann aber schnell umgeswitcht in die Rolle desjenigen, der die Familie in Stand halten muss. Ich war super stolz auf ihn. Denn ein Punkt, den man oft vergisst, ist: Nach einer Fehlgeburt wird viel \u00fcber den Verlust der Mutter gesprochen, doch nat\u00fcrlich macht auch der Mann eine gro\u00dfe Trauer durch.<\/p>\n<p> <b>Wie haben Sie die Zeit kurz nach dem Verlust erlebt?<\/b> <\/p>\n<p>Nach dem ersten Schock stand ich vor der Entscheidung: Warte ich jetzt noch ab, bis der Abgang eingeleitet wird \u2013 der eigentlich nichts anderes ist als eine sehr fr\u00fche Geburt, entsprechend verbunden mit Wehen \u2013 oder holt man das Kind mit einem Eingriff? Ich habe es nach zwei Tagen einfach nicht mehr mit dem Wissen ausgehalten, dass das Kind noch immer in meinem Bauch ist und habe mich dann f\u00fcr die Operation entschieden. Nach der Ausschabung wurde aber noch ein R\u00fcckstand von Geweberesten festgestellt und ich musste noch einmal ins Krankenhaus, hatte \u00fcber mehrere Tage extreme Schmerzen. <\/p>\n<p>  Anmerkung der Redaktion: Die Ausschabung (K\u00fcrettage) ist ein gyn\u00e4kologischer Eingriff, bei dem Gewebe aus der Geb\u00e4rmutterh\u00f6hle unter Narkose entfernt wird. Damit soll auch eine Infektion vorgebeugt werden. Je nach medizinischem Anlass und Befund kommen unterschiedliche Verfahren der Ausschabung zum Einsatz. <\/p>\n<p>Dazu kam nat\u00fcrlich der Hormoncrash wie nach einer normalen Geburt auch. Abgesehen von der psychischen Belastung war das auch k\u00f6rperlich sehr anstrengend. <\/p>\n<p> <b>Mittlerweile sind einige Wochen vergangen. Wie kommen Sie \u2013 auch im Kreis der Familie \u2013 mit dem Thema klar?<\/b> <\/p>\n<p>In meiner Familie und mit meinen Eltern spreche ich sehr offen dar\u00fcber. Meine Eltern sind im medizinischen Bereich t\u00e4tig und kennen sich aus. Eine der gr\u00f6\u00dften St\u00fctzen ist gerade aber mein Mann. Er geht sehr gut mit dem Thema um versucht nicht, meine Gef\u00fchle zu lenken oder klein zu reden. Er sagt: Es ist alles okay, was du gerade f\u00fchlst. Das ist mir sehr wichtig. Denn es gibt viele F\u00e4lle, in denen der Mann die Frau in dieser Situation allein l\u00e4sst. Auch deshalb finde ich es wichtig, \u00f6ffentlich \u00fcber das Thema zu sprechen, um auch M\u00e4nner mit dem Thema abzuholen. Viele k\u00f6nnen damit einfach nicht umgehen und richten so, wenn auch nicht absichtlich, Schaden an.<\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/media.media.ed10734f-449c-4ae2-b8b7-165a11bac158.original1024.media.jpeg\"\/>     Familie von Platen im Familienurlaub: Gerade aktuell ist die gemeinsame Zeit f\u00fcr Olivia von Platen sehr wichtig.    Foto: privat    <\/p>\n<p> <b>Auch Ihre beiden T\u00f6chter (3 und 5 Jahre alt) haben mitbekommen, dass Sie das Baby verloren haben. Wie vermittelt man Kindern eine solche Nachricht?<\/b> <\/p>\n<p>Ich hatte mir dar\u00fcber schon Gedanken gemacht, als ich \u00fcberlegt habe, wann ich den Kindern sage, dass ich schwanger bin. Ich habe ihnen dann eine Geschichte erz\u00e4hlt, die das Thema Fehlgeburt beinhaltet \u2013 aber eben auf eine sehr kindgerechte Weise. Ich habe den Gedanken aufgegriffen, dass das Baby eine Seele ist, die in den Bauch kommt und guckt, ob es ihr auf der Erde gef\u00e4llt, sie aber vielleicht auch wieder geht. So wollte ich vermeiden, dass die Kinder verletzt werden und so direkt in Kontakt mit dem Tod kommen, denn das Thema ist f\u00fcr sie so gar nicht greifbar. <\/p>\n<p> <b>Wie haben die beiden reagiert?