{"id":663097,"date":"2025-12-21T22:51:25","date_gmt":"2025-12-21T22:51:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/663097\/"},"modified":"2025-12-21T22:51:25","modified_gmt":"2025-12-21T22:51:25","slug":"verbindlichkeit-muss-wachsen-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/663097\/","title":{"rendered":"\u00bbVerbindlichkeit muss wachsen\u00ab \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>Vor 25 Jahren wurde die Freiwilligenagentur in Leipzig gegr\u00fcndet, die seitdem Menschen und Organisationen zu ehrenamtlichem Engagement ber\u00e4t. Ralf Els\u00e4sser war damals dabei und ist nach wie vor Vorstandsmitglied des Vereins. Wir sprachen mit ihm \u00fcber seine Motivation und dar\u00fcber, wie sich ehrenamtliche Arbeit seitdem ver\u00e4ndert hat.<\/p>\n<p><strong>Woher kam vor 25 Jahren die Idee f\u00fcr die Freiwilligenagentur?<\/strong><\/p>\n<p>Im Rahmen der Leipziger Agenda 21, die es als offenen Netzwerkprozess seit 1997 gibt und die inzwischen Forum Nachhaltiges Leipzig hei\u00dft, ging es auch darum, wie man ehrenamtliches Engagement st\u00e4rken kann. In Halle gab es damals schon eine Freiwilligenagentur und ich dachte: \u00bbMensch, toll! So was brauchen wir in Leipzig auch.\u00ab <\/p>\n<p><strong><br \/>Warum braucht Leipzig so was? <\/strong><\/p>\n<p>Wir wollten ehrenamtliches Engagement auf mehreren Ebenen f\u00f6rdern. Womit die Freiwilligenagentur angefangen hat und was sie immer noch tut, ist die direkte Beratung von Menschen, um das f\u00fcr sie passende Ehrenamt zu finden. Au\u00dferdem wollten wir f\u00fcr ehrenamtliches Engagement werben. Eine wichtige Rolle spielte dabei auch die Anerkennung der Ehrenamtlichen. Sp\u00e4ter haben wir gemerkt, dass es genauso wichtig ist, die Organisationen, die das Ehrenamt anbieten, zu unterst\u00fctzen, etwa bei der Vereinsgr\u00fcndung oder rechtlichen Themen. All diese Aspekte b\u00fcndeln wir in der Freiwilligenagentur.<\/p>\n<p><strong><br \/>Apropos Anerkennung: Wie kann Arbeit <\/strong><strong>wertgesch\u00e4tzt werden, die nicht mit Geld <br \/><\/strong><strong>entlohnt wird?<\/strong><\/p>\n<p>Wir machen das vor allem \u00fcber den Ehrenamtspass. Ich habe ihn Anfang der 2000er schon in Dresden gesehen und wollte die Idee nach Leipzig holen. Wir haben es dann recht schnell geschafft, Kooperationspartner zu finden, die sp\u00fcrbare Rabatte f\u00fcr Ehrenamtliche anbieten. Den Ehrenamtspass gibt es bis heute, und inzwischen bekommen ihn j\u00e4hrlich \u00fcber 5.000 Menschen \u2013 wobei es nicht so ist, dass die Leute etwas ehrenamtlich tun, weil sie daf\u00fcr materielle Vorteile bekommen. Wir versuchen auch, mehr Sichtbarkeit f\u00fcr ehrenamtliches Engagement zu schaffen. Auch zu diesem Thema beraten wir Vereine: wie sie Menschen, die Lust haben, sich zu engagieren, l\u00e4ngerfristig halten k\u00f6nnen. <\/p>\n<p><strong><br \/>Wie hat sich die Arbeit der Freiwilligen<\/strong><strong>agentur in den letzten 25 Jahren ver\u00e4ndert? <\/strong><\/p>\n<p>Zum einen war die Arbeit der Agentur am Anfang selbst komplett ehrenamtlich. Nach seiner Wiederwahl als Leipzigs OBM 2005 hat Wolfgang Tiefensee eine Grundsatzerkl\u00e4rung ver\u00f6ffentlicht, dass er ehrenamtliches Engagement in der Stadt f\u00f6rdern will. Das haben wir zum Anlass genommen, ein Gespr\u00e4ch mit ihm und dem damaligen Sozialb\u00fcrgermeister Burkhard Jung zu suchen. Dabei wurde uns die institutionelle F\u00f6rderung (2005 konnte eine Teilzeitstelle finanziert werden, inzwischen sind es vier, Anm. d. Red.) zugesagt. F\u00fcr den Verein war das wie ein Ritterschlag: Wir konnten ab da mit einer Basisfinanzierung rechnen, die unserer Arbeit Kontinuit\u00e4t verleiht. <\/p>\n<p><strong><br \/>Hat sich das ehrenamtliche Engagement \u00fcber die Jahre ver\u00e4ndert? <\/strong><\/p>\n<p>Die Themen, f\u00fcr die man sich in der Stadt engagiert, sind recht \u00e4hnlich geblieben. Allerdings sind neue Aktionsformen dazugekommen, etwa die Reparaturcaf\u00e9s oder Verschenkel\u00e4den. Bei \u00c4lteren hat sich das Engagement nicht wesentlich ver\u00e4ndert. Ich sehe aber bei J\u00fcngeren den Trend, sich eher projektbezogen zu engagieren. Das ist eine Herausforderung, da klassische Vereinsstrukturen eher auf Kontinuit\u00e4t ausgerichtet sind. <\/p>\n<p><strong><br \/>Haben Sie eine Erkl\u00e4rung, warum das so ist?