{"id":665127,"date":"2025-12-22T20:19:17","date_gmt":"2025-12-22T20:19:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/665127\/"},"modified":"2025-12-22T20:19:17","modified_gmt":"2025-12-22T20:19:17","slug":"kunst-krimi-welche-wege-nahm-klimts-afrikanischer-prinz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/665127\/","title":{"rendered":"Kunst-Krimi: Welche Wege nahm Klimts afrikanischer Prinz?"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Wien, 1896. W\u00e4hrend in den Prunkbauten der Ringstra\u00dfe noch die Fresken trocknen, entstehen nahe dem Prater strohgedeckte H\u00fctten. Unter dem Titel \u201eDer K\u00f6nig von Aschanti und sein Dorf\u201c pr\u00e4sentiert ein privater Tiergarten siebzig Menschen aus Westafrika als Attraktion einer V\u00f6lkerschau. Ein Gruppenfoto zeigt Familien in traditionellen Gew\u00e4ndern, die einen Sommer lang wie exotische Tiere begafft werden. Unter ihnen ist ein junger Mann, als \u201ePrinz\u201c tituliert, dessen Portr\u00e4t von <a data-rtr-index=\"3\" title=\"Gustav Klimt\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/thema\/gustav-klimt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gustav Klimt<\/a> mehr als hundert Jahre sp\u00e4ter eine kunsthistorische Sensation ausl\u00f6st (F.A.Z. vom 19. Juli und 15. M\u00e4rz).<\/p>\n<p>Wer war der Prinz von der Goldk\u00fcste?<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Wo befand sich Klimts \u201eBildnis eines Afrikaners\u201c, das zuletzt 1928 in der Secession ausgestellt wurde? Und wer war der Prinz von der Goldk\u00fcste, den der Maler so sensibel dargestellt hat? Die Suche nach seiner Identit\u00e4t z\u00e4hlt zu den packendsten Passagen der TV-Dokumentation \u201eKunst Krimi Klimt\u201c, einer Koproduktion von <a data-rtr-index=\"22\" title=\"ORF\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/thema\/orf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ORF<\/a> und ZDF in Zusammenarbeit mit Arte. Hauptperson ist der Kunsthistoriker Alfred Weidinger, der vor zwanzig Jahren die F\u00e4hrte des verschollenen Gem\u00e4ldes aufnahm. Noch als Kurator des Museums Belvedere, wo auch Klimts ber\u00fchmter \u201eKuss\u201c h\u00e4ngt, stie\u00df er auf eine erste Notiz zum Bild; sp\u00e4ter f\u00f6rderte der Experte in einem Auktionskatalog eine Werkabbildung zutage.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Neben Klimt z\u00e4hlt Afrika zu Weidingers Passionen. Der Linzer Museumsmanager und Fotograf bereist den Kontinent regelm\u00e4\u00dfig, unter anderem f\u00fcr seine Portr\u00e4tserie \u201eDie letzten K\u00f6nige Afrikas\u201c. 2017 entstand dazu eine dreiteilige Fernsehdokumentation der Wiener Produktionsfirma Interspot Film. Vor zwei Jahren rief Weidinger aufgeregt den Interspot-Gr\u00fcnder Rudolf Klingohr an. \u201eIch solle schnell mit meinem Kamerateam in die Akademie der bildenden K\u00fcnste kommen, es gebe eine \u00dcberraschung\u201c, erinnert sich Klingohr. Dank seiner raschen Reaktion konnten im Labor der Restauratoren die ersten Aufnahmen des wiederentdeckten Bildes entstehen.