{"id":662918,"date":"2025-12-21T21:02:18","date_gmt":"2025-12-21T21:02:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/662918\/"},"modified":"2025-12-21T21:02:18","modified_gmt":"2025-12-21T21:02:18","slug":"versinkt-ganz-europa-in-blutigen-buergerkriegen-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/662918\/","title":{"rendered":"Versinkt ganz Europa in blutigen B\u00fcrgerkriegen? \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Die westliche Welt,\u00a0speziell\u00a0die europ\u00e4ischen Staaten und die USA \u2013 sie alle steuern\u00a0geradewegs auf einen B\u00fcrgerkrieg zu.\u00a0\u201eDer B\u00fcrgerkrieg kommt in den Westen\u201d,\u00a0prophezeit\u00a0David Betz, Professor\u00a0f\u00fcr Kriegsstudien am Londoner Kings College,\u00a0im \u201eMilitary\u00a0Strategy\u00a0Magazine\u201d.\u00a0Seither wird\u00a0der aus Kanada stammende Forscher\u00a0landauf, landab interviewt, zuletzt etwa\u00a0vom Berliner\u00a0Monatsmagazin\u00a0\u201eCicero\u201d.\u00a0<\/p>\n<p>Betz ist nicht der erste\u00a0Kriegsforscher,\u00a0der\u00a0die\u00a0Eskalation von sozialen Konflikten\u00a0bis hin\u00a0zu B\u00fcrgerkriegen im Westen f\u00fcr\u00a0wahrscheinlich\u00a0h\u00e4lt. Schon vor\u00a0Betz\u00a0analysierte\u00a0die\u00a0in\u00a0Kalifornien\u00a0lehrende\u00a0Politikwissenschafterin Barbara F. Walter in\u00a0einem\u00a02022\u00a0erschienenen Buch, warum immer mehr Staaten am Abgrund stehen. Sie ver\u00f6ffentlichte ihr Werk vor dem Hintergrund des Sturms auf das Kapitol\u00a0in Washington\u00a0am 6. J\u00e4nner\u00a02021, der durchaus in einen gewaltsamen landesweiten Konflikt h\u00e4tte ausarten k\u00f6nnen.\u00a0<\/p>\n<p>              Hinweis: <\/p>\n<p>Gastkommentare und Beitr\u00e4ge von externen Autorinnen und Autoren m\u00fcssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/meinung\/gastkommentar\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&gt;&gt;&gt; Mehr Gastkommentare<\/a><\/p>\n<p>Was die Faktoren betrifft, die einen B\u00fcrgerkrieg\u00a0in westlichen Staaten ausl\u00f6sen k\u00f6nnten,\u00a0herrscht in den Analysen von Betz und Walter\u00a0in vielen Punkten\u00a0\u00dcbereinstimmung:\u00a0<\/p>\n<p>Erstens\u00a0ist da\u00a0die immer tiefer gehende politische Spaltung in vielen L\u00e4ndern, die sich entlang rassischer, ethnischer und religi\u00f6ser\u00a0Bruchlinien vollzieht. \u201eDie Menschen diskutieren nicht mehr \u00fcber Sachfragen miteinander, sondern sie\u00a0bilden sich ihre Meinung zu Themen, die\u00a0der Konsensmeinung ihrer Gruppe\u00a0entsprechen\u201d, sagt Betz.\u00a0\u201ePolitik dreht sich nicht mehr um konkurrierende politische Meinungen, sondern gestritten wird \u00fcber die rassische und religi\u00f6se Identit\u00e4t eines Landes\u201d,\u00a0argumentiert\u00a0Walter.\u00a0<\/p>\n<p>Zweitens\u00a0ist da\u00a0die Empfindung eines Statusverlustes. Eine einstmals dominante Mehrheit einer Gesellschaft bef\u00fcrchtet, dass ihre Sprache, Kultur und Traditionen durch Neuank\u00f6mmlinge verdr\u00e4ngt\u00a0werden. Betz meint, dass\u00a0sich\u00a0die Wahrnehmung\u00a0einer\u00a0\u201edemografischen Ersetzung\u201d\u00a0in immer gr\u00f6\u00dferen gesellschaftlichen Gruppen\u00a0westlicher Staaten\u00a0ausbreitet.\u00a0Die politische Elite aber nehme dieses Ph\u00e4nomen nicht zur Kenntnis, ja leugne es.\u00a0<\/p>\n<p>Drittens\u00a0ist da\u00a0der Verlust des Vertrauens in die F\u00e4higkeit\u00a0herk\u00f6mmlicher\u00a0Politik,\u00a0Probleme zur Zufriedenheit der Mehrheitsbev\u00f6lkerung zu l\u00f6sen. Die Konsequenz, so Betz,\u00a0ist eine Legitimit\u00e4tskrise.