{"id":667515,"date":"2025-12-23T20:47:19","date_gmt":"2025-12-23T20:47:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/667515\/"},"modified":"2025-12-23T20:47:19","modified_gmt":"2025-12-23T20:47:19","slug":"turmblaeser-in-stuttgart-morgens-um-8-45-uhr-auf-dem-turm-der-stiftskirche-konzert-in-61-metern-hoehe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/667515\/","title":{"rendered":"Turmbl\u00e4ser in Stuttgart: Morgens um 8.45 Uhr auf dem Turm der Stiftskirche \u2013 Konzert in 61 Metern H\u00f6he"},"content":{"rendered":"<p>Es ist die vielleicht \u00e4lteste Tradition Stuttgarts: Seit \u00fcber 400 Jahren spielen Turmbl\u00e4ser unter der Woche auf dem Westturm der Stuttgarter Stiftskirche. Wir sind mit hochgestiegen.<\/p>\n<p>Die Stadt wirkt friedlich an diesem Morgen. Die Buden des Weihnachtsmarkts sind noch geschlossen, die K\u00f6nigstra\u00dfe ist relativ leer. Keine Massen, nur einzelne Fu\u00dfg\u00e4nger auf dem Weg zur Arbeit. Dar\u00fcber die Sonne, deren Strahlen sich durch den Nebel und \u00fcber den Kesselrand schieben und die Konturen der Stadt goldgelb erscheinen lassen. Einzig die Ger\u00e4usche der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.video-wirtschaft-im-benko-loch-rollen-die-bagger-.7b2226c3-8198-41d2-9366-0ccb13266db6.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Baustelle an der Ecke Schul- und K\u00f6nigstra\u00dfe<\/a> st\u00f6ren das Bild. Doch auch sie sollen bald \u00fcbert\u00f6nt werden.<\/p>\n<p>Dass <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stuttgart<\/a> aus der Vogelperspektive am \u00e4sthetischsten ist, ist kein Geheimnis. Wohl dem, der die Gelegenheit hat, die Stadt bei Sonnenaufgang vom 61 Meter hohen Westturm der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Stiftskirche\" title=\"Stiftskirche\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stiftskirche<\/a> zu \u00fcberblicken. Vier Musiker tun dies zwei Mal in der Woche. Die Stuttgarter Turmbl\u00e4ser spielen seit \u00fcber 400 Jahren fr\u00fch morgens auf dem Rundgang des Stiftskirchturms. Vielleicht eine der sch\u00f6nsten Traditionen Stuttgarts.<\/p>\n<p>232 Treppenstufen f\u00fchren auf den Westturm   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/media.media.193b0546-0a47-438c-a6e4-f15654a2a3a4.original1024.media.jpeg\"\/>     Die Stadt erwacht zum Klang der Turmbl\u00e4ser.    Foto: Lichtgut\/Leif Piechowski    <\/p>\n<p>Kurz nach acht Uhr beginnt der Aufstieg. Siegfried Steiger, Jhonnier Buitrago, Mikhail Kashevskii und Frederic Rabold steigen Stufe f\u00fcr Stufe nach oben. 232 Treppenstufen f\u00fchren \u00fcber eine steile Wendeltreppe aus Stein und eine noch steilere Holztreppe. Unterwegs passieren sie die Glocken. Durch ein Fenster l\u00e4sst sich die Gr\u00f6\u00dfe der Turmuhr erkennen. \u201eMorgensport\u201c, nennt es Jazzmusiker Frederic Rabold. Er ist 81 Jahre alt und geht diesen Weg seit 45 Jahren.<\/p>\n<p>Oben in der Turmstube \u00f6ffnet sich durch eines der Fenster der Blick auf die noch verschlafene Stadt. Doch bevor es nach drau\u00dfen geht, spielen sich die Musiker ein. Siegfried Steiger, seit den 90er-Jahren Turmbl\u00e4ser, verteilt die Noten. Gespielt werden dem Kirchenkalender angepasste Lieder, meist Chor\u00e4le, in der Weihnachtszeit Adventslieder. An diesem Morgen steht \u201eWie soll ich dich empfangen\u201c auf dem Programm, ein Adventslied von Paul Gerhardt aus dem 17.\u2009Jahrhundert.<\/p>\n<p>\u201eWir m\u00fcssen nicht nur notenfest, sondern auch h\u00f6hentauglich sein.\u201c <\/p>\n<p>Sodann die Glocke 8.45 Uhr schl\u00e4gt, \u00f6ffnen die Musiker die T\u00fcre der Turmstube und treten auf die Au\u00dfengalerie. Ein schmaler Rundgang ist das, der Stein etwas nass vom Nebel der Morgenstunden. \u201eWir m\u00fcssen nicht nur notenfest, sondern auch h\u00f6hentauglich sein\u201c, sagt Steiger und blickt auf die wenigen Zentimeter Stein, die sie vom Abgrund trennen. Dann beginnt das Spiel. Zwei Verse erklingen, die <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Musik\" title=\"Musik\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Musik<\/a> der Trompeten und Posaunen erklingt \u00fcber den D\u00e4chern Stuttgarts.