<\/p>\n<p>In der Kunsthandlung erschien ein Paar aus Ungarn<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Der gemeinsam mit Judith Doppler gestaltete Dokumentarfilm stellt jene Szene nach, die den Fall ins Rollen brachte: Im Fr\u00fchjahr 2023 erschien in der Kunsthandlung Wienerroither &amp; Kohlbacher ein ungarisches Paar und zeigte den Galeristen ein Foto des Gem\u00e4ldes. Die Leinwand war stark verschmutzt, es fehlte die Signatur, und der Nachlass-Stempel erwies sich sp\u00e4ter als gef\u00e4lscht, dennoch stand die Echtheit des Gem\u00e4ldes f\u00fcr Weidinger schnell fest. So seien etwa die Bl\u00fctenornamente im Hintergrund ein typisches Stilmittel des fr\u00fchen Salonmalers Klimt. Am Beginn seiner Karriere stattete der K\u00fcnstler gemeinsam mit seinem Bruder Ernst und Franz Matsch Repr\u00e4sentationsbauten aus. Interessanterweise existiert auch von Matsch ein Portr\u00e4t des Afrikaners, das erst 2021 von einem Luxemburger Museum bei Sotheby\u2019s ersteigert wurde. Vielleicht handelte es sich um einen Auftrag, der die beiden Maler in Konkurrenz setzte, mutma\u00dft Weidinger.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"DSGVO Platzhalter\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/gdpr-layer.webp.webp\" loading=\"lazy\" class=\"absolute w-full\"\/> Externe Inhalte aktivieren <\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">F\u00fcr kolportierte f\u00fcnfzehn Millionen Euro wollten Wienerroither &amp; Kohlbacher den Klimt 2024 auf der Maastrichter Kunstmesse TEFAF anbieten. Aber das Bild musste im Lager bleiben, denn die an dem Verkauf beteiligten Erben der j\u00fcdischen Vorbesitzerin Ernestine Klein konnten sich nicht einigen. Die Weinh\u00e4ndlerfamilie Klein wohnte seit 1923 in einer neobarocken Villa auf dem Gel\u00e4nde von Klimts letztem Atelier.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">In Tonaufnahmen erinnert sich eine Tochter der Familie an das Afrikaner-Bild im elterlichen Schlafzimmer. Ausschnitte aus Amateurfilmen zeigen jene Profiteure, die 1939 in die \u201eKlimt-Villa\u201c einzogen. Laut Provenienzforschung befand sich das Portr\u00e4t damals bereits in Budapest. Ernestine Klein hatte es einem Diplomaten anvertraut, der es nach dem Krieg nicht mehr herausgab. Mitte der Sechzigerjahre verliert sich die Spur des Bildes; erst 2022 entdeckte es ein junger Kunsthistoriker in Privatbesitz wieder. Seit vergangenem Herbst besch\u00e4ftigt sich die ungarische Staatsanwaltschaft mit der Causa: Der Klimt sei ungarisches Kulturgut und habe das Land nur durch eine erschwindelte Ausfuhrgenehmigung verlassen k\u00f6nnen. Mittlerweile wurde das Bild in Wien beschlagnahmt und der Verk\u00e4ufer angezeigt.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Der \u201eKunst Krimi Klimt\u201c umschifft aktuelle Fragen und konzentriert sich lieber auf historische Antworten. Nachdem Weidinger bereits in Archivmaterial zu den V\u00f6lkerschauen einen Namen zum Portr\u00e4t fand, erforschte er in Ghana dessen wahre Herkunft. Prinz William Nii Nortey Dowuona war kein Aschanti, sondern z\u00e4hlte zum Stamm der Osu oder Ga. Einer seiner adeligen Nachfahren spricht mit Weidinger dar\u00fcber, dass seine Vorfahren den Europ\u00e4ern ihre Kultur zeigen wollten. Im Norden h\u00e4tten sie aber vor allem Rassismus erlebt. Zumindest gelang es Klimts w\u00fcrdevollem Portr\u00e4t, den ghanaischen Prinzen von der Strohh\u00fctte in den Kunsttempel zu heben.<\/p>\n<p>Der <strong>Kunst Krimi Klimt<\/strong> l\u00e4uft am 22. Dezember um 22.30 Uhr bei ORF2.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wien, 1896. 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