\u00a0Immer gr\u00f6\u00dfere Teile der Gesellschaft beginnen den politischen Entscheidungstr\u00e4gern wie auch staatlichen Institutionen, der Justiz und den Medien\u00a0zu misstrauen.\u00a0Auch der j\u00fcngst ver\u00f6ffentlichte \u00f6sterreichische Demokratiemonitor\u00a0h\u00e4lt fest, dass die Zufriedenheit der Bev\u00f6lkerung mit dem politischen System immer weiter\u00a0sinkt; nur noch 35 Prozent der Menschen glauben, dass \u00d6sterreichs politisches System gut funktioniert.\u00a0<\/p>\n<p>Stabile Demokratien, so\u00a0schlussfolgert\u00a0wiederum\u00a0Walter aus den\u00a0ihr vorliegenden\u00a0Daten, kollabieren praktisch nie\u00a0in Gewaltausbr\u00fcchen, genauso wenig wie\u00a0eisenharte Autokratien. Viel\u00a0anf\u00e4lliger\u00a0f\u00fcr\u00a0gewaltsame soziale Konflikte, seien\u00a0Anokratien\u00a0\u2013 Staaten, die keine vollen Demokratien, aber auch\u00a0keine\u00a0ausgewachsenen Autokratien\u00a0seien. Walter sieht die USA derzeit\u00a0in\u00a0einer solch\u00a0gef\u00e4hrlichen\u00a0Zwischenzone.\u00a0<\/p>\n<p>Viertens erh\u00f6ht der wirtschaftliche Niedergang das soziale Konfliktpotenzial: Produktivit\u00e4tsstagnation oder -r\u00fcckgang, hohe Verschuldung, energie- und industriepolitische Fehlentscheidungen schw\u00e4chen die \u00f6konomische Basis. Dabei, so Betz,\u00a0w\u00fcrden\u00a0gerade\u00a0wirtschaftliche Perspektiven zu den st\u00e4rksten Schutzfaktoren gegen innere Unruhen\u00a0geh\u00f6ren.\u00a0Vor allem\u00a0bei den jungen Generationen w\u00e4chst die Frustration, weil Eigentum und\u00a0Altersvorsorge f\u00fcr sie immer schwerer erreichbar seien\u00a0und sie sich schlechter gestellt\u00a0sehen\u00a0als ihre Eltern. Damit aber sei das westliche Versprechen des sozialen Aufstiegs gebrochen\u00a0und\u00a0werde\u00a0das Sozialkapital geschw\u00e4cht.\u00a0<\/p>\n<p>Betz\u00a0sagte dazu\u00a0dem Schweizer Monatsmagazin\u00a0\u201eLe\u00a0Regard\u00a0Libre\u201d: \u201eDie Schw\u00e4chung des Sozialkapitals l\u00e4sst sich auch daran messen, dass das Vertrauen in zwischenmenschliche Beziehungen sinkt, Freiwilligenarbeit und Wohlt\u00e4tigkeit abnehmen, die Angst vor Kriminalit\u00e4t zunimmt und\u00a0ein Gef\u00fchl der Einsamkeit und der\u00a0allgemeinen\u00a0Entfremdung entsteht. Der soziale\u00a0Zusammenhalt ist\u00a0heute rapide im Niedergang begriffen. Der Mangel an Zusammenhalt\u00a0aber\u00a0ist einer der Hauptbedingungen f\u00fcr B\u00fcrgerkriege.\u201d\u00a0<\/p>\n<p>Walter f\u00fchrt noch weitere Faktoren an, die insbesondere in den USA den Ausbruch von landesweiter politischer Gewalt beg\u00fcnstigen k\u00f6nnten.\u00a0Zum einen\u00a0ist das\u00a0der leichte Zugang zu Waffen\u00a0dort, die Amerikaner besitzen\u00a0pro Kopf\u00a0mehr Waffen als jedes andere Land der Welt. Zum anderen\u00a0agiert da\u00a0ein politischer\u00a0F\u00fchrer, der Gewalt toleriert, ja sogar\u00a0zu ihr\u00a0ermutigt. \u201eWenn politische\u00a0F\u00fchrer signalisieren, dass der Einsatz von\u00a0Gewalt akzeptabel\u00a0ist, dann sehen sich auch ihre Anh\u00e4nger\u00a0zur Gewaltanwendung\u00a0ermuntert.\u201d\u00a0<\/p>\n<p>F\u00fcr\u00a0Betz\u00a0sind\u00a0die\u00a0negativen Trends\u00a0\u2013\u00a0aufgebrauchte\u00a0Legitimit\u00e4t, verschlossene\u00a0Zukunftsperspektiven\u00a0f\u00fcr die\u00a0junge\u00a0Generation, kollabiertes\u00a0soziales Vertrauen \u2013 nicht\u00a0nur\u00a0vor\u00fcbergehende St\u00f6rungen,\u00a0vielmehr\u00a0markierten sie\u00a0eine strukturelle Transformation der\u00a0westlichen\u00a0Gesellschaften:\u00a0<\/p>\n<p>\u201eDie Polarisierung hat sich fest eingewurzelt, die St\u00e4dte verwildern, sind fremdartig und fragil,\u00a0der Stadt-Land-Gegensatz l\u00e4uft geradewegs auf einen politischen Konflikt hinaus und der wirtschaftliche Niedergang hat den ideologischen Anker des Fortschritts zerst\u00f6rt. Das Ergebnis ist nicht\u00a0einfach\u00a0eine Malaise, sondern ein brandgef\u00e4hrliches strategisches Umfeld, in dem die Legitimit\u00e4t verdunstet ist,\u00a0die Missst\u00e4nde sich t\u00fcrmen und die Architektur der Stabilit\u00e4t\u00a0vor aller Augen\u00a0zerf\u00e4llt.