{"id":663830,"date":"2025-12-22T06:41:22","date_gmt":"2025-12-22T06:41:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/663830\/"},"modified":"2025-12-22T06:41:22","modified_gmt":"2025-12-22T06:41:22","slug":"das-kunstarchiv-darmstadt-entdeckt-maria-von-heider-schweinitz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/663830\/","title":{"rendered":"Das Kunstarchiv Darmstadt entdeckt Maria von Heider-Schweinitz"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Am Ende ist es nur die halbe Wahrheit. Auch wenn die biographischen L\u00fccken, wie sie diese h\u00f6chst sehenswerte Ausstellung dem Besucher ganz nebenbei noch offenbart, zun\u00e4chst f\u00fcr sich zu sprechen scheinen. Daf\u00fcr, dass der Weg einer Frau in die Kunst, wo bis ins 20. Jahrhundert nicht ohnehin fast unm\u00f6glich, allemal beschwerlich war. Oder dass Maria von Heider-Schweinitz (1894\u20131974), wie so viele Angeh\u00f6rige der zweiten Expressionisten-Generation, einfach zu sp\u00e4t dran war, um nach dem <a data-rtr-index=\"6\" title=\"Zweiter Weltkrieg\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/zweiter-weltkrieg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Zweiten Weltkrieg<\/a>, als l\u00e4ngst Informel und Abstraktion den Kunstmarkt dominierten, noch zu re\u00fcssieren.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Kaum eine Handvoll Ausstellungen hatte sie von da an bis zu ihrem Tod. Und insofern hat die Erz\u00e4hlung von der \u201everlorenen Generation\u201c auch in ihrem Fall mehr als nur einen wahren Kern. Doch nicht nur hatte die in <a data-rtr-index=\"11\" title=\"Darmstadt\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/rhein-main\/thema\/darmstadt\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Darmstadt<\/a> geborene K\u00fcnstlerin die Kunst mit der Geburt ihrer drei Kinder \u00fcber Jahre aufgegeben. Es ist ein Gro\u00dfteil ihres Fr\u00fchwerks im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen und verbrannt, und \u00fcberdies hat Heider-Schweinitz aufgrund einer Reihe privater Schicksalsschl\u00e4ge in den F\u00fcnfziger- und Sechzigerjahren noch einmal \u00fcber Jahre kaum gemalt.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Gen\u00fcgend Umst\u00e4nde, die einer nachhaltigen Pr\u00e4senz im Kunstbetrieb nicht eben f\u00f6rderlich waren. Und doch war es wom\u00f6glich etwas komplizierter. Oder auch ganz einfach. Jedenfalls erz\u00e4hlt ein Brief, den sie an den Malerkollegen Karl Schmidt-Rottluff schrieb, mit dem sie \u00fcber Jahrzehnte eng befreundet war, dar\u00fcber hinaus noch eine andere Geschichte. \u201eDass ich f\u00fcr meine Person nicht ehrgeizig bin\u201c, hei\u00dft es da, \u201edas hat wohl mein ganzes Leben bewiesen. Den Bildern aber w\u00fcnsche ich <a data-rtr-index=\"9\" title=\"Gerechtigkeit\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/thema\/soziale-gerechtigkeit\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gerechtigkeit<\/a>, sei es auch nach meinem Tode.\u201c Mag sein, das klingt ein wenig arg pathetisch.<\/p>\n<p>\u201eDen Bildern aber w\u00fcnsche ich Gerechtigkeit\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Und wenn nun das Darmst\u00e4dter Kunstarchiv Heider-Schweinitz eine vornehmlich mit Arbeiten aus dem Nachlass best\u00fcckte, auf Selbstportr\u00e4ts und Bildnisse konzentrierte Schau widmet, mag man von Wiedergutmachung mehr als 50 Jahre nach dem Tod der Malerin nicht sprechen. Von einer Entdeckung indes allemal. War die K\u00fcnstlerin doch aus den genannten Gr\u00fcnden bis vor ein paar Jahren weitgehend vergessen. Bis zun\u00e4chst das Frankfurter Museum Giersch und erst 2024 die Galerie Hanna Bekker vom Rath nach Jahrzehnten erstmals wieder ihre Bilder zeigten. Und ihrem Werk damit in jener Stadt, in der sie jahrzehntelang zu Hause war, eine B\u00fchne f\u00fcr einen wahrhaft fulminanten Auftritt gaben.