<\/b> <\/p>\n<p>Sie haben die Geschichte angenommen und meinten, \u201edann warten wir jetzt weiter, ob das Kind wiederkommt\u201c. Meine gro\u00dfe Tochter hat mir in dem Moment, als ich noch in absoluter Trauer war, sehr geholfen, denn sie hat gleich mit einer Leichtigkeit gesagt: \u201eDas ist doch nicht schlimm, Mama, das kommt bestimmt wieder, wenn es w\u00e4rmer ist, gerade ist es einfach zu kalt auf der Erde.\u201c Das hat mich dann direkt zum L\u00e4cheln gebracht. Meine kleinere Tochter hat hingegen noch oft gefragt, ob das Baby noch da ist. Dieses Nachfragen holen einen dann nat\u00fcrlich immer wieder ein, das war nicht einfach. Allgemein fand ich es aber beeindruckend, wie empathisch sie reagiert haben.<\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/media.media.c9472c81-3d9f-4440-a3f7-224b04824a16.original1024.media.jpeg\"\/>     Olivia von Platen mit einer ihrer T\u00f6chter.    Foto: Miriam Beverung    <\/p>\n<p> <b>W\u00fcnschen Sie sich im Nachhinein, Sie h\u00e4tten Ihren Kindern nicht so fr\u00fch von der Schwangerschaft erz\u00e4hlt?<\/b> <\/p>\n<p>Dar\u00fcber habe ich lange nachgedacht. Denn wenn eine solche Situation zu oft passiert, wei\u00df ich nicht, ob man den Kindern damit schadet. Vielleicht w\u00fcrde ich beim n\u00e4chsten Mal etwas l\u00e4nger warten. Aber das ist nat\u00fcrlich auch sehr davon abh\u00e4ngig, wie eine Schwangerschaft verl\u00e4uft. Wenn man beispielsweise mit extremer \u00dcbelkeit zu k\u00e4mpfen hat, kann man den Kindern schwer etwas vorspielen und ich w\u00fcrde sie auch nicht anl\u00fcgen wollen. Gleichzeitig m\u00f6chte ich die kleinen Herzen nicht unn\u00f6tig belasten, sondern w\u00fcrde das Ganze mit sch\u00f6nen Geschichten umschreiben. Hundert Prozent sicher, wie ich es bei einer weiteren Schwangerschaft machen w\u00fcrde, bin ich aber noch nicht. <\/p>\n<p> <b>Inwiefern helfen Ihre Kinder Ihnen dabei, das Geschehene zu verarbeiten?<\/b> <\/p>\n<p>Durch meine Kinder konnte ich mich nicht, ich sag\u2019s mal b\u00f6se, zu sehr in meiner Trauer suhlen. In den ersten zwei Tagen nach der Fehlgeburt bin ich wirklich in ein Loch gefallen, war antriebslos. Die ganze Welt hat pl\u00f6tzlich keinen Sinn mehr gemacht, weil alles, was ich davor getan habe, sich um das Baby gedreht hat \u2013 das dann pl\u00f6tzlich nicht mehr da war. Meine Kinder haben mir da einen sehr gro\u00dfen Antrieb gegeben und mir gezeigt: Es muss trotzdem weitergehen. <\/p>\n<p> <b>Was macht ein solcher Verlust mit der Familie?<\/b> <\/p>\n<p>Wenn man etwas positives darin sehen m\u00f6chte: F\u00fcr das Familienleben und f\u00fcr den Zusammenhalt, vor allem zwischen mir und meinem Mann, war es eher eine Bereicherung. Ich habe dadurch gemerkt, wie empathisch er ist und wie sehr er f\u00fcr mich da ist. Das mag f\u00fcr viele \u201ethe bare minimum\u201c sein, aber ich denke, in vielen Familien ist das einfach nicht die Realit\u00e4t. Wenn man heiratet, sagt man ja so sch\u00f6n: in guten wie in schlechten Zeiten. Wenn man dann auch mal gemeinsam diese schlechten Zeiten durchgestanden hat, schwei\u00dft einen das als Paar auf einer Ebene zusammen, von der man vorher gar nicht wusste, dass es sie gibt. Es verbindet einfach, auch, wenn es eine schmerzliche Verbindung ist.<\/p>\n<p> <b>Inwiefern hat der Verlust Sie selbst als Frau und Mutter ver\u00e4ndert?<\/b> <\/p>\n<p>Er hat mich in meiner Naivit\u00e4t ersch\u00fcttert. Ich habe danach auch zu meinem Mann gesagt: Es ist zwar eigentlich eine sch\u00f6ne Erkenntnis, aber ich wurde davor in meinem Leben noch nie wirklich mit dem Thema Trauer konfrontiert. Ich bin sehr beh\u00fctet aufgewachsen. Dann pl\u00f6tzlich zu erleben, dass einen etwas aus dem Nichts treffen kann, das einen so sehr aus dem Gleichgewicht bringt, dar\u00fcber war ich sehr erschrocken. <\/p>\n<p> <b>Ein solch schmerzhaftes Erlebnis bringt, wie Sie selbst sagen, viele \u00c4ngste und Unsicherheiten mit sich. Wie blicken Sie jetzt auf das Thema Schwangerschaft?<\/b> <\/p>\n<p>Ich kann mir nicht vorstellen, mit der gleichen Leichtigkeit in eine neue Schwangerschaft zu gehen, wie davor. Ein solcher Verlust ver\u00e4ndert einen f\u00fcr immer. Ich denke jetzt nicht mehr: Es wird schon alles gut werden, sondern ich lebe immer mit der Angst, dass etwas passieren k\u00f6nnte. Ich habe gro\u00dfen Respekt davor, denn eine neue Schwangerschaft bedeutet ja auch, all die Gef\u00fchle noch einmal zu durchleben und sich zur\u00fcckzuerinnern. Deshalb ist es umso wichtiger, den Verlust aufzuarbeiten und nicht zu verdr\u00e4ngen \u2013 sonst holt er einen sp\u00e4testens dann wieder ein. Vorbereiten kann man sich auf die Situation aber nat\u00fcrlich nicht. Dennoch sollte man sich die Vorfreude im Fall einer Schwangerschaft nicht nehmen lassen.<\/p>\n<p> <b>Wie kann das gelingen?<\/b> <\/p>\n<p>Das h\u00e4ngt unter anderem sehr vom Umfeld ab, finde ich. Viele Leute nehmen einem unbewusst die Vorfreude. Da erz\u00e4hlt man beispielsweise in der siebten Woche, dass man schwanger ist und als Reaktion kommt: \u201eIch gratuliere dir sicherheitshalber aber erst nach der zw\u00f6lften Woche\u201c. Das ist zwar gut gemeint, aber man erreicht damit das Gegenteil. Die Zeit bis dahin macht immerhin keinen kleinen Teil der Schwangerschaft aus \u2013 diese Zeit sollte man nicht in Unsicherheit verbringen m\u00fcssen. <\/p>\n<p> <b>In einer Podcast-Folge erz\u00e4hlen Sie von einem Familienausflug in die Berge. Wie lenken sie sich gerade ab, um auf andere Gedanken zu kommen?<\/b> <\/p>\n<p>Das hat mir sehr geholfen. Es war gut, einfach mal aus dem Alltagstrott rauszukommen. Auch deshalb ist es so wichtig, dass man offen \u00fcber eine Fehlgeburt spricht. Ansonsten wei\u00df es niemand und es wird erwartet, dass man einfach weiter so funktioniert, beispielsweise zur Arbeit geht, als w\u00e4re nichts gewesen.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem kann diese Art der Ablenkung nat\u00fcrlich auch ein St\u00fcck weit helfen. Das ist auch ein Grund, warum ich mit Social Media weitergemacht habe. Ich hatte dadurch eine Aufgabe, die mich abgelenkt hat.<\/p>\n<p> <b>Stichwort Social Media \u2013 wird das Thema auf Ihrem Kanal und im Podcast Thema bleiben?<\/b> <\/p>\n<p>Es ist schwierig f\u00fcr mich, den Grat zu finden, wie viel ich dar\u00fcber mit der \u00d6ffentlichkeit teile und wann es genug ist. Ich m\u00f6chte auf keinen Fall den Eindruck erwecken, dass ich das Thema um des Themas Willen verwende, um etwas f\u00fcr Social Media zu haben. Gleichzeitig ist unser Podcast sehr lebensnah und soll authentisch sein \u2013 ich teile dort das, was mir gerade im Moment so passiert. Es w\u00e4re f\u00fcr mich also mehr eine Show, nicht \u00fcber die Fehlgeburt zu sprechen, als es zu tun. Ich kann Dinge recht gut verarbeiten und dann auch wieder in die Zukunft blicken \u2013 deshalb denke ich nicht, dass es f\u00fcr immer ein gro\u00dfes Thema sein wird. Gleichzeitig kann ich nicht ausschlie\u00dfen, dass es mal aufkommt, denn so einfach ist es dann auch wieder nicht, damit abzuschlie\u00dfen. Es holt einen immer wieder ein. <\/p>\n<p> <b>Wie reagieren Ihre Follower und Zuh\u00f6rer darauf?<\/b> <\/p>\n<p>Viele, die selbst M\u00fctter sind, interessieren sich nat\u00fcrlich f\u00fcr das Thema und geben mir auch viel positives Feedback. Es entsteht sogar ein Austausch unter den Followern. Aber es gibt nat\u00fcrlich auch Menschen, die mit dem Thema \u00fcberhaupt nichts zu tun haben und mir beispielsweise folgen, weil sie Content \u00fcber unseren Hund sehen wollen. <\/p>\n<p> <b>Zeigen diese Leute Ihnen das?<\/b> <\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich bekomme ich dann zum Teil unempathische Nachrichten. Die muss man als Creator einfach f\u00fcr sich selbst filtern und in seinem Kopf aussortieren. Aber es sind auch unn\u00f6tige Kommentare darunter wie \u201eJa, Freunde und genau deshalb sagt man sowas nicht vor der zw\u00f6lften Woche\u201c.<\/p>\n<p> <b>Wie reagieren Sie in einem solchen Fall?<\/b> <\/p>\n<p>Ich \u00fcberlege ich mir dann schon, ob ich antworte und sage: \u201eJa doch, genau deshalb sollte man es vor der zw\u00f6lften Woche sagen.\u201c Denn dann kann ich klar machen: Das Thema darf nicht tabuisiert werden. Es ist nichts wof\u00fcr man sich sch\u00e4men muss \u2013 gerade, wo es doch so viele Menschen betrifft. <\/p>\n<p> <b>Problematisch auch, wenn das andere Betroffene solche Kommentare lesen.<\/b> <\/p>\n<p>Genau, man sollte immer darauf achten, was man kommentiert. Vielleicht wollen die Leute mich \u00e4rgern oder sie m\u00f6gen mich nicht. Aber man darf nicht vergessen, dass all das \u00f6ffentlich ist. Und es vielleicht auch Frauen lesen, die selbst betroffen sind, aber solche Aussagen nicht wie ich so einfach wegwischen k\u00f6nnen. Da liegt die Verantwortung bei uns allen, solche Themen sensibel zu behandeln. Gleichzeitig ist meine Botschaft: Es gibt bei dem Thema kein Richtig und kein Falsch \u2013 jede Frau sollte damit so umgehen k\u00f6nnen, wie sie m\u00f6chte, ohne eine Bewertung durch die Gesellschaft zu erfahren.<\/p>\n<p> Hintergrund <\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Fehlgeburten in Deutschland<\/strong><br \/>Sch\u00e4tzungsweise 10 bis 15 Prozent der bemerkten Schwangerschaften enden in Deutschland laut Angaben des Bundesministeriums f\u00fcr Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend als Fehlgeburt. Die meisten dieser Fehlgeburten, etwa 85 Prozent, treten dabei in den ersten 12 Schwangerschaftswochen auf. Da es in Deutschland keine offizielle Statistik gibt, liegt die tats\u00e4chliche Fehlgeburtenrate sehr wahrscheinlich sogar deutlich h\u00f6her. Sch\u00e4tzungen zufolge erlebt jede dritte Frau eine Fehlgeburt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Stuttgarterin Olivia von Platen ist Influencerin und Mutter. 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