<\/strong><\/p>\n<p>Die M\u00f6glichkeiten sind einfach vielf\u00e4ltiger geworden. Es gibt so viele Anregungen in der Welt, mit denen man sich besch\u00e4ftigen kann. Das Bed\u00fcrfnis wird gr\u00f6\u00dfer, sich nicht so lange zu binden und viel Verschiedenes zu erleben. <\/p>\n<p><strong><br \/>Was raten Sie Vereinen, um junge Menschen anzusprechen und Verbindlichkeit herzustellen?<\/strong><\/p>\n<p>Verbindlichkeit entsteht nicht von jetzt auf gleich, sondern muss wachsen. Wichtig ist, dass Menschen sich selbst verwirklichen und etwas Eigenes in den bestehenden Strukturen gestalten k\u00f6nnen. Deshalb sollten neue Ehrenamtliche nicht nur einen bestehenden Platz ausf\u00fcllen, sondern eben auch Raum f\u00fcr Neues bekommen. <\/p>\n<p><strong><br \/>Welche Motivation haben Menschen \u00fcberhaupt, sich ehrenamtlich zu <\/strong><strong>engagieren?<\/strong><\/p>\n<p>Selbstwirksamkeit auf jeden Fall. Viele motiviert auch, mit Menschen in Kontakt zu kommen, die sie im allt\u00e4glichen Leben nicht treffen w\u00fcrden. Und ein weiterer Grund ist nat\u00fcrlich, helfen zu k\u00f6nnen. Das Wissen darum, dass mein Handeln jemandem guttut, tut mir auch gut. \u2013 Was ich wichtig finde, was aber oft im Hintergrund passiert, ist, dass ein Ehrenamt auch eine wichtige Weiterbildungsquelle ist. Man lernt vieles, das man im beruflichen Kontext so nicht gelernt h\u00e4tte. Ich bin selbst ein gutes Beispiel: Ich arbeite seit 35 Jahren freiberuflich, in einem ganz anderen Bereich als dem, den ich studiert habe. \u00dcber mein Ehrenamt habe ich praktisch gelernt, wie Konzeptentwicklung und Moderation funktionieren oder wie ich Geld f\u00fcr Projekte akquiriere. In Bewerbungsverfahren achte ich selbst auch darauf, denn ehrenamtliches Engagement zeigt, dass jemand von seiner Grundhaltung her motiviert und engagiert ist. <\/p>\n<p><strong><br \/>Ist ehrenamtliches Engagement nicht auch ein gewisser Luxus, den man sich leisten k\u00f6nnen muss? <\/strong><\/p>\n<p>Es gibt sicherlich Menschen, die so viel arbeiten m\u00fcssen, dass sie daneben keine Zeit f\u00fcr Ehrenamt mehr haben. Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass sich gerade die engagieren, die sowieso schon an anderer Stelle oder im Berufsleben stark eingebunden sind. Wir haben eine Zeit lang intensiv versucht, Menschen anzusprechen, die in den Ruhestand gehen. Aber wir haben gemerkt, dass es viel wahrscheinlicher ist, dass Menschen, die davor schon ehrenamtlich gearbeitet haben, ihr Engagement ausbauen, als dass die, die davor nichts gemacht haben, damit anfangen. Es hat also viel mit der eigenen Haltung und mit Gewohnheit zu tun und weniger damit, ob man viel oder wenig Geld oder Zeit hat. <\/p>\n<p>INTERVIEW: MAIKA SCHMITT<\/p>\n<p>&gt; <a href=\"http:\/\/www.freiwilligen-agentur-leipzig.de\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">www.freiwilligen-agentur-leipzig.de<\/a>\u200b<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Vor 25 Jahren wurde die Freiwilligenagentur in Leipzig gegr\u00fcndet, die seitdem Menschen und Organisationen zu ehrenamtlichem Engagement ber\u00e4t.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":663098,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1832],"tags":[15176,3364,29,5393,154756,40411,30,71,859],"class_list":["post-663097","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-leipzig","tag-freiwilligendienst","tag-de","tag-deutschland","tag-ehrenamt","tag-ehrenamt-im-alter","tag-ehrenamtliche","tag-germany","tag-leipzig","tag-sachsen"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115760010647853905","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/663097","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=663097"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/663097\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/663098"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=663097"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=663097"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=663097"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}