\u201d\u00a0<\/p>\n<p>Reif f\u00fcr einen B\u00fcrgerkrieg h\u00e4lt Betz vor allem Gro\u00dfbritannien und Frankreich, interessanterweise auch Irland.\u00a0Er glaubt, wenn in einem europ\u00e4ischen Land einmal ein B\u00fcrgerkrieg ausbreche, w\u00fcrde der Funke\u00a0rasch\u00a0in andere L\u00e4nder \u00fcberspringen. Die mittelosteurop\u00e4ischen Staaten h\u00e4lt er f\u00fcr besser immunisiert gegen die B\u00fcrgerkriegsgefahr\u00a0\u2013 im Gegensatz zu Walter, die \u201eHalbdemokratien\u201d wie Ungarn als besonders gef\u00e4hrdet sieht.\u00a0<\/p>\n<p>Viele der von Betz aufgestellten Thesen treffen\u00a0ins Schwarze, sollten jedenfalls breit diskutiert werden. Problematischer sind seine Prognosen, die pechschwarz sind und\u00a0eine\u00a0zutiefst pessimistische Weltsicht offenbaren: B\u00fcrgerkriege sind seiner Meinung nach aufgrund der aufgezeigten negativen Trends unvermeidlich,\u00a0am gegenseitigen Abschlachten\u00a0f\u00fchrt kein Weg\u00a0vorbei.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Ja,\u00a0es stimmt,\u00a0dass das heutige politische F\u00fchrungspersonal in Europa mehr als zu w\u00fcnschen \u00fcbrigl\u00e4sst. Betz aber h\u00e4lt die politische Elite f\u00fcr v\u00f6llig inkompetent und lernunf\u00e4hig.\u00a0Er sieht deshalb einen Massenaufstand gegen die politischen Eliten\u00a0kommen, prophezeit einen Konflikt zwischen Nationalisten und Postnationalisten\u00a0und\u00a0eine Auseinandersetzung zwischen Einheimischen und Eingewanderten:\u00a0Ein bisschen\u00a0gar viele\u00a0K\u00e4mpfe auf einmal.\u00a0<\/p>\n<p>Und dann f\u00fchrt\u00a0Betz\u00a0auch noch \u201e15 glaubhafte\u00a0europ\u00e4ische\u00a0politische\u00a0Pers\u00f6nlichkeiten an\u201d, die den gewaltsamen sozialen Kollaps\u00a0in ihren L\u00e4ndern voraussagen.\u00a0Es sind alles\u00a0Politiker des rechten und \u00e4u\u00dferst rechten Spektrums,\u00a0von denen\u00a0die\u00a0d\u00fcsteren\u00a0Warnungen\u00a0stammen. Unter ihnen auch FP\u00d6-Chef <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/herbert-kickl\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" ganz=\"\" europa=\"\" in=\"\" blutigen=\"\" b=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Herbert Kickl<\/a>&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die westliche Welt,\u00a0speziell\u00a0die europ\u00e4ischen Staaten und die USA \u2013 sie alle steuern\u00a0geradewegs auf einen B\u00fcrgerkrieg zu.\u00a0\u201eDer B\u00fcrgerkrieg kommt&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":662919,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,548,663,158,3934,3935,154732,13,14,15,12],"class_list":{"0":"post-662918","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europaeische-union","13":"tag-europe","14":"tag-european-union","15":"tag-globetrotter","16":"tag-headlines","17":"tag-nachrichten","18":"tag-news","19":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/662918","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=662918"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/662918\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/662919"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=662918"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=662918"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=662918"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}