{"id":664519,"date":"2025-12-22T13:59:15","date_gmt":"2025-12-22T13:59:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/664519\/"},"modified":"2025-12-22T13:59:15","modified_gmt":"2025-12-22T13:59:15","slug":"so-reagieren-muenchner-gastronomen-auf-die-mehrwertsteuersenkung-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/664519\/","title":{"rendered":"So reagieren M\u00fcnchner Gastronomen auf die Mehrwertsteuersenkung &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vw426e\">Gerade erst am vergangenen Freitag hat der Bundesrat die Mehrwertsteuersenkung auf Speisen in der Gastronomie auf sieben Prozent vom 1. Januar an beschlossen, da meldet sich Maximilian Heisler schon auf Instagram zu Wort und verk\u00fcndet: Das \u201eSaletta\u201c werde die Senkung an seine G\u00e4ste in Form eines Gutscheins weitergeben. Wer 85 Euro zahlt, kann in dem\u00a0Giesinger Wirtshaus f\u00fcr 100 Euro essen und trinken. Allerdings sollte man wissen: Zu kaufen gibt es die Gutscheine \u2013 zumindest vorerst\u00a0\u2013 bis 31. Januar.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Am Telefon erkl\u00e4rt Heisler, der das Saletta mit vier anderen Gastronomen betreibt, am Montag die Entscheidung so: Zum einen habe man die Mehrwertsteuersenkung schon in irgendeiner Form weitergeben wollen, zum anderen sei eine dauerhafte Anpassung der Preise f\u00fcr das noch relativ neue Wirtshaus\u00a0\u2013 erst vor gut eineinhalb Jahren haben sie ge\u00f6ffnet\u00a0\u2013 finanziell nicht drin.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/0d2e3c1f-14cd-4af9-9b89-b4a31e6f6664.jpg\"   alt=\"Max Thissen, Betriebsleiter vom Saletta, pr\u00e4sentiert den 100-Euro-Gutschein, den man in dem Giesinger Wirtshaus aktuell f\u00fcr 85 Euro bekommt.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Max Thissen, Betriebsleiter vom Saletta, pr\u00e4sentiert den 100-Euro-Gutschein, den man in dem Giesinger Wirtshaus aktuell f\u00fcr 85 Euro bekommt. (Foto: Florian Peljak)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Zudem sieht Heisler, der das Saletta als Treffpunkt f\u00fcrs Viertel versteht, es so: \u201eWir kommen den Leuten entgegen, die eh Lust haben, zu uns zu kommen.\u201c Die Aktion ist f\u00fcr ihn deshalb weniger ein reiner Marketinggag als vielmehr ein Weg, G\u00e4ste dauerhaft an das Saletta zu binden\u00a0\u2013 und das zahlt sich dann im Idealfall langfristig aus. Auch deshalb will Heisler nicht ausschlie\u00dfen, dass sie die Aktion verl\u00e4ngern oder sich noch etwas anderes \u00fcberlegen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Heisler k\u00f6nne aber, das betont er, auch jeden Gastronomen verstehen, der die Senkung gar nicht an den Gast weitergebe. Vor allem f\u00fcr kleine Betriebe hat er Verst\u00e4ndnis. Ein solcher Fall w\u00e4re das vegane Caf\u00e9 \u201eOmnomnom\u201c von Daniel Tesic in Neuhausen. Der Betreiber findet: \u201eDie Mehrwertsteuersenkung ist nicht daf\u00fcr da, Preise zu senken, sondern um weitere Erh\u00f6hungen \u00fcberhaupt vermeiden zu k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Generell st\u00f6rt Tesic aber, wie undifferenziert die Debatte gef\u00fchrt werde: Da werde einerseits nicht zwischen gro\u00dfen Konzernen und inhabergef\u00fchrten L\u00e4den unterschieden, andererseits werde nicht bedacht, wie vielen Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenslagen die Gastronomie Arbeit biete. Arbeit wohlgemerkt, die fair bezahlt geh\u00f6rt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Und ein weiterer Punkt \u00e4rgert Tesic: Die Mehrwertsteuersenkung, die jetzt f\u00fcr vor Ort verzehrte Gerichte kommt, gilt unter anderem f\u00fcr Lieferdienste l\u00e4ngst \u201eund da meckert kein Mensch\u201c. Grunds\u00e4tzlich, sagt der Caf\u00e9betreiber, sei die Entscheidung durch den Bundesrat \u201ekein gro\u00dfer Wurf, sondern eher ein Tropfen auf den hei\u00dfen Stein \u2013 allerdings ein dringend ben\u00f6tigter\u201c.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">\u00c4hnlich sieht das Stefan Grosse vom Restaurant \u201eBlauer Bock\u201c in der Innenstadt: Auch er werde die Preise im kommenden Jahr nicht anpassen, etwaige Einsparungen w\u00fcrden seit Jahren schon durch steigende Personal- oder Energiekosten mehr oder weniger \u201eaufgefressen\u201c.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Und auch Susanne Allmang vom \u201eSteinheil\u201c will ihre Preise nicht anpassen: Sie habe, so die Wirtin vom Restaurant in der Maxvorstadt, seit zwei Jahren keine Preiserh\u00f6hungen vorgenommen, \u201edurch die Mehrwertsteuersenkung wird das auch im Jahr 2026 nicht notwendig sein\u201c. Generell, so Allmang, halte sie die neue Regelung aber f\u00fcr fair und hoffe, \u201edass sie der Gastronomie hilft, vielf\u00e4ltig zu bleiben\u201c.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/c0cf8029-a869-49a6-8b77-d55a09f64ded.jpg\"   alt=\"Die Schnitzel im von Susanne Allmang betriebenen \u201eSteinheil\u201c sollen zumindest nicht teurer werden.