{"id":665915,"date":"2025-12-23T04:29:18","date_gmt":"2025-12-23T04:29:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/665915\/"},"modified":"2025-12-23T04:29:18","modified_gmt":"2025-12-23T04:29:18","slug":"deutschland-trinkt-weniger-doch-ist-das-ein-kulturwandel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/665915\/","title":{"rendered":"Deutschland trinkt weniger \u2013 doch ist das ein Kulturwandel?"},"content":{"rendered":"<p class=\"fp-paragraph\"><strong>Berlin<\/strong> &#8211; Jeder Tropfen ist einer zu viel \u2013 so l\u00e4sst sich die j\u00fcngere Forschung rund um den Konsum von Alkohol zusammenfassen. Eine gro\u00dfe Studie im \u201eJournal of Studies on Alcohol and Drugs\u201c stellte im vergangenen Jahr klar: Alkohol ist auch dann nicht gesundheitsf\u00f6rdernd, wenn er in Ma\u00dfen genossen wird. Im \u201eBritish Medical Journal\u201c warnten Wissenschaftlicher in diesem Herbst: Jeder Tropfen erh\u00f6he wahrscheinlich das Risiko f\u00fcr Demenz. Und auch die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Ern\u00e4hrung betont in einer aktualisierten Empfehlung: Risikofrei lebt nur, wer komplett auf Alkohol verzichtet.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Und tats\u00e4chlich: In einer gro\u00dfen Gesundheitsumfrage des Robert Koch-Instituts gab gut jeder F\u00fcnfte (21 Prozent) der Erwachsenen an, keinen Alkohol zu trinken. Im vergangenen Jahr wurde mit 579 Millionen Litern fast doppelt so viel alkoholfreies Bier produziert wie noch zehn Jahre zuvor. Der Marktanteil betr\u00e4gt nach Angaben des Deutschen Brauer-Bunds inzwischen neun Prozent. In Berlin und anderen Metropolen kann man fancy Null-Promille-Cocktails in \u00e4sthetisch ansprechenden Bars schl\u00fcrfen und auch in der offiziellen Statistik des Jahrbuchs Sucht ist mittlerweile erkennbar: Im Vergleich zu den 90er Jahren wird heute weniger getrunken.\u00a0<\/p>\n<p>\u201eFollow the Science\u201c?<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">H\u00f6ren wir als Gesellschaft beim Alkohol also tats\u00e4chlich auf das, was die Wissenschaft empfiehlt? Verzichten wir zugunsten der Gesundheit auf Rausch und Exzess? Vielleicht teilweise. Doch die Gr\u00fcnde sind vielschichtig \u2013 und das Bild auch etwas komplexer.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">\u201eDer Pro-Kopf-Konsum geht zur\u00fcck und das schon seit einiger Zeit\u201c, h\u00e4lt Suchtforscherin Carolin Kilian vom Zentrum f\u00fcr Interdisziplin\u00e4re Suchtforschung (ZIS) am Universit\u00e4tsklinikum Hamburg-Eppendorf\u00a0im Gespr\u00e4ch mit der Deutschen Presse-Agentur fest. \u201eEr liegt allerdings immer noch auf einem sehr, sehr hohen Niveau. Auch im europ\u00e4ischen Vergleich ist das ein sehr kleiner R\u00fcckgang.\u201c<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Zahlen der Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) belegen: Pro Kopf wird in der deutschen Bev\u00f6lkerung ab 15 Jahren noch immer 10,6 Liter reiner Alkohol pro Kopf getrunken \u2013 das liegt deutlich \u00fcber dem Durchschnitt der OECD-L\u00e4nder (8,5 Liter).<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Zudem sieht der seichte R\u00fcckgang in Deutschland nicht in allen Gruppen gleich aus: \u201eVor allem M\u00e4nner trinken weniger als fr\u00fcher \u2013 Frauen nicht unbedingt\u201c, so Kilian. Bei ihnen habe das Rauschtrinken sogar eher zugenommen. Rollenbilder h\u00e4tten sich gewandelt. \u201eEs ist nicht mehr ganz so fest verankert, dass M\u00e4nner sehr viel trinken. Und es ist nicht mehr so stigmatisiert, dass Frauen \u00fcberhaupt trinken.\u201c Zudem gebe es immer mehr geschlechtsspezifische Werbung, in der Frauen mit Alkohol ihre Erfolge oder Freundschaften feiern.<\/p>\n<p>Deutlicher R\u00fcckgang bei J\u00fcngeren<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Bei den 12- bis 25-J\u00e4hrigen ist zwar das Ausma\u00df des Rauschtrinkens nach Angaben der Bundeszentrale f\u00fcr gesundheitliche Aufkl\u00e4rung im Jahr 2023 wieder auf das Niveau von vor der Corona-Pandemie gestiegen. Doch insgesamt ist der Alkoholkonsum in dieser Altersgruppe deutlich geringer als noch vor 20 Jahren. Rund 7 Prozent der M\u00e4dchen und gut 12 Prozent der Jungen im Alter von 12 bis 17 Jahren gaben in der Befragung an, mindestens einmal w\u00f6chentlich Alkohol zu trinken. Im Vergleich zu 2004 haben sich diese Werte mehr als halbiert.