<\/p>\n<p>Der Ausblick, der Sonnenaufgang, die <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.adventszeit-in-stuttgart-weihnachtsmaerkte-in-stuttgart-suesse-geheimtipps-und-beliebte-publikumsmagnete.d6e3d5b2-b2c2-4e96-9fd5-7d53ccbf4eb9.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Buden des Weihnachtsmarkts<\/a> und dazu die Blasmusik. Das ist fast kitschig. Als die Musiker ihre Instrumente absetzen, winken sie. Und ganz da unten winken sie zur\u00fcck. Menschen, die zur Arbeit gehen oder ihren ersten Kaffee auf der Dachterrasse trinken. Man meint, sie l\u00e4cheln zu sehen, auch wenn sich das aus 61 Metern H\u00f6he nat\u00fcrlich nicht genau sagen l\u00e4sst. Insgesamt drei Mal wiederholen die M\u00e4nner ihr Spiel, an drei verschiedenen Stellen der Galerie.<\/p>\n<p>Ein Symbol f\u00fcr Kontinuit\u00e4t und Verl\u00e4sslichkeit in Zeiten von Hektik <\/p>\n<p>Im Mittelalter hielten Turmbl\u00e4ser, auch T\u00fcrmer genannt, Ausschau nach Gefahren wie feindlichen Angreifern und Feuer. Gespielt wurde auf Zinken und Posaunen ohne Z\u00fcge. Heute ist das anders, gespielt wird immer dienstags und donnerstags um 8.45 Uhr, auch bei Regen, nur in den Sommerferien wird pausiert. \u201eF\u00fcr mich ist es eine Ehre, diese alte Tradition fortzuf\u00fchren\u201c, sagt Mikhail Kashevskii. Der Posaunist kommt aus Russland und studiert an der Stuttgarter Musikhochschule. Wie die anderen kam er auf Empfehlung zu den Turmbl\u00e4sern. Neben der Musik und der Aussicht sei vor allem der Austausch mit den anderen Bl\u00e4sern wertvoll, erg\u00e4nzt Jhonnier Buitrago. In der aktuellen Besetzung treffen vier Nationalit\u00e4ten aufeinander: Kashevskii aus Russland, Buitrago aus Kolumbien, Rabold aus Frankreich und Steiger aus Deutschland. Die Bezahlung sei nicht der Rede wert, eher eine kleine Aufwandsentsch\u00e4digung f\u00fcr Spritkosten oder Zugtickets.<\/p>\n<p>Immer wieder ist die Zukunft der Turmbl\u00e4ser ungewiss, die Finanzierung teils problematisch. Stand heute sei die Arbeit bis Ende des Jahrzehnts gesichert und werde aus st\u00e4dtischen Zusch\u00fcssen und Spenden getragen, <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.stuttgart-im-zweiten-weltkrieg-die-faszination-der-kirchenglocken.fd0ed78b-f4ba-4db1-89bc-f7cd16cf11a8.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">teilt der Pfarrer der Stiftskirche, Matthias Vosseler<\/a> mit. \u201eF\u00fcr mich w\u00e4re es sch\u00f6n, wenn diese vielleicht \u00e4lteste Tradition der Stadt, die nach wie vor regelm\u00e4\u00dfig durchgef\u00fchrt wird, auch \u00fcber dieses Jahrzehnt hinaus Bestand h\u00e4tte\u201c, sagt Vosseler. \u201eDie Turmbl\u00e4ser sind in einer oft hektischen und von vielen Wechseln gepr\u00e4gten Innenstadt ein Punkt der Kontinuit\u00e4t und der Verl\u00e4sslichkeit.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es ist die vielleicht \u00e4lteste Tradition Stuttgarts: Seit \u00fcber 400 Jahren spielen Turmbl\u00e4ser unter der Woche auf dem&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":667516,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1830],"tags":[4657,95402,1634,3364,29,30,80,810,15038,1441,85897,154436,5329,8497],"class_list":{"0":"post-667515","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-stuttgart","8":"tag-stadtreporter","9":"tag-advent","10":"tag-baden-wuerttemberg","11":"tag-de","12":"tag-deutschland","13":"tag-germany","14":"tag-kultur","15":"tag-musik","16":"tag-stiftskirche","17":"tag-stuttgart","18":"tag-textmanager","19":"tag-turmblaeser","20":"tag-video","21":"tag-weihnachtsmarkt"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115770848473848599","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/667515","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=667515"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/667515\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/667516"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=667515"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=667515"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=667515"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}