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Die Schnitzel im von Susanne Allmang betriebenen \u201eSteinheil\u201c sollen zumindest nicht teurer werden. (Foto: Robert Haas)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Das passt zu dem, was Thomas Geppert schon im Vorfeld der Entscheidung gesagt hatte: Der Landesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Dehoga, dem\u00a0Hotel- und Gastst\u00e4ttenverband, hatte betont, die Mehrwertsteuersenkung diene der \u201eExistenzsicherung\u201c gastronomischer Betriebe \u2013 und damit ja schlussendlich auch der kulinarischen Vielfalt in einer Stadt wie <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/M%C3%BCnchen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">M\u00fcnchen<\/a>.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Was Geppert ebenfalls betont hatte, und auch das passt zu dem, was Tesic, Grosse und Allmang sagen: Laut einer Umfrage aus dem Herbst planen nur 51,6 Prozent aller befragten Betriebe, ihre Preise zu senken. Deutlich mehr wollen die zw\u00f6lf Prozent, die ihnen nach der Senkung theoretisch mehr an Geld bleiben, nutzen, um zu investieren, um Arbeitspl\u00e4tze zu sichern. 86,3 Prozent der Befragten gaben sogar an, die Neuregelung diene der \u201eStabilisierung ihrer wirtschaftlichen Situation\u201c.<\/p>\n<blockquote class=\"css-6kiohq\"><p>Das hat man uns versprochen \u2013 deshalb muss das jetzt auch kommen<\/p><\/blockquote>\n<p>J\u00fcrgen Wolfsgruber<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">J\u00fcrgen Wolfsgruber h\u00e4lt vieles, was der Dehoga und auch Kolleginnen und Kollegen sagen, f\u00fcr \u201eAugenauswischerei\u201c. Der Restaurantbetreiber sagt: Klar werde die Mehrwertsteuersenkung auch ihm helfen, sie als Heilsbringer zu verkaufen, sei aber falsch. Er will im \u201eSparkling Bistro\u201c, seinem Sternerestaurant, beim Sechs-G\u00e4nge-Men\u00fc von aktuell 190 auf 175 Euro runtergehen, im \u201eTschecherl\u201c und dem \u201eObers\u201c seien derzeit dagegen keine Preissenkungen geplant. Daf\u00fcr soll man dort f\u00fcr den gleichen Preis in Zukunft wieder etwas mehr bekommen; statt aktuell 80 Gramm dann vielleicht 100 Gramm Fleisch. Zudem habe man die Geh\u00e4lter angepasst.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Was Wolfsgruber seiner Branche grunds\u00e4tzlich r\u00e4t: Weniger jammern, hier und da eigene Rezepturen \u00fcberdenken und ja, wie w\u00e4r\u2019s denn damit, mal wieder in Qualit\u00e4t investieren? Vor allem den Wirtsh\u00e4usern, die brauereigebunden sind, wirft der Koch und Gastronom vor, zunehmend Fertigprodukte zu servieren\u00a0\u2013 und daf\u00fcr dann trotzdem gesalzene Preise zu verlangen.\u00a0Das wiederum, glaubt Wolfsgruber, w\u00fcrden die G\u00e4ste merken: \u201eDas Qualit\u00e4tsbewusstsein ist gestiegen.\u201c Die Leute w\u00fcrden nach wie vor gerne essen gehen, dann aber eben dort, wo sie auch was bekommen f\u00fcr ihr Geld. \u00dcberhaupt: In Gastronomie stecke doch das Wort Gast, sagt Wolfsgruber. Warum drehe sich dann alles nur noch um Zahlen?<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Wolfsgruber sieht mit Blick auf die schwierige Lage vieler Wirtinnen und Wirte also zumindest eine Teilschuld bei der Branche selbst und deshalb ist es f\u00fcr ihn mit der Mehrwertsteuersenkung allein nicht getan. Auch er sagt aber: \u201eDas hat man uns versprochen\u00a0\u2013 deshalb muss das jetzt auch kommen.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Wenn man noch fragt, was dar\u00fcber hinaus auf dem Wunschzettel von Wirtinnen wie Allmang steht, dann sagt die: geringere Energiepreise, weniger B\u00fcrokratie. Anpassungen des Arbeitszeitgesetzes w\u00e4ren zum Beispiel sch\u00f6n. Das w\u00fcnscht sich so \u00fcbrigens auch der Dehoga, der fordert seit Jahren eine Umstellung auf eine Wochenarbeitszeit. Gleichzeitig verbucht dessen Landesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Geppert die gerade beschlossene Mehrwertsteuersenkung als einen der \u201egr\u00f6\u00dften Erfolge\u201c und ja, schon auch als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Und im Saletta? Haben sich seit Freitag etwa 30 Leute gemeldet, die einen verg\u00fcnstigten Gutschein kaufen wollen. Als Last-Minute-Weihnachtsgeschenk vermutlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Gerade erst am vergangenen Freitag hat der Bundesrat die Mehrwertsteuersenkung auf Speisen in der Gastronomie auf sieben Prozent&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":664520,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1827],"tags":[772,8506,29,8504,8507,30,22513,1268,22526,59845,149],"class_list":{"0":"post-664519","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenchen","8":"tag-bayern","9":"tag-cafes-in-muenchen","10":"tag-deutschland","11":"tag-essen-und-trinken-in-muenchen","12":"tag-gastronews","13":"tag-germany","14":"tag-mehrwertsteuer","15":"tag-muenchen","16":"tag-restaurants-in-muenchen","17":"tag-steuern-und-abgaben","18":"tag-sueddeutsche-zeitung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115763581508570846","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/664519","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=664519"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/664519\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/664520"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=664519"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=664519"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=664519"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}