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Eigene Handschrift: Maria von Heider-Schweinitz, Ohne Titel (Wei\u00dfe Lilie in dunkler Vase), 1936\" height=\"3461\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/eigene-handschrift-maria-von.webp.webp\" width=\"2460\" class=\"sm:w-content-xs w-full\" tabindex=\"0\"\/>Eigene Handschrift: Maria von Heider-Schweinitz, Ohne Titel (Wei\u00dfe Lilie in dunkler Vase), 1936Kunstarchiv Darmstadt<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Dabei sah sich Heider-Schweinitz zur Malerei eigentlich gar nicht berufen. Bis ihr Richard Scheibe, ihr Lehrer f\u00fcr Bildhauerei an der St\u00e4delschule, und Karl Schmidt-Rottluff, den sie 1932 kennengelernt hatte, den Rat gaben, sich statt Ton und Stein und Bronze doch lieber Pinsel, Farbe, Leinwand zuzuwenden. Und doch, so zeigt die von Claudia Olbrych eingerichtete, \u201eBild und Selbstbild\u201c \u00fcberschriebene Schau, war es zu einem dezidiert expressionistisch zu nennenden Stil zun\u00e4chst noch weit.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Probiert sich die junge Malerin mit \u201eAkt im gr\u00fcnen Licht\u201c oder dem \u201eTrio im Freien\u201c in weichen, pastellfarbenen Kompositionen noch erkennbar aus, bevor sie sich von Mitte der Drei\u00dfigerjahre an \u2013 der Expressionismus war da l\u00e4ngst als \u201eentartet\u201c denunziert \u2013 ihres Stils allm\u00e4hlich vergewissert und zusehends freischwimmt. Zwar l\u00e4sst sich ihre Bewunderung f\u00fcr Schmidt-Rottluff phasenweise schwerlich \u00fcbersehen.<\/p>\n<p>Von Gerechtigkeit f\u00fcr Heider-Schweinitz kann noch keine Rede sein<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Doch schon das herrliche, 1936 entstandene \u201eOhne Titel (Wei\u00dfe Lilien in dunkler Vase)\u201c oder das im gleichen Jahr entstandene, desillusioniert und einander entfremdet beieinandersitzende \u201eEhepaar\u201c markieren ihren Weg hin zu einer eigenen Handschrift, der Heider-Schweinitz \u2013 trotz sp\u00e4ter vorsichtiger Schritte auf dem Feld der Abstraktion \u2013 von nun an im Wesentlichen treu bleibt.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Dass voraussichtlich zwei Gem\u00e4lde aus dem Nachlass Maria von Heider-Schweinitz\u2019 Eingang in die St\u00e4dtische Kunstsammlung auf der Mathildenh\u00f6he finden sollen, mag man unterdessen als Zeichen werten daf\u00fcr, dass es nicht nur dem Kunstarchiv, sondern auch Darmstadt ernst ist mit dieser K\u00fcnstlerin. Freilich gibt es bis heute kein Werkverzeichnis, und auch der \u00fcber Jahrzehnte aufrechterhaltene Briefwechsel mit Karl Schmidt-Rottluff ist nicht wirklich erschlossen. Von Gerechtigkeit f\u00fcr Heider-Schweinitz\u2019 malerisches Schaffen kann also 50 Jahre nach dem Tod der K\u00fcnstlerin noch keine Rede sein. Doch immerhin: Ein Anfang ist gemacht.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Maria von Heider-Schweinitz, \u201eBild und Selbstbild\u201c ist im Kunstarchiv Darmstadt, Kasinostra\u00dfe 3, bis 9. Januar dienstags und freitags von 10 bis 13 Uhr, donnerstags von 10 bis 18 Uhr ge\u00f6ffnet. Finissage der Ausstellung\u00a0 am 11. Januar 2026 um 14 Uhr mit Sophie Lieb, Urenkelin der K\u00fcnstlerin, und Katrin Thomschke, Hessisches Landesmuseum Darmstadt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am Ende ist es nur die halbe Wahrheit. 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