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">\u201eEs ist nicht mehr so cool, Alkohol zu trinken, wie noch vor einigen Jahren\u201c, meint Suchtforscherin Kilian. Es gebe sowohl einen Trend zu einem h\u00f6heren Gesundheitsbewusstsein als auch eine wachsende Gruppe der vollst\u00e4ndig Abstinenten. Mutma\u00dflich spielten auch Social Media eine Rolle. \u201eDas Internet vergisst nicht. Auch nicht den letzten\u00a0Alkoholexzess.\u201c<\/p>\n<p>Wann ist ein Wandel ein Kulturwandel?<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Leitet der ver\u00e4nderte Konsum einen anderen gesellschaftlichen Umgang ein mit der Volksdroge Nummer Eins? \u201eIch glaube schon, dass das, was wir bei jungen Menschen sehen, ein Kulturwandel ist, aber dieser Kulturwandel ist \u00e4u\u00dferst\u00a0instabil\u201c, meint Kilian. Das sei eben das Problem, wenn ein Wandel nur durch Kultur beeinflusst werde und nicht durch einen gesetzlichen Rahmen. Bei Tabak sehe man etwa, dass der Konsum wieder ansteige. \u201eDas ist sehr volatil und braucht einen gr\u00f6\u00dferen strukturellen Wandel.\u201c<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Peter Raiser von der Deutschen Hauptstelle f\u00fcr Suchtfragen sieht einen Kulturwandel als Schl\u00fcssel: Wenn sich die \u00dcberzeugung breit mache, dass ein st\u00e4rkeres Gesundheitsbewusstsein Teil unserer Kultur sein soll, ebne dies auch den Weg f\u00fcr politische Ma\u00dfnahmen. \u201eBislang scheitert das daran, dass wir eine alkoholfreundliche und -f\u00f6rderliche Kultur haben.\u201c<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Dass die Politik mehr tun muss, steht f\u00fcr Raiser fest. Es brauche sowohl Aufkl\u00e4rung als auch strukturelle Pr\u00e4vention, also Ma\u00dfnahmen, um die Verf\u00fcgbarkeit oder die Werbung einzuschr\u00e4nken oder den Preis etwa durch Steuern hochzuschrauben. \u201eDa ist in Deutschland ganz viel Luft nach oben.\u201c<\/p>\n<p>Deutschland nicht auf Kurs<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Kilian erg\u00e4nzt: Andere L\u00e4nder, etwa im Baltikum, seien viel weiter. Litauen habe systematisch Empfehlungen der WHO umgesetzt und eine Alkoholsteuer eingef\u00fchrt, die Verf\u00fcgbarkeit von Alkohol und\u00a0die Werbung daf\u00fcr eingeschr\u00e4nkt und damit deutliche Erfolge erzielt.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Deutschland hingegen droht seine Ziele zu verfehlen: Im Jahr 2013 verpflichtete man sich als WHO-Mitgliedsstaat, den Alkoholkonsum in der Bundesrepublik um zehn Prozent zu verringern. Die Autoren des Jahrbuchs Sucht halten fest: Da der Gesamtalkoholkonsum pro Kopf zwischen 2013 und 2023 nur um acht Prozent zur\u00fcckgegangen sei, k\u00f6nne man nicht davon ausgehen, dass das Ziel erreicht werde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin &#8211; Jeder Tropfen ist einer zu viel \u2013 so l\u00e4sst sich die j\u00fcngere Forschung rund um den&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":665916,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[331,3924,332,3922,6789,3364,29,433,30,13,14,3923,15,3921,12,437,193],"class_list":{"0":"post-665915","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-deutschland","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-nachrichten-aus-deutschland","10":"tag-aktuelle-news","11":"tag-aktuelle-news-aus-deutschland","12":"tag-alkohol","13":"tag-de","14":"tag-deutschland","15":"tag-drogen","16":"tag-germany","17":"tag-headlines","18":"tag-nachrichten","19":"tag-nachrichten-aus-deutschland","20":"tag-news","21":"tag-news-aus-deutschland","22":"tag-schlagzeilen","23":"tag-sucht","24":"tag-wissenschaft"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115767002038781722","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/665915","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=665915"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/665915\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/665916"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=665915"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=665915"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=665915"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}