{"id":661896,"date":"2025-12-21T11:00:15","date_gmt":"2025-12-21T11:00:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/661896\/"},"modified":"2025-12-21T11:00:15","modified_gmt":"2025-12-21T11:00:15","slug":"russland-ein-brief-ins-straflager-legal-aber-heikel-news","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/661896\/","title":{"rendered":"Russland: ein Brief ins Straflager \u2013 legal, aber heikel &#8211; News"},"content":{"rendered":"<p class=\"article-lead\">Solidarit\u00e4t mit politischen Gefangenen zu zeigen, ist in Russland nicht illegal. Trotzdem ist es nicht ungef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p class=\"article-author__name\">\n            Autor:\u00a0<\/p>\n<p>                Calum MacKenzie<\/p>\n<p class=\"article-author__date js-dateline\" data-publicationdate=\"2025-12-21T11:56:02+01:00\" data-modificationdate=\"2025-12-21T11:56:02+01:00\">\n            21.12.2025, 11:56\n        <\/p>\n<p>  Klicken, um die Teilen-Funktion zu \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>            Teilen<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">In Russland ist beinahe jede \u00f6ffentliche Kritik an Wladimir Putins Herrschaft verstummt. Doch Andersdenkende sind nicht ganz in den Untergrund verschwunden, wie ein Besuch in einem Moskauer Quartiertreff zeigt. Drinnen gibt es Kaffee und Tee, junge und alte Menschen sitzen an grossen Tischen, auf denen Papierstapel und Farbstifte liegen. <\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">In diesen unscheinbaren Ort st\u00fcrmte vor zwei Jahren eine Spezialeinheit der Polizei. \u00abAlle mussten mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden liegen\u00bb, erz\u00e4hlt eine Frau, die wir Darina nennen. \u00abDer Boden war kalt, unter uns waren viele \u00e4ltere Menschen, und wir mussten anderthalb Stunden so liegen bleiben. Da wird man ziemlich verspannt, das kann ich Ihnen sagen\u00bb, sagt sie.<\/p>\n<p>                <img decoding=\"async\" alt=\"Treff\" class=\"image__img\" loading=\"lazy\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7\"\/><\/p>\n<p>                    Legende:<\/p>\n<p>                Die Briefeschreibaktion im Moskauer Quartiertreff zieht noch immer Menschen an, die nicht ganz verstummen wollen.<\/p>\n<p>                    SRF\/Calum MacKenzie<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Am Ende liessen die Polizisten in schwerer Montur alle Anwesenden gehen. Sie hatten nichts Illegales getan: nur Briefe an politische Gefangene geschrieben. Dazu haben sie sich auch heute versammelt. \u00abIch schreibe gerade einem Alexander\u00bb, sagt der 68-j\u00e4hrige Wladimir. Von Alexander wisse er nur, dass er im Gef\u00e4ngnis sitze und Unterst\u00fctzung brauche: \u00abIch schreibe ihm einen Neujahrsgruss und w\u00fcnsche ihm, dass er bald freikommt und dass er gesund bleibt.\u00bb <\/p>\n<p>                <img decoding=\"async\" alt=\"Treff\" class=\"image__img\" loading=\"lazy\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7\"\/><\/p>\n<p>                    Legende:<\/p>\n<p>                An der Wand h\u00e4ngen Gem\u00e4lde und andere Kunstwerke \u2013 eine Ausstellung dar\u00fcber, \u00abwie die K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler diese Zeit erleben\u00bb, erkl\u00e4rt Sascha, Mitleiterin des Treffs.<\/p>\n<p>                    SRF\/Calum MacKenzie<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">F\u00fcr Menschenrechtsorganisationen sind Alexander und bis zu 7000 weitere Menschen in Russland politische H\u00e4ftlinge. Die Zahl ist seit dem Angriff auf die Ukraine rasant gestiegen.<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Unter ihnen sind viele Ukrainerinnen und Ukrainer, aber auch Russinnen und Russen, die etwa wegen kritischer Posts in den sozialen Medien verhaftet wurden, welche von den Beh\u00f6rden als \u00abDiskreditierung der russischen Streitkr\u00e4fte\u00bb oder \u00abRechtfertigung des Terrorismus\u00bb ausgelegt wurden.\u00a0 <\/p>\n<blockquote class=\"blockquote \">\n<p>\n        Aus Sicht des Kremls gibt es in Russland nat\u00fcrlich keine \u2039politischen Gefangenen\u203a.\n    <\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"article-paragraph\">\u00a0\u00abAus Sicht des Kremls gibt es in Russland nat\u00fcrlich keine \u2039politischen Gefangenen\u203a\u00bb, sagt Darina, die die Briefaktion organisiert hat. \u00abAber aus Sicht der Gef\u00e4ngnisbeh\u00f6rden schon: Ukrainer oder Andersdenkende leben dort unter schlimmsten Bedingungen, werden teilweise geschlagen. Man behandelt sie anders als andere H\u00e4ftlinge.\u00bb<\/p>\n<p>                                                        Mut machen und Grenzen ausloten<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Briefe zum Geburtstag oder Silvester sollen nicht nur den Gefangenen Mut machen. Die Aktion helfe auch den Schreibenden, sagt Sascha, die den Quartiertreff mitleitet. Politischen Aktivismus gebe es in Russland an sich nicht mehr. Aber die Leute seien noch da.<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Und sie wollten noch irgendetwas unternehmen, auch wenn es nur was Kleines ist wie Briefe schreiben: \u00abMan versucht immer, die Grenzen auszuloten \u2013 was man tun darf und was nicht\u00bb, erg\u00e4nzt sie.<\/p>\n<blockquote class=\"blockquote \">\n<p>\n        Die Polizei war mehrmals hier, und wir wurden immer wieder freigelassen. Aber jedes Mal fragst du dich, ob du auch diesmal freikommst.\n    <\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"article-paragraph\">Was von der prodemokratischen, russischen Zivilgesellschaft geblieben ist, existiert nur noch in dieser Grauzone \u2013 wo Regierungskritik nie direkt ist und heikle Themen wie der Krieg nicht angetastet werden. Bei aller Vorsicht sei die Angst vor einer Verhaftung allgegenw\u00e4rtig, so Sascha.\u00a0<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">\u00abDie Polizei war mehrmals hier, und wir wurden immer wieder freigelassen. Aber jedes Mal fragst du dich, ob du auch diesmal freikommst.\u00bb Die letzte Razzia sei schon l\u00e4nger her. \u00abVielleicht war es den Polizisten peinlich, als sie da die ganzen harmlosen alten Leute und Jugendliche sahen. Ich hoffe es jedenfalls.\u00bb<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Rentner Wladimir hat noch einen Weg gefunden, verhaftete Andersdenkende zu unterst\u00fctzen: Er besucht Gerichtsverhandlungen. Das sei wie mit den Briefen \u2013 um den Leuten zu zeigen, dass sie nicht allein sind. Mit dem fortschreitenden Alter schaffe er es aber nicht mehr an alle Prozesse: \u00abIch besuche immer weniger \u2013 aber Prozesse gibt es immer mehr.\u00bb<\/p>\n<p>  Klicken, um die Teilen-Funktion zu \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>            Teilen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Solidarit\u00e4t mit politischen Gefangenen zu zeigen, ist in Russland nicht illegal. Trotzdem ist es nicht ungef\u00